Grace and Frankie

Grace and FrankieGrace und Frankie mögen sich eigentlich nicht so sehr. Das konnten sie in den letzten vierzig Jahren herausfinden. Sie kennen sich über ihre beiden Ehemänner, die gemeinsam eine Kanzlei für Scheidungen betreiben. Beide treffen sich in einem Restaurant, als sie, wie so häufig, vor ihren Männern ankommen. Sie vermuten, dass Sol und Robert endlich ihre Pensionierung verkünden. Alle sind schließlich schon lange in dem Alter angekommen, in dem man das Feld Jüngeren überlassen könnte. Aber als Sol und Robert auftauchen haben sie etwas ganz anderes zu verkünden: Beide werden ihre Frauen verlassen und sich heiraten. Schon seit einigen Jahren sind sie heimlich ein Paar und wollen ihre Liebe dank der neuen US-Gesetze auch offiziell machen. Für Grace und Frankie beginnt ein neuer Abschnitt ihrer Leben, den sie sich so gar nicht ausgemalt hatten. Und das schlimmste: Sie müssen da gemeinsam durch.

»Grace and Frankie« ist eine wunderbare Comedy, die so bisher keinen Vergleich hat. Jane Fonda und Lily Tomlin spielen die beiden Damen, die auf ihre alten Tage nicht nur Lebensgefährten verloren, sondern auch einen neuen gewonnen haben. Die Prämisse ist gleichzeitig herzerwärmend wie ein kreativer Goldtopf, den alle Involvierten wissen auszunutzen. Grace und Frankie beim Erkunden ihrer neugewonnenen Unabhängigkeit zuzuschauen macht Spaß. Es braucht nicht immer komplizierte Geschichtsgrundgerüste, insbesondere wenn man zwei erfahrende Talente in den Hauptrollen hat.

Die Serie ist eine Komödie darüber, was uns auch bei einem noch so routinierten Leben alles erwarten kann und wie man unangenehme Situationen zu seiner eigenen Freude ausnutzen kann. »Grace and Frankie« ist mutmachend und humorreich. Eine erwachsene Comedy, die gefällt.

→ »Grace and Frankie« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 50 %; Metacritic-Score: 58
Trailer
Lesen Sie weiter

Mr. Robot

Mr. RobotElliot ist Programmierer in einer IT-Sicherheits-Beratungs-Firma. Zumindest bei Tag ist er da der junge Hotshot, für den kein Problem zu kompliziert ist. Nachts führt er eine Art Doppelleben: Er hackt sich durch die Gegend und liefert Kleinkriminelle der Polizei aus. Elliot ist Einzelgänger und tut sich schwer mit Interaktion mit anderen. Außerdem ist er depressiv und glaubt, Menschen zu halluzinieren. Als er Mr. Robot kennenlernt, der Anführer einer Untergrund-Hacker-Gruppe, wird sein kleines Hackerleben auf die nächste Stufe gehoben. Er soll ihm dabei helfen, den CTO des größten Technologiekonzerns der Welt (die Evil Group) für einen Hack verantwortlich zu machen — fälschlicherweise natürlich.

»Mr. Robot« ist großartig. Ich mag Rami Malek und den Hauptcharakter, den er spielt. Eine Art Dexter für Computerkriminelle, der seine AFK-Interaktionen nicht durch Empathie sondern durch Gelerntes zur Schau bringt.
Der Fall der Woche im Auftakt der Serie ist spannend erzählt und macht Spaß auf die nächsten Folgen, in der wir hoffentlich mehr über die Verschwörung erfahren und darüber, dass Mr. Robot gar nicht echt, sondern eine andere Persönlichkeit von Elliot ist. Außerdem ist dieses Anonymous-eske »Wir sind das Volk 2.0«-David-gegen-Goliath-Ding natürlich immer spannend.

