You, Me & The Apocalypse

You, Me, and the Apocalypse
Das Hubble-Teleskop hat eine folgenschwere Entdeckung gemacht: Ein Meteorit ist auf Kollisionskurs mit der Erde und wird alles Leben in 34 Tagen auslöschen. Zeit für Panik! „You, Me & The Apocalypse“ folgt einer Gruppe verstreuter Individuen in den USA, Großbritannien und dem Vatikan: vom trauernden Bankangestellten Jamie (Mathew Baynton) auf der Suche nach seiner verschwundenen Ehefrau über die des Landesverrats angeklagte Rhonda (Jenna Fischer) bis zu dem für Heiligsprechungen verantwortlichen Vatikan-Priester Father Jude (Rob Lowe). Als das erwartbare prä-apokalyptische Chaos ausbricht, folgt der Zuschauer ihren Wegen, erlebt ihre Bucketlist und haarsträubende Abenteuer.

„You, Me & The Apocalypse“ ist ein kleines Juwel der aktuellen TV-Saison. Die Dramedy nimmt ein zutiefst erschütterndes Thema und gewinnt ihm viel Humor ab – vor allem dank herrlicher Charaktere: Cyberterrorist/-aktivist Ariel ist ein Bad Ass mit Keimphobie, Megan Mullally glänzt als liebevoller Nazi mit Südstaaten-Akzent, Nick Offerman mimt einen Crossdresser und Rob Lowes Father Jude flucht und raucht, während er im Auftrag des Papstes durch die Lande fliegt.

Die Serie erzählt potentiell zwei Stränge: Der eine zeigt, was das Ensemble in den 34 Tagen vor der Apokalypse macht, und der andere spielt wenige Sekunden vorm Weltuntergang in einem Bunker unter der englischen Kleinstadt Slough. Wie es von dort aus weitergeht, erfahren selbst die Stars der Serie nur peu à peu, schreibt der „Guardian“.

Meine Neugierde ist geweckt, I am hooked.

→ „You, Me & The Apocalypse“ in der Wikipedia
→ Tomatometer:

The Grinder

thegrinder

Als das Finale seiner erfolgreichen Serie „The Grinder“ ausgestrahlt wird, hat TV-Star Dean Sanderson (Rob Lowe) keine Ahnung, was er als nächstes machen soll. Zu Gast bei seinem kleinen Bruder Stewart (Fred Savage) und dessen Familie, kann er seine Rolle nicht ganz ablegen: Die Menschen lieben seine Serie, können – wie ja manchmal so üblich – nicht zwischen Schauspieler und Figur unterscheiden und so fällt es auch Dean selbst nicht leicht, sich von seinem Charakter zu verabschieden. Muss er vielleicht auch gar nicht, denn schon in der Pilotepisode macht er sich auf, einen Fall für seinen Bruder zu gewinnen. Der ist nämlich tatsächlich Anwalt und findet eigentlich das Getue des Möchtegern-Anwalts ziemlich nervig…

Ich hatte nicht erwartet, die neue Comedy-Serie „The Grinder“ zu mögen. Rob Lowe gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsschauspielern, muss man dazu sagen. Und der Trailer sah mir irgendwie einen Tick zu an den Haaren herbeigezogen aus. Doch tatsächlich hat mich die Pilotepisode sehr amüsiert, an der ein oder anderen Stelle habe ich mich sogar kringelig gelacht. Der Humor von „The Grinder“ ist irgendwas zwischen in your face, angenehm subtil und ein bisschen Slapstick, aber die gute Variante. Ich bleibe dabei!

Update: Nach drei Folgen allerdings langweilt das immer gleiche Schema von „The Grinder“ bereits: Die Familie sitzt auf dem Sofa und guckt die Serie in der Serie. Rob Lowe gibt dem Sohn des Bruders merkwürdige Lebenslektionen basierend auf seinem Charakter. Papa findet das doof. Schnitt. Die Kanzlei hat einen Fall, zu dem „The Grinder“ glaubt, etwas beitragen zu können. Sein Bruder verdreht die Augen und versucht ihm zu  erklären, warum er unter keinen Umständen Recht hat. Am Ende hat er doch irgendwie Recht. Und Ende.

Fox hat gerade erst eine komplette Staffel von „The Grinder“ bestellt. Nachvollziehen kann ich’s nicht. Aber gucken muss ich’s ja auch nicht. The jury rests.

