Scream

screamGerade noch ein heimlich aufgenommenes Video zweier Schulkameradinnen online gepostet, kommt Nina nach Hause. Musik angemacht1 und kurz in den Pool. Allerdings war’s das dann auch für Nina. Aus dem Pool kommt sie nämlich nicht wieder raus – sie wird vom Ghostface-Killer umgebracht.
Am nächsten Tag ist das kleine Städtchen Lakewood nicht mehr so einsam wie es vorher war: Könnte es sein, dass der maskierte Mörder von vor zwanzig Jahren, Brandon James, zurück ist? Aber wie sollte das möglich sein, James ist doch getötet worden? Während die Highschooler noch irgendwo zwischen Trauer und nächster Intrige hängen, dauert es nicht lange, bis Ghostface 2.0 sein neues Opfer findet…

Ja, ihr lest richtig: Es gibt eine »Scream«-TV-Serie. Auf MTV. Und sie großartiger, bescheuerter Spaß.

Die Serie ist gleichzeitig Remake, aber auch Hommage und Parodie des fast zwanzig Jahre alten »Scream«-Films, der ja selbst auch Hommage und Parodie vergangener Slasher-Horror-Flicks war. Die Serie inkorporiert mit Brandon James die Original-Filme und referenziert sie damit und mit vielen klassischen Horror-Situationen – außerdem ist sie zaunpfahlironisch, wenn sie einen Hauptcharakter das Slasher-Genre als TV-Serie hinterfragen und erklären lässt. Über alle Klassikreferenzen hinaus ist »Scream« ein vollständiges Update. Anstelle klingelnder Wandtelefone in der Küche2 werden hier Instant-Message-Nachrichten auf dem Handy benutzt, um das Opfer vor die Tür zu locken. Und auch die Themen (insb. Cyber Bullying) sind modernisiert.

Was bleibt ist eine Serie voller bescheuerter Schreck-Momente, in denen der Reihe nach die Darstellerriege getötet wird als wäre das so üblich zwischen zwölf und Mittag. Eben genauso wie diese Filme aus unserer Jugend, nur jetzt mit mehr Handy.
Ich fand’s großartig. Bescheuert, billig und blöd. Aber großartig.

→ »Scream« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 42 %, Metacritic-Score: 57
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  1. MTV, wisster? 

  2. Die es natürlich trotzdem gibt. 

Between

Between Netflix
Oh, Netflix, where art thou (in this)?

„Between“ ist eine komische Angelegenheit: eine trashy Serie mit eindimensionalen Schauspielern und Figuren, deren gesamte Prämisse schon darauf angelegt ist, nicht für irgendwen anders als eine ganz, ganz enge CW-artige Zielgruppe interessant zu sein. Die Erwachsenen in dieser Serie sterben nämlich alle innerhalb weniger Tage und hinterlassen eine Bande von Klischee-Teens mit Abercrombie-und-Fitch-Gesichtern.

Worum’s geht: In der Kleinstadt Pretty Lake grassiert irgendein mysteriöser Virus, der plötzlich alle dahin rafft, die älter als 21 sind. Die Regierung verhängt Quarantäne und auf einmal sind die Überlebenden eingesperrt.

Die Serie soll wohl erkunden, was passiert, wenn ein Machtvakuum entsteht. Wie Kinder, Teenager und junge Erwachsene sich schlagen, wenn sie ganz auf sich alleine gestellt sind. Wie eine Gesellschaft funktionieren kann, in der mit dem 22. Geburtstag Schluss ist. Schade nur, dass sie den Figuren keinen Raum zur Entwicklung gibt, überhaupt alle den gleichen Gesichtsausdruck haben. Alle um die Kids herum sterben und man sieht in der sechs Folgen dauernden ersten Staffel nur selten so was wie Trauer. In „Between“ klaffen so viele Logiklücken, als hätte man die Charaktere durch ein Minenfeld gejagt.

