Finding Carter

finding-carter-mtv

„Losing Lyndon“ war einst ein Bestseller von Buchautor David Wilson (Alexis Denisof). Darin beschreibt er, wie seine Tochter Lyndon als kleines Mädchen entführt wird und die Tragödie, die dies für seine Familie – Ehefrau Elizabeth (Cynthia Watros) und Zwillingsschwester Taylor (Anna Jacoby-Heron) war. Im Teenager-Alter nun findet die zerrüttete Familie die totgeglaubte Tochter wieder: Aus Lyndon wurde Carter (Kathryn Prescott), aufgezogen als leibliches Kind ihrer einstigen Kidnapperin. Und während die Familie nicht glauben kann, ihre Lyndon zurückzuhaben, kämpft Carter mit der Wahrheit.

Und da liegt auch schon die Krux der neuen MTV-Serie: Carters Kampf mit der Wahrheit ist stoisch, ihre Reaktion eine seltsame Mischung aus Gleichgültigkeit, Rebellion und Verklärung. Währenddessen gehen die Familienmitglieder einschließlich des erst nach der Entführung geborenen Bruder die Wiedereingliederung auch reichlich merkwürdig an: die Schwester mit Eifersucht auf den besten Freund, auf den sie steht; die Mutter mit Strenge; der Vater, in dem er den nächsten Bestseller plant, der vor der Pfändung des Eigenheims bewahren soll.

Die Situation, die sich diese Serie vornimmt, ist harte Kost. Ich maße mir nicht an, zu verstehen, wie diese Charaktere sich verhalten „sollten“, während dies eine reale Situation. Aber wie „Finding Carter“ das Thema angeht, will sich mir nicht erschließen. Die rohe Emotion, die ich erwarte, wird nicht geliefert. Ich bin nicht einmal gerührt. Dazu kommen unsensible, unfähige Ermittler, die das Storytelling noch mal zusätzlich versauen.

Nachdem ich erst kürzlich den Trailer entdeckt hatte, habe ich mich wirklich auf diese Serie gefreut. Was auf MTV läuft, kann man – sofern man sich einer bestimmten Zielgruppe zugehörig fühlt – durchaus anschauen. Und Kathryn Prescott hatte dank ihrer Rolle der Emily im britischen „Skins“-Original einen Stein im Brett. Aber ihr möchtegernamerikanischer Akzent macht es am Ende eher schlimmer. Ich bin mitten in der zweiten Folge ausgestiegen.

Vielleicht bin ich gnadenloser mit der Serienwelt in diesem Sommer. Oder das bisherige Angebot hat einfach nichts zu bieten. Ist aber auch nicht schlimm, sind schließlich 28 Grad draußen.

→ „Finding Carter“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 71, Tomatometer: 88

CyberChimps