Da Vinci’s Demons

Da Vinci's DemonsDer junge Leonardo da Vinci ist ein cleverer Bursche. Am laufenden Band erstellt er Kunstwerke und wilde Erfindungen aus seinem prallgefüllten Notizbuch. Just zum Osterfest des Herrschers von Milan liefert er eine selbstständig fliegende Taube aus Metall ab – 1477. Aber er hat noch mehr in petto: Einen Flugdrachen, mit dem Menschen die Lüfte erklimmen können. Und Kriegsmaschinen, die er nun offiziell für die Regierung herstellt.
Außerdem gibt’s einen mysteriösen Türken, der mysteriöse Sachen auf Drogentrips babbelt und dann plötzlich, mysteriös!, verschwindet. Und schwule Päpste. Und Affären. Und Mord und Totschlag.

»Da Vinci’s Demons« benutzt die faszinierende Gestalt des tatsächlichen Leonardo da Vincis, um auf dem Fernsehschirm das zu machen, was das Kino mit Sherlock Holmes, Abraham Lincoln und Hensel und Gretel gemacht hat: Die klassische Gestalt mit Übernatürlichem, Steam-Punk-eskem, Heldenhaftem überzeichnet. »Da Vinci’s Demons« hat dabei aber keine Hexen, Dampfmaschinen oder Vampire, sondern einen genialen Hauptcharakter, der so ungefähr alles kann, seiner Zeit voraus ist und genial ist. Außerdem ist er genial.

Ich fand Leonardo da Vinci immer schon begeisternd — also der historische, tatsächliche Leonardo. Was der vor ein paar hundert Jahren schon für Ideen gehabt hat? Wow! Einer der Wissenschaftler der Neuzeit. Damals™, in Kunst, da habe ich sogar mal das Flugboot da Vincis nachgebaut!

Bevor wir über alles reden, was ok und was schlecht ist an »Da Vinci’s Demons«, reden wir darüber, was gut ist. Denn immerhin nehmen die Showmacher Realitäts-basierte Projekte und Maschinen, die da Vinci gerade erforscht. Das ist doch was. Yay.

Zum ok-en. Und das ist das meiste bei der Show. Dinge, die konstant naja-ig sind, mit Hang zum ohje-en, weil man erkennt, was die Autoren und Showrunner erreichen wollten, aber schlussendlich gescheitert sind. Die Story hat gute Ideen, ist aber durchweg viel zu übertrieben. Die Show läuft auf Starz, hat also, natürlich, unangemessene Sex-Szenen. Aber wenigstens gibt’s zwischendurch ein paar Comic-Relief-Momente. Und eine hübsch anzuschauende Laura Haddock, deren Rolle allerdings auch bescheuert ist. Und es springt tatsächlich zwischendurch ein bisschen der Begeisterung über, mit der der Serien-da-Vinci ADHS-ig aufgedreht durch den Tag hüpft.

Einiges ist aber einfach nur pur schlecht: Diese Macht-Papst-Story (WTF?!), die seltsame Erscheinung des Propheten, da Vincis Protegee, das Rollenmotiv der Homosexualität in der Show, die Computereffekte. Viele, der Charaktere sind grenzwertig geschrieben.

»Da Vinci’s Demons« war eine nette Idee, die aber leider gescheitert ist. Für mich zumindest, irgendwer scheint den Kram (trotz schlechter Quoten) zu schauen — eine zweite Staffel der Show ist geordert.
Für mich ist das zuviel Fremdschämen, zuviel Was passiert da gerade?!, zu wenig gute Story, zu wenig sympathische und gute Charaktere. Auch wenn mich der Twist (da Vinci als Erfinder-Held) interessiert hätte — die Show ist B-Klasse-TV.

→ »Da Vinci’s Demons« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 62

(Woher holt die Show ihre Metacritic-Punkte? Und manchmal, da kann ich mir ja auch überzogene, billige Shows ansehen. Aber »Da Vinci’s Demons« nervt einfach nur.)

CyberChimps