Trotzdem habe ich mich durch die erste Staffel gequält. Allein wegen des „Netflix Original“-Labels, das mir die ganze Zeit suggeriert hat, es würde noch besser. Wurde es nicht. Ich kann sogar „Under The Dome“ mehr empfehlen als „Between“. Ihr versteht…

→ „Between“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 27%, Metacritic-Score: 47

The Astronaut Wives Club

The Astronauts Wives ClubAmerika, Anfang der 60er. Die NASA wählt sieben Astronauten aus, die im Projekt Mercury die ersten Menschen im Weltraum sein sollen. Auch wenn die Sowjetunion sie dabei schlägt, die sieben Kandidaten stehen und werden in den unterschiedlichen Missionen einer nach dem anderen in den Weltraum geschossen. Der Job des NASA-Piloten hört allerdings nicht nach dem Verlassen der Raumkapsel auf – das Space Race ist ein Propaganda-gefülltes Prestige-Objekt, das volle Medienpräsenz aller Beteiligten fordert. Samt Frauen. Denn während die sieben Astronauten an Hotelpools auf ihren Einsatz warten, müssen die Frauen die Moral hoch halten und mit der frisch erworbenen Bekanntheit klarkommen.

»The Astronaut Wives Club« ist gleichzeitig schrecklich und irgendwie ok-ish.

Die Serie ist ok-ish, weil sie tolle Schauspielerinnen und nette 60er-Jahre-Kulisse vereint. Außerdem nimmt man ein wenig am pionierhaften Weltraumerforschen teil, von einem unüblichem Blickwinkel. Die Schwarz-Weiß-Fake-Original-Aufnahmen sind ebenfalls ein netter Touch.

Aber die Serie ist schrecklich, weil sie voller platter und langweiliger Geschichtsstränge ist, die manchmal nur marginal besser sind als die in einer Nachmittagssoap.
Ein weiterer Punkt auf meiner persönlichen »Contra«-Liste: Wieso zeigt mir ein Sender die Kaffeegespräche von Frauen über Religion, während zur gleichen Zeit vielleicht die größten technologischen Sprünge der Menschheit voran getrieben werden? Ich will eine Serie über Mercury, Gemini, Apollo; nicht über Untreue und Alkoholprobleme. Vermutlich bin ich, als Weltraumbegeisterter, einfach nicht die Zielgruppe – aber dass es auch anders geht zeigt z.B. »Manhattan«. Da ist das Nicht-Wissenschaft-Drama mit dem Wissenschaft-Drama besser ausgewogen. Wenn’s nach mir ginge hätten wir zuerst drei Serien, die das Weltraumprogramm beleuchten, bevor dann die durchaus komplizierten und spannenden Verflechtungen der Privatleben beleuchtet werden. Denn tatsächlich waren die Frauen der Astronauten ein wichtiger Teil des US-Space-Race. Aber ich hätte eben gerne zuerst das Race gesehen.

Für mich ist »The Astronaut Wives Club« eine mittelmäßige Serie, nicht besser oder schlechter als die nächste Soap, die ich aber trotzdem schaue, weil Astronauten.

→ »The Astronaut Wives Club« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 55 % , Metacritic-Score: 60
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Zoo

Zoo auf CBS
Was wäre, wenn die Tiere dieser Welt die Kontrolle über ihr Leben und den Planeten zurückerobern? Die CBS-Sommerserie „Zoo“ zeichnet – basierend auf einer Romanvorlage – ein Bild von eben diesem Szenario: In aller Welt beginnen Tiere, sich abnormal zu verhalten. Katzen versammeln sich, Löwen tun sich zusammen und töten alles, was ihnen in den Weg kommt. Eine aktivistische Reporterin in Los Angeles (Kristen Connolly) und ein Zoologe in Botswana (James Wolk) entdecken unabhängig voneinander, dass etwas Merkwürdiges mit den Tieren um sie herum passiert. Schon der Trailer der Serie kündigt an: Die Tiere kommunizieren miteinander und sind darauf aus, den Menschen zu eliminieren.

Puh. Die Prämisse ist so spannend wie bescheuert. Nach der Pilotepisode rangiert „Zoo“ auch irgendwo zwischen beiden Prädikaten: Auf der einen Seite ist die Idee, dass die Tiere die Kontrolle übernehmen, reizvoll. Und rein filmisch sind die zunächst vielen Begegnungen mit Löwen für mein Auge jedenfalls gut gemacht. Doch die ganze erste Folge über habe ich mich gefragt, ob dieser Stoff nicht besser auf Buchseiten und in der eigenen Imagination aufgehoben ist. Es holpert und stelzt, die Figuren verhalten sich irrational und bleiben charakterlos, man wird nicht mit ihnen warm – und sie sind vielleicht auch ein bisschen zu viel Klischee dafür: die Journalistin, die wegen ihres anonymen Blogs als „The Girl With The Genie Tattoo“ gefeuert wird; der Wissenschaftler, der zu viel trinkt und sich wegen privaten Problemen nach Afrika zurückgezogen hat; die französische Touristin, die Damsel in Distress, und so weiter.