Was an »Mr. Robot« fast noch toller als die Serie an sich ist: Wir sind wohl angekommen in einem Zeitalter, in dem sich das US-TV endlich traut, spannende Computer-involvierende Geschichten zu erzählen, die nicht totaler Crap sind. Und in denen Computer und Hacken und Blackhats und insert random slang word here nicht nur Plotvehikel für die Schlechtheit der Gesellschaft sind. »Mr. Robot« zeigt sogar noch mehr: Geschichten mit Computern können klug, ausgetüftelt und mehrdimensional sein. Andere Beispiele: »Silicon Valley« ist lustig, seltsam, aber technisch-akkurates Porträt des Silicon-Valley-Hypes. Kein boiling down der Technikmaterie. Ebenso »Halt and Catch Fire«, das die Beginne des goldenen Personal-Computer-Zeitaltars dramatisch erzählt. Aber auch hier: Die Show schafft es gleichzeitig spannend und technisch korrekt zu sein. »Person of Interest« schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber etwas breitenpublikumgestriegelt. Negativbeispiele seien auch noch erwähnt: »Scorpion« und »CSI: Cyber«, die beim Niveau in den 90ern hängen geblieben sind und eigentlich eine Beleidigung der Zuschauer sind.

Jedenfalls: Der Computerjunkie in mir freut sich, dass mit »Mr. Robot« ein intelligentes, spannendes und unterhaltsames Drama an den Start geht1. Ihr solltet es ebenfalls gucken – auch, falls ihr nicht so Computer-begeistert sein solltet wie ich. Denn auch dann ist »Mr. Robot« ein tolles Stück modernes Fernsehen.

→ »Mr. Robot« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: %, Metacritic-Score: (Bisher ist nur Preview der Piloten veröffentlicht. Die Serie startet erst noch.)
Trailer
Lesen Sie weiter


  1. Habt ihr schon die Episodentitel gesehen? Hihi. 

The Last Man on Earth

The Last Man on EarthPhil Miller ist der letzte Mann auf Erden. Ein Virus hat alle Bewohner des Planeten sterben lassen. Alle, außer Phil. Der sucht quer durch Nordamerika nach weiteren Überlebenden. Aber niemand findet sich. Für den Fall, dass doch noch jemand überlebt, schmiert Phil während seiner Reise den Ort seiner zukünftigen Residenz an Werbetafeln: »Alive in Tucson«. In Tucson bezieht er eine Villa und geht seinem Leben nach. Viel Alkohol, viele Soft-Drinks, ungesunde Dosen-Essen, ein Toiletten-Pool und Flammenwerfer. Unter anderem.

»The Last Man on Earth« startet großartig. Eine Studie zu »What would you do…«. Phil Miller (Will Forte, gleichzeitig auch Serienschöpfer) ist allein auf der Erde und er kann endlich mal all das machen, was die Zwänge der Gesellschaft ihm vorher verboten. Kegeln mit Autos? Mit Flammenwerfer Einkaufswagen voller Papier anzünden? Einzigartige Gemälde in der Eingangshalle aufhängen – gleich über dem Teppich aus dem weißen Haus? Die erste Episode von »The Last Man on Earth« wahrlich ist toll und ein großer Spaß.

Aber dann passiert etwas Furchtbares. Es folgen Spoiler.

Das Furchtbare? Phil Miller ist nicht alleine auf der Erde. Carol kommt nach Tucson und bald noch mehr Leute. »The Last Man on Earth« wird instantan transformiert in »The many ways Phil Miller wants to stick it to someone«1; die Show, die gerade noch lustige Ideen auf einer leeren Erde ausprobiert hat, dreht sich von nun an darum, wie Phil Miller, Arschloch vor dem Herrn, mit der nächsten Frau schlafen kann. Und dabei die übrigen Männer seiner kleinen Gemeinde den Mittelfinger zeigen.

Die Show hat, jenseits der Pilotepisode, cringe-worthy Momente, bei denen sieht selbst The Big Bang Theory alt aus. Das ist wirklich schade.
Die Prämisse war so durchgedreht und so großartig, aber vielleicht auch einfach zu anspruchsvoll für eine gesamte Staffel.
»The Last Man on Earth« ist verlängert worden für eine zweite Staffel. Mal sehen, was dabei raus kommt. Aber… ich weiß ja nicht.

