Colony

ColonyWill Bowman ist auf dem Weg von Los Angeles nach Santa Monica, als er an einer Grenzkontrolle in eine Bombenexplosion verwickelt wird. Die Grenze existiert, weil beide Städte bei der Invasion durch Außerirdische vor knapp einem Jahr mit Mauern abgeschottet wurden. Und im Zuge jener Invasion ist Wills Sohn Bram von seiner Familie getrennt worden. Seitdem hat sich der ehemalige FBI-Agent Will mit Arbeit in einer Autowerkstatt über Wasser gehalten. Bis jetzt, denn jetzt will er in Santa Monica seinen Sohn suchen – natürlich ein illegales Unterfangen. Die Explosion geht auf das Konto der Resistance, einer Gruppe Untergrundkämpfer, die sich gegen die Besatzung wehrt. Will überlebt, aber wird von den besatzungstreuen Sicherheitsbeamten festgenommen. Bald lernt er den Verwalter von Los Angeles, Alan Snyder, kennen. Snyder macht Will ein Angebot: Wenn er Snyder bei der Suche nach der Resistance unterstützt, dann hilft er ihm bei der Suche nach seinem Sohn. Außerdem öffnet Snyder wieder die Bar von Wills Frau und versorgt sie mit Barinventur, dass es seit dem Beginn der Besatzung nicht mehr gab.
Natürlich nimmt Will den Job an, auch wenn er eigentlich gar nicht so sehr von der Besatzung überzeugt ist. Was Will allerdings nicht weiß: Seine Frau Katie ist noch weniger überzeugt und aktives Mitglied des Widerstands. In Will hat sie jetzt einen direkt Draht zum inneren Geschehen der Besatzungs-Kollaborateure.

Bei »Colony« machen direkt zwei »Lost«-Alumni mit: Die Hauptrolle wird mit stetigem Zweiflerblick gespielt von SawJosh Holloway; die Serie ist ausgedacht und produziert von »Lost«-Showrunner Carlton Cuse.

Neben dem offensichtlichen Gesicht von Ersterem, merkt man die Handschrift von Letzterem deutlich: Die Informationen darüber, was es mit der Besatzung auf sich hat, wer überhaupt hinter allem steckt, was deren Motive sind, wie es außerhalb Los Angeles aussieht, wie man mit den Außerirdischen kommuniziert, was die nächtlichen Leuchtsäulen sind, wie die Invasion aussah, und sowieso!; jedenfalls: Die Informationen werden nur stückchenweise in kleinen Dosen dem Zuschauer gegeben. In bester »Lost«-Manier führt die Enthüllung einer offnen Frage automatisch zu mindestens zwei spannungsgefüllten neuen Fragen. Es gilt die Maxime der drei M: Mystery, Mystery, Mystery. Die Geschichte balanciert haarscharf auf der Spannung-durch-Unwissenheit-Schneide, eben in bester Mittelserien-»Lost«-Manier. Noch gefällt mir das, denn die episodischen Kondensationen des Guerilla-Kriegs, erzählt mit deren Stellvertreterakteure Will und Katie (übrigens »The Walking Dead«s Sarah Wayne Callies), sind spannend genug.

Hoffen wir, dass es so bleibt. Denn die Prämisse ist toll und eine interessante Mischung aus Soft-Sci-Fi-haftem »Was wäre wenn?« mit Fokussierung auf unsere Protagonisten. Deren Schauspieler, also Holloway und Callies, machen ihre Sache solide, scheinen aber einen internen »Wer schaut bedrückter drein«-Contest auf der Mattscheibe auszutragen. Aber vielleicht ist das ja so, wenn wir von den außerirdischen Stirnrunzlern besucht werden. Governor Synder, gespielt von »House«s Peter Jacobson, hat erst in den späteren Folgen etwas mehr Bildschirmzeit. Vermutlich wollten die Autoren den Zuschauern nicht direkt zu Beginn der Show einen allzu offensichtlichen Vergleich geben, was gutes (Jacobson) und was joa-ganz-gut-es (Holloway, Callies) schauspielern ist…

Wie dem auch sei: »Colony« gefällt mir gut. Ein Character-centric Invasions-Science-Fiction mit Augenmerk auf Spionage-Untergrund-Krieg und darauf, welche Mittel man Zweck einsetzen möchte. Dabei eine Parabel mit Anleihen aller Hand voll Unterdrückungen in unserer (jüngeren) Menschheitsgeschichte.
Mir gefällt’s!

