The Whispers

The Whispers

Drei Monate nach dem Unfalltod ihres Mannes wird FBI-Agentin Claire Bennigan (Lily Rabe) für einen Fall zurück zur Arbeit geholt: Ein Mädchen hat, mutmaßlich mit Vorsatz, versucht, seine Mutter zu töten. Doch die kleine Harper zeigt keinerlei psychopathische Charakterzüge, sondern scheint vielmehr unter dem Einfluss eines unsichtbaren Freundes zu stehen. Und wie sich früh in der Pilotepisode herausstellt, ist Harper nicht das einzige Kind, das sich vom mysteriösen „Drill“ zu einem tödlichen Spiel verleiten ließ.

Parallel zu Claires Geschichte lernen wir Wes (Barry Sloane) kennen, der im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums auf Mission in Afrika ist, wo ein seltsames Naturphänomen ein Flugzeug vom Himmel geholt zu haben scheint. Und dann wäre da noch der von Milo Ventimiglia gespielte Charakter, der zu wissen scheint, was hinter „Drill“ und seinem Spiel steckt.

Zusammen versprechen diese Charaktere, eine spannende ABC-Sommer-Serie abzugeben. „The Whispers“ startet mit gutem Tempo, einem tollen Ensemble, Handlungssträngen, die sich nach und nach zusammenfügen, und einer dadurch verlockenden Mythologie, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine These habe, wer oder viel mehr was hinter dem mörderischen unsichtbaren Freund der „Whispers“-Kinder stecken könnte. Forget it, anders als die Pilotepisode sagen die Beschreibungen der Serie bei IMDB und Co. alles. Deswegen: Besser nicht drauf klicken!

Ich gebe zu: Dass Steven Spielberg seine Finger im Spiel hat, macht mir ein bisschen Sorgen. Seine bisherigen Serienwürfe wie „Falling Skies“, „Under The Dome“ oder „Terra Nova“ hatten auch teilweise vielversprechende Prämissen und haben dann irgendwo eine falsche Abzweigung genommen.

Treue Newshows.de-Leser kennen die Optimistin in mir gut genug, um zu ahnen: „The Whispers“ hat mich erst mal gepackt. Ich schaue weiter, aber nur bei Tageslicht, denn ein bisschen gruselig war das Ganze schon ;) Und die Serie wird sich Woche um Woche mit „Wayward Pines“ messen lassen, wo ich ebenfalls viel drauf setze und bereit bin, enttäuscht zu werden.

→ „The Whispers“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 73%, Metacritic-Score: 61

UnReal

Unreal Lifetime Serie

„Everlasting“ heißt die Show in der neuen Serie „UnReal“, die nicht zufällig an „Der Bachelor“ erinnert. Lifetime bringt mit dem neuen Format die Hintergründe von Reality-Fernsehen ans Licht. Im Zentrum: Rachel (Shiri Appleby), eine der Produzentinnen bei „Everlasting“, die nach einer Auszeit wieder in den Job einsteigt. Was bei ihrem letzten Mal am Set schief gegangen war, wird peu à peu aufgedeckt – Chefin Quinn (Constance Zimmer) jedenfalls wollte ihren „Pitbull“ unbedingt zurück haben. Und gleich die erste Folge, die auch den Anfang der „Everlasting“-Staffel markiert, wird klar, wieso.

„UnReal“ hat mich gleich mit dem Trailer reingezogen durch zwei Dinge: die Aussicht, eine Persiflage oder zumindest ein aufdeckendes Stück Fernsehen über verhasstes Reality TV zu sehen, und Shiri Appleby. Ich habe die Darstellerin, die die Hauptrolle in dieser Serie spielt, schon in so einigen Rollen gesehen, angefangen mit „Roswell“, einer meiner ersten Serien-Obsessionen, die ich auch in Online-Foren ausleben konnte. Und doch habe ich sie noch nie in einer so undurchschaubaren Rolle gesehen wie die der Rachel in „UnReal“: wie sie zwischen der von ihrem Job angeekelten Feministin und der manipulativen, fast diabolischen Produzentin balanciert und es trotzdem schafft, dass sie am Ende der Folge nicht selbst als die Böse da steht – Hammer!