→ „The Grinder“ in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 93 %, Metacritic-Score: 71
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Quantico

quantico
Eine neue Klasse an der FBI-Ausbildungsschmiede Quantico tritt an. Während in der Gegenwart das Aussieben der Besten begonnen hat und für mindestens einen Kadetten ein jähes Ende nimmt, sehen wir im Flashforward die tragische Zukunft einiger der Charaktere: Agentin in spe Alex Parrish (Priyanka Chopra) wacht inmitten eines zerbombten Gebäudes auf. Der Terroranschlag auf den Grand Central Terminal in Manhatten, New York, wird jemandem aus ihrer Klasse angelastet. Eine verwobene Geschichte aus Blicken in die Zukunft und den ersten Wochen an der Akademie nimmt ihren Lauf, mit Intrigen, Geheimnissen, falschen Identitäten und scheinbar jede Menge Stoff für eine erste Staffel.

Von den neuen TV-Dramen diesen Herbst, die ich bisher gesehen habe1, ist „Quantico“ noch am ehesten auf der Weitergucken-Liste. Ich mag damit total daneben liegen, denn gerade unter den Procedurals mit überspannendem Geheimnis à la „Flash Forward“ hat es in den letzten Jahren so einige Flops gegeben. Die fast soapigen und Hochglanz-Darsteller Elemente könnten dem NBC-Drama zugute kommen – oder es killen, wer weiß das schon.

Während ich sonst gelangweilt bin von Crime Procedurals, finde ich die Aussicht auf einen Hauch „24“ in meinem Serienleben gerade ganz spannend. Dem großen Vorbild wird „Quantico“ zwar nicht gerecht, aber ein solches Format, das den Spannungsbogen auch wirklich aufrecht erhalten kann statt nur gelegentlich dem Mystery nachzugehen, fehlt mir.

Eines hat mir richtig missfallen: Josh Hopkins, den Grayson aus „Cougar Town“, kann ich in seiner Rolle als Quantico-Ausbilder und Undercover-Anti-Terror-Agent nicht ganz ernst nehmen. Zumindest im Piloten erinnerte mich seine Darstellung irgendwie sehr an die Schauspielversuche seines „Cougar Town“-Alter-Egos.

Trotzdem: „Quantico“ kommt auf die Liste. Die Geschwindigkeit gefällt mir, die Erzählweise – auf ein Ereignis der Zukunft hin erzählend – auch, ich mag einige der Darsteller (darunter Johanna Braddy aus „Unreal“ oder Morena-Baccarin-Look-alike Priyanka Chopra). Bin gespannt!

→ „Quantico“ in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 83 %, Metacritic-Score: 70
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  1. Außerdem: „Minority Report“, „Limitless“, „Blindspot“ 

Between

Between Netflix
Oh, Netflix, where art thou (in this)?

„Between“ ist eine komische Angelegenheit: eine trashy Serie mit eindimensionalen Schauspielern und Figuren, deren gesamte Prämisse schon darauf angelegt ist, nicht für irgendwen anders als eine ganz, ganz enge CW-artige Zielgruppe interessant zu sein. Die Erwachsenen in dieser Serie sterben nämlich alle innerhalb weniger Tage und hinterlassen eine Bande von Klischee-Teens mit Abercrombie-und-Fitch-Gesichtern.

Worum’s geht: In der Kleinstadt Pretty Lake grassiert irgendein mysteriöser Virus, der plötzlich alle dahin rafft, die älter als 21 sind. Die Regierung verhängt Quarantäne und auf einmal sind die Überlebenden eingesperrt.

Die Serie soll wohl erkunden, was passiert, wenn ein Machtvakuum entsteht. Wie Kinder, Teenager und junge Erwachsene sich schlagen, wenn sie ganz auf sich alleine gestellt sind. Wie eine Gesellschaft funktionieren kann, in der mit dem 22. Geburtstag Schluss ist. Schade nur, dass sie den Figuren keinen Raum zur Entwicklung gibt, überhaupt alle den gleichen Gesichtsausdruck haben. Alle um die Kids herum sterben und man sieht in der sechs Folgen dauernden ersten Staffel nur selten so was wie Trauer. In „Between“ klaffen so viele Logiklücken, als hätte man die Charaktere durch ein Minenfeld gejagt.