→ »The Last Man on Earth« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 84%, Metacritic-Score: 72

Lesen Sie weiter


  1. Danke @supergarv für den Titel. 

Other Space

Other SpaceStewart Lipinski ist auszubildender Schiffskapitän des Universal Mapping Project, einem Programm zur Erforschung des Weltraums. Das Jahr ist 2105 und Stewart absolviert gerade eine Trainingsmission, als er Hals über Kopf zum richtigen Kapitän ernannt wird. An der Seite seiner Schwester und einem Haufen nichtsnutziger Crew-Mitglieder ist direkt seine erste Mission ein ordentliches Desaster. Durch einen Riss im Universum gelangen sie in einen Parallelbereich voller bösartiger Dinge, die die Crew der UMP Cruiser umbringen wollen. Und ein Weg zurück lässt sich nicht finden.

»Other Space« ist vollbelandener Quatsch-Science-Fiction aus der Hand von Paul Feig (»Freaks and Geeks«, »Bridesmaids«, …). Die acht Folgen der ersten Staffel gingen vor einem Monat bei Yahoo Screen online, aber irgendwie hat’s keiner so recht mitbekommen. Dabei ist die Show großartiger Klamauk.

In der Tradition klassischer Sternenschiff-Sci-Fi-Serien findet fast alles der Serie auf der Brücke und in Gemeinschaftsräumen des Schiffs statt. Dort erlebt die Besatzung der UMP Cruiser dann allerdings eher untraditionelle Begegnungen der dritten Art.
Der Humor reicht von infantil, über derbe, zu bescheuert und übertrieben. So, wie die anderen, bekannteren Paul-Feig-Produktionen der letzten Jahre waren. Wenn euch das gefällt, dann gefällt euch auch »Other Space«. Eine kleine, obskure Science-Fiction-Komödie.

→ »Other Space« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer (geoblocked)
→ Tomatometer: 91%, Metacritic-Score:66
»Other Space« bei Yahoo Screen (geoblocked)

iZombie

iZombieHallo. Mein Name ist Andi und ich schreibe auch auf diesem Blog. Zumindest, wenn ich mich daran erinnere, wie das geht.
Liv Moore hat ein solides Leben. Sie ist Ärztin in einem Krankenhaus, hat tolle Freunde, eine unterstützende Familie und einen hübschen Verlobten. Eines Abends geht sie auf eine Party auf einem Boot, die schnell aus dem Ruder läuft. Nicht Hangover-aus-dem-Ruder, sondern Zombie-aus-dem-Ruder. Liv wacht am nächsten Morgen in einem Leichensack auf und hat den furchtbaren Drang, Gehirn zu essen. Sie ist ein Zombie. Sie krempelt ihr Leben um, trennt sich von Job und Verlobtem und beginnt für das Leichenhaus von Seattle zu arbeiten. Dort entdeckt sie eine Fähigkeit: Wenn sie die Gehirne der Mordopfer, die da so vor ihr auf dem Tisch liegen, isst1, dann kann sie deren letzte Momente vor dem Tod sehen. Liv ist die, vermutlich, erste Zombie-Leichenhaus-Polizeiberaterin der Welt.

»iZombie« ist die freie Adaption des gleichnamigen Vertigo-Comics. »Buuuh! Noch eine Comic-Adaption?!« könntet ihr sagen, »Davon gab’s doch schon genug in den letzten Monaten.« Aber »iZombie« ist anders als Marvel’s The Arrow of SHIELDevil. Die Show ist eher eine Alternative Zombie-Version von »Veronica Mars«, als die X-te Rettung der Menschheit in Superheldenform.

Die Analogie kommt nicht von ungefähr: »iZombie« wird gemacht von »Veronica Mars«-Erfinder Rob Thomas und hat einige Elemente unserer aller Lieblings-Detektivshow von damals™. Eine junge Protagonistin die der Polizei bei Ermittlungen hilft, sich dabei clever anstellt und trotzdem immer mitten ins Geschehen stolpert. Und Voice-Over-Gedanken voller sarkastischem Humor des Hauptcharakters, vermutlich das offensichtlichste Stilmittel von allen. Aber das war’s dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn, anders als »Veronica Mars«, werden keine Themen von heranwachsenden Teens behandelt, sondern von Twenty-Somethings, deren täglichen sozialen Probleme zwar ähnlich intensiv, aber eben etwas erwachsener gelagert sind. Rob Thomas ist gewissermaßen mit Veronica erwachsen geworden. Und anstelle von Marshmallows gibt’s jetzt Gehirn.

