Newshows Podcast #02


Was ist besser als eine Newshows-Podcast-Episode? Zwei Podcast-Episoden!

Wir blicken auf das Serienjahr 2012 zurück und berichten von ein paar Shows, die uns in Erinnerung geblieben sind. Positiv — und negativ.

Zu dieser zweiten Episode unseres Newshows Podcasts gibt’s auch wieder eine MP3-Datei. Wenn ihr uns podcastig abonnieren wollt, nehmt diesen Feed: http://newshows.de/feed/podcast/. Unsere Podcastbemühungen sind alle noch arg beta — klappt etwas nicht, berichtet uns davon.

Shownotes

  • Bester Neustart 2012 [1:03]
  • Lieblingsserien 2012 [3:06]
  • Schlechtester Neustart 2012 [9:16]
  • Lieblingshauptdarstellerin & Lieblingshauptdarsteller [10:11]
  • Serien, die 2012 über den Hai gesprungen sind [14:08]
  • Erinnerungswerte Serienfinale 2012 [20:55]
  • Bestes Zitat [22:30]
  • Erfolgreichste Serie 2012 [24:03]
  • Bester musikalischer Moment 2012 [28:15]
  • Serien mit einem erwähnenswerten Spin im letzten Jahr [30:22]
  • Beste Spezial-Episode [34:36]
  • Worauf wir uns 2013 freuen [38:48]

Malibu Country

Anstelle auf der Pressekonferenz neben ihrem Mann zu stehen und so zu tun, als ob alles nach seinen Affären gut wäre, packt Reba ihre Sachen und zieht mit Kindern und Mutter nach Malibu. Einmal quer durch’s Land — vom konservativen Süden der USA in den offeneren Westen. Ein Neuanfang.
Angekommen, gilt es, sich zurechtzufinden und Rebas Musikkarriere wiederzubeleben.

Traue nie einer Serie, deren Hauptcharakter den gleichen Namen wie die Darstellerin hat. Es bewahrheitet sich wieder ein mal.

In Malibu Country spielt Reba McEntire die Hauptrolle. Und ihr selbst für südstaatliche Verhältnisse extremer Akzent ist nicht das einzige was nervt. Nein, außerdem nervt: Die gesamte Show.
Voller unlustiger Lacher, blöder und platter Klischees, schrecklich gezeichneter Charakteren. Und sowieso. Alles.

Die Anfangsszene als Hommage an den Beginn von »The Good Wife« fand ich ja noch ganz amüsant. Aber der Effekt war Nanosekunden groß — denn dann kamen die Konservenlacher und die Show rann ihres Weges.

Bitte nicht, danke.

→ Malibu Country bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 41

(Außerdem, wie »The New Normal« ist das denn bitte schön?! Mit Kind und Mutter in den modernen Westen des Landes ziehen, nachdem einen der Mann betrogen hat. ALT.)
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Emily Owens, M.D.

Emily Owens ist gerade-fertig-studierte Ärztin und beginnt ihr erstes praktisches Jahr im Denver Memorial Hospital. Sie hat das große Glück, unter Dr. Gina Bandari zu arbeiten — einer legendären Chirurgin des Krankenhauses. Legendär für ihre fachlichen Arbeiten, aber auch legendär für ihre Unfreundlichkeit und hohen Ansprüche. Natürlich ist sie nicht die einzige frische Ärztin, die gerade im Krankenhaus anfängt. Sie teilt sich ihre Scrubs mit dem hübschen Will, der dieses mal blau statt grün trägt, aber so gar nicht rosa sieht, wenn’s um Emily geht; mit Cassandra, die Emily schon damals in der High School auf dem Kieker hatte; und mit Tyra, die immergut drauf, Tochter des Chefs und lesbisch ist. Komplettiert wird die Jungarztriege von Micah, einer Art Mentor für alle und Arztversion der Rolle, die der gleiche Schauspieler in seinen bisherigen Serien so gespielt hat.
Direkt in der ersten Folge darf Emily einem jungen Mädchen Beistand leisten, tappt in so einige Fettnäpfchen und jongliert nebenher noch das hektische und intrigröse Krankenhausleben.