Trotzdem habe ich mich durch die erste Staffel gequält. Allein wegen des „Netflix Original“-Labels, das mir die ganze Zeit suggeriert hat, es würde noch besser. Wurde es nicht. Ich kann sogar „Under The Dome“ mehr empfehlen als „Between“. Ihr versteht…

→ „Between“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 27%, Metacritic-Score: 47

Zoo

Zoo auf CBS
Was wäre, wenn die Tiere dieser Welt die Kontrolle über ihr Leben und den Planeten zurückerobern? Die CBS-Sommerserie „Zoo“ zeichnet – basierend auf einer Romanvorlage – ein Bild von eben diesem Szenario: In aller Welt beginnen Tiere, sich abnormal zu verhalten. Katzen versammeln sich, Löwen tun sich zusammen und töten alles, was ihnen in den Weg kommt. Eine aktivistische Reporterin in Los Angeles (Kristen Connolly) und ein Zoologe in Botswana (James Wolk) entdecken unabhängig voneinander, dass etwas Merkwürdiges mit den Tieren um sie herum passiert. Schon der Trailer der Serie kündigt an: Die Tiere kommunizieren miteinander und sind darauf aus, den Menschen zu eliminieren.

Puh. Die Prämisse ist so spannend wie bescheuert. Nach der Pilotepisode rangiert „Zoo“ auch irgendwo zwischen beiden Prädikaten: Auf der einen Seite ist die Idee, dass die Tiere die Kontrolle übernehmen, reizvoll. Und rein filmisch sind die zunächst vielen Begegnungen mit Löwen für mein Auge jedenfalls gut gemacht. Doch die ganze erste Folge über habe ich mich gefragt, ob dieser Stoff nicht besser auf Buchseiten und in der eigenen Imagination aufgehoben ist. Es holpert und stelzt, die Figuren verhalten sich irrational und bleiben charakterlos, man wird nicht mit ihnen warm – und sie sind vielleicht auch ein bisschen zu viel Klischee dafür: die Journalistin, die wegen ihres anonymen Blogs als „The Girl With The Genie Tattoo“ gefeuert wird; der Wissenschaftler, der zu viel trinkt und sich wegen privaten Problemen nach Afrika zurückgezogen hat; die französische Touristin, die Damsel in Distress, und so weiter.

Eigentlich gefällt mir die Besetzung, genau wie die Cinematografie. Aber die nächsten ein, zwei Folgen müssten das Storytelling-Ruder schon arg rumreißen, damit ich mir „Zoo“ weiter anschaue.

→ „Zoo“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 46%, Metacritic-Score: 55

Humans

Humans auf Channel 4

In „Humans“ sind robotische Haushalts- und Lebenshelfer Realität geworden. Überhaupt übernehmen Maschinen inzwischen routinemäßig einen großen Teil niederer Arbeit und sollen den Menschen das Leben leichter machen. So auch das der Familie Hawkins. Nur dass deren „Synth“ (steht für Synthetic) Anita nicht so eine leere Blechbüchse ist, wie ihre neuen Besitzer glauben. Anita gehört zu einer Handvoll Maschinen mit menschlichen Emotionen, die als Anomalie gejagt werden. Auch die Hawkins merken schnell, dass ihre neue Haushaltshilfe sich etwas menschlicher verhält, als sie eigentlich sollte.

Roboter und ihre Gefühle in Serie, das hat auf meiner To Watch Liste zuletzt das Cop-Procedural „Almost Human“ versucht, hat aber die Dualität von Robotik und Menschlichkeit in einem Wesen nie so gut vermitteln können. Da war die Verwirrtheit des „defekten“ Roboters mehr Slapstick als tiefgehende Erkundung der humanoiden Seele. Bei „Humans“ vermittelt hingegen schon die Pilotepisode sehr gut all die moralischen und gesellschaftlichen Konflikte, die mit der fortschreitenden Digitalisierung und Technologisierung in der Serien-Realität einher gehen, zum Beispiel: Wozu noch sein Bestes in der Schule geben, wenn der potentielle zukünftige Job vermutlich in wenigen Jahren eh von einem Roboter gemacht wird? Solche und andere Fragen nimmt die Serie sich gleich in der ersten Folge vor, ohne überladen zu wirken.

Mama Neumann wird mich vermutlich schelten, wenn sie liest, wie angetan ich von „Humans“ bin. Schließlich liegt sie mir seit Jahren in den Ohren, das schwedische Original „Real Humans“ endlich mal zu schauen. Nun ist es halt „Humans“ geworden und das gefällt mir nach der Pilotepisode wirklich gut.