Eigentlich gefällt mir die Besetzung, genau wie die Cinematografie. Aber die nächsten ein, zwei Folgen müssten das Storytelling-Ruder schon arg rumreißen, damit ich mir „Zoo“ weiter anschaue.

→ „Zoo“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 46%, Metacritic-Score: 55

Humans

Humans auf Channel 4

In „Humans“ sind robotische Haushalts- und Lebenshelfer Realität geworden. Überhaupt übernehmen Maschinen inzwischen routinemäßig einen großen Teil niederer Arbeit und sollen den Menschen das Leben leichter machen. So auch das der Familie Hawkins. Nur dass deren „Synth“ (steht für Synthetic) Anita nicht so eine leere Blechbüchse ist, wie ihre neuen Besitzer glauben. Anita gehört zu einer Handvoll Maschinen mit menschlichen Emotionen, die als Anomalie gejagt werden. Auch die Hawkins merken schnell, dass ihre neue Haushaltshilfe sich etwas menschlicher verhält, als sie eigentlich sollte.

Roboter und ihre Gefühle in Serie, das hat auf meiner To Watch Liste zuletzt das Cop-Procedural „Almost Human“ versucht, hat aber die Dualität von Robotik und Menschlichkeit in einem Wesen nie so gut vermitteln können. Da war die Verwirrtheit des „defekten“ Roboters mehr Slapstick als tiefgehende Erkundung der humanoiden Seele. Bei „Humans“ vermittelt hingegen schon die Pilotepisode sehr gut all die moralischen und gesellschaftlichen Konflikte, die mit der fortschreitenden Digitalisierung und Technologisierung in der Serien-Realität einher gehen, zum Beispiel: Wozu noch sein Bestes in der Schule geben, wenn der potentielle zukünftige Job vermutlich in wenigen Jahren eh von einem Roboter gemacht wird? Solche und andere Fragen nimmt die Serie sich gleich in der ersten Folge vor, ohne überladen zu wirken.

Mama Neumann wird mich vermutlich schelten, wenn sie liest, wie angetan ich von „Humans“ bin. Schließlich liegt sie mir seit Jahren in den Ohren, das schwedische Original „Real Humans“ endlich mal zu schauen. Nun ist es halt „Humans“ geworden und das gefällt mir nach der Pilotepisode wirklich gut.

→ „Humans“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: , Metacritic-Score:

Dark Matter

Dark MatterInmitten flackerndem Licht und lauten Alarmsirenen werden One und Two wach. Sie waren in einer Art Statiskammer, augenscheinlich auf einem Raumschiff, und machen sich sogleich daran, das versagende Schiff zu reparieren. Beide haben keine Ahnung wer sie sind, was sie auf dem Schiff machen und sonst so können. Aber zumindest Two weiß, wie man so ein Gefährt repariert. Es stellt sich heraus, dass noch vier weitere Crew-Mitglieder an Bord sind, die gleiche existentielle Gedächtnislücken haben. Außerdem dabei: Eine Androide. Zusammen machen sie sich daran, herauszufinden, wer sie eigentlich sind, was sie am Bord des Schiffs zu suchen haben und was das eigentliche Ziel war.

»Dark Matter« ist ein waschechter Raumschiff-Science-Fiction, wie wir ihn so schon seit langem nicht mehr über die Mattscheibe haben flattern sehen1. Die Serie wird von Stargate-Alumni Joseph Mallozzi und Paul Mullie gemacht, die sich den Stoff vor ein paar Jahren für eine TV-Serie ausgedacht hatten, dann daraus ein Comic machten und jetzt die Serie zum Comic produzieren.

Den Stargate-Einschlag merkt man ein wenig, am meisten noch am Look & Feel der Charaktere und des Raumschiffs. Aber das ist nichts Schlechtes, Stargate war immerhin guter Science Fiction. Die Geschichte ist, nach ein paar hin und her zur Einführung der Charaktere, etwas vorhersehbar, aber trotzdem interessant. Das Setting ist hinreichend originär um Stoff für ein paar Folgen zu bieten.

Die Serie ist eine Art Kollektiv-»Memento« in Space mit geläuterten Hauptcharakteren. Mir gefällt das, allein schon wegen des Hard-Sci-Fi-Einschlags.

→ »Dark Matter« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 38 %, Metacritic-Score:
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  1. Ein waschechter Raumschiff-Science-Fiction mit blödem Titel. Oder schlägt da der Physiker in mir nur zu stark durch? 

