Last Resort


Die USS Colorado, das größte aller amerikanischen Atom-U-Boote, über- bzw. unterquert gerade mit lauter Musik den Äquator, als plötzlich das Fax anspringt. Kein gutes Zeichen. Über das Fax kommt der Befehl, Atomraketen auf Pakistan zu schießen. Allerdings kommt der Befehl nicht über die übliche Kommunikationsleitung, sondern über ein antarktisches Notfallnetzwerk. Seltsam. Captain Chaplin ruft in Washington an, um eine Bestätigung über den Atomangriff auf Pakistan zu erhalten. Und wird daraufhin seines Amtes entledigt. Als dann auch noch der neue Schiffskommandant nach einer Bestätigung verlangt, wird das U-Boot kurzerhand mit Raketen beschossen. Von der eigenen, amerikanischen Flotte.
U-Boot und Besatzung überleben den Angriff trotz Aufschlag auf dem Meeresgrund und gehen auf einer nahen, französischen Insel mit NATO-Stützpunkt an Land. Kurze Zeit später sind amerikanische Bomber unterwegs – Ziel: die Insel. Also schickt der Captain selbst etwas auf den Weg. Eine Rakete mit nuklearem Sprengkopf – Ziel: Washington.

Shawn Ryan (»The Chicago Code«, »The Shield«) versammelt die Belegschaft eines Body-Building-Studios und (gefühlt) die Hälfte der Schauspieler, die letzte Saison arbeitslos geworden ist, steckt sie in ein TARDIS-artiges U-Boot (»it’s bigger on the inside«), schießt ein paar Atomraketen quer durch die Welt und lässt das TARDIS-U-Boot auf der »Lost«-Insel stranden, auf der es mittlerweile trotz NATO-Superradar kriminell geworden ist.

»Last Resort« ist bisher so ziemlich die dickste Serie, die diese Saison gestartet ist. Große Kulissen, schnelle und actionreiche Handlung, riesiger Cast, 24-eske Regierungsverwicklungen auf NATO-Maßstab. Die Show ist eine Art Serien-gegossener Militär-Action-Film. Und trotz der üblichen Action-Genre-Ungereimtheiten und Übersimplifizierungen gefällt mir die Show.

Man muss über die durchwachsenen CGI-Szenen hinwegsehen können, über die dargestellte »Ich spreche nicht, ich hau‘ direkt drauf«-Mentalität. Über die patriotischen Momente (die sich allerdings für so eine Militärshow tatsächlich im Rahmen halten), die typischen Appelle an den Stolz. Die mitunter platten Dialoge und teils äußerst gradlinig verlaufenden Untergeschichten.

Aber wenn man das schafft, dann gibt’s da eine Show, in der gibt’s ein großes U-Boot (ich finde ja, es sollte viel mehr große U-Boote im TV geben!), einen Atomkrieg, Verschwörungen und Action. Und eine Schauspielerriege, die durchaus ansehbar und fähig ist.
»Last Resort« ist keine tiefsinnige und bis ins Detail gut gemachte Serie, wie sie vielleicht »The Good Wife« oder, Genre-näher, »Game Of Thrones« ist. Aber eine schnelle, fette Show mit großem Budget, die Spaß macht. Eine Popcorn-Show, gewissermaßen.
Zumindest kann sie das werden! Denn dieser Zustand muss erst einmal über die Pilotepisode hinweg bestehen bleibt. Wie wir wissen, ist das Budget einer ersten Folge immer um einiges höher als das der folgenden – und wenn unter dem fehlenden Budget die falschen Teile der Show leiden, dann bleibt irgendwann nur ein dummes, überverschwörtes Militärpatriotendrama mit schlechten Actionszenen.

Fassen wir also zusammen: »Last Resort« gefällt Andi erstmal gut, muss sich aber noch beweisen. Wird aber wohl nie eine tiefsinnige Show werden.

→ »Last Resort« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer

(Ich brauche übrigens auch mein persönliches U-Boot mit Anti-Magnetismus-Gerät. Ich sammele von nun an Spenden.)
Achja, und nächste Doppelstunde klären wir, was es dieses Jahr mit diesen »Charakter stehen in Gruppe«-Serien-Postern auf sich hat und gehen auf Spurensuche, welche Geschichtsdetails in ihnen versteckt sind.

CyberChimps