→ „Humans“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: , Metacritic-Score:

Sense8

Sense8 auf Netflix
Acht Menschen aus aller Welt entdecken plötzlich, dass sie miteinander verknüpft sind, in die Sinneswelt der anderen eintauchen und sich gegenseitig helfen können: Da singt der Kleinganove in Berlin Karaoke mit der Inderin in Mumbai, ruft der junge Afrikaner die Kampfsportfähigkeiten der Koreanerin ab und sieht der Polizist in Chicago die Londoner DJane im Spiegel. Und dann schwirrt da noch Naveen Andrews‘ („Lost“) Jonas um die acht Fremden herum und versucht, sie auf den richtigen Pfad zu leiten.

Welcher das ist, kann ich auch nach vier Folgen noch nicht sagen. „Sense8“ ist eine Netflix-Produktion und als solche zum Binge-Watching gleich in Gänze online gestellt worden. Die Idee der psychischen Verbindung der Sinne ist eine spannende und ich beobachte gerne, was Netflix versucht, mit dem Science-Fiction-Genre zu machen.

Leider gibt es viele Dinge, die mich an „Sense8“ stören: Die Serie über die Sinne ist für meine Sinne ziemlich anstrengend. Die Handlung ist durch die acht Hauptfiguren an sich schon sehr zerstückelt. Es dauert lange, bis man mal in die Welt einer Figur länger als eine Minute eintauchen kann; gerade die erste Folge reicht da nicht aus, um auch nur ansatzweise eine Vorstellung der Charaktere zu bekommen.

Hinzu kommen die ständigen transzendentalen Begegnungen, wenn einer der „Sensates“ den anderen im Geiste besucht. Diese Begegnungen werden mit schnellen Schnitten umgesetzt. Man muss ganz schön aufmerksam sein, um nicht den Überblick zu verlieren, was Realität und was eine Sinnestäuschung oder -erweiterung ist. Dieser Stil ist zumindest in den ersten Folgen der Kern der Serie, wenn die bis dahin Fremden ihre neuen Fähigkeiten langsam entdecken.

Diese Fremden, acht an der Zahl, sind natürlich das eigentliche Zentrum und sie wirken ein wenig, als hätten die Macher von „Sense8“ Diversity bei Google eingegeben und die Charaktere entsprechend zusammengestellt: Es gibt genauso viele Männer wie Frauen, alle Kontinente sind vertreten, verschiedene Ethnien, eine transsexuelle lesbische Frau, ein Schwuler – nur beim Alter klappt das mit der Ausgewogenheit nicht, die acht sind nämlich alle Thirtysomething. Aber auch ansonsten ist alles dabei, um bloß für jeden einen Identifikationspunkt zu schaffen: die unterdrückte Businessfrau, die verrückte DJane, der sensible Schauspieler, der heldenhafte Cop, der moralische Kleinganove (natürlich der Russlanddeutsche…) usw. Normalerweise würde ich die Diversität feiern, wenn sie nicht so furchtbar forciert wirken würde.

Und noch was, das sich nicht richtig anfühlt: Ob Nairobi oder Berlin, Seoul oder Mexico City, alle Charaktere sprechen die ganze Zeit Englisch, mit teils so starkem Akzent, dass ich tatsächlich die Untertitel angeschaltet hatte. Wenn sie schon in so vielen Ländern drehen, warum erstreckt sich die Ambition der Serienschöpfer dann nicht auf die Sprache? Wo wäre das Problem gewesen, mit Originalsprache und Untertiteln zu arbeiten? Zu verwirrend vermutlich, wenn der Rest von „Sense8“ schon so ein Mindfuck ist… Mich irritiert es jedenfalls fürchterlich, Max Riemelt mit seinem Gangsterkollegen die ganze Zeit Englisch sprechen zu hören. Oder dass in Nairobi dann zwischendurch doch immer wieder andere Sprachen zu hören sind. Oder wie die Freundin mit starkem indischem Akzent äußerst verwundert fragt, wieso Sensate Kala plötzlich auf Englisch singe. Das passt einfach nicht zusammen. Gerade weil Serien wie „The Americans“ oder vor Jahren bereits „Lost“1 erfolgreichen bewiesen, dass authentisches Sprechen kein Hindernis für den Erfolg einer Serie sein muss.