→ »Colony« in der US-Wikipedia
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→ Metacritic-Score: 69, Tomatometer: 78 %
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The Expanse

The ExpanseDas Sonnensystem im 23. Jahrhundert. Die Menschheit bewohnt nicht mehr nur die Erde, sondern auch Mond und Mars und den Asteroidengürtel jenseits des Marsorbits. Insbesondere Ceres, das größte Objekt des Gürtels, ist Basis für eine ganze Gruppe von Völkern.
Detective Joe Miller arbeitet auf Ceres und bekommt, als Alternative zum tristen Alltag voller Verhaftungen von Aufständischen, eine neue Aufgabe: Er soll die vermisste Julie Mao finden und zurück zu ihren reichen Eltern bringen. Mao wohnt auf Ceres, aber wurde schon länger nicht mehr gesehen. An andere Stelle im Sonnensystem übernimmt Jim Holden gerade das Kapitänsruder des Eisfrachters »Canterbury«, als sie ein Notsignal des kleinen Schiffs »Scopuli« erreicht. Eigentlich sind sie mit ihrer Eislieferung jetzt schon spät dran, aber das Reglement gebietet, einem in Not geratenen Schiff zu helfen. Holden fliegt mit einer kleinen Crew zur »Scopuli«, die aber verlassen zu sein scheint. Gerade, als sie zurück zur »Canterbury« unterwegs sind, taucht ein getarntes Raumschiff auf und zerstört den Frachter. Ein dritter Geschichtsstrang findet auf der Erde statt, die unter UN-Regierung ist. Hier geht UN-Sekretärin Chrisjen Avasarala einer Verbindung der Gürtel-Organisation OPA mit gestohlener Tarntechnologie auf den Grund, um einen Krieg zwischen Mars und Erde und Gürtel zu verhindern… Die Beziehungen sind angespannt.

»The Expanse« ist eine Verfilmung der gleichnamigen Buchserie des Autorenteams James S. A. Corey. Und es ist harter1, realitätsnaher Science Fiction, mit komplizierten und vielschichtigen Geschichten. Mit anderen Worten: »The Expanse« ist großartig und all das, was man als Science-Fiction-Fan in den letzten Jahren im TV vermisst hat.

In Reviews wird die Serie häufig mit »Firefly« oder »Bablyon 5« verglichen. Das stimmt vielleicht, aber wird »The Expanse« nicht gerecht. Die Show hat ihren eigenen Stil, kümmert sich um echte Probleme des interplanetaren Reisens in der nahen Zukunft2 UND hat eine komplexe Verschwörungsstory im Hintergrund. Hard Sci-Fi, gepaart mit Space Opera. Hach!

Der Cast ist so riesig wie die Geschichtsstränge am Anfang verwirrend. Es gibt mindestens drei Schauplätze, die mit Schauspielern bevölkert sind. Ich finde die Crew des Canterbury-Shuttles am interessantesten, hier hat SyFy ein tolles Ensemble mit spannender Chemie gefunden. Den Ceres-Polizisten spielt Thomas Jane (»Hung«), dessen Charakter irgendwo zwischen zwielichtig und gesetzestreu angesiedelt ist. Hat zwar eine seltsame Frisur, gefällt mir aber trotzdem.
Abseits der Hauptgeschichte (Was passierte mit Mao und der »Scopuli«) lungern noch ein Haufen spannender Seitengeschichtsstränge herum, die allesamt genug Stoff für die nächsten zwanzig Staffeln bieten. Hier merkt man die Größe und die Realität des Universums3, das sich die Autoren ausgedacht haben. Keine noch so kleine Facette der Geschichte kommt von mystischer oder außerirdischer Herkunft, sondern alles ist erklär- und fassbar. Ich mag das.

»The Expanse« zeichnet ein realistisches Bild einer nicht allzu fernen Zukunft, hat eine spannende, detaillierte Geschichte, deren Kern eine AU-überquerende Verschwörung zu sein scheint, und hat tolle Schauspieler. Es füllt das Hard-Sci-Fi-liebende Herz.