Sense8

Sense8 auf Netflix
Acht Menschen aus aller Welt entdecken plötzlich, dass sie miteinander verknüpft sind, in die Sinneswelt der anderen eintauchen und sich gegenseitig helfen können: Da singt der Kleinganove in Berlin Karaoke mit der Inderin in Mumbai, ruft der junge Afrikaner die Kampfsportfähigkeiten der Koreanerin ab und sieht der Polizist in Chicago die Londoner DJane im Spiegel. Und dann schwirrt da noch Naveen Andrews‘ („Lost“) Jonas um die acht Fremden herum und versucht, sie auf den richtigen Pfad zu leiten.

Welcher das ist, kann ich auch nach vier Folgen noch nicht sagen. „Sense8“ ist eine Netflix-Produktion und als solche zum Binge-Watching gleich in Gänze online gestellt worden. Die Idee der psychischen Verbindung der Sinne ist eine spannende und ich beobachte gerne, was Netflix versucht, mit dem Science-Fiction-Genre zu machen.

Leider gibt es viele Dinge, die mich an „Sense8“ stören: Die Serie über die Sinne ist für meine Sinne ziemlich anstrengend. Die Handlung ist durch die acht Hauptfiguren an sich schon sehr zerstückelt. Es dauert lange, bis man mal in die Welt einer Figur länger als eine Minute eintauchen kann; gerade die erste Folge reicht da nicht aus, um auch nur ansatzweise eine Vorstellung der Charaktere zu bekommen.

Hinzu kommen die ständigen transzendentalen Begegnungen, wenn einer der „Sensates“ den anderen im Geiste besucht. Diese Begegnungen werden mit schnellen Schnitten umgesetzt. Man muss ganz schön aufmerksam sein, um nicht den Überblick zu verlieren, was Realität und was eine Sinnestäuschung oder -erweiterung ist. Dieser Stil ist zumindest in den ersten Folgen der Kern der Serie, wenn die bis dahin Fremden ihre neuen Fähigkeiten langsam entdecken.

Diese Fremden, acht an der Zahl, sind natürlich das eigentliche Zentrum und sie wirken ein wenig, als hätten die Macher von „Sense8“ Diversity bei Google eingegeben und die Charaktere entsprechend zusammengestellt: Es gibt genauso viele Männer wie Frauen, alle Kontinente sind vertreten, verschiedene Ethnien, eine transsexuelle lesbische Frau, ein Schwuler – nur beim Alter klappt das mit der Ausgewogenheit nicht, die acht sind nämlich alle Thirtysomething. Aber auch ansonsten ist alles dabei, um bloß für jeden einen Identifikationspunkt zu schaffen: die unterdrückte Businessfrau, die verrückte DJane, der sensible Schauspieler, der heldenhafte Cop, der moralische Kleinganove (natürlich der Russlanddeutsche…) usw. Normalerweise würde ich die Diversität feiern, wenn sie nicht so furchtbar forciert wirken würde.

Und noch was, das sich nicht richtig anfühlt: Ob Nairobi oder Berlin, Seoul oder Mexico City, alle Charaktere sprechen die ganze Zeit Englisch, mit teils so starkem Akzent, dass ich tatsächlich die Untertitel angeschaltet hatte. Wenn sie schon in so vielen Ländern drehen, warum erstreckt sich die Ambition der Serienschöpfer dann nicht auf die Sprache? Wo wäre das Problem gewesen, mit Originalsprache und Untertiteln zu arbeiten? Zu verwirrend vermutlich, wenn der Rest von „Sense8“ schon so ein Mindfuck ist… Mich irritiert es jedenfalls fürchterlich, Max Riemelt mit seinem Gangsterkollegen die ganze Zeit Englisch sprechen zu hören. Oder dass in Nairobi dann zwischendurch doch immer wieder andere Sprachen zu hören sind. Oder wie die Freundin mit starkem indischem Akzent äußerst verwundert fragt, wieso Sensate Kala plötzlich auf Englisch singe. Das passt einfach nicht zusammen. Gerade weil Serien wie „The Americans“ oder vor Jahren bereits „Lost“1 erfolgreichen bewiesen, dass authentisches Sprechen kein Hindernis für den Erfolg einer Serie sein muss.

