Magic City

Magic CityIke ist Besitzer des Miramar-Playa-Hotels in Miami – die Adresse für luxuriöses Wohnen in der Stadt. Es ist Ende 1958, die Sonne scheint, die Frauen sind hübsch, die Männer betrunken. Vor der Küste Miamis übernimmt Fidel Castro Cuba, im Miramar soll Frank Sinatra den Silvesterabend begleiten. Das könnte so schön sein, wäre da nur nicht dieser Streik des Personals, der Ike ganz schön zusetzt.
Jetzt darf er nicht nur das tägliche Hotelgeschäft managen, sondern muss sich auch noch darum kümmern, dass zum Jahreswechsel seine Luxusgäste nicht von Protestplakaten gestört werden. Letztlich bleibt ihm nur noch ein Mittel: Er bandelt mit dem Mafiaboss Ben Diamond an, der das Problem verschwinden lässt.

»Magic City« ist der letzte Start der 60er Serien dieser Saison. Und vermutlich auch der mit der tiefgehendsten Story. Allein in der Pilotepisode gibt’s neben der oben beschriebenen Haupthandlung gefühlte 30 Nebenstränge, die teils plump und mit dem Holzhammer, teils aber auch interessant und neat eingeführt werden.
Der Ton der Serie ist sehr gemächlich und ruhig. Man sitzt viel, raucht, trinkt. Trotzdem muss natürlich das Hotel verwaltet werden, mit all seinen Intrigen, Entgleisungen und Kompromissen.
Die Darsteller machen ihr Ding gut innerhalb des Settings. Allen voran Hauptdarsteller Jeffrey Dean Morgan passt wunderbar in die Rolle des Hotelmoguls mit weißem Sakko und ambivalentem Kern.
Laut Showrunner Mitch Glazer beruhen die Geschichten auf wahren Situationen, die er, oder seine Freunde, im damaligen Miami mitbekommen haben. Außerdem verspricht er noch etwas CIA, die allerdings in der ersten Episode noch keine Rolle spielte…

»Magic City« ist die Mad-Men-igste 60er Serie der Saison, näher an »Pan Am« als an »The Playboy Club«, schmeißt noch etwas Atlantic-City-Feeling aus »Boardwalk Empire« in den Mix, fährt den Sex-Regler auf Kabelnetzwerkniveau hoch und dreht Kontrast und Dunkelheit auf +20%.

Letztlich ist aber leider alles etwas too much. Zuviel Dinge passieren in der ersten Episode, ohne dass wirklich etwas passiert. Und wie es zu den einzelnen Situationen kommt ist manchmal einfach zuviel des Guten.

Wenn »Magic City« sein Erzähltempo findet, sich etwas ordnet und erstmal die Basis geschaffen hat, dann kann das eine ganz hübsche Serie werden. Das »etwas passiert, ohne dass wirklich etwas passiert« hat Mad Men perfektioniert, vielleicht klappt das ja auch irgendwann für »Magic City«.

Ich schaue erstmal weiter und hoffe das Beste.

→ »Magic City« bei TVRage
→ Trailer (Red Band, NSFW)

(Die Show wurde schon vor der Ausstrahlung von STARZ für eine zweite Staffel verlängert. Vielleicht gibt das dem Autor ja etwas Freiraum, nicht zu viel über das Knie zu brechen.)

CyberChimps