Das sind eine Menge Unstimmigkeiten, die „Sense8“ nicht zu dem Kracher machen, den ich nach dem Trailer erwartet hatte. Andererseits – und deswegen bin ich weiter dabei – gelingt es der Serie, trotz der Kürze der einzelnen Geschichten die Charaktere beeindruckend vielfältig zu präsentieren und Sympathien zu erzeugen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Figuren sehr klar und stereotyp geschrieben sind und ihre Geschichten mit dem Zaunpfahl winkend die tieferliegenden Ängste offenlegen.

In dieser Serie dürfte schnell jeder seinen Helden finden – das ist die Stärke und gleichzeitig große Schwäche von „Sense8“. Spannend dürfte es werden, wenn aus den acht Fremden tatsächlich Verbundene und Verbündete werden und das vielfältige Ensemble die Gelegenheit zur Interaktion bekommt. Darauf freue ich mich und deswegen schaue ich jetzt weiter, solange sich die Sonne eh versteckt.

→ „Sense8“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 68%, Metacritic-Score: 63


  1. Apropos „Lost“: Wie lustig ist bitte, dass eine Koreanerin namens Sun von Sayyid (Naveen Andrews) gementored wird? 

Mr. Robot

Mr. Robot

Am Tag angestellt bei einer IT-Sicherheitsfirma, in der Nacht hackender Rächer auf der Jagd nach Verbrechern – diese Prämisse hätte ganz schön nach hinten losgehen können. Doch das USA Network hat nicht umsonst den Slogan „Characters Welcome“ und hat mit der Hauptfigur in „Mr. Robot“ wieder ein gutes Händchen bewiesen: Elliot (Rami Malek) stolpert eines Tages bei einem Job-Notfall über Code, der extra für ihn im System hinterlassen wurde. Eine anonyme Hackergruppe, angeführt vom mysteriösen Mr. Robot (Christian Slater), rekrutiert den jungen Hacker für ihren Kampf gegen ein übermächtiges Konglomerat.

In einem völlig anderen Metier als sonst gelingt dem USA Network eine spannende Charakterstudie vor dem Hintergrund von Kapitalismuskritik. Rami Malek ist äußerst überzeugend als soziophober Elliot und bekommt gleich in der Pilotepisode eine ganz schöne Bandbreite an Emotionen zu spielen – für eine Figur, die mit Emotionen nicht so gut klar kommt. Denn Elliot entspricht nur vordergründig dem Klischee des Hackers, der keine Sozialkontakte pflegt und im Keller hockt. Seine nächtlichen Ausflüge, bei denen er – überhaupt nicht so pathetisch, wie es klingt – Verbrecher mit seinen Hacks zur Strecke bringt, offenbaren eine vielschichtige emotionale Welt, die zu entdecken ich mich freue.

Der Plot und der Hauptdarsteller versprechen Gutes! Außerdem gefällt mir die unaufgeregte Cinematographie von „Mr. Robot“ und das Voice over, in dem wir Maleks Stimme überwiegend hören, ist eines der gelungensten der letzten Jahre, schon allein, weil es häufig im Kontrast steht zu dem, was wir sehen.

Bleibt zu hoffen, dass die Christian-Slater-Serien-werden-abgesetzt-Pechsträhne ein Ende hat…

→ „Mr. Robot“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer

The Whispers

The Whispers

Drei Monate nach dem Unfalltod ihres Mannes wird FBI-Agentin Claire Bennigan (Lily Rabe) für einen Fall zurück zur Arbeit geholt: Ein Mädchen hat, mutmaßlich mit Vorsatz, versucht, seine Mutter zu töten. Doch die kleine Harper zeigt keinerlei psychopathische Charakterzüge, sondern scheint vielmehr unter dem Einfluss eines unsichtbaren Freundes zu stehen. Und wie sich früh in der Pilotepisode herausstellt, ist Harper nicht das einzige Kind, das sich vom mysteriösen „Drill“ zu einem tödlichen Spiel verleiten ließ.

Parallel zu Claires Geschichte lernen wir Wes (Barry Sloane) kennen, der im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums auf Mission in Afrika ist, wo ein seltsames Naturphänomen ein Flugzeug vom Himmel geholt zu haben scheint. Und dann wäre da noch der von Milo Ventimiglia gespielte Charakter, der zu wissen scheint, was hinter „Drill“ und seinem Spiel steckt.