→ The Expanse in der Wikipedia (US)
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→ Tomatometer: 73 %, Metacritic-Score: 65
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  1. Ok, sagen wir mittelhart… 

  2. Beispiele? Asteroidenabbau; Beschleunigungskräfte; Wasserknappheit; Schwerelosigkeitstricks. 

  3. Pun intended. 

Limitless

LimitlessBrian Finch ist 28 Jahre alt. Aber hat irgendwie verpasst, Erwachsen zu werden. Sein großer Durchbruch sollte seine Band werden. Aber mittlerweile spielt er alleine in leeren Clubs. Wenn er abends mit Eltern und Geschwistern am Esstisch sitzt, wird ihm klar, dass er nichts vorzuzeigen hat. Sein Leben ist mittelmäßig. Bestenfalls. Sein aktueller Aushilfsjob bringt ihn zu einer Finanzfirma, bei der er zufällig einen alten Bekannten trifft. Der hilft ihm mit einer kleinen Pille: NZT. Eine Droge, die Brian 100 % seines Gehirns ausnutzen lässt. Und High-auf-NZT-Brian ist ein ziemlich cleverer Fuchs. Er bringt seinen Aushilfsjob in Windeseile zu Ende und gräbt sich in die mysteriöse Krankheit seines Vaters ein. Schnell wird der NZT-Drogenboss schlechthin, Senator Morra, auf ihn aufmerksam. Nur mit dessen Hilfe kann Brian die Nebenwirkungen von NZT unterdrücken und weiter großartig auf NZT sein. Brian muss allerdings stillschweigen bewahren. Schwierig, da er, nach kurzem Mordverdachtsintermezzo, vom FBI zum NZT-Versuchskaninchen auserkoren wird und in Zukunft mit seiner Partnerin Rebecca Harris komplizierte Mordfälle löst.

NZT? 100 % Gehirnfähigkeit? Kommt bekannt vor? Korrekt: Limitless ist die Serie zum gleichnamigen Film aus dem Jahr 20111. 2011 spielte Bradley Cooper die Hauptrolle, jetzt tut es Jake McDorman, den man aus »Greek«, »Shameless (US)« oder »Manhattan Love Story« kennen könnte. Bradley Cooper spielt seinen Charakter aus dem Film in Gastrollen; die Serie erzählt die Geschichte des Films weiter – aus der Sicht des NZT-Patrick-Jane Brian Finch. Und das klappt erstaunlich gut. Ich hatte damit gerechnet, dass die Film-Adaption ein langweiliger Abklatsch ist; eben so, wie es allzu häufig der Fall ist. Aber »Limitless«, also die Serie, funktioniert ganz hervorragend. Und das nicht zuletzt dank des Hauptdarstellers. Jake McDorman macht sein Ding nämlich ganz vorzüglich und porträtiert den verspielten Finch, als habe er nie etwas anderes gemacht.2 Jennifer Carpenter sieht auch gut aus in einer Rolle, bei der das Vokabular nicht ausschließlich aus »Fuck« und Consorten besteht.

Warum ich aber über »Limitless« schreibe, obwohl die Serie schon über die Hälfte der bestellten Episoden ausgestrahlten hat? Weil, nach kurzer Selbstfindungsphase in den ersten Folgen, die Form der Show so furchtbar toll ist. Die Serie ist, mehr oder weniger, aus der Ich-Perspektive des Hauptcharakters erzählt. Und weil der, wie eingangs erwähnt, einen verspielten Geist hat, sind auch die Episoden von »Limitless« mit tollen Gimmicks gespickt. Beispiel? In einer Folge ist in Finchs Hirn ein Kinder-Fernseh-Charakter zu Gast; also darf Finch keine bösen Worte aussprechen. Dementsprechend dreht sich die Folge um einen Serienumarmer, von dem sämtliche Charaktere bierernst sprechen (Ich-Perspektive!). Toll!

»Limitless« ist ein Krimi der etwas anderen Art, füllt bei mir zum Teil die The-Mentalist-Lücke und hat dank verspieltem Team hinter der Kamera immer etwas besonders zu bieten.
Schaut das!

→ »Limitless« in der Wikipedia (US)
Trailer
→ Tomatometer: 59 %, Metacritic-Score: 57
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  1. Der übrigens eine Buchadaption war. 

