Chicago Fire


Matthew Casey und Kelly Severide sind Feuerwehrmänner der 51. Chicagoer Feuerwache. Seit kurzem sind sie nicht gut aufeinander zu sprechen. Denn vor einem Monat verloren sie einen guten Freund bei einem Einsatz. Und Severide schreibt Casey dafür die Schuld zu.
Die Reibereien und das passiv-aggressive Verhalten drücken die Stimmung der ganzen Feuerwache. Allerdings nur, bis zum nächsten Einsatz — denn dann überwiegt die Professionalität und Severide befreit Casey und einen weiteren Feuerwehrmann heroisch aus einem brennenden Haus.
Nebenbei gibt’s auf der Feuerwache noch einen frauenquotenerhöhenden Rettungswagen, einen motivierten Neuling, trantütige Altfeuerwehrmänner, einen weisen Chef und ganz ganz viel Privatlebensdramatik.

»Chicago Fire« verfolgt das professionelle und das private Leben von ein paar Feuerwehrmänner und -frauen. Die Hauptrolle spielt Jesse Spencer, der ziemlich schnell den dauerunsicheren Chase von »House« abschüttelt und zum toughen Feuerwehrmann mutiert (meistens zumindest, zwischendurch sieht man dann doch ein paar Erinnerungen an die alte Rolle). Der Rest des Casts besteht aus durchtrainierten, knallharten Männern und hübschen Frauen, die dauernd schwierige Entscheidungen treffen müssen. Das ist durchaus klischeehaft zwischendurch, meistens passt es aber irgendwie ins Feuerwehr-Setting rein. Außerdem sind wir in Amerika und da ist jeder Staatsdienst pathosgeschwängert.

Die Geschichte (drei Freunde verlieren einen der drei, machen sich dafür verantwortlich) ist das schwächste am Konzept. Mir ging das hin und her ziemlich schnell auf die Nerven. Sonst aber sieht »Chicago Fire« erstaunlich gut aus. Actionreiche Story, gute Schauspieler, Drama. Zumal wir so eine Show über eine Feuerwehrmannschaft in der Form noch nicht hatten.
Natürlich muss man sich, wie bei allen solchen Serien, mit der Komprimierung der Geschichte anfreunden. Unser Feuerteam löscht gleich am ersten Tag einen gefährlichen Großbrand, wird von Gangstern bedroht und kämpft haarscharf um das Überleben eines Mädchens. Wir wollen schließlich unterhalten werden.
Aber in der Ecke liegt auch das größte Problem der Pilotepisode: Die kämpft etwas damit, die verschiedenen Story-Brandherde unter einen Hut zu kriegen. Aber das sind für den Anfang einfach zu viele. Hier hätte es vielleicht gut getan, ein paar der sich anbahnenden Geschichten erst in den nächsten zwei Folgen zu etablieren. Andererseits kriegen wir so mit, wohin das alles ein mal gehen kann — und dass »Chicago Fire« genug Wasser im Schlauch für viele Folgen hat.

Neben ausreichend Platz für Feuer-Metaphern in Reviews bietet »Chicago Fire« also eine schnelle Geschichte um eine dauerbeschäftigte Feuerwehrtruppe mit Problemhintergrund und ganz viel Privatverwurschtelei. Zwischendurch etwas amerikanisch und dumm, im ganzen aber ansehbar und interessant. Finde ich.

→ »Chicago Fire« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 49

(Ich bin mir allerdings nicht sicher, wie es um das Überleben von »Chicago Fire« bestellt ist. Aber hoffen wir das beste. (Und, on another note: Ich bin erfreulich überrascht über die NBC-Neustarts dieses Jahres.))

CyberChimps