Das sind eine Menge Unstimmigkeiten, die „Sense8“ nicht zu dem Kracher machen, den ich nach dem Trailer erwartet hatte. Andererseits – und deswegen bin ich weiter dabei – gelingt es der Serie, trotz der Kürze der einzelnen Geschichten die Charaktere beeindruckend vielfältig zu präsentieren und Sympathien zu erzeugen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass die Figuren sehr klar und stereotyp geschrieben sind und ihre Geschichten mit dem Zaunpfahl winkend die tieferliegenden Ängste offenlegen.

In dieser Serie dürfte schnell jeder seinen Helden finden – das ist die Stärke und gleichzeitig große Schwäche von „Sense8“. Spannend dürfte es werden, wenn aus den acht Fremden tatsächlich Verbundene und Verbündete werden und das vielfältige Ensemble die Gelegenheit zur Interaktion bekommt. Darauf freue ich mich und deswegen schaue ich jetzt weiter, solange sich die Sonne eh versteckt.

→ „Sense8“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 68%, Metacritic-Score: 63


  1. Apropos „Lost“: Wie lustig ist bitte, dass eine Koreanerin namens Sun von Sayyid (Naveen Andrews) gementored wird? 

Grace and Frankie

Grace and FrankieGrace und Frankie mögen sich eigentlich nicht so sehr. Das konnten sie in den letzten vierzig Jahren herausfinden. Sie kennen sich über ihre beiden Ehemänner, die gemeinsam eine Kanzlei für Scheidungen betreiben. Beide treffen sich in einem Restaurant, als sie, wie so häufig, vor ihren Männern ankommen. Sie vermuten, dass Sol und Robert endlich ihre Pensionierung verkünden. Alle sind schließlich schon lange in dem Alter angekommen, in dem man das Feld Jüngeren überlassen könnte. Aber als Sol und Robert auftauchen haben sie etwas ganz anderes zu verkünden: Beide werden ihre Frauen verlassen und sich heiraten. Schon seit einigen Jahren sind sie heimlich ein Paar und wollen ihre Liebe dank der neuen US-Gesetze auch offiziell machen. Für Grace und Frankie beginnt ein neuer Abschnitt ihrer Leben, den sie sich so gar nicht ausgemalt hatten. Und das schlimmste: Sie müssen da gemeinsam durch.

»Grace and Frankie« ist eine wunderbare Comedy, die so bisher keinen Vergleich hat. Jane Fonda und Lily Tomlin spielen die beiden Damen, die auf ihre alten Tage nicht nur Lebensgefährten verloren, sondern auch einen neuen gewonnen haben. Die Prämisse ist gleichzeitig herzerwärmend wie ein kreativer Goldtopf, den alle Involvierten wissen auszunutzen. Grace und Frankie beim Erkunden ihrer neugewonnenen Unabhängigkeit zuzuschauen macht Spaß. Es braucht nicht immer komplizierte Geschichtsgrundgerüste, insbesondere wenn man zwei erfahrende Talente in den Hauptrollen hat.

Die Serie ist eine Komödie darüber, was uns auch bei einem noch so routinierten Leben alles erwarten kann und wie man unangenehme Situationen zu seiner eigenen Freude ausnutzen kann. »Grace and Frankie« ist mutmachend und humorreich. Eine erwachsene Comedy, die gefällt.

→ »Grace and Frankie« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 50 %; Metacritic-Score: 58
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Mr. Robot

Mr. RobotElliot ist Programmierer in einer IT-Sicherheits-Beratungs-Firma. Zumindest bei Tag ist er da der junge Hotshot, für den kein Problem zu kompliziert ist. Nachts führt er eine Art Doppelleben: Er hackt sich durch die Gegend und liefert Kleinkriminelle der Polizei aus. Elliot ist Einzelgänger und tut sich schwer mit Interaktion mit anderen. Außerdem ist er depressiv und glaubt, Menschen zu halluzinieren. Als er Mr. Robot kennenlernt, der Anführer einer Untergrund-Hacker-Gruppe, wird sein kleines Hackerleben auf die nächste Stufe gehoben. Er soll ihm dabei helfen, den CTO des größten Technologiekonzerns der Welt (die Evil Group) für einen Hack verantwortlich zu machen — fälschlicherweise natürlich.