  2. Lustiger weise ist McDroman’s Finch eine Art Kreuzung aus »Greeks« Cappie und Evan. 

You, Me & The Apocalypse

You, Me, and the Apocalypse
Das Hubble-Teleskop hat eine folgenschwere Entdeckung gemacht: Ein Meteorit ist auf Kollisionskurs mit der Erde und wird alles Leben in 34 Tagen auslöschen. Zeit für Panik! „You, Me & The Apocalypse“ folgt einer Gruppe verstreuter Individuen in den USA, Großbritannien und dem Vatikan: vom trauernden Bankangestellten Jamie (Mathew Baynton) auf der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau über die des Landesverrats angeklagte Rhonda (Jenna Fischer) bis zu dem für Heiligsprechungen verantwortlichen Vatikan-Priester Father Jude (Rob Lowe). Als das erwartbare prä-apokalyptische Chaos ausbricht, folgt der Zuschauer ihren Wegen, erlebt ihre Bucketlist und haarsträubende Abenteuer.

„You, Me & The Apocalypse“ ist ein kleines Juwel der aktuellen TV-Saison. Die Dramedy nimmt ein zutiefst erschütterndes Thema und gewinnt ihm viel Humor ab – vor allem dank herrlicher Charaktere: Cyberterrorist/-aktivist Ariel ist ein Bad Ass mit Keimphobie, Megan Mullally glänzt als liebevoller Nazi mit Südstaaten-Akzent, Nick Offerman mimt einen Crossdresser und Rob Lowes Father Jude flucht und raucht, während er im Auftrag des Papstes durch die Lande fliegt.

Die Serie erzählt potentiell zwei Stränge: Der eine zeigt, was das Ensemble in den 34 Tagen vor der Apokalypse macht, und der andere spielt wenige Sekunden vorm Weltuntergang in einem Bunker unter der englischen Kleinstadt Slough. Wie es von dort aus weitergeht, erfahren selbst die Stars der Serie nur peu à peu, schreibt der „Guardian“.

Meine Neugierde ist geweckt, I am hooked.

→ „You, Me & The Apocalypse“ in der Wikipedia
→ Tomatometer:

The Grinder

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Als das Finale seiner erfolgreichen Serie „The Grinder“ ausgestrahlt wird, hat TV-Star Dean Sanderson (Rob Lowe) keine Ahnung, was er als nächstes machen soll. Zu Gast bei seinem kleinen Bruder Stewart (Fred Savage) und dessen Familie, kann er seine Rolle nicht ganz ablegen: Die Menschen lieben seine Serie, können – wie ja manchmal so üblich – nicht zwischen Schauspieler und Figur unterscheiden und so fällt es auch Dean selbst nicht leicht, sich von seinem Charakter zu verabschieden. Muss er vielleicht auch gar nicht, denn schon in der Pilotepisode macht er sich auf, einen Fall für seinen Bruder zu gewinnen. Der ist nämlich tatsächlich Anwalt und findet eigentlich das Getue des Möchtegern-Anwalts ziemlich nervig…

Ich hatte nicht erwartet, die neue Comedy-Serie „The Grinder“ zu mögen. Rob Lowe gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsschauspielern, muss man dazu sagen. Und der Trailer sah mir irgendwie einen Tick zu an den Haaren herbeigezogen aus. Doch tatsächlich hat mich die Pilotepisode sehr amüsiert, an der ein oder anderen Stelle habe ich mich sogar kringelig gelacht. Der Humor von „The Grinder“ ist irgendwas zwischen in your face, angenehm subtil und ein bisschen Slapstick, aber die gute Variante. Ich bleibe dabei!

Update: Nach drei Folgen allerdings langweilt das immer gleiche Schema von „The Grinder“ bereits: Die Familie sitzt auf dem Sofa und guckt die Serie in der Serie. Rob Lowe gibt dem Sohn des Bruders merkwürdige Lebenslektionen basierend auf seinem Charakter. Papa findet das doof. Schnitt. Die Kanzlei hat einen Fall, zu dem „The Grinder“ glaubt, etwas beitragen zu können. Sein Bruder verdreht die Augen und versucht ihm zu  erklären, warum er unter keinen Umständen Recht hat. Am Ende hat er doch irgendwie Recht. Und Ende.

Fox hat gerade erst eine komplette Staffel von „The Grinder“ bestellt. Nachvollziehen kann ich’s nicht. Aber gucken muss ich’s ja auch nicht. The jury rests.