Die Serie ist spaßig! Ein bisschen fies, wenn’s wiedermal ans dinieren von Frontallappen & Co. geht, aber durchweg unterhaltsam. Livs Gegenspieler wird erst in der zweiten Episode so richtig erwähnt und bringt dann auch etwas Langfristigkeit in die Story. »iZombie« ist gleichermaßen ein erfrischender Wechsel in dieser TV-Saison, aber auch ein kleiner Blick zurück als vor zehn Jahren das goldene TV-Zeitalter begann.

→ »iZombie« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 91 %, Metacritic-Score: 74
Trailer
Lesen Sie weiter


  1. Mit viel Tabasco, versteht sich. 

Scorpion

ScorpionMit seiner Firma Scorpion berät Walter O’Brien großflächig im Bereich Computer. Er selbst ist ein Genie (IQ: 197) und seine Firmenpartner sind das ebenso. Aber so richtig läuft das Geschäft nicht.
Bis eines Tages FBI-Agent Cabe Gallo vor den O’Briens Toren steht. Er möchte das Team anheuern, für eine brenzlige Situation. Das staatsweite Flugkontrollsystem wurde upgedatet, und jetzt ist sämtliche Kommunikation mit Flugzeugen unmöglich. Nach anfänglichem Zögern ist die Verlockung des ausstehenden Geldes groß genug, dass O’Brien und Team Charlie’s den Auftrag annehmen.
Es folgt ein wildes Herumhacken in Flugsicherheitssystemen, schnelle Fahrten mit Autos, Festplatten mit Magneten und eine Netzwerk-Kabel-Übergaben aus dem Fahrwerk einer fliegenden 747. Easy.

»Scorpion« ist eine based on a true story Serie von Alex Kurtzman und Roberto Orci, über die ich bei »Matador« noch Gutes zu berichten hatte. Das ist hier anders.

Die true story, auf der »Scorpion« basiert, ist das Leben von Walter O’Brien. Den gibt’s wirklich. Der ist, vermutlich, wirklich ein Genie und spricht sich selbst die 197 IQ-Punkte zu. Hat sich mit 13 tatsächlich in die NASA gehackt. Und auch dessen Sicherheitsfirma heißt tatsächlich »Scorpion Computer Services«. Wie viel Geld er CBS wohl bezahlt hat, um diese 45-minütige Werbeshow auszustrahlen?
Nungut, bei all dem Zynismus: Eine gute Grundlage bietet diese »hochintelligente Genies retten die Welt«-Geschichte schon.

Aber, meine Güte, muss es direkt eine Netzwerkverbindung von fliegendem Jumbo zu Ferrari sein!? Um io9 zu paraphrasieren: That’s batshit insane. Die ganze Show ist voller peinlicher, action-polierter Momente, die an der Realitätswahrnehmung der Drehbuchautoren zweifeln lässt. Wie kann das Mathegenie einfach so Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Gelingen der Unternehmung aus dem Ärmel schütten? Das macht keinen Sinn! Tore fahren hoch, weil das Stromnetz mit 500 kW überlastet wurde? WTF!
Ich kann nur hoffen, dass die Showmacher das genau so wenig ernst meinen, wie die Ausführung zu nehmen ist. Das ist sicherlich eine ironische Darstellung des tagtäglichen Chaos, was uns umgibt. Oder eine bewusst spielerische Übertreibung um dem TV-Einheitsbrei aus NCSI-Krams einen spaßigen Gegenpol zu bieten.1 Sicherlich.

Es ist ja nicht so, als dass die Show sonst, also abseits der batshit insane Story toll wäre. Die Charakter bleiben oberflächlich und übersimpel gestrickt und die Schauspieler haben mich auch nicht überzeugt.
Zwischendurch kriegt man einen flüchtigen Blick darauf, dass die Show versucht, uns das Genie-Sein zu erklären. Das diese Leute zwar hochintelligent sind, aber auch ihre ganz eigenen Dämonen haben. Aber selbst das schafft die Serie nicht vernünftig. Es fehlt an Empathiebereitschaft, weil an keiner Stelle eine Verbindung zu irgendeinem Charakter aufgebaut wird.

Ich weiß ja nicht.

Ich schaue mir die nächste Folge an. Wegen zweier Gründe. Eins: So einen high profile case können sie nicht jede Episode wiederholen. Das muss einfach ruhiger, weniger bescheuert werden. Und dann könnte es ein Blick wert sein. Zwei: Katharine McPhee.