Auch die Background-Geschichte der Serie packt mich als Medienkritikerin: Eine der beiden Schöpferinnen, Sarah Shapiro, war einst Sklavin beim „Bachelor“ und erzählte jüngst in einem Interview, dass sie erst aus ihrem Vertrag gekommen sei, als sie drohte, sich umzubringen. Das ist sicher zum Teil nur gute PR für die Serie, man kann trotzdem davon ausgehen, dass „UnReal“ Shapiros Abrechnung mit ihrer Reality-Zeit ist.

Dass sie sich für „UnReal“ mit Marti Noxon zusmmengetan hat, tut sein Übrigens – Noxon ist bekannt geworden an der Seite von „Buffy“-Schöpfer Joss Whedon. Ihr neuester Wurf ist allerdings ziemlich düster im Vergleich zu den mit viel Witz gefüllten Serien des Whedonverse oder der im Frühjahr gestarteten Dramedy „Girlfriends‘ Guide to Divorce“, die ich ja ebenfalls sehr empfehlen kann.

Trotzdem: Beide Daumen hoch für „UnReal“! Die Pilotepisode war ein guter Start, düster, aber auf den Punkt, dramatisch und trotzdem mit einer medienkritischen Ebene – und ich bin gespannt, wie es weitergeht!

→ „UnReal“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 91%, Metacritic-Score: 77

Wayward Pines

Wayward Pines

Secret-Service-Agent Ethan Burke (Matt Dillon) ist zwei verschwundenen Kollegen auf der Spur – und ahnt nicht, dass seine Suche der Anfang eines Albtraums wird. Die erste Folge von Fox‘ Sommer-Mini-Serie „Wayward Pines“ beginnt für ihn, die Hauptfigur, auch gleich mit einem Unfall – der ihn in die mysteriöse Kleinstadt Wayward Pines führt. Hier findet er erst den einen Kollegen gefoltert und ermordet und trifft wenig später die andere Kollegin (und ehemalige Geliebte), Kate Hewson (Carla Gugino), um Jahre gealtert, verheiratet, domestiziert. Schnell wird klar: Hier ticken nicht nur die Uhren anders, die Stadt birgt außerdem dunkle Geheimnisse, die Bewohner werden beobachtet und unter Druck gesetzt. Nur: Von wem? Und warum? Und wie? Neuankömmling Burke wirkt wie der harte Hund, der dem Grauen ein Ende machen könnte.

„Wayward Pines“ wird beschrieben als eine Art „Twin Peaks“ trifft „Lost“ trifft „Truman Show“ – und wie die zumindest die beiden erstgenannten birgt auch Mini-Serie die Gefahr, ziemlich unbefriedigend zu enden. Zu verwoben und mysteriös sind schon jetzt die Geschichten – und einem der verantwortlichen Produzenten, Filmemacher M. Night Shyamalan, sagt man ein unglückliches Händchen beim Thema Ende nach.

Ich bin dennoch bereit, das Risiko auf mich zu nehmen, weil mich schon die erste Folge dermaßen gepackt hat!

→ „Wayward Pines“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 85%, Metacritic-Score: 66

The Last Man on Earth

The Last Man on EarthPhil Miller ist der letzte Mann auf Erden. Ein Virus hat alle Bewohner des Planeten sterben lassen. Alle, außer Phil. Der sucht quer durch Nordamerika nach weiteren Überlebenden. Aber niemand findet sich. Für den Fall, dass doch noch jemand überlebt, schmiert Phil während seiner Reise den Ort seiner zukünftigen Residenz an Werbetafeln: »Alive in Tucson«. In Tucson bezieht er eine Villa und geht seinem Leben nach. Viel Alkohol, viele Soft-Drinks, ungesunde Dosen-Essen, ein Toiletten-Pool und Flammenwerfer. Unter anderem.

