Prime Suspect

Prime SuspectWie man vielleicht schon an früheren Posts gemerkt hat, bin ich nicht gerade eine Freundin von Krimi-Procedurals ohne eine solide übergreifende Storyline. Mit „CSI“ 1 bis 20 könnt ihr mich jagen, mit „Bones“ konnte ich mich nie anfreunden, und der Neustart „Unforgettable“ hat auch nur bedingt was, das mich interessiert. Umso überraschter war ich, nach der ersten Folge von „Prime Suspect“ unbedingt gleich weiterschauen zu wollen.

Verantwortlich sind vor allem Hauptdarstellerin Maria Bello und ihre spannende, vielschichtige Figur Detective Jane Timoney. Wirkt sie zunächst wie eine ultra-toughe Polizistin, die das Sagen hat, wird in der Pilotepisode schnell klar, dass sie in ihrem neuen Bezirk in New York alles andere als das Alphatierchen ist. Systematisch manövrieren sich die männlichen Kollegen in der Rangfolge nach oben, um statt Timoney die guten Fälle zu bekommen. Die Gerüchteküche erleichtert Timoney nicht gerade den Einstand – sie soll ihren neuen Job nur durch persönliche Beziehungen bekommen haben, was sicherlich noch länger ein Thema in der Serie sein dürfte.

Der erste Fall, den wir als Publikum erleben, ist ein Mord nach Vergewaltigung. Die Kollegen haben sich bereits auf einen Täter eingeschossen, als der leitende Detective plötzlich stirbt – und sich Timoney ohne Rücksicht auf die Trauer der anderen dessen Aufgabe unter den Nagel reißt. Auf dem Revier bringt ihr das nur noch mehr Ressentiments ein, doch immerhin kann sie nicht nur den Fall lösen, sondern stellt fest, dass derselbe Täter für eine Reihe von Vergewaltigungen im vergangenen Jahr verantwortlich war. Sieg auf ganzer Linie für Det. Timoney.

Das alleine, so gut Maria Bello ihre Figur auch im Arbeitsumfeld spielt, macht noch keine gute Serie. „Prime Suspect“ ist eine US-Adaption einer vielfach prämierten britischen Reihe gleichen Namens mit der herausragenden Schauspielerin Helen Mirren in Bellos Rolle. Ohne das lang laufende Original je gesehen zu haben, gehe ich davon aus, dass es ziemlich hohe Erwartungen bei der US-Version hervorruft. Ich kann nicht sagen, wie Helen Mirren ihre Jane Tennison spielte – aber Maria Bello überzeugt mich mit ihrer forschen Art auf Anhieb. Sie spielt Jane Timoney als eigentlich toughe, aber durch Sexismus und unglückliche Umstände unterdrückteErmittlerin, die einen schwierigen Job hat und nebenbei versucht, ihr Gesicht auch im Privaten zu wahren. Als sie am Ende der Folge zu Hause weinend zusammenbricht, hat mich Bello endgültig gewonnen.

Und was mir bei all den sonstigen Püppchen-Serien wie „Charlie’s Angels“ (die ich so schlecht fand, dass ich sie nicht mal besprechen werde…) besonders gefällt: wie düster „Prime Suspect“ ist. Und authentisch. Hier bekommt ein Cop richtig auf die – pardon – Fresse und hat am nächsten Tag die entsprechenden Schwellungen im Gesicht. Hier geht der Hauptfigur bei der Verfolgung des Hauptverdächtigen die Puste aus, doch sie rennt weiter und hat sichtlich zu kämpfen. Hier gibt es kein Schwarz, kein Weiß. Ich bin gespannt, wie es sich weiter entwickelt!

→ Trailer
→ „Prime Suspect“ auf TVRage.com

CyberChimps