→ »Scorpion« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 36 %, Metacritic-Score: 48
Trailer
Lesen Sie weiter


  1. Und spaßig ist »Scorpion« schon. 

Manhattan

ManhattanAls Dr. Charlie Isaacs auf einem eingezäunten Stützpunkt mitten in de Wüste New Mexicos ankommt, zweifeln seine Familie und er daran, ob das wirklich der richtige Schritt in der Karriere das jungen Physikers war. Das Seltsame: Isaacs weiß gar nicht, worauf er sich eingelassen hat. Ein streng geheimes Radarprojekt, vermutet er.
Schnell wird er von seinem neuen Chef, Dr. Reed Akley, mit der Wahrheit konfrontiert: Er soll an der Entwicklung der Atombombe mitwirken. Ein Projekt, das Isaacs bis zu diesem Moment noch für hirngespinstige Zukunftsmusik hielt. Doch die USA setzen große Stücke darauf, dass die Bombe Hitler zurückschlagen und den zweiten Weltkrieg ein für alle Mal beenden kann. Isaacs ist jetzt Teil davon und mitverantwortlich, den Krieg zu beenden.
Er wird Teil von Akleys Arbeitsgruppe und arbeitet in Zukunft mit am Thin-Man-Design. In der geheimen Stadt im Nichts gibt es ein zweites, weniger Prestige-trächtiges Bomben-Design-Projekt. Ausgeführt wird es von einer kruden Gruppe Aussenseiter rund um den eigenartigen Leiter Dr. Frank Winter. Anders als Thin Man, soll ihr Design über die Verdichtung der reaktiven Masse funktionieren. Aber, falls das überhaupt funktionieren sollte (und so richtig glaubt da keiner dran), bedarf es noch einiger, cleverer Forschungsarbeit.

»Manhattan« portraitiert das amerikanische Manhattan-Projekt, bei dem in der ersten Hälfte der 1940er Jahre in einem abgelegenen, rasch aufgezogenem Militär-Forschungs-Städtchen namens Los Alamos die ersten Atombomben entwickelt wurden. Die Show ist keine historisch korrekte Dokumentation der Geschehnisse von damals, bemüht sich aber, der Geschichte treu zu bleiben. Die Tatsachen und Forschungen des Projekts dienen als Basis der Geschichte, die Charaktere sind, teilweise stark, inspiriert von Personen, die real existiert haben. Und zwischendurch gibt’s ein ordentliches Physiker-Name-Dropping.

»Manhattan« handelt von den wahren »Mad Men«. Physiker, die versuchen, mit Gleichungen und Maschinen die Natur zu bändigen. Bis zur Atombombe war Physik nur Teil des Baukastens der Theorie allen Seins. Wichtig, aber ohne große praktische Anwendung. Mit der Idee einer Atombombe konnten Physiker zum ersten Mal aktiv die Zukunft mitgestalten. Sie wurden zu Schlüsselfiguren, zu streng geheimen Superhelden, die mit Kreidestiften die Welt retten konnten. Und hatten viel zu häufig keine Ahnung, was sie da gerade tun. Verrückte Wissenschaftler, par excellence.

Die Show fängt diesen Umstand hervorragend ein. »Manhattan« hat seine Physik gut vorbereitet. Ich hätte nicht gedacht, dass die realen Probleme von damals so spannend erzählt werden könnten. Tatsächlich sind die verschiedenen Bomben-Designs Teil des original Manhattan-Projekts, inklusive der Probleme, die bei ihnen auftreten.
Aber, so sehr mich, als Physiker, die Sichtung von echten Physikern mit dem Technik-Projekt der Neuzeit auch erfreut, und so sehr mich allein die Produktion so einer Show wieder ein Stück Vertrauen in die Menschheit zurückgewinnen lässt (»The Big Bang Theory«, I’m looking at you!) — bei »Manhattan« geht’s eigentlich gar nicht um den Bau der Atombombe. Nungut, zumindest nicht vordergründig.