»The Last Man on Earth« startet großartig. Eine Studie zu »What would you do…«. Phil Miller (Will Forte, gleichzeitig auch Serienschöpfer) ist allein auf der Erde und er kann endlich mal all das machen, was die Zwänge der Gesellschaft ihm vorher verboten. Kegeln mit Autos? Mit Flammenwerfer Einkaufswagen voller Papier anzünden? Einzigartige Gemälde in der Eingangshalle aufhängen – gleich über dem Teppich aus dem weißen Haus? Die erste Episode von »The Last Man on Earth« wahrlich ist toll und ein großer Spaß.

Aber dann passiert etwas Furchtbares. Es folgen Spoiler.

Das Furchtbare? Phil Miller ist nicht alleine auf der Erde. Carol kommt nach Tucson und bald noch mehr Leute. »The Last Man on Earth« wird instantan transformiert in »The many ways Phil Miller wants to stick it to someone«1; die Show, die gerade noch lustige Ideen auf einer leeren Erde ausprobiert hat, dreht sich von nun an darum, wie Phil Miller, Arschloch vor dem Herrn, mit der nächsten Frau schlafen kann. Und dabei die übrigen Männer seiner kleinen Gemeinde den Mittelfinger zeigen.

Die Show hat, jenseits der Pilotepisode, cringe-worthy Momente, bei denen sieht selbst The Big Bang Theory alt aus. Das ist wirklich schade.
Die Prämisse war so durchgedreht und so großartig, aber vielleicht auch einfach zu anspruchsvoll für eine gesamte Staffel.
»The Last Man on Earth« ist verlängert worden für eine zweite Staffel. Mal sehen, was dabei raus kommt. Aber… ich weiß ja nicht.

→ »The Last Man on Earth« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 84%, Metacritic-Score: 72

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  1. Danke @supergarv für den Titel. 

Other Space

Other SpaceStewart Lipinski ist auszubildender Schiffskapitän des Universal Mapping Project, einem Programm zur Erforschung des Weltraums. Das Jahr ist 2105 und Stewart absolviert gerade eine Trainingsmission, als er Hals über Kopf zum richtigen Kapitän ernannt wird. An der Seite seiner Schwester und einem Haufen nichtsnutziger Crew-Mitglieder ist direkt seine erste Mission ein ordentliches Desaster. Durch einen Riss im Universum gelangen sie in einen Parallelbereich voller bösartiger Dinge, die die Crew der UMP Cruiser umbringen wollen. Und ein Weg zurück lässt sich nicht finden.

»Other Space« ist vollbelandener Quatsch-Science-Fiction aus der Hand von Paul Feig (»Freaks and Geeks«, »Bridesmaids«, …). Die acht Folgen der ersten Staffel gingen vor einem Monat bei Yahoo Screen online, aber irgendwie hat’s keiner so recht mitbekommen. Dabei ist die Show großartiger Klamauk.

In der Tradition klassischer Sternenschiff-Sci-Fi-Serien findet fast alles der Serie auf der Brücke und in Gemeinschaftsräumen des Schiffs statt. Dort erlebt die Besatzung der UMP Cruiser dann allerdings eher untraditionelle Begegnungen der dritten Art.
Der Humor reicht von infantil, über derbe, zu bescheuert und übertrieben. So, wie die anderen, bekannteren Paul-Feig-Produktionen der letzten Jahre waren. Wenn euch das gefällt, dann gefällt euch auch »Other Space«. Eine kleine, obskure Science-Fiction-Komödie.

