Hindsight

Hindsight

Endlich mal wieder eine Serie, die es in meinen Fingern jucken lässt und das Newshows-Blog mit neuen Inhalten füllt: „Hindsight“, die erste eigene Scripted Serie von VH1. Serien sind auch für Musiksender der neue heiße Scheiß – und VH1 liefert gleich im ersten Wurf was ziemlich Gutes ab, das Musik, Popkultur, Liebe und Erfolg verwebt und ein sehr amüsantes, liebevolles Stück Fernsehen draus macht.

In „Hindsight“ soll Becca (Laura Ramsey) gleich Sandkastenfreund Andy heiraten und wird nachdenklich. Während sie noch über die Vergangenheit, ihre gescheiterte Ehe und verlorene Freundschaften grübelt, bringt sie eine mysteriöse Aufzugfahrt zurück ins Jahr 1995. Statt Andy wartet ihre erste große Liebe Sean vor dem Traualtar, der Becca im ersten Anlauf ihres Lebens nicht glücklich machen konnte. Ihre zweite Chance nutzt sie und läuft Sean davon, um die Fehler ihrer Vergangenheit auszubügeln: den Bruch mit ihrer besten Freundin Lolly, das Schicksal ihres drogengeplagten Bruders, die aussichtslose Karriere.

Das klingt ein bisschen nach „Being Erica“, aber tatsächlich ist das Zeitreiseelement nicht so zentral, die Mythologie steht weniger im Fokus als die Frage, ob es so was wie Schicksal gibt. Es dauert nicht lange, bis Beccas verändertes Selbst auch Veränderungen im Leben anderer Menschen hervorruft – eine Entwicklung, die sie erst versucht, aufzuhalten, um dann zu merken: Das Universum findet einen Weg.

Hach, und die Klamotten! Die Musik! Die Technik! Die Serienspoiler! „Hindsight“ ist für jeden Popkulturfan, der in den Neunzigern sozialisiert wurde und noch weiß, was VHS-Kassetten sind, ein Juwel. Allein über Beccas Einwürfe von Ich kann die Erfindung des iPhones nicht abwarten! bis Was würde ich jetzt für ein Uber geben! habe ich mich jedes Mal amüsiert. Beiläufig verrät sie ihrer besten Freundin, dass Monica und Chandler in „Friends“ ein Paar werden, oder erfindet einfach mal frühzeitig das virale Marketing – herrlich! Nur auf die Idee gekommen, Aktien zu kaufen, ist sie noch nicht – kann ja noch kommen, die zweite Staffel wurde, Seriengott sei Dank, gerade bestellt!

Erst nach einigen Folgen hat mich „Hindsight“ dann auch jenseits der popkulturellen Referenzen gepackt. Laura Ramsey und Lolly-Darstellerin Sarah Goldberg haben eine tolle Chemie und bringen eine authentische Frauenfreundschaft auf den Bildschirm, die man selten zu sehen bekommt. „Hindsight“ verliert dieses zentrale Element nie aus den Augen, auch wenn es über weite Teile um all die Männer in Beccas Leben geht. Und nicht zuletzt steht von Anfang an die Frage im Raum: Was hat einst die Freundschaft von Becca und Lolly zerstört? Becca weigert sich, es Lolly zu verraten. Ich wollte es unbedingt wissen und habe „Hindsight“ nach anfänglich eher beiläufigem Schauen am Ende bingewatchen müssen, weil’s mich so gepackt hatte.

Also: Eine klare Guckempfehlung für alle, die Spaß an popkulturellen Referenzen, authentischen Charakteren, ein bisschen Mytholodie und Boydrama haben.

→ „Hinsight“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 100%, Metacritic-Score: 72

Ein Gedanke zu “Hindsight

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