Bei »Manhattan« geht’s um das Leben in der künstlichen Stadt, mitten im Nichts. Das Leben von Physikern und besonders deren Familien mit konstanter Geheimhaltung, Abgeschottetheit von allem Externen, mit dem allumgebenden Druck, Teil des Kriegsendes zu sein.
Die Show hat einen erstaunlich großen Ensemble-Cast.1 Die Hauptcharaktere Isaacs (Ashley Zukerman) und Winter (John Benjamin Hickey, basierend auf Seth Neddermeyer) sind nur die Spitze des Eisbergs. Ihre Frauen, ihre Kollegen, alle haben ganz eigene Storylines, die alle mal mehr, mal weniger mit der Forschung am Projekt interferieren.

»Manhattan« schafft es, gleichzeitig hinreichend historisch akkurat und trotzdem sehr unterhaltsam und spannend zu sein. Nicht zu letzt tolle Darsteller bringen den wahren Stoff authentisch rüber. Was das damals für ein Projekt gewesen sein muss…
Die Show hält sich, glücklicherweise, zurück, die Entwicklung der Atombombe moralisch zu bewerten. Zwischendurch gibt sie uns mit Hilfe der Zweifel ihrer Charaktere einen flüchtigen Blick auf die verschiedenen Einstellung der Technik gegenüber, bleibt dann aber im Großen der historischen Entwicklung der Sache treu. Es galt schließlich einen Krieg zu beenden.

Mir gefällt »Manhattan« ganz hervorragend. Toller Stoff für ein historisches Drama, der viel zu lange unangetastet in den Schubladen herumlag. Die Kombination aus der Entwicklung der Massenvernichtungswaffe, zusammen mit dem profanen, aber wichtigen Zwischenmenschlichem, das macht die Show für mich einzigartig.

Ein wahrer Glücksgriff für WGNs zweite selbstproduzierte Serie!2

Hier gibt’s ein paar Impression über die historische Akkuratheit der Show.

→ »Manhattan« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 89 %, Metacritic-Score: 78
Trailer
Lesen Sie weiter


  1. Dafür, dass sie die Eigenentwicklung eines kleinen TV-Senders ist. 

  2. Die erste war »Salem« — was auch schon ganz gut, aber eine völlig andere Kategorie war. 

Matador

MatadorTony Bravo ist Undercover-Drogenfahnder in Los Angeles. Bis er von der CIA ein Angebot bekommt: Arbeite für uns und dein Bruder darf aus dem Gefängnis raus.
Tonys Aufgabe: Einen Fußballclub, die L.A. Riots, infiltrieren und dessen Besitzer, Andrés Galan, näher kommen. Der scheint nämlich einen Haufen Dreck am Stecken zu haben, über den die CIA gerne mehr wissen würde.
Natürlich nimmt Tony den Auftrag an, bekommt fix einen Crash-Kurs im Fußballspielen (professioneller Spieler zu werden war schon immer sein Traum) – und findet sich schon bald in der näheren Auswahl neuer Talente für den Club. Auch das Gutfreundwerden mit dem Boss klappt. So gut, dass Tony und seine CIA-Kontakte schon bald feststellen, dass Galan Teil einer großen Verschwörung ist…

»Matador« ist die bescheuertste Serie seit Langem. Die Prämisse: Fußballspieler ist CIA-Undercover-Agent. Im amerikanischen Fernsehen. Das schreit doch nur so WTF!
Aber »Matador« ist großartig! Eine unterhaltsame Show, die eben etwas anders ist, und einen spannenden, einzigartigen Plot verfolgt. Zwischendurch gibt’s Momente voller Klischees und platter Szenen, aber das große Schema, das Gesamtbild stimmt.

»Matador« wird gemacht und produziert von den beiden »Fringe«-Alumni Roberto Orci und Alex Kurtzman. Das merkt man zu aller erst an dem ausgefeilten, mysteriösen, übergeordneten Plot, der von Folge zu Folge ein Stück mehr enthüllt und spannender wird. Ausgestrahlt wird die Show auf Robert Rodriguez neuem Sender El Rey, nach »From Dusk till Dawn: The Series« die zweite eigene Show des Sender. Target Audience ist ganz klar die hispanische Bevölkerungsgruppe Amerikas, das merkt man bei »Matador« an einigen Stellen (Hauptdarsteller / -charakter, dessen Familie, Fußball als Sport – nicht etwa Football). Außerdem männlich; die Show besteht im Tagesgeschäft vermutlich nur selten den Bechdeltest.