→ »Other Space« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer (geoblocked)
→ Tomatometer: 91%, Metacritic-Score:66
»Other Space« bei Yahoo Screen (geoblocked)

iZombie

iZombieHallo. Mein Name ist Andi und ich schreibe auch auf diesem Blog. Zumindest, wenn ich mich daran erinnere, wie das geht.
Liv Moore hat ein solides Leben. Sie ist Ärztin in einem Krankenhaus, hat tolle Freunde, eine unterstützende Familie und einen hübschen Verlobten. Eines Abends geht sie auf eine Party auf einem Boot, die schnell aus dem Ruder läuft. Nicht Hangover-aus-dem-Ruder, sondern Zombie-aus-dem-Ruder. Liv wacht am nächsten Morgen in einem Leichensack auf und hat den furchtbaren Drang, Gehirn zu essen. Sie ist ein Zombie. Sie krempelt ihr Leben um, trennt sich von Job und Verlobtem und beginnt für das Leichenhaus von Seattle zu arbeiten. Dort entdeckt sie eine Fähigkeit: Wenn sie die Gehirne der Mordopfer, die da so vor ihr auf dem Tisch liegen, isst1, dann kann sie deren letzte Momente vor dem Tod sehen. Liv ist die, vermutlich, erste Zombie-Leichenhaus-Polizeiberaterin der Welt.

»iZombie« ist die freie Adaption des gleichnamigen Vertigo-Comics. »Buuuh! Noch eine Comic-Adaption?!« könntet ihr sagen, »Davon gab’s doch schon genug in den letzten Monaten.« Aber »iZombie« ist anders als Marvel’s The Arrow of SHIELDevil. Die Show ist eher eine Alternative Zombie-Version von »Veronica Mars«, als die X-te Rettung der Menschheit in Superheldenform.

Die Analogie kommt nicht von ungefähr: »iZombie« wird gemacht von »Veronica Mars«-Erfinder Rob Thomas und hat einige Elemente unserer aller Lieblings-Detektivshow von damals™. Eine junge Protagonistin die der Polizei bei Ermittlungen hilft, sich dabei clever anstellt und trotzdem immer mitten ins Geschehen stolpert. Und Voice-Over-Gedanken voller sarkastischem Humor des Hauptcharakters, vermutlich das offensichtlichste Stilmittel von allen. Aber das war’s dann auch mit den Gemeinsamkeiten. Denn, anders als »Veronica Mars«, werden keine Themen von heranwachsenden Teens behandelt, sondern von Twenty-Somethings, deren täglichen sozialen Probleme zwar ähnlich intensiv, aber eben etwas erwachsener gelagert sind. Rob Thomas ist gewissermaßen mit Veronica erwachsen geworden. Und anstelle von Marshmallows gibt’s jetzt Gehirn.

Die Serie ist spaßig! Ein bisschen fies, wenn’s wiedermal ans dinieren von Frontallappen & Co. geht, aber durchweg unterhaltsam. Livs Gegenspieler wird erst in der zweiten Episode so richtig erwähnt und bringt dann auch etwas Langfristigkeit in die Story. »iZombie« ist gleichermaßen ein erfrischender Wechsel in dieser TV-Saison, aber auch ein kleiner Blick zurück als vor zehn Jahren das goldene TV-Zeitalter begann.

→ »iZombie« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 91 %, Metacritic-Score: 74
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  1. Mit viel Tabasco, versteht sich. 

Girlfriends‘ Guide to Divorce

Girlfriends' Guide to Divorce

Wenn Seriengott Joss Whedon eine Serie empfiehlt, kann ich nicht anders, als einzuschalten. Und ich wurde nicht enttäuscht: „Girlfriends‘ Guide to Divorce“ ist smart und lustig, tiefgründig und albern, eine Serie über Freundschaft, Liebe, Zeit und Alter, über – klar – Scheidung und wie sich das Leben und die Menschen mit den Jahren in einer Beziehung verändern.

In „Girlfriends‘ Guide to Divorce“ spielt Lisa Edelstein (die Dr. Cuddy aus „House“) eine erfolgreiche Buchautorin, deren Leben auf den Kopf gestellt wird: Die Scheidung von Ehemann Jake (Paul Adelstein aus „Prison Break“, „Private Practice“ und „Scandal“) ist eingeleitet und die Karriere auf einmal nicht mehr so rosig. Denn Abby McCarthy ist bekannt als die Ratgeberfrau, die ein perfektes Privat- und Berufsleben führt. Als ihre Ehe zerbröselt, ist sie auch ihre erfolgreiche Buchreihe los und muss sich neu erfinden. Als die Frau in ihren Vierzigern mit zwei Kindern, die das Leben wieder neu entdeckt, die Dates hat und sich mit ihren ebenfalls geschiedenen Freundinnen über die superjunge Neue ihres Ex wundert.