Zusammen versprechen diese Charaktere, eine spannende ABC-Sommer-Serie abzugeben. „The Whispers“ startet mit gutem Tempo, einem tollen Ensemble, Handlungssträngen, die sich nach und nach zusammenfügen, und einer dadurch verlockenden Mythologie, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine These habe, wer oder viel mehr was hinter dem mörderischen unsichtbaren Freund der „Whispers“-Kinder stecken könnte. Forget it, anders als die Pilotepisode sagen die Beschreibungen der Serie bei IMDB und Co. alles. Deswegen: Besser nicht drauf klicken!

Ich gebe zu: Dass Steven Spielberg seine Finger im Spiel hat, macht mir ein bisschen Sorgen. Seine bisherigen Serienwürfe wie „Falling Skies“, „Under The Dome“ oder „Terra Nova“ hatten auch teilweise vielversprechende Prämissen und haben dann irgendwo eine falsche Abzweigung genommen.

Treue Newshows.de-Leser kennen die Optimistin in mir gut genug, um zu ahnen: „The Whispers“ hat mich erst mal gepackt. Ich schaue weiter, aber nur bei Tageslicht, denn ein bisschen gruselig war das Ganze schon ;) Und die Serie wird sich Woche um Woche mit „Wayward Pines“ messen lassen, wo ich ebenfalls viel drauf setze und bereit bin, enttäuscht zu werden.

→ „The Whispers“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 73%, Metacritic-Score: 61

UnReal

Unreal Lifetime Serie

„Everlasting“ heißt die Show in der neuen Serie „UnReal“, die nicht zufällig an „Der Bachelor“ erinnert. Lifetime bringt mit dem neuen Format die Hintergründe von Reality-Fernsehen ans Licht. Im Zentrum: Rachel (Shiri Appleby), eine der Produzentinnen bei „Everlasting“, die nach einer Auszeit wieder in den Job einsteigt. Was bei ihrem letzten Mal am Set schief gegangen war, wird peu à peu aufgedeckt – Chefin Quinn (Constance Zimmer) jedenfalls wollte ihren „Pitbull“ unbedingt zurück haben. Und gleich die erste Folge, die auch den Anfang der „Everlasting“-Staffel markiert, wird klar, wieso.

„UnReal“ hat mich gleich mit dem Trailer reingezogen durch zwei Dinge: die Aussicht, eine Persiflage oder zumindest ein aufdeckendes Stück Fernsehen über verhasstes Reality TV zu sehen, und Shiri Appleby. Ich habe die Darstellerin, die die Hauptrolle in dieser Serie spielt, schon in so einigen Rollen gesehen, angefangen mit „Roswell“, einer meiner ersten Serien-Obsessionen, die ich auch in Online-Foren ausleben konnte. Und doch habe ich sie noch nie in einer so undurchschaubaren Rolle gesehen wie die der Rachel in „UnReal“: wie sie zwischen der von ihrem Job angeekelten Feministin und der manipulativen, fast diabolischen Produzentin balanciert und es trotzdem schafft, dass sie am Ende der Folge nicht selbst als die Böse da steht – Hammer!

Auch die Background-Geschichte der Serie packt mich als Medienkritikerin: Eine der beiden Schöpferinnen, Sarah Shapiro, war einst Sklavin beim „Bachelor“ und erzählte jüngst in einem Interview, dass sie erst aus ihrem Vertrag gekommen sei, als sie drohte, sich umzubringen. Das ist sicher zum Teil nur gute PR für die Serie, man kann trotzdem davon ausgehen, dass „UnReal“ Shapiros Abrechnung mit ihrer Reality-Zeit ist.

Dass sie sich für „UnReal“ mit Marti Noxon zusmmengetan hat, tut sein Übrigens – Noxon ist bekannt geworden an der Seite von „Buffy“-Schöpfer Joss Whedon. Ihr neuester Wurf ist allerdings ziemlich düster im Vergleich zu den mit viel Witz gefüllten Serien des Whedonverse oder der im Frühjahr gestarteten Dramedy „Girlfriends‘ Guide to Divorce“, die ich ja ebenfalls sehr empfehlen kann.

Trotzdem: Beide Daumen hoch für „UnReal“! Die Pilotepisode war ein guter Start, düster, aber auf den Punkt, dramatisch und trotzdem mit einer medienkritischen Ebene – und ich bin gespannt, wie es weitergeht!

→ „UnReal“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 91%, Metacritic-Score: 77

CyberChimps