Letzteres ist auch Teil des größten Kritikpunkts, den ich an »Matador« habe: Die Show ist stellenweise zu plump. Blöde Dialoge, kurze Kleider, unglückliche Zufälle. Hochpunkt dessen: Die Sex-Szene von Tonys Bruder in der Umkleidekabine. Puh. Zum Glück sind diese peinlichen Ausrutscher an einerHätte ich nur die Pilotepisode gesehen, wäre mein Urteil vermutlich nicht so positiv ausgefallen. »Matador« entwickelt sich.

→ »Matador« in der Wikipedia und auf TVRage
→ Tomatometer: 67 %, Metacritic-Score: 62
Trailer
Lesen Sie weiter

The Strain

The StrainDr. Goodweather hat eigentlich genug zu tun. Seine Frau trennt sich gerade von ihm und will alleiniges Sorgerecht des Sohns. Und sein Job bei der Seuchenkontrolle ist auch turbulent.
Gerade, als er in einer Eheberatungs-Mediation über seine Zuverlässigkeit spricht, kriegt er einen Anruf. Sein Typ wird am JFK-Flughafen in New York verlangt. Flug 753 aus Berlin ist gelandet, und alle 210 Passagiere tot. Ein Virus?
Als Goodweather in Schutzausrüstung die Leichen genauer untersucht, stehen da plötzlich vier lebende Passagiere neben ihm. Seltsam.
Noch seltsamer wird es, als die restlichen Leichen aus dem Leichenschauhaus verschwinden. Ebenso die seltsame, verzierte Holzkiste, die im Laderaum des Flugzeugs war.
Und als ein ehemals toter Berlingereister Goodweather und seine CDC-Kollegen angreift, beginnt er langsam zu vermuten, dass der alte Mann mit Bart und Schlangenstock vielleicht doch recht haben könnte, und soeben der Untergang der Welt begonnen hat.

»The Strain« ist Guillermo del Toros neue Serie. Etwas Horror, gepaart mit Action, Spannung und ein wenig Mystery. So, wie man del Toro kennt – nur eben in ausführlicher Serienform. Ich bin mir fast sicher, er hat sogar Monsterfinger von »Pans Labyrinth« wiederverwendet!
Losts Carlton Cuse führt del Toros Idee der Serie im täglichen Geschäft als Showrunner aus.

Das, was ich da oben in der anfänglichen Inhaltsangabe beschrieben habe, geht tatsächlich etwas über den Plot der Pilotepisode hinaus1. »The Strain« läuft schon ein paar Wochen und ist eigentlich näher am Ende der ersten Staffel als an deren Beginn.2 Und die Show ist momentan einer meiner Favoriten unter den laufenden Serien. Spannend, unterhaltsam, und anders!

Ziemlich schnell wissen wir, dass da irgendwas nicht stimmt. Im Flugzeug, im Flughafen, in New York. Und spannend werden unsere Vermutungen immer ein Stück weiter gebracht. Aber im Gegensatz zu Lost gibt’s Antworten im laufenden Betrieb – und nicht erst am Ende. Ja, es geht um Vampire, nein, nicht die übliche Version mit den spitzen Zähnen (sondern viel fiesere), ja, die Verschwörung geht bis zu den wichtigsten Personen der Stadt.
Wir fühlen mit Dr. Goodweather (toll gespielt von Corey Stoll und seinen Haaren) und wünschen uns, er möge doch endlich mal Professor (!) Setrakian glauben schenken. Wir zittern mit Samwise Jim, nicht noch eine falsche Entscheidung zu machen. Haben Multilevel-Mitleid mit Nora und wünschen uns, so ein Vampir würde Kevin Durand endlich mal den Kautabak aus den Wangen ziehen.

»The Strain« hat eine komplexe, schnelle Story, die noch so einiges in petto hat. Viele Charaktere mit ihren eigenen Geschichten. Spannend und erfrischend anders und unvampirtagebücher-ig. Vampirnazis!
Mir gefällt’s ganz hervorragend.