→ „The Grinder“ in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 93 %, Metacritic-Score: 71
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Quantico

quantico
Eine neue Klasse an der FBI-Ausbildungsschmiede Quantico tritt an. Während in der Gegenwart das Aussieben der Besten begonnen hat und für mindestens einen Kadetten ein jähes Ende nimmt, sehen wir im Flashforward die tragische Zukunft einiger der Charaktere: Agentin in spe Alex Parrish (Priyanka Chopra) wacht inmitten eines zerbombten Gebäudes auf. Der Terroranschlag auf den Grand Central Terminal in Manhatten, New York, wird jemandem aus ihrer Klasse angelastet. Eine verwobene Geschichte aus Blicken in die Zukunft und den ersten Wochen an der Akademie nimmt ihren Lauf, mit Intrigen, Geheimnissen, falschen Identitäten und scheinbar jede Menge Stoff für eine erste Staffel.

Von den neuen TV-Dramen diesen Herbst, die ich bisher gesehen habe1, ist „Quantico“ noch am ehesten auf der Weitergucken-Liste. Ich mag damit total daneben liegen, denn gerade unter den Procedurals mit überspannendem Geheimnis à la „Flash Forward“ hat es in den letzten Jahren so einige Flops gegeben. Die fast soapigen und Hochglanz-Darsteller Elemente könnten dem NBC-Drama zugute kommen – oder es killen, wer weiß das schon.

Während ich sonst gelangweilt bin von Crime Procedurals, finde ich die Aussicht auf einen Hauch „24“ in meinem Serienleben gerade ganz spannend. Dem großen Vorbild wird „Quantico“ zwar nicht gerecht, aber ein solches Format, das den Spannungsbogen auch wirklich aufrecht erhalten kann statt nur gelegentlich dem Mystery nachzugehen, fehlt mir.

Eines hat mir richtig missfallen: Josh Hopkins, den Grayson aus „Cougar Town“, kann ich in seiner Rolle als Quantico-Ausbilder und Undercover-Anti-Terror-Agent nicht ganz ernst nehmen. Zumindest im Piloten erinnerte mich seine Darstellung irgendwie sehr an die Schauspielversuche seines „Cougar Town“-Alter-Egos.

Trotzdem: „Quantico“ kommt auf die Liste. Die Geschwindigkeit gefällt mir, die Erzählweise – auf ein Ereignis der Zukunft hin erzählend – auch, ich mag einige der Darsteller (darunter Johanna Braddy aus „Unreal“ oder Morena-Baccarin-Look-alike Priyanka Chopra). Bin gespannt!

→ „Quantico“ in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 83 %, Metacritic-Score: 70
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  1. Außerdem: „Minority Report“, „Limitless“, „Blindspot“ 

The Muppets

The MuppetsKermit der Frosch ist ausführender Produzent der Late-Night-Show »Up Late with Miss Piggy«. Neben dem Tanzen nach Frau Piggys Nase kümmert er sich um den Writer’s Room (oder eher Writer’s Table) und organisiert die Gäste der Show. Akuter Problemfall: Miss Piggy möchte den Gast des Abends, Elizabeth Banks, nicht in ihrer Sendung haben. Kermit ist unschlüssig, was er tun soll, und warum Miss Piggy überhaupt so schlecht auf Miss Banks zu sprechen ist. Ist das wieder eine ihrer Allüren? Nebenbei werden wir Zeuge davon, wie schwer es ist als Fozzie-Bär eine Menschenfrau zu daten.

Die Muppets sind zurück im Fernsehen! Und sie sind ein Stück erwachsener geworden. »The Muppets« begleitet den bekannten Puppencast im Dokumentarstil (»The Office« lässt grüßen, also Mockumentary-Stil wohl eher) wie sie ihre Show-in-Show-Late-Night-Show produzieren.

Die Show hat ein paar clevere Witze (z.B. wenn die Mockumentary-typischen Direktinterviews eingeschnitten werden), aber die Taktrate ist nicht hoch genug, um »The Muppets« zur Comedy zu machen. Es ist eher ein leichtes Drama mit Puppen die aus irgendeinem Grund wie Menschen sind.

Bei mir ist der Funke noch nicht übergesprungen. Die Pilotfolge wirkte pointless und verloren. Die Auflösung für Miss Piggys Banks-Antipathie kommt plötzlich und wird überhaupt nicht weiter betrachtet; Fozzies Liebegeschichte wird zu kosten eines kleinen Witzes geopfert. Und dazwischen passiert irgendwie nichts so richtig.