Marti Noxon, Whedons langjährige „Buffy“-Wegbegleiterin, hat sich „Girlfriends‘ Guide to Divorce“ ausgedacht als erste Scripted Serie des Senders Bravo((Ihr merkt schon: Alle wollen jetzt Scripted machen…)). Mir hat es großen Spaß gemacht, während der ersten Staffel zuzusehen, wie sich Freundschaften geformt, Menschen verändert haben und die großen Fragen des Lebens gestellt, aber selten beantwortet wurden. Die Serie hat einen ganz tollen Cast, einen feinen Humor, ausreichend viel Crazy, sehr unterschiedliche, moderne, spannende Frauenbilder. Absolute Empfehlung meinerseits!

→ „Girlfriends‘ Guide to Divorce“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 81%, Metacritic-Score: 69
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Unbreakable Kimmy Schmidt

Unbreakable Kimmy Schmidt

Kimmy Schmidt (Ellie Kemper) hat 15 Jahre ihres Lebens in einem Bunker gelebt in dem Glauben, dass die Dummheit der Frauen die Welt zerstört hat. Nachdem sie aus den Fängen des verrückten Kults gerettet wurde, zieht sie nach New York, um ein normales Leben zu führen.

Dass ihr Leben so normal nicht sein wird, lässt schon ihre Herkunft vermuten. Vor allem aber die Autorin der Serie „Unbreakable Kimmy Schmidt“. Die Netflix-Comedy stammt aus der Feder von Tina Fey.

Und so kommt Tina Fey aus jeder Pore. Die Serie spielt in Fels Version von New York City. Der aus „30 Rock“ bekannte Humor (und seine Darsteller, Jane Krakowski zum Beispiel) durchzieht „Unbreakable Kimmy Schmidt“.

Wer Tina Fey und ihren Humor toll findet, wird diese Serie lieben. Ich fühle mich wie einem Paralleluniversum, wenn ich mir die Spitzenkritiken der Comedy anschaue, denn ich kann weder mit Tina Fey noch mit dieser obskuren Serie etwas anfangen. Macht euch selbst ein Bild.

→ „Unbreakable Kimmy Schmidt“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 96%, Metacritic-Score: 87
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12 Monkeys

12 Monkeys Serie

„12 Monkeys“. Den Film gleichen Namens habe ich nie gesehen und weiß nicht, ob die Serie ihm gerecht wird oder ob ihr den Vergleich besser gar nicht erst zieht. Ich kann nur für die in der Aaron Stanford („Nikita“) und Amanda Schull („Suits“) gegen eine Pandemie kämpfen.

Stanford spielt James Cole, einen Zeitreisenden, in die Vergangenheit geschickt vom Team der Forscherin Katrina Jones. In ihrer Gegenwart hat ein tödliches Virus einen Großteil der Weltbevölkerung dahin gerafft. Cole reist also aus dem Jahr 2043 in unsere Jetzt-Zeit und beginnt gemeinsam mit der Virologin Cassandra Railly (Schull) seine Suche nach dem Ursprung des Virus.

„12 Monkeys“ ist, wie Zeitreise-Geschichten eben so sind: Viele Fragen zur Mythologie bleiben offen, es gibt immer wieder Lücken, über die ihr bei Reddit mehr lesen könnt, wenn ihr wollt. Ich für meinen Teil kann darüber hinweg sehen. Die Serie erfordert schon ein Stück Aufmerksamkeit und Affinität für Zeitreisemythologie, sonst verliert man schnell den sich ständig verändernden Faden.