→ »The Strain« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 87 %, Metacritic-Score: 72
Trailer

Lustige Geschichte zu »The Strain«: Vor ein paar Jahren hatte del Toro probiert, die grobe Idee der Show an einen Sender zu bringen. Hat nicht geklappt. Also hat er Bücher dazu schreiben lassen. Sobald das erste Buch erschienen war, haben sich die Sender darum gerissen, um unbedingt eine Serie dazu machen zu können. Die Buch-Geschichte ist dreiteilig. Es soll vier bis fünf Staffeln geben, wobei das letzte Buch in die letzten zwei bis drei Staffeln umgesetzt wird.
Für mich klingt das toll.

Lesen Sie weiter


  1. Circa bis Episode drei. 

  2. First rule of Newshows: It’s all about the pilot episodes. Second rule of Newshows: Until it’s not. 

The Knick

The KnickNew York. Beginn des zwanzigsten Jahrhundert.
Pferdekutschen rattern über matschige Kopfsteinpflaster, bunte Kopfbedeckungen lenken vom tristen Industrienebel der Stadt ab.
Wir befinden uns im Knickerbocker Hospital, kurz: The Knick, in dem Dr. Christiansen (Leiter der Chirurgie) und Dr. Thackery (sein Vertreter) gerade eine komplizierte Operation an einer Schwangeren durchführen. Umgeben von Hilfsärzten, Krankenschwestern – und einer großen Anzahl Zuschauer in den Rängen, die den Operationsbereich umgeben. Der Eingriff läuft schief und Kind und Mutter sterben beide. Wir befinden uns am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts – sowas passiert zu dieser Zeit noch häufig. Trotzdem begeht Dr. Christiansen Selbstmord nach dem Unglück.
Dr. Thackery ist nun an der Spitze der Chirurgie und darf sich um das Fortführen des exzellenten Rufs des Krankenhauses kümmern. Erste Amtshandlung: Einen neuen Vertreter finden. Die Geldgeber des Hospitals haben da jemanden im Auge. Thackery hat damit allerdings zwei Probleme. Erstens ist es nicht sein langjähriger Kollege, den er im Auge hatte, zweitens ist Gallinger schwarz. Und da kann dessen Ausbildung in Europa noch so hervorragend sein…

»The Knick« ist eine Krankenhausserie der anderen Art – wie ihr der obigen Beschreibung entnehmen könnt. Einhundert Jahre in die Vergangenheit reisen und Prioritäten sind durcheinander gewürfel. Niemand findet im MRT Aneurysmen, weil das Rattengift, was Cameron beim Einbruch im Küchenschrank gefunden hatte, unglücklich mit einem Gendefekt interferiert. Niemand braucht die Einwilligung der verlorenen Amish-Eltern, um den lebensrettenden Eingriff durchführen zu müssen. Niemand hat gehört, dass Burke jetzt mit Dr. Yang schläft. Niemand nimmt ausgestopfte Hunde mit in den Nachtdienst.
»The Knick« geht um unorganisiertes Krankensystem, bei dem die Krankentransporter mit Baseball-Schläger um ihre Kunden buhlen. Um Aufkommen der Elektrizität und Evolution medizinischer Geräte. Um krude, Rückschlag-behaftete Gesundheitsforschung von dem, was wir für selbstverständlich halten. Um Genies, um Querdenker. Um Rassismus, um Gewalt, um Drogen.

Die Show ist Steven Soderberghs Debut einer TV-Serie. Er co-produziert, sitzt im Regiestuhl aller Episoden und ist auch für die Kameraarbeit verantwortlich. Letzteres ist bemerkenswert: Die Kamera ist in keiner einzigen Szene1 statisch. Sie ist immer in der Hand gehalten und wackelt ein bisschen. Das gibt, neben dem körnigen, untersättigtem, blassen Look der Bilder, eine tolle Authentizität der abgebildeten Zeit.
Dr. Thackery, der drogensüchtige2 Chefarzt, wird von Clive Owen gespielt. Das macht er ebenfalls ganz hervorragend und zeitgemäß arschlochig.3

»The Knick« ist das Dr. House der vorletzten Jahrhundertwende. Toll inszeniert, dunkel gespielt. Und spannend.
Anschauen.

→ »The Nick« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 87 %, Metacritic-Score: 75
Trailer
Lesen Sie weiter


  1. Habt ihr eine gefunden? Ich nicht. 

  2. Kein Vicodin, simples Kokain. 

  3. Der Bart! 

CyberChimps