Scorpion

ScorpionMit seiner Firma Scorpion berät Walter O’Brien großflächig im Bereich Computer. Er selbst ist ein Genie (IQ: 197) und seine Firmenpartner sind das ebenso. Aber so richtig läuft das Geschäft nicht.
Bis eines Tages FBI-Agent Cabe Gallo vor den O’Briens Toren steht. Er möchte das Team anheuern, für eine brenzlige Situation. Das staatsweite Flugkontrollsystem wurde upgedatet, und jetzt ist sämtliche Kommunikation mit Flugzeugen unmöglich. Nach anfänglichem Zögern ist die Verlockung des ausstehenden Geldes groß genug, dass O’Brien und Team Charlie’s den Auftrag annehmen.
Es folgt ein wildes Herumhacken in Flugsicherheitssystemen, schnelle Fahrten mit Autos, Festplatten mit Magneten und eine Netzwerk-Kabel-Übergaben aus dem Fahrwerk einer fliegenden 747. Easy.

»Scorpion« ist eine based on a true story Serie von Alex Kurtzman und Roberto Orci, über die ich bei »Matador« noch Gutes zu berichten hatte. Das ist hier anders.

Die true story, auf der »Scorpion« basiert, ist das Leben von Walter O’Brien. Den gibt’s wirklich. Der ist, vermutlich, wirklich ein Genie und spricht sich selbst die 197 IQ-Punkte zu. Hat sich mit 13 tatsächlich in die NASA gehackt. Und auch dessen Sicherheitsfirma heißt tatsächlich »Scorpion Computer Services«. Wie viel Geld er CBS wohl bezahlt hat, um diese 45-minütige Werbeshow auszustrahlen?
Nungut, bei all dem Zynismus: Eine gute Grundlage bietet diese »hochintelligente Genies retten die Welt«-Geschichte schon.

Aber, meine Güte, muss es direkt eine Netzwerkverbindung von fliegendem Jumbo zu Ferrari sein!? Um io9 zu paraphrasieren: That’s batshit insane. Die ganze Show ist voller peinlicher, action-polierter Momente, die an der Realitätswahrnehmung der Drehbuchautoren zweifeln lässt. Wie kann das Mathegenie einfach so Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Gelingen der Unternehmung aus dem Ärmel schütten? Das macht keinen Sinn! Tore fahren hoch, weil das Stromnetz mit 500 kW überlastet wurde? WTF!
Ich kann nur hoffen, dass die Showmacher das genau so wenig ernst meinen, wie die Ausführung zu nehmen ist. Das ist sicherlich eine ironische Darstellung des tagtäglichen Chaos, was uns umgibt. Oder eine bewusst spielerische Übertreibung um dem TV-Einheitsbrei aus NCSI-Krams einen spaßigen Gegenpol zu bieten.1 Sicherlich.

Es ist ja nicht so, als dass die Show sonst, also abseits der batshit insane Story toll wäre. Die Charakter bleiben oberflächlich und übersimpel gestrickt und die Schauspieler haben mich auch nicht überzeugt.
Zwischendurch kriegt man einen flüchtigen Blick darauf, dass die Show versucht, uns das Genie-Sein zu erklären. Das diese Leute zwar hochintelligent sind, aber auch ihre ganz eigenen Dämonen haben. Aber selbst das schafft die Serie nicht vernünftig. Es fehlt an Empathiebereitschaft, weil an keiner Stelle eine Verbindung zu irgendeinem Charakter aufgebaut wird.

Ich weiß ja nicht.

Ich schaue mir die nächste Folge an. Wegen zweier Gründe. Eins: So einen high profile case können sie nicht jede Episode wiederholen. Das muss einfach ruhiger, weniger bescheuert werden. Und dann könnte es ein Blick wert sein. Zwei: Katharine McPhee.

→ »Scorpion« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 36 %, Metacritic-Score: 48
Trailer


  1. Und spaßig ist »Scorpion« schon. 

CyberChimps