Cult

CultIn Cult geht es um den Kult, den Guru Billy Grimm um sich herum aufgebaut hat. Eine waschechte Sekte, mit übersättigten Familienwerten als Deckmantel von Erniedrigung und Psychoterror, die auch vor Gewalt und Mord keine Rücksicht nimmt. Und es geht um Kelly Collins, FBI-Agentin und ehemaliges Mitglied der Sekte, die nach dem Verschwinden ihrer Schwester den Kult ins Ermittlungsvisier nimmt.
Nun, eigentlich stimmt das nicht. Nicht ganz. Denn in Cult geht’s nicht um diesen Kult, es geht um eine TV-Serie, die von diesem Kult handelt. Es geht um den eigenwilligen Reporter Jeff Sefton, dessen Bruder auf einmal verschwindet. Nate Sefton hat eine Drogenkarriere hinter sich und wirkt wie ein schizophrener, introvertierter Nerd. Deswegen misst Jeff seinen Warnungen über den Kult um die Cult-Serie keine Bedeutung bei. Eben, bis Nate verschwindet. In der Produktionsassistentin der Cult-Serie, Skye, findet Jeff eine Kumpanin, der ebenfalls Seltsamkeiten um Umfeld der Serie aufgefallen sind.
Zusammen tauchen sie immer tiefer ein, in ein Netz von blablabla. Ihr wisst schon.

Nur um das noch mal klar zu machen: »Cult« ist eine Serie, in der es um eine Serie namens Cult geht, die von einem Kult handelt, und die Kult-ähnliche Anhänger in der Realität der (äußeren) Serie hat.
Dabei gibt’s jede Menge Parallelen und Anspielungen zwischen »Cult«, der äußeren Serie, und Cult, der inneren Serie-in-Serie. Manche sind offensichtlich, wie die Parallelen zwischen den Handlungen (Ermittlungen gegen den Kult, Schwester/Bruder geht verschwunden, rotes Auto), manche nur, wenn man drauf achtet (»Executive Producer: Steven Rae«).
Manchmal ist das verwirrend, meistens ist das irgendwie weird, zwischendurch aber auch mal ok. Wie auch immer, zumindest ist es neu. Ich kann mich an keine Serie in jüngster Vergangenheit erinnern, die so massiv mit verschiedenen Show-Realitäten gespielt hat.

Wenn auch schon länger in Vorbereitung, ist »Cult« doch auf eine Art The CWs Antwort auf »The Following« (Die Two-Shows-Regel: Es gibt immer zwei Versionen einer Serie). Eine Gruppe von Psychopathen verfolgt einen Kult und mordet in dessen Namen.
»Cult« hat dabei das Mystery-Element etwas aufgeschraubt. Stück für Stück, Folge für Folge, wird die Verschwörungszwiebel ein bisschen weiter gepellt. Natürlich nicht, ohne dass Lost-esk eine neue Facette des großen Rätsels zum Vorschein kommt. Tatsächlich macht »Cult« seine Mystery-Sache gar nicht schlecht. So viele unerwartete Wendungen in so kurzer Serienzeit hatten wir schon lange nicht mehr.

Aber der Plot! Der mag zwar wegen der Serien-in-Serie-Interaktion ganz neat, vielleicht mal für einen kurzen Lidschlag sogar spannend sein — aber im Ganzen wirkt das so weit hergeholt, puh! Und noch nicht mal gut. Eine B-Movie-Horror-Schnitzeljagd in poppigen The-CW-Farben, (noch) ohne irgendwelchen Trash-Charme.
Bei »The Following« mag das zu einem gewissen Maß ähnlich sein — aber immerhin haben dort die Charaktere Tiefe. Während Kevin Bacon von Folge zu Folge damit kämpft, noch eine Stirnfalte mehr in die Kamera zu drücken, schaffen die Hauptdarsteller bei »Cult« es weder durch Schauspielern, noch durch Dialoge irgendeinen Tiefgang in die Show zu bringen. The-CW-typisch furchtbar gut aussehen reicht nicht immer. Ich hatte nicht mit Oscar-würdigen Leistungen gerechnet, aber bitte doch mehr als das.

Halten wir fest: Die Serien-Metaebene macht »Cult« interessant, letztendlich ist die Show aber nicht allzu gut.

→ »Cult« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 46

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