Insgesamt ist „12 Monkeys“ kein Glanzstück, aber solide Science-Fiction-Unterhaltung. Ein bisschen Weltuntergangsthriller, ein bisschen Krimi, ein bisschen Endzeitszenario. Mir gefällt’s.

→ „12 Monkeys“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 61%, Metacritic-Score: 57
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Hindsight

Hindsight

Endlich mal wieder eine Serie, die es in meinen Fingern jucken lässt und das Newshows-Blog mit neuen Inhalten füllt: „Hindsight“, die erste eigene Scripted Serie von VH1. Serien sind auch für Musiksender der neue heiße Scheiß – und VH1 liefert gleich im ersten Wurf was ziemlich Gutes ab, das Musik, Popkultur, Liebe und Erfolg verwebt und ein sehr amüsantes, liebevolles Stück Fernsehen draus macht.

In „Hindsight“ soll Becca (Laura Ramsey) gleich Sandkastenfreund Andy heiraten und wird nachdenklich. Während sie noch über die Vergangenheit, ihre gescheiterte Ehe und verlorene Freundschaften grübelt, bringt sie eine mysteriöse Aufzugfahrt zurück ins Jahr 1995. Statt Andy wartet ihre erste große Liebe Sean vor dem Traualtar, der Becca im ersten Anlauf ihres Lebens nicht glücklich machen konnte. Ihre zweite Chance nutzt sie und läuft Sean davon, um die Fehler ihrer Vergangenheit auszubügeln: den Bruch mit ihrer besten Freundin Lolly, das Schicksal ihres drogengeplagten Bruders, die aussichtslose Karriere.

Das klingt ein bisschen nach „Being Erica“, aber tatsächlich ist das Zeitreiseelement nicht so zentral, die Mythologie steht weniger im Fokus als die Frage, ob es so was wie Schicksal gibt. Es dauert nicht lange, bis Beccas verändertes Selbst auch Veränderungen im Leben anderer Menschen hervorruft – eine Entwicklung, die sie erst versucht, aufzuhalten, um dann zu merken: Das Universum findet einen Weg.

Hach, und die Klamotten! Die Musik! Die Technik! Die Serienspoiler! „Hindsight“ ist für jeden Popkulturfan, der in den Neunzigern sozialisiert wurde und noch weiß, was VHS-Kassetten sind, ein Juwel. Allein über Beccas Einwürfe von Ich kann die Erfindung des iPhones nicht abwarten! bis Was würde ich jetzt für ein Uber geben! habe ich mich jedes Mal amüsiert. Beiläufig verrät sie ihrer besten Freundin, dass Monica und Chandler in „Friends“ ein Paar werden, oder erfindet einfach mal frühzeitig das virale Marketing – herrlich! Nur auf die Idee gekommen, Aktien zu kaufen, ist sie noch nicht – kann ja noch kommen, die zweite Staffel wurde, Seriengott sei Dank, gerade bestellt!

Erst nach einigen Folgen hat mich „Hindsight“ dann auch jenseits der popkulturellen Referenzen gepackt. Laura Ramsey und Lolly-Darstellerin Sarah Goldberg haben eine tolle Chemie und bringen eine authentische Frauenfreundschaft auf den Bildschirm, die man selten zu sehen bekommt. „Hindsight“ verliert dieses zentrale Element nie aus den Augen, auch wenn es über weite Teile um all die Männer in Beccas Leben geht. Und nicht zuletzt steht von Anfang an die Frage im Raum: Was hat einst die Freundschaft von Becca und Lolly zerstört? Becca weigert sich, es Lolly zu verraten. Ich wollte es unbedingt wissen und habe „Hindsight“ nach anfänglich eher beiläufigem Schauen am Ende bingewatchen müssen, weil’s mich so gepackt hatte.

Also: Eine klare Guckempfehlung für alle, die Spaß an popkulturellen Referenzen, authentischen Charakteren, ein bisschen Mytholodie und Boydrama haben.

→ „Hinsight“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 100%, Metacritic-Score: 72

CyberChimps