Ironside

IronsideRobert Ironside ist knallharter Ermittler in New York. Seit zwei Jahren sitzt er im Rollstuhl. Aber das mindert in keiner weise seine Möglichkeit, clever die vorgesetzten Fälle zu lösen. Sein dreiköpfiges Team von Protégées unterstütz ihn dabei tatkräftig.
Den Auftaktfall bildet der vermeintlichen Selbstmord einer Investment-Bänkerin. Aber nicht alles ist so klar, wie es anfangs zu sein scheint.

»Ironside« ist eine Wiederauflage der 60er-70er-Jahre-Serie gleichen Namens. Auch da ging es um einen Polizisten im Rollstuhl. Mehr kenne ich über die Originalserie allerdings nicht, so dass die folgenden Zeilen ohne Vergleich auskommen müssen. (Das müsstet ihr dann nachholen. In den Kommentaren zum Beispiel!)

Wie ist »Ironside«? Leider nicht allzu gut.
Robert Ironside wird uns als schicksalsgeschlagener, aber tougher Charakter präsentiert. Den Verlust seiner Möglichkeit zu Gehen scheint er überwunden zu haben. Er scheint sogar Stärke daraus gewonnen zu haben. Seinem ehemaligen Kollegen, der damals beim folgenschweren Schuss dabei war, steht er zur Seite und fordert ihn, selbstlos und hart, auf, endlich mit seinem Leben weiterzumachen. Er ist ein Draufgänger und wickelt hübsche Frauen um den Finger. Und dann flippt er beim Gewichtheben aus? Und geht im Befragungsraum völlig unmenschlich mit mutmaßlichen Tätern um?
Die Figur ist konfus geschrieben. In einem Moment kalkulierend, intelligent und allen anderen zwei Schritten voraus. Dann flippt er aus, lässt nichts an sich ran, ist übermäßig aggressiv und brutal. Dann ist er wieder der coole Typ, den sein Rollstuhl eigentlich überhaupt nicht interessiert.
Vielleicht soll uns das, was ich hier als konfus identifizieren, auch die Ambivalenz des Hauptcharakters zeigen. Vielleicht. Wenn dem so ist, dann ist das, für mich zumindest, nicht gelungen. Um solche Entwicklungen in einem Charakter aufzuzeigen braucht es Zeit und Tiefe — und beides kann uns die Pilotepisode bezogen auf Ironside nicht geben.

Ein kleiner Lichtblick, aber letztendlich auch arg klischeeig ist das Team, was Ironside umgibt. Alle scheinen fähig, in Windeseile NSA-Computer zu hacken und dabei mit den Füßen ein dreidimensionales Sudoku zu lösen. Und das alles als linke Hände von Ironside. Hm.

Der Fall der Woche zum Auftakt war OK. Die Autoren wollen uns die Cleverness Ironsides zeigen. Der Mann, der selbst bei Offensichtlichem weiter ermittelt bis er die Hintermänner der Tat gefunden hat. Und Mentalist-artig schon bei der Mitte der Ermittlungen weiß, wer der Bösewicht ist.
Die Hintergrundgeschichte zu Ironsides Unfall war ordentlich und lässt erkennen, dass die Autoren prinzipiell verstehen, eine Spannungskurve zu benutzen. Das ist doch was.

In den USA gibt es eine Kontroverse darüber, dass der Schauspieler, der den Rollstuhlfahrer Robert Ironside spielt (Blaire Underwood), gar nicht selbst im Rollstuhl sitzt. Ja, kann man tatsächlich doof finden. Da fehlt sicherlich an Authentizität in der Rolle — vielleicht auch Respekt. Die Begründung der Produzenten dafür, ist, dass man wegen der Vor-Unfall-Flashbacks jemanden brauchte, der des Laufens fähig ist. Auch das kann man verstehen. Vielleicht hätte man in Zeiten von CGI mit Body-Doubles auch einen Rollstuhlfahrer wieder laufen lassen können, aber das hätte sicherlich wieder ordentlich was gekostet.
Ich bin da nicht allzu böse drüber, keinen Rollstuhlfahrer für die Hauptrolle in »Ironside« genommen zu haben.
Was das allerdings bewirkt hätte, wäre die Rollstuhl-bezogene Glaubwürdigkeit der Serie etwas anzuheben. Zählt doch einfach mal die Rollstuhlrampen oder -lifte in der Show… Ja, selbst Ironsides Wohnung scheint keine zu haben.

»Ironside« hat zum Auftakt zu wenig Tiefe und zu viel Klischee. Der Hauptcharakter ist zu unstringent geschrieben. Der Fall der Woche ist ok.
Für mich hat das Thema rollstuhlfahrender Ermittler Potenzial. Immer noch. Ich werde die Show noch weiterverfolgen.
Vielleicht machen die Autoren ja noch was draus. Aber ich befürchte…

→ »Ironside« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 44, Tomatometer: 17%

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