Girls

GirlsIch tue jetzt etwas, das für dieses Blog eher ungewöhnlich ist: eine Serie besprechen, nachdem die erste Staffel bereits vorbei ist. Aus dem einfachen Grund, dass ich „Girls“ (HBO) erst vor zwei, drei Wochen angefangen und seither überlegt habe, wie ich meine Begeisterung für dieses an vielen Stellen eher leise Format ausdrücken soll. Ich gestehe, dass ich mehr als ein Mal im Jahr der Meinung bin, eine richtig gute neue Serie gesehen zu haben und schnell feststellen muss, dass mein erstes Urteil eher daneben war.

Warum es diesmal anders ist und „Girls“ auch nach zwölf Episoden noch richtig, richtig gut? Die einfachste Erklärung, ohne zu wissen, ob es das schon ist: Die New Yorker Frauen entstammen wie ich der Generation Y, sie feiern zwar in New York äußerst superbe Partys und haben horrende Mieten, die man hierzulande kaum nachvollziehen kann, aber ansonsten sind sie ziemlich genau wie „unserereiner“: Auf der Suche nach Liebe, nach dem Glück im Beruf, mal unsicher wie Hannah (Lena Dunham, die zugleich Schöpferin der Serie ist), mal konservativ mit dem Willen, auszubrechen, wie Marnie (Allison Williams), mal ein Freigeist wie Jessa (Jemima Kirke) oder liebenswert komisch wie Adam (Adam Driver). Ohne den Glitz und Glamour von „Gossip Girl“ oder die Oberflächlichkeit von „90210“, ein wenig „How To Make It In America“ für junge Frauen und authentischer (wie schon Andi in seinem Review bescheinigte), dabei nicht so  klischeebehaftet und auf Gags aus wie Executive Producer Judd Apatow („Hangover“, „Nie wieder Sex mit der Ex“) erwarten ließ.

Lena Dunham, die gerade mal ein Jahr jünger ist als ich, bezeichnet „Girls“ als eine Art Nachfolger von „Sex and the City“, wogegen ich allerdings auch schwer gegen protestieren muss. So authentisch und nah am – zumindest meinem – Leben war „SatC“ nie. Vielleicht empfinde ich das auch nur so, weil dies eben meine Generation ist und ich von Carrie und Co. noch immer einige Jahre entfernt bin. Trotzdem habe ich versucht, den Vergleich zu ignorieren, da er „Girls“ in eine Ecke stellt, der die Serie nicht gerecht wird. Denn es geht um weit mehr als um Freundinnen und ihre Suche nach Sex und Liebe.

„Girls“ bildet das Zweifeln und die Verwundbarkeit einer gerne thematisierten, verwirrten Generation in recht ungeschminkter Form ab. Thematisiert zwar ebenso wie einst „SatC“ die sexuellen Eskapaden einer Clique, aber verliert sich darin selten in Übertreibungen. Bleibt auf dem Teppich und zeigt den Mut, glanzlos und lebensnah zu sein, wo „SatC“ oft schrill daherkam. Lena Dunham hat – nach Aussage ihrer Figur Hannah – 13 Pfund zu viel auf den Rippen, sie hat das Gefühl, nicht gut genug zu sein, nicht beziehungsfähig. Marnie hingegen wirkt eher zugeknöpft, entdeckt ihre experimentelle Seite, sucht sich am Staffelende einen etwas dicklichen Fremden für einen gestohlenen Kuss. Und während man denkt, Jessa sei der abgedrehteste Charakter, treten mit Adam und Shoshanna (Zosia Mamet) noch weitere auf den Plan. Das Spektrum ist breit.

Sicher, auch sie feiern surreale Partys, haben spontante Einfälle und adorkableBeziehungen, die erst einmal sehr fiktiv wirken. Irgendwo her muss schließlich auch die Unterhaltung kommen, denn unser normales Leben ist nun eben nicht sonderlich TV-unterhaltend, egal, was uns RTL und Co. gerne zu vermitteln versuchen. Die Mischung ist das, was für mich den Charme von „Girls“ ausmacht.

GirlsIch mag damit schon die Zighundertse junge Frau gleichen Alters wie die Charaktere sein, die dies ins Netz schreibt. So what. Denn ich habe auch einige Kommentare gelesen, deren Verfasser „Girls“ für völlig überbewertet halten. Doch immerhin kann ich behaupten, die Serie geschaut zu haben ohne möglicherweise beeinflusst gewesen zu sein von diesen Aussagen, denn „Girls“ zu schauen, wurde mir zwar einmal empfohlen, war aber sonst eine eher durch Langeweile motivierte Handlung. Der Hype war also bei mir gar nicht angekommen.

Und doch stelle ich fest, dass das Finale mich gerade halb auf dem Sofa herumspringen, juchzend hinterlässt, mit dem Bedürfnis, mir eine Flasche Wodka zu schnappen, wie Hannah meine Lebensgeschichte aufzuschreiben, wie Shoshanna wild im Zickzack zu laufen, mit Jessa auf die coolste Party zu gehen oder von Marnie – ja, schlimm, ich weiß – Frisurtipps zu bekommen. Als junge Frau im selben Alter habe ich mich selten mit Charakteren so identifiziert, glaube ich. Und das ist letztlich schon das einzige Geheimnis: Dunham hat es geschafft, sich abzusetzen von vielen Klischees der Serienfiktion, die der Meinung ist, nur tiefe Dekolletés, Schminke, Popularität und Geld kommen an, – und überraschenderweise auch von HBOs übermäßiger Liebe für Sexszenen.

Letztlich hat es dann auch kaum einer geguckt, aber angesichts all der (positiven wie negativen) Kritiken waren die rund eine Million Zuschauer immerhin laut genug, um „Girls“ bereits in die Verlängerung zu schicken. Mich freut’s unheimlich!

CyberChimps