Bunheads

BunheadsMichelle Simms (Broadway-Star Sutton Foster) ist vom Weg abgekommen: Einst Mitglied einer prestigeträchtigen Ballett Company, heute Popo schwingendes, Federn tragendes Showgirl in Las Vegas. Als sie bei einem Vortanzen, das sie zurück auf den richtigen Pfad bringen sollte, schon an der Tür abgelehnt wird, fühlt sie sich endgültig verloren. Das kommt Hubble (Alan Ruck) gelegen, der sie seit geraumer Zeit umwirbt und immer wieder in Vegas aufsucht. An diesem Abend erliegt sie seinen Avancen – und ist wenige Stunden später in seinem Haus in einer entfernten Küstenstadt, Traumausblick vor den Augen und Klunker am Finger. Dabei gesteht sie sich und ihm schon bald ein: Aber ich liebe dich doch gar nicht! Ihn interessiert das wenig, er verspricht, ihr die Sterne vom Himmel zu holen und lässt sie so kurz vergessen, in was für ein Schlamassel sie sich hineinmanövriert hat. Denn Paradise ist ein verschlafenes Städtchen ohne Kino, in dem gleich die wildesten Gerüchte über Michelle kursieren: Stripperin, Poledancerin, nein, Prostituierte! Und mit Schwiegermama Fanny (Kelly Bishop), die in Hubbles Haus lebt und dort auch ihr Ballett-Studio hat, ist Ärger vorprogrammiert.

„Bunheads“ („bun“ ist der Dutt, der Begriff Bunheads wird gelegentlich leicht abfällig für Ballerinas benutzt) ist die neue ABC-Family-Serie aus der Feder von keiner geringeren als Amy Sherman-Palladino, die von der missglückten letzten Staffel abgesehen viele Jahre Herrin über die „Gilmore Girls“ war. Das Setting, die quirligen Charaktere, Kelly Bishop alias Emily Gilmore und selbst der Soundtrack lassen ihre Handschrift unverkennbar durchscheinen in der Pilotepisode. Regie führte übrigens Kenny Ortega, der schon bei „Gilmore Girls“ mehrfach auf dem Stuhl saß, aber auch die „High School Musical“-Reihe verantwortete und demnächst eine Neuauflage von „Dirty Dancing“ umsetzen soll. Kurz: jemand, dem Tanz und Kleinstadt vertraut sind.

Um dem ausstrahlenden Familiennetwork mit seinen vielen Serien für und über Teenager gerecht zu werden, spielen in „Bunheads“ neben dem energetischen Duo Foster/Bishop vier Mädchen die Hauptrolle, die in Fannys Studio tanzen und derer sich Michelle annimmt noch vor dem großen Klimax der Auftaktfolge. Den möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen, denn er verändert das, was wir in der Pilotepisode zu sehen bekommen, noch einmal gehörig.

Und deswegen lässt sich auch noch nicht viel sagen über „Bunheads“, was über grundsätzliche Lobpreisungen für Sherman-Palladino und in diesem Fall ihre ungewöhnliche Wahl der Hauptdarstellerin hinausgeht. Außer vielleicht: Die Prämisse wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen. Michelle liebt Hubble nicht nur nicht, sie hat ihn bislang immer abgewehrt, kein Fünkchen Emotion oder Chemie ist anfangs zu spüren, auch weiß sie quasi nichts über ihn. Verwunderlich also selbst im Eifer des Gefechts, dass sie alles stehen und liegen lässt, um ihn zu heiraten und ihm in die Vorstadt zu folgen.

Doch man verzeiht es der Serie, vermutlich wegen der zahlreichen „Gilmore Girls“-Anleihen: Mehrere Generationen von Frauen in einer kleinen Stadt, in der alle einander kennen. Mit Rose Abdoo, der Gypsy aus Stars Hollow, bekommen wir noch ein bekanntes Gesicht zu sehen, und die weinerliche Truly (Stacey Oristano) hätte auch in Luke’s Diner sitzen können. Die Parallelen zwischen „Bunheads“ und Sherman-Palladinos Paradestück sind aber keineswegs störend, sondern versprechen – mit etwas Zeit – eine potenziell großartige Familienserie. Gemütlich, charmant, ohne zu hetzen (außer vielleicht in so manchem Dialog), plus: Es wird getanzt! Und damit hat man bei mir ohnehin schon gewonnen!

– Buheads bei TVRage
– Trailer

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