Ich weiß nicht. Ich möchte »The Muppets« mögen, freue mich, die Puppen wieder regelmäßig zu sehen und finde auch den Mockumentary-Stil ganz gut, aber bisher lässt mich alles Gesehene nur mit einem egal-Gefühl zurück. Die Puppenspieler müssen mich noch überzeugen…

→ »The Muppets« in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 63 %, Metacritic-Score: 62
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Blindspot

BlindspotMitten auf dem Times Square in New York liegt verlassen eine Reisetasche. Als sich das Bombenentschärfungskommando vorsichtig der Tasche nähert, beginnt sie sich zu öffnen und eine Frau steigt heraus. Die ist ziemlich nackt – bis auf Tattoos, die sich über ihren gesamten Körper erstrecken. Ein Name sticht heraus: Kurt Weller. Der ist FBI-Agent und kümmert sich dann jetzt um die tätowierte Jane Doe. Frau Doe hat diesen Namen, weil sie sich an nichts mehr erinnern kann, auch nicht an ihren eigenen Namen. Ein zufällig ausgewähltes Tattoo hinter dem linken Ohr führt Weller, Doe und andere Redshirt-FBI-Agenten auf die Fährte von Cho. Der findet es doof, dass die amerikanische Regierung sich nicht für seine Eltern in China eingesetzt hat und will deswegen eine Bombe hochjagen. Während Weller und Jane Cho durch New York verfolgen, stellt sich heraus, dass Jane fließend chinesisch spricht, gut im Nahkampf mit Fäusten und gut im Fernkampf mit Waffen ist. Letzteres triggert dann auch ihre erste Erinnerung an die Vergangenheit, in der sie noch ein Gedächtnis hatte…

Willkommen, Herbst 2015!

»Blindspot« ist eine der High-Profile-Serien dieser TV-Saison. Das lässt uns der Pilot auch mit aufwändigen, gut inszenierten Bildern spüren, die manchmal Kinoniveau erreichen. Thor’s Jaimie Alexander mimt eine gute Identitätslose, Sullivan Stapleton spielt nach seiner Rolle bei »Strike Back« den nächsten Special Agent. Das kann er. Die restlichen Cast-Mitglieder bleiben äußerst kantenlos und spielen kaum eine Rolle. In anderen Serien wären sie schon gestorben… Hoffen wir, dass es an der Ausbreitung der Prämisse der Show in der Pilotfolge und nicht an der 0815-igkeit der Charaktere liegt.
Soweit, so gutbismittelmäßig.

Aber Tattoos? Wirklich? It’s »Prison Break« all over again! Wisst ihr noch? Damals™, als Michael Scofield sämtliche Gefängnisbaupläne und ein komplettes Schlaues Buch auf seinen Körper tätowiert hatte und damit seinen Bruder aus dem Gefängnis befreite? Ja? Und wisst ihr auch noch, wie es weiter ging? Nein, nicht mehr so richtig? Eben! Die Show war dann rum. Die Luft raus. Das hat keinen mehr interessiert.
»Blindspot« übernimmt den Tattoo-Trick von »Prison Break«, aber packt immerhin ein gutes Stück Mystery oben drauf. Vielleicht kann das die Show ja auch langfristig tragen, aber ich bin skeptisch. Über die Vollkörpertätowierung hinaus suggeriert der Pilot, dass »Blindspot« zu großen Teilen eine Fall-der-Woche-Show ist. Weil wir davon ja so wenige haben.

Hoffentlich verrennt sich die Show nicht in ihrem Mystery sondern benutzt es, um die Fälle der Woche originär darzustellen und dann stückchenweise das große Geheimnis zu lüften. Die Idee hat Potenzial und den Hauptdarstellern traue ich das zu. Aber die Procedural-Seite der Macht ist stark.

→ »Blindspot« in der Wikipedia
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→ Tomatometer: 66 %, Metacritic-Score: 65
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Deutschland 83

Deutschland 83Martin Rauch ist DDR-Soldat im Jahr 1983. Er schlägt sich mit Kleinkriminellen rum, aber liebt Job und Vaterland. Zufälliger weise hat er genau die Eigenschaften, die die Stasi für einen Spion in Westdeutschland braucht. Und wenig später wird er von seiner Tante unfreiwillig in die Eifel geschickt. Als Adjutant eines hochrangigen Generals, der gerade mit einem amerikanischen Kollegen in Verhandlung über Raketenstützpunkte ist. Dank kurzem Crash-Kurs kann er seine Spionage-Aufgaben solide erfüllen, aber so recht zufrieden mit seiner Abordnung in den Westen ist er nicht…