»Mr. Robot« ist großartig. Ich mag Rami Malek und den Hauptcharakter, den er spielt. Eine Art Dexter für Computerkriminelle, der seine AFK-Interaktionen nicht durch Empathie sondern durch Gelerntes zur Schau bringt.
Der Fall der Woche im Auftakt der Serie ist spannend erzählt und macht Spaß auf die nächsten Folgen, in der wir hoffentlich mehr über die Verschwörung erfahren und darüber, dass Mr. Robot gar nicht echt, sondern eine andere Persönlichkeit von Elliot ist. Außerdem ist dieses Anonymous-eske »Wir sind das Volk 2.0«-David-gegen-Goliath-Ding natürlich immer spannend.

Was an »Mr. Robot« fast noch toller als die Serie an sich ist: Wir sind wohl angekommen in einem Zeitalter, in dem sich das US-TV endlich traut, spannende Computer-involvierende Geschichten zu erzählen, die nicht totaler Crap sind. Und in denen Computer und Hacken und Blackhats und insert random slang word here nicht nur Plotvehikel für die Schlechtheit der Gesellschaft sind. »Mr. Robot« zeigt sogar noch mehr: Geschichten mit Computern können klug, ausgetüftelt und mehrdimensional sein. Andere Beispiele: »Silicon Valley« ist lustig, seltsam, aber technisch-akkurates Porträt des Silicon-Valley-Hypes. Kein boiling down der Technikmaterie. Ebenso »Halt and Catch Fire«, das die Beginne des goldenen Personal-Computer-Zeitaltars dramatisch erzählt. Aber auch hier: Die Show schafft es gleichzeitig spannend und technisch korrekt zu sein. »Person of Interest« schlägt in die gleiche Kerbe, ist aber etwas breitenpublikumgestriegelt. Negativbeispiele seien auch noch erwähnt: »Scorpion« und »CSI: Cyber«, die beim Niveau in den 90ern hängen geblieben sind und eigentlich eine Beleidigung der Zuschauer sind.

Jedenfalls: Der Computerjunkie in mir freut sich, dass mit »Mr. Robot« ein intelligentes, spannendes und unterhaltsames Drama an den Start geht1. Ihr solltet es ebenfalls gucken – auch, falls ihr nicht so Computer-begeistert sein solltet wie ich. Denn auch dann ist »Mr. Robot« ein tolles Stück modernes Fernsehen.

→ »Mr. Robot« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: %, Metacritic-Score: (Bisher ist nur Preview der Piloten veröffentlicht. Die Serie startet erst noch.)
Trailer
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  1. Habt ihr schon die Episodentitel gesehen? Hihi. 

Mr. Robot

Mr. Robot

Am Tag angestellt bei einer IT-Sicherheitsfirma, in der Nacht hackender Rächer auf der Jagd nach Verbrechern – diese Prämisse hätte ganz schön nach hinten losgehen können. Doch das USA Network hat nicht umsonst den Slogan „Characters Welcome“ und hat mit der Hauptfigur in „Mr. Robot“ wieder ein gutes Händchen bewiesen: Elliot (Rami Malek) stolpert eines Tages bei einem Job-Notfall über Code, der extra für ihn im System hinterlassen wurde. Eine anonyme Hackergruppe, angeführt vom mysteriösen Mr. Robot (Christian Slater), rekrutiert den jungen Hacker für ihren Kampf gegen ein übermächtiges Konglomerat.

In einem völlig anderen Metier als sonst gelingt dem USA Network eine spannende Charakterstudie vor dem Hintergrund von Kapitalismuskritik. Rami Malek ist äußerst überzeugend als soziophober Elliot und bekommt gleich in der Pilotepisode eine ganz schöne Bandbreite an Emotionen zu spielen – für eine Figur, die mit Emotionen nicht so gut klar kommt. Denn Elliot entspricht nur vordergründig dem Klischee des Hackers, der keine Sozialkontakte pflegt und im Keller hockt. Seine nächtlichen Ausflüge, bei denen er – überhaupt nicht so pathetisch, wie es klingt – Verbrecher mit seinen Hacks zur Strecke bringt, offenbaren eine vielschichtige emotionale Welt, die zu entdecken ich mich freue.

Der Plot und der Hauptdarsteller versprechen Gutes! Außerdem gefällt mir die unaufgeregte Cinematographie von „Mr. Robot“ und das Voice over, in dem wir Maleks Stimme überwiegend hören, ist eines der gelungensten der letzten Jahre, schon allein, weil es häufig im Kontrast steht zu dem, was wir sehen.

Bleibt zu hoffen, dass die Christian-Slater-Serien-werden-abgesetzt-Pechsträhne ein Ende hat…

→ „Mr. Robot“ in der Wikipedia und bei TVRage
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CyberChimps