»Emily Owens, M.D.« passt so wunderbar auf The CW — ich frage mich, wo die Senderverantwortlichen die Roboter gefunden haben, die da die Skripte für Serien rausspucken. Genies.
Aber ernsthaft: Die Show geht über eine quirkige Blondine, Emily, die eigentlich dachte, mit der Ausbildung zur Ärztin das schwierigste hinter sich gebracht zu haben (man denke zurück an’s käsige Intro der Pilotfolge), nur um festzustellen, dass als PJ’lerin der nächste Endgegner auf sie wartet: Schwieriger Boss und wildes Krankenhaussozialleben. Wie wir in unzähligen Voice Overn erfahren, ist Emily total unsicher in allem, was sie tut. Schafft es trotzdem, aus dem Tagtraum heraus ihrem Endboss die Killerdiagnose schlechthin pointiert zu präsentieren. Ambivalenz, olé.
Wie Caro schon bei »The Mindy Project« spekulierte, hat man sich für »Emily Owens, M.D.« vielleicht auch beim deutschen »Doctor’s Diary« inspirieren lassen — oder aber einfach so die unsichere weibliche Ärztin als Serienzentrum für sich entdeckt.

Sie negativ das hier alles klingen mag: »Emily Owens, M.D.« ist so schlecht nicht. Bei gegebener Prämisse sogar erfreulich gut. Die Hauptdarstellerin geht nach einer Zeit auf die Nerven, Justin Hartley sieht auch beim fünften Close Up noch gleich langweilig-handsome aus, ›The Return Of The Highschool Nemesis‹ ist nun wirklich ziemlich over the top — aber zwischendurch gibt’s ein paar beschmunzelbare Situationen. Gute Ideen und vielleicht sogar Ansätze von Krankenhausgeschichten, die wir so noch nicht vollständig auswendig kennen.
Und das ist doch schon mal was.

→ »Emily Owens, M.D.« bei TVRage und in der Wikpedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 47
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Ben and Kate

Ben und Kate sind Geschwister. Sehr unterschiedliche Geschwister. Kate zieht alleine ihre fünfjährige Tochter groß, hat ein Haus und ist Bar-Managerin. Ben ist irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs, taucht immer nur kurz in der Heimatstadt auf um so viel Chaos wie möglich zu verbreiten und ist auch schon wieder weg.
Als Ben ein weiteres Mal zurück kommt um die Hochzeit seiner großen Liebe zu stören, schafft er es tatsächlich, seiner Schwester aufrichtig zu helfen. Und weil das so gut geklappt hat, haut er dieses Mal nicht direkt wieder ab, sondern bleibt bei seiner Schwester und hilft ihr beim Aufziehen der Tochter.

»Ben and Kate« wird vermutlich nach folgendem Muster ablaufen: Es gibt ein Problem der Woche — das Kind hat Elternsprechtag, Kate einen neuen Freund, das Dach ist undicht. Kate tut alles, um ihre verschiedenen Baustellen gleichzeitig zu jonglieren. Ihr Bruder engagiert sich und macht alles nur schlimmer. Am Ende regelt er alle Probleme wieder und alles ist gut.
Vermutlich liege ich allerdings völlig falsch.

Die Serie ist nicht per se schlecht. Die Idee ist nett, die Hauptdarstellerin gut. Aber Nat Faxon als Ben gefällt mir überhaupt nicht. Seine infantile Seite ist zu künstlich gespielt, ich nehme ihm das nicht ab. Die Story, die ich bisher gesehen hab, wirkt völlig austauschbar und schon zigfach gesehen. Außerdem heißt die Nebencharakterin »BJ«. Ja.

Ich bin gewillt, der Serie Zeit zu geben, um sich zu entwickelt. Um mir entweder zu zeigen, dass ich mit obiger Inhaltsangabe richtig liege und dass darin genug Geschichtspotenzial drin steckt — oder aber mir zu zeigen, dass ich oben völlig falsch liege und die Alternative total lustig ist. Außerdem glaube ich, dass die beiden Hauptdarsteller Potenzial haben, gemeinsam eine gute Chemie zu entwickeln. Ich befürchte aber, dass »Ben and Kate« hinter den besseren Serien dieser Saison zurück fällt. Warten wir’s ab.

