Manhattan

ManhattanAls Dr. Charlie Isaacs auf einem eingezäunten Stützpunkt mitten in de Wüste New Mexicos ankommt, zweifeln seine Familie und er daran, ob das wirklich der richtige Schritt in der Karriere das jungen Physikers war. Das Seltsame: Isaacs weiß gar nicht, worauf er sich eingelassen hat. Ein streng geheimes Radarprojekt, vermutet er.
Schnell wird er von seinem neuen Chef, Dr. Reed Akley, mit der Wahrheit konfrontiert: Er soll an der Entwicklung der Atombombe mitwirken. Ein Projekt, das Isaacs bis zu diesem Moment noch für hirngespinstige Zukunftsmusik hielt. Doch die USA setzen große Stücke darauf, dass die Bombe Hitler zurückschlagen und den zweiten Weltkrieg ein für alle Mal beenden kann. Isaacs ist jetzt Teil davon und mitverantwortlich, den Krieg zu beenden.
Er wird Teil von Akleys Arbeitsgruppe und arbeitet in Zukunft mit am Thin-Man-Design. In der geheimen Stadt im Nichts gibt es ein zweites, weniger Prestige-trächtiges Bomben-Design-Projekt. Ausgeführt wird es von einer kruden Gruppe Aussenseiter rund um den eigenartigen Leiter Dr. Frank Winter. Anders als Thin Man, soll ihr Design über die Verdichtung der reaktiven Masse funktionieren. Aber, falls das überhaupt funktionieren sollte (und so richtig glaubt da keiner dran), bedarf es noch einiger, cleverer Forschungsarbeit.

»Manhattan« portraitiert das amerikanische Manhattan-Projekt, bei dem in der ersten Hälfte der 1940er Jahre in einem abgelegenen, rasch aufgezogenem Militär-Forschungs-Städtchen namens Los Alamos die ersten Atombomben entwickelt wurden. Die Show ist keine historisch korrekte Dokumentation der Geschehnisse von damals, bemüht sich aber, der Geschichte treu zu bleiben. Die Tatsachen und Forschungen des Projekts dienen als Basis der Geschichte, die Charaktere sind, teilweise stark, inspiriert von Personen, die real existiert haben. Und zwischendurch gibt’s ein ordentliches Physiker-Name-Dropping.

»Manhattan« handelt von den wahren »Mad Men«. Physiker, die versuchen, mit Gleichungen und Maschinen die Natur zu bändigen. Bis zur Atombombe war Physik nur Teil des Baukastens der Theorie allen Seins. Wichtig, aber ohne große praktische Anwendung. Mit der Idee einer Atombombe konnten Physiker zum ersten Mal aktiv die Zukunft mitgestalten. Sie wurden zu Schlüsselfiguren, zu streng geheimen Superhelden, die mit Kreidestiften die Welt retten konnten. Und hatten viel zu häufig keine Ahnung, was sie da gerade tun. Verrückte Wissenschaftler, par excellence.

Die Show fängt diesen Umstand hervorragend ein. »Manhattan« hat seine Physik gut vorbereitet. Ich hätte nicht gedacht, dass die realen Probleme von damals so spannend erzählt werden könnten. Tatsächlich sind die verschiedenen Bomben-Designs Teil des original Manhattan-Projekts, inklusive der Probleme, die bei ihnen auftreten.
Aber, so sehr mich, als Physiker, die Sichtung von echten Physikern mit dem Technik-Projekt der Neuzeit auch erfreut, und so sehr mich allein die Produktion so einer Show wieder ein Stück Vertrauen in die Menschheit zurückgewinnen lässt (»The Big Bang Theory«, I’m looking at you!) — bei »Manhattan« geht’s eigentlich gar nicht um den Bau der Atombombe. Nungut, zumindest nicht vordergründig.

Bei »Manhattan« geht’s um das Leben in der künstlichen Stadt, mitten im Nichts. Das Leben von Physikern und besonders deren Familien mit konstanter Geheimhaltung, Abgeschottetheit von allem Externen, mit dem allumgebenden Druck, Teil des Kriegsendes zu sein.
Die Show hat einen erstaunlich großen Ensemble-Cast.1 Die Hauptcharaktere Isaacs (Ashley Zukerman) und Winter (John Benjamin Hickey, basierend auf Seth Neddermeyer) sind nur die Spitze des Eisbergs. Ihre Frauen, ihre Kollegen, alle haben ganz eigene Storylines, die alle mal mehr, mal weniger mit der Forschung am Projekt interferieren.

»Manhattan« schafft es, gleichzeitig hinreichend historisch akkurat und trotzdem sehr unterhaltsam und spannend zu sein. Nicht zu letzt tolle Darsteller bringen den wahren Stoff authentisch rüber. Was das damals für ein Projekt gewesen sein muss…
Die Show hält sich, glücklicherweise, zurück, die Entwicklung der Atombombe moralisch zu bewerten. Zwischendurch gibt sie uns mit Hilfe der Zweifel ihrer Charaktere einen flüchtigen Blick auf die verschiedenen Einstellung der Technik gegenüber, bleibt dann aber im Großen der historischen Entwicklung der Sache treu. Es galt schließlich einen Krieg zu beenden.

Mir gefällt »Manhattan« ganz hervorragend. Toller Stoff für ein historisches Drama, der viel zu lange unangetastet in den Schubladen herumlag. Die Kombination aus der Entwicklung der Massenvernichtungswaffe, zusammen mit dem profanen, aber wichtigen Zwischenmenschlichem, das macht die Show für mich einzigartig.

Ein wahrer Glücksgriff für WGNs zweite selbstproduzierte Serie!2

Hier gibt’s ein paar Impression über die historische Akkuratheit der Show.

→ »Manhattan« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 89 %, Metacritic-Score: 78
Trailer


  1. Dafür, dass sie die Eigenentwicklung eines kleinen TV-Senders ist. 

  2. Die erste war »Salem« — was auch schon ganz gut, aber eine völlig andere Kategorie war. 

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