American Horror Story (2)

Horror und ich, das ist so eine Sache. Wahrscheinlich seit damals während „The Ring“ plötzlich das Telefon klingelte, habe ich dem Horrorgenre abgeschworen. Zu sensibel, könnte man sagen. Ich war auch nie der Typ für Nachtwanderungen. Der Höhepunkt meiner Grusel-Erfahrung sind dann auch schon die „Scream“-Filme und so manche „Buffy“-Folge, wobei letzteres bitte nicht zu unterschätzen sei.

Warum ich mir „American Horror Story“ trotz meiner Phobie angeschaut habe? Deswegen:
Connie Britton
Connie Britton hat mich über Jahre hinweg in „Friday Night Lights“ überaus beeindruckt, und ich war gespannt, zu sehen, ob sie auch ohne Kyle Chandler, den Rest des großartigen Casts der Football-Serie und vor allem ohne den Akzentfunktioniert. Und wie sie das tut! Britton bewies äußerst gutes Gespür bei der Wahl ihrer ersten Rolle nach „FNL“: von der liebenden und liebenswerten Working Mum und Super-Ehefrau zu einer verletztlichen, verängstigten Figur, die schon in der ersten Episode so sexuell sein durfte wie Tami Taylor in fünf Staffeln nicht. Obwohl Britton ihre alte Rolle liebte und sie in einem abschließenden „FNL“-Film noch einmal spielen würde, verliert sie keine Zeit, sich von dem Charakter zu distanzieren und ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Wie „American Horror Story“ ansonsten zwischen WTF und OMG changiert, hat Andi schon aufgeschrieben – und dem habe ich auch nur noch eines hinzuzufügen: So vielversprechend es erst einmal für eine Serie ist, von Falchuk und Murphy verantwortet zu werden, das von Andi heranzitierte „Nip/Tuck“ ist zugleich der Beweis, dass dem Duo nach einer Weile der Sinn für das richtige Maß zu entgleiten scheint. Die Serie über Schönheitschirurgen, Sex, Verbrechen und noch mehr Sex wurde gegen Ende so absurd, dass sie zu den wenigen Serien überhaupt gehört, die ich nicht bis zum bitteren Ende verfolgt habe. Für „American Horror Story“ könnte die Steigerung ins immer Groteskere natürlich genau das sein, was nötig ist, um die bizarre Ausgangssituation erfolgreich weiterzuführen.

Connie Britton zuliebe werd ich’s mir trotz enormer Gänsehaut anschauen. Bei Tageslicht und mit offenen Vorhängen. Eingekuschelt unter einer Decke. Mit verriegelten Türen und Fenstern – und ausgestöpseltem Telefon natürlich.

CyberChimps