House of Cards

House Of CardsFrancis J. Underwood ist ziemlich verärgert. Er war zentral daran beteiligt, dass Garrett Walker neuer Präsident der Vereinigten Staaten wird. Dafür hat man ihm einen Job im Präsidentenkabinett versprochen: Er sollte Secretary of State, verantwortlich für die Auslandsbeziehungen und damit in etwa Außenminister, werden. Aber dem ist nicht so. Der Präsident nimmt lieber jemand anderen. Frank wäre im Kongress wichtiger.
Papperlapapp. Fadenscheinige Gründe. Frank ist verärgert. Und er schwört Rache.
Nach außen gibt er den verständnisvollen, präsidentennahen Politiker, aber hinter den Kulissen schmiedet er Pläne, wie er sich an Walker und seiner Politik rächen kann.
Unterstützt wird er von seiner Frau Claire. Die betreibt ein Non-Profit-Unternehmen, das sich um Zugang zu sauberem Trinkwasser kümmert. Sie steht hinter ihrem Mann und weiß um seine Stärken, nutzt seine Kontakte auch selbst um ihr Unternehmen zu fördern. Außerdem noch wichtig: Die junge Journalistin Zoe Barnes, die eigentlich unwichtigen Kram für den Washington Herald schreibt, sich aber zu Größerem berufen fühlt. Sie geht eine Partnerschaft mit Frank ein.

Ihr habt sicherlich schon viel über den Hintergrund der Show gehört, schließlich lest ihr Serienblogs in diesem Internet. Solltet ihr dennoch Wissenslücken besitzen (Abzug in der B-Note!), es folgt das wichtigste: »House of Cards« ist die erste, richtige Show, die nur im Internet ausgestrahlt wurde. Der Online-Streaming-Anbieter Netflix hat 26 Folgen für insgesamt circa 100 Millionen Dollar bestellt. Vor zwei Wochen wurden die 13 Episoden der ersten Staffel auf einmal veröffentlicht (die erste Folge könnt ihr euch umsonst anschauen, vorausgesetzt Netflix lässt euch durch die Geoschranke). David Fincher ist Produzent der Show und Regisseur der ersten beiden Episoden, Kevin Spacey spielt die Hauptrolle.

Da ist also so einiges bemerkenswert an »House of Cards«. Online-only, alle Folgen auf einmal veröffentlicht und mit David Fincher und Kevin Spacey sind ganz schön große Namen involviert. Aber abseits all des Hypes — taugt »House of Cards« was?

Ja!

Netflix delivers. Oder eher: Fincher delivers. »House of Cards« ist ein hervorragendes Stück Fernsehen (in Ermangelung eines besseren Wortes ist das hier wohl ›Fernsehen‹, was?). Dunkles Polit-Stratigieren, voller Intrigen und komplexer Machtspielchen. Eine aufwändig produzierte, anspruchsvolle Soap für den kleinen Jurastudenten in uns allen.

Ich gebe zu: Es ist nicht leicht, vollständig bei »House of Cards« Schritt zu halten. Dafür ist das amerikanische Staatswesen zu fremd, zu komplex und zu komprimiert erzählt. Aber irgendwie schafft man das, wenn man will. Und dann ist die Show wirklich großartig.
Es macht Spaß, Kevin Spacey beim Spielen zuzusehen. Toll, wie er die vierte Wand durchbricht — mal mit Worten und mal nur mit kleinen Gesten. Seine Film-Frau, Claire, ist ebenfalls großartig und vielschichtig gespielt (von Robin Wright). Kate Mara macht ihre Sache ganz hervorragend — aber das wissen wir seid »American Horror Story«.
Inszeniert und gefilmt ist die Show makellos. Der Production Value ist näher an einem standard, hoch-budget-igem Film, als an einer Standard-Serie. Man merkt, dass da ein riesiges handwerkliches Können versammelt wurde.

Man muss ein gewisses Grundinteresse für politische Machtspielchen mitbringen — sonst hängt einen »House of Cards« ziemlich schnell im Desinteresse ab. Wer »The Newsroom« mag, der wird mit Sicherheit auch »House of Cards« mögen. Überhaupt, das einzige, was man »House of Cards« als Verbesserung anraten könnte, wäre ein bisschen Sorkin-heit. Die Dialoge zwischen den Charakteren stehen manchmal der restlichen Perfektheit hintenan.

Aber egal, »House of Cards« wird weitergeguckt. Idealerweise am Stück (in den USA nennt man das jetzt binge watching).

→ »House of Cards« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 76


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