→ »Ben and Kate« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 66

(Lustig, wie die Kritiken so ausfallen — Andere finden Nat Faxon großartig und super lustig. Hihi.)
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Vegas

Ralph Lamb kämpft eigentlich gerade mit Flugzeugen, die beim Überflug seine Viehherde auseinander treiben, als er einen neuen Job bekommt: Sheriff. Von einer kleinen Stadt namens Las Vegas.
Wir befinden uns in den 60er Jahren und das Stückchen Wüste, das immer mehr Kasinos aufstellt, erfreut sich wachsender Beliebtheit aus dem ganzen Land. Neben Touristen lockt das Neonlicht aber auch die zwielichtigen Gestalten der Mafia an. Einer, der sich in Vegas breit machen möchte, ist Vincent Savino. Frisch in der Stadt, gerät er auch direkt mit dem Sheriff aneinander.
Gemeinsam mit seinem Bruder als Deputy und seinem Sohn als Assistent stolpert der knallharte Sheriff in das Vegas’sche Geflecht von Kriminalität und Intrigen.

Dennis Quaid spielt in »Vegas« die Hauptrolle des Sheriff Lamb. Ein einsamer Cowboy, mit toughen Methoden, für ein besseren Las Vegas. Das macht er, genau so, wie man ihn aus Hollywood kennt: Überkritisch verzerrtes Gesicht, übercooles Auftreten und dauergenervt von der Gesamtsituation. Das passt irgendwie zur Rolle und zur Serie, ist aber zumindest im Piloten noch keine schauspielerische Glanzleistung.
Die zweite Hauptrolle der Serie hat Michael Chiklis als Gangsterboss Vincent Savino inne. Und bei dem tue ich mich schon um einiges schwerer. Seine Schauspielkunst überzeugt mich noch nicht ganz, dass er dort die richtige Rolle bekommen hat — ich sehe immer den netten, tollpatschigen Familienvater aus »No Ordinary Family«.

Und sonst so?
»Vegas« ist gut gemacht! Die Stimmung der Zeit ist hervorragend eingefangen, die Kulissen sind schön. Auch die angedeuteten Verstrickungen der Mafia in die Lokalpolitik geben einige Möglichkeiten der zukünftigen Geschichtsentwicklung. Die Familienbande als Sheriffs-Department ist noch etwas ungewohnt, aber auch da kann sich noch einiges entwickeln (zumal der Bruder-Deputy mit Jason O’Mara seltsam gut besetzt ist).
Erfrischend finde ich den Western-Twist, den »Vegas« wegen der Wüsteneinordnung dem Retro-Genre gibt (Retro-Genre — darf man das sagen? Ist das schon ein eigenes Genre?). Allerdings war das auch der Grund, warum ich »Longmire« nach ein paar Folgen nicht weiterverfolgt habe, obwohl es eigentlich eine gute Serie ist.

»Vegas« ist eine Portrait des Gut-gegen-Böse-Kampfes im Las Vegas der 60er Jahre. Ein durchweg guter Neustart — gute Schauspieler, gut geschrieben, gut produziert. Das einzige, was man der Show vorwerfen kann, dass sie zu kantenlos ist. Aber auch kantenlose Shows können gute Shows sein. Warten wir’s ab.

→ »Vegas« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 67
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Last Resort


Die USS Colorado, das größte aller amerikanischen Atom-U-Boote, über- bzw. unterquert gerade mit lauter Musik den Äquator, als plötzlich das Fax anspringt. Kein gutes Zeichen. Über das Fax kommt der Befehl, Atomraketen auf Pakistan zu schießen. Allerdings kommt der Befehl nicht über die übliche Kommunikationsleitung, sondern über ein antarktisches Notfallnetzwerk. Seltsam. Captain Chaplin ruft in Washington an, um eine Bestätigung über den Atomangriff auf Pakistan zu erhalten. Und wird daraufhin seines Amtes entledigt. Als dann auch noch der neue Schiffskommandant nach einer Bestätigung verlangt, wird das U-Boot kurzerhand mit Raketen beschossen. Von der eigenen, amerikanischen Flotte.
U-Boot und Besatzung überleben den Angriff trotz Aufschlag auf dem Meeresgrund und gehen auf einer nahen, französischen Insel mit NATO-Stützpunkt an Land. Kurze Zeit später sind amerikanische Bomber unterwegs – Ziel: die Insel. Also schickt der Captain selbst etwas auf den Weg. Eine Rakete mit nuklearem Sprengkopf – Ziel: Washington.

