Orange Is the New Black

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It’s just like the Hamptons, just fucking horrible.

Frisch zum Bingewatching auf Netflix1 gelandet: „Orange is The New Black“, die neue (Gefängnis-)Serie von „Weeds“-Erfinderin Jenji Kohan. Weitere Gründe zum Einschalten neben ihrem feinen Humor und Gespür für den schwarzen Blick in den Abgrund: ein namhafter Cast unter anderem mit Laura Prepon („Die Wilden Siebziger“), Taryn Manning, Natasha Lyonne, Kate Mulgrew, noch ein paar „Weeds“-Gesichtern (einer davon mit dem zauberhaften Spitznamen „Pornstache“, kurz für seinen pornösen Schnurrbart) und „American Pie“-Jim Jason Biggs.

Die Story: Piper Chapman (Taylor Schilling, „Mercy“) führt zwar inzwischen ein ziemlich durchschnittliches Leben mit eigenem Business und anstehender Hetero-Hochzeit, doch zu wilden Post-College-Zeiten war sie mit der verruchten Alex (Laura Prepon) liiert und einmalig Teil von deren Deals mit einem internationalen Drogenkartell. Mit über 30 holt sie die Vergangenheit nun ein und Piper muss für 15 Monate in die Justizvollzugsanstalt. Mit allerlei Lektüre vorbereitet und trotz ihrer Angst doch irgendwie zuversichtlich, die Zeit zu überstehen, ist sie nicht wirklich auf das gefasst, was sie hier erwartet: die Gefängnishierarchie, lesbische Affären, Rassentrennung, Lebensgefahr. Wie man sich das so vorstellt – schmerzlich nah dran dargestellt anhand der Insassen und ihrer Backstories.

Da ist die russische Küchenchefin „Red“ (Kate Mulgrew), eine Art Mutterfigur für viele, für Piper jedoch schnell eine gefährliche Gegenspielerin, oder die von mir sehr geschätzte Taryn Manning, die in Ex-Junkie-turned-„Jesus Freak“ Tiffany ihre Paraderolle gefunden hat. Selbst Laura Prepon in der Rolle von Pipers Ex und nun – oops, was ein doofer Zufall – Mit-Insassin Alex überzeugt, während sie zuletzt doch immer nur eine fade Rolle nach der anderen zu haben schien. Und nicht zuletzt Hauptdarstellerin Taylor Schilling, die in „Mercy“ oder dem Nicholas-Sparks-Schmachtfetzen „The Lucky One“ nicht gerade mit Vielschichtigkeit brillierte, wenn ihr mich fragt. In der ersten 13-Episoden-Staffel macht die Figur und mit ihr Schilling eine bemerkenswerte Verwandlung durch, die man nicht erst in der finalen Szene merkt, die völlig konträr zum Beginn der Serie steht.

All das und mehr, behaupte ich, ist Kohan anzurechnen; man merkt ihre Liebe zum Detail in jeder Folge. Dabei ist „Orange is The New Black“ gleichermaßen Porträt der verschiedenen Seiten eines Menschen und ebenso abstoßend wie anziehend, soapig wie spannend, trivial wie pointiert, mal unheimlich komisch, dann fast schmerzhaft traurig, wenn man sich vor Augen hält, dass die Grundzüge dieser Serie keine Fiktion sind (sie basiert auf den gleichnamigen Memoiren von Piper Kerman).

Absolute Guck-Empfehlung meinerseits. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Netflix für hohe Qualität steht. Nach „House of Cards“ und dem Revival von „Arrested Development“ ist dies schon die dritte (mehr oder weniger originäre) Eigenproduktion in diesem Jahr; wächst hier ein neues HBO heran?


  1. mit Hola Unblocker und ein paar Dollar monatlich für jedermann zugänglich – ein Traum! 

4 Gedanke zu “Orange Is the New Black

  1. Nach Sichtung der ersten beiden Episoden kann ich dir nur zustimmen. Gefällt mir ganz hervorragend, die Show!

  2. Ich finde Kate Mulgrews Charakter Red nach nur zwei Folgen spannender und mitnehmender als ich in sieben Jahren Star Trek: Voyager für Captain Janeway empfunden habe.

  3. Kann mich dem Review nur anschliessen.
    Auch wenn manche Kritiker bemängeln, man hätte viele Themen schon in früheren Gefängnis-Sachen gesehen, finde ich, dass die Serie natürlich gewisse Klischess nicht auslässt (die ersten 10 Sekunden gleich ne Shower-Szene ^^), aber auch geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt. Denn oft kommt es doch ganz anders, als man meint.
    Grösste Bank sind die glaubwürdigen Charaktere und der hervorragende Cast.
    Ich hab zwar noch drei Folgen übrig, aber freue mich schon auf Staffel 2. Hooray for Netflix!

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CyberChimps