Premiere bei Newshows! Eine deutsche Serie! »Deutschland 83« ist zwar deutsch, wir aber zuerst in den USA auf SundanceTV ausgestrahlt. Und, untypisch für deutsche Serien, sie ist gut!1 Und das, obwohl sie von RTL kommt…

Die Serie porträtiert Deutschland als Kondensationspunkt des Ost-West-Konflikt, personalisiert durch den ungewollten Stasi-Spion Martin Rauch. Die Proto-Geschichte haben wir zwar schon häufig in Filmform gesehen, aber dank der Fokussierung auf einen Hauptcharakter und eingebettet in Filmaufnahmen, die großen US-TV-Produktionen in Nichts nachstehen, ist »Deutschland 83« tatsächlich ein sehenswerter Beitrag zur Geschichtsunterhaltung.2 Und nebenbei sehen wir noch ganz viel klassische Spionage-Technik, »The Americans« lässt grüßen.

Wenn ich nicht wüsste, dass die Serie aus deutscher Feder entspringt, ich würde sie ohne weiteres Nachdenken einer US-Produktionsfirma zuordnen. Alles fühlt sich toll inszeniert und durchdacht, polished, an. Einzig die Dialoge wirken manchmal zu hölzern, emotionslos und abgehackt. Aber auch das trägt in gewisser weise der eisernen Kühle des Konflikts bei.

Wenn ihr die Gelegenheit habt, schaut »Deutschland 83« an – spätestens wenn die Serie im Herbst auf RTL läuft. Ein spannender Thriller um die deutsche Vergangenheit mit hohem Production Value.

→ »Deutschland 83« in der Wikipedia (EN, DE) und bei TVRage
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→ Tomatometer: 100 %, Metacritic-Score: 79
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  1. Ich mag das ein oder andere Vorurteil deutscher Serien gegenüber haben… 

  2. Unterhaltung mit Geschichte. Nicht von Geschichte. 

Killjoys

KilljoysDutch und John sind interplanetare Kopfgeldjäger – Killjoys. Immer regierungsneutral dienen sie der Company beim Beschaffen flüchtiger Gesetzesbrecher. Den aktuellen Fall versucht John, eigentlich nur Dutchs untergeordneter Partner, auf eigene Faust zu lösen. Es ist ein Befehl zur Tötung eines Kriminellen – seines Bruders D’avin. John ist allerdings nicht der einzige, der nach D’avin sucht. Und so braucht er doch noch die Hilfe von Dutch um seinen Bruder vor der Company zu bewahren.

Neben »Dark Matter« ist »Killjoys« direkt das zweite Weltraumabenteuer in Serienform, das momentan über die (Sparten-)Kanäle flattert. Die Serie nimmt uns mit auf unterschiedliche Kopfgeldjäger-Trips durch die Galaxie. Die Geschichte ist bunt gemalt und verbaut unterhaltsam einige interessante Sci-Fi-Elemente. Auch die Darsteller machen ihr Ding gut, obwohl es noch etwas braucht, eh ich Aaron Ashmore nicht mehr als Smallvilles Jimmy Olsen sehen werde.

Mehr als andere Weltraumserien leidet »Killjoys« manchmal an billigen CGI-Effekten. Die Serie zeichnet viele Bilder unterschiedlicher Kulturen, Regionen und Planeten – und scheut auch nicht vor Außenaufnahmen ihres Raumschiffs. Aber all das erfordert eben Computergrafik, die leider nicht immer vollständig glattpoliert ist. Vermutlich reicht das Budget einer solchen Serie einfach nicht.

Aber Science Fiction hat ja immer viel mit Vorstellungsvermögen zu tun, daher ist das CGI zwar schade, aber kein Show Stopper. Denn »Killjoys« hat facettenreiche Handlungen in den Fällen der Woche, aber auch folgenübergreifende Mysterien, die mich auf die nächste Folge warten lassen.
Die Serie ist ein leichtkostiges Weltraumabenteuer — und eine gute Alternative für den, dem »Dark Matter« zu düster ist. Weltveränderndes Emmy-Fernsehen machen beide allerdings nicht. Aber muss ja auch nicht, ne?

→ »Killjoys« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 79 % , Metacritic-Score: 59
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CyberChimps