Monday Mornings

Monday MorningsDas Chelsea General Hospital ist ein ereignisreiches Krankenhaus. Wir verfolgen fünf Doktoren, wie sie tagtäglich mit brennenden Motorsägenschwertern jonglieren. Medizinisch.
Die erste Folge verliert keine Sekunde und bringt uns direkt in den Operationssaal zu einer nachautounfalligen Gehirnoperation. Das Übliche eben.
Patientin gerettet, kurzes Verschnaufen und das Tumore-Wegoperieren im Akkord geht weiter. Lebensbedrohliche Operationen, geniale Operationen, noch nie gemachte Operationen. Vorwiegend am offenen Schädel.
Einzige Behandlungspause ist während der montäglichen Review-Versammlungen. In denen schart der Abteilungsleiter seine Chirurgen um sich und bespricht die letzten Operationen. Und reißt ihnen vermutlich ordentlich den Arsch auf.

»Monday Mornings« besitzt nicht einen Hauptdarsteller, sondern gleich ein ganzes Ensemble von fünf (oder so). Das spiegelt sich in der Story wieder: Im Gegensatz zu Krankenhausserien, in denen der einzelne Fall im Vordergrund steht und ein 45-minütiges Rätselraten um die Ursache der Erkrankung stattfindet (siehe »House, M.D.«), wählt »Monday Mornings« den »Masse statt Klasse«-Ansatz. Krankenhausserien-Breitbandantibiotika, sozusagen. Eine Vielzahl Krankenfälle geben sich die Operationssaal-Klinke in die Hand und halten uns inhaltlich und dramatisch auf Trab. Man mag einiges an der Serie auszusetzen haben, aber ihr vorwerfen, ein zu geringes Tempo zu haben — das kann man wohl nicht.

»Monday Mornings« ist eine Krankenhausserie auf Speed. Neben der Vielfalligkeit gibt es noch mehr, bei dem Showrunner David E. Kelly (»Ally McBeal«, »Boston Legal«, »Harry’s Law«) den Regler auf 11 gestellt hat.

  • Emotion: Es geht sehr persönlich um die Ärzte und wie sie mit dem Doktorsein klar kommen. Wie sie mit den Erfolgen und den harten Enttäuschungen ihres Jobs umgehen. Wie sie in Sekunden Entscheidungen treffen, die auf Skalpells Schneide zwischen genial und desaströs steht. Das ganze schlägt sich nieder in:
  • Close Ups: Gesichter füllen dauernd das ganze Bild aus und hauen uns mit dem Vorschlaghammer die Gefühle des Charakters um die Ohren.
  • Bildtemperatur: Nicht nur in den Gesichtern wird die geschichtliche Emotion formell transportiert, auch in der Temperatur der Bilder. Häufig sehen wir das kühle blau des Operationssaals, das neonweiß der Krankenhausgänge. Nur, wenn wiedermal mit einer Gesichtsnahaufnahme die Personalemotion ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gelenkt wird, dann sehen wir warme Farben. Ebenso, wenn die frohe Überlebensbotschaft den Familien überbracht wird — oder eine Protagonistin nach Hause kommt. Überhaupt:
  • Location: Es dauert bis zu Minute 26, über die Hälfte der Folge hinaus, bis wir die bedrückende Räume des Krankenhauses verlassen! Es geht eben ums Hospital — alles andere ist nur Mittel zum Zweck.

Die titelgebenden Monday-Morning-Review-Sessions im Krankenhaushörsaal dienen da ebenfalls der Überdramatik der Show. Der allwissende Team-Leiter darf den Mitdoktoren Tribunal-artig ordentlich die Meinung sagen. Und erzählen, wo sie überall gescheitert sind. Wir sind natürlich mit dabei und fiebern mit unseren liebgewonnenen Ärzten mit — schließlich waren wir dabei und wissen, dass sie ihr Bestes gegeben haben!

»Monday Morninsg« katapultiert uns mit Raketenantrieb ins Geflecht einer Chirurgenklinik, die voller Dramatik übermenschliches im Dauereinsatz leistet. Das ganze ist dabei tatsächlich recht solide gemacht, aber eben auch voller triefendem Pathos und Vorschlaghammeremotion.
Wer Krankenhausserien mag, der wird vermutlich »Monday Mornings« ebenfalls mögen.
Ich werde erst noch endoskopisch die nächsten Folgen sichten, bevor ich meine persönliche Enddiagnose erteile…

→ »Monday Mornings« auf TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 55


Ein Gedanke zu “Monday Mornings

  1. Die Überdramatisierung geht mir nach der zweiten Folge ganz schön auf die Nerven. Too much. Wird nicht weiter geguckt.

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