Apartment 23

Apartment 23„The Bitch from Apartment 23“. Nennen wir die Dinge beim Namen. Nur weil ABC nicht den Mut hatte, den ursprünglichen Titel beizubehalten, müssen wir uns ja hier nicht unnötig züchtig geben.
In der neuen Comedy bricht Kleinstadtmädchen June (Dreama Walker, „The Good Wife“) ihr schön geplantes Leben in New York City zusammen, bevor es überhaupt angefangen hat. Job weg, Traumwohnung weg, Geld weg – denn das hat sich gleich mal die Mitbewohnerin in der Notwohnung erschummelt, die namensgebende „Bitch from Apartment 23“. Krysten Ritter hat als Chloe endlich die Hauptrolle, die sie sich mit ihren zahlreichen komisch-quirligen Rollen von „Gilmore Girls“ bis „Veronica Mars“ verdient hat. Und hier ist sie nicht das good girl, sondern haut auf den Putz: verdient ihr Geld mit Drogen und der überhöhten Miete, die sie ihren Mitbewohnerinnen abknüpft – und jene wechselte die Trickbetrügerin bislang wie die Unterwäsche, denn in Nullkommanix wurden die Neuen aus dem Haus gemobbt. Nur hat sie, ihr könnt’s euch schon denken, die Rechnung ohne June gemacht, die zwar wie ein good girl daherkommt, aber es faustdick hinter den Ohren hat.

Die beiden Hauptfiguren entwickeln in der Pilotfolge eine schöne Dynamik, aber mit Krysten Ritter kann man auch eigentlich jeden paaren, und es wird schon hinhauen. Die eigentliche Comedy in der Comedy kommt aber aus einer unorthodoxen Ecke. Den dritten im Bunde spielt James Van der Beek, bekannt für immer und ewig als Dawson aus „Dawson’s Creek“. Er gibt Chloes besten Freund: James Van der Beek, eine Version seiner selbst – und sorgt für die meisten Lacher, wenn er seine Flannellhemd-Vergangenheit ausschlachtet („Dawson’s Creek“) oder sich von einer nur mit Schlagsahne bekleideten Frau verführen lässt („Varsity Blues“). Paula Coles „I don’t wanna wait“ erklingt, der Titelsong der 90er-Teenie-Soap, und das geneigte Publikum lacht.

Da liegt auch schon die Krux: Für alle, die diese Anspielungen verstehen, hat „Apartment 23“ was quasi Einzigartiges zu bieten. Nicht-Dawson-Kenner allerdings dürften es schwer haben, der Serie etwas abzugewinnen. Zumal in der ersten Episode nicht ganz klar wird, was denn die zukünftige Konstellation und das Ziel sein werden: Wird Chloe weiter versuchen, June rauszuekeln? Wird es um den schlechten Einfluss des bad girls auf June gehen? Wird June die „Bitch“ bekehren? Und welche Rolle spielt James Van der Beek als James Van der Beek? Selbst für Hardcore-Fans dürften sein anhaltendes Sich-selbst-durch-Kakao-Ziehen irgendwann langweilig werden.

Also: für besagte (sicherlich nicht kleine, aber doch sehr begrenzte) Zielgruppe ein sehr guter Auftakt. Wie es weitergeht, wird entscheidend dazu beitragen, ob die Comedy sich halten kann.

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