Shawn Ryan (»The Chicago Code«, »The Shield«) versammelt die Belegschaft eines Body-Building-Studios und (gefühlt) die Hälfte der Schauspieler, die letzte Saison arbeitslos geworden ist, steckt sie in ein TARDIS-artiges U-Boot (»it’s bigger on the inside«), schießt ein paar Atomraketen quer durch die Welt und lässt das TARDIS-U-Boot auf der »Lost«-Insel stranden, auf der es mittlerweile trotz NATO-Superradar kriminell geworden ist.

»Last Resort« ist bisher so ziemlich die dickste Serie, die diese Saison gestartet ist. Große Kulissen, schnelle und actionreiche Handlung, riesiger Cast, 24-eske Regierungsverwicklungen auf NATO-Maßstab. Die Show ist eine Art Serien-gegossener Militär-Action-Film. Und trotz der üblichen Action-Genre-Ungereimtheiten und Übersimplifizierungen gefällt mir die Show.

Man muss über die durchwachsenen CGI-Szenen hinwegsehen können, über die dargestellte »Ich spreche nicht, ich hau‘ direkt drauf«-Mentalität. Über die patriotischen Momente (die sich allerdings für so eine Militärshow tatsächlich im Rahmen halten), die typischen Appelle an den Stolz. Die mitunter platten Dialoge und teils äußerst gradlinig verlaufenden Untergeschichten.

Aber wenn man das schafft, dann gibt’s da eine Show, in der gibt’s ein großes U-Boot (ich finde ja, es sollte viel mehr große U-Boote im TV geben!), einen Atomkrieg, Verschwörungen und Action. Und eine Schauspielerriege, die durchaus ansehbar und fähig ist.
»Last Resort« ist keine tiefsinnige und bis ins Detail gut gemachte Serie, wie sie vielleicht »The Good Wife« oder, Genre-näher, »Game Of Thrones« ist. Aber eine schnelle, fette Show mit großem Budget, die Spaß macht. Eine Popcorn-Show, gewissermaßen.
Zumindest kann sie das werden! Denn dieser Zustand muss erst einmal über die Pilotepisode hinweg bestehen bleibt. Wie wir wissen, ist das Budget einer ersten Folge immer um einiges höher als das der folgenden – und wenn unter dem fehlenden Budget die falschen Teile der Show leiden, dann bleibt irgendwann nur ein dummes, überverschwörtes Militärpatriotendrama mit schlechten Actionszenen.

Fassen wir also zusammen: »Last Resort« gefällt Andi erstmal gut, muss sich aber noch beweisen. Wird aber wohl nie eine tiefsinnige Show werden.

→ »Last Resort« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer

(Ich brauche übrigens auch mein persönliches U-Boot mit Anti-Magnetismus-Gerät. Ich sammele von nun an Spenden.)
Achja, und nächste Doppelstunde klären wir, was es dieses Jahr mit diesen »Charakter stehen in Gruppe«-Serien-Postern auf sich hat und gehen auf Spurensuche, welche Geschichtsdetails in ihnen versteckt sind.

Go On


Ryan King ist eigentlich ein völlig zufriedener Sport-Radiomoderator. Gut, seine Frau ist gerade um’s Leben gekommen, aber damit kommt er eigentlich ganz gut klar. Seine Kollegen und besonders sein Chef kaufen ihm das aber nicht so ganz ab und wollen ihn nur unter einer Bedingung an sein heißersehntes Mikrofon lassen: Er muss einer Selbsthilfegruppe beitreten.
Da muss der »No Talk – Action!«-Moderator wohl oder übel über seinen Schatten springen und seine Zeit in der bescheuerten Gruppe absitzen. In einer Runde, wo verstorbenen Ehemännern, verstorbenen Katzen, komaliegenden Brüdern, dem eigenen Augenlicht und der fremdgegangenen Ehefrau nachgetrauert wird. Angeleitet, von einer nicht-so-ganz-ausgebildeten Betreuerin.
Erst Stück für Stück merkt Ryan, wie sehr er doch noch nicht über den Tod seiner Frau hinweg ist – und wie selbst die noch so komischen Charaktere seiner Selbsthilfegruppe ihm helfen, mit der Situation klar zu kommen.

»Go On« ist für mich eine positive Überraschung der jungen Herbstsaison. Ich hätte nicht gedacht, dass die Show so gut funktioniert. Aber starten wir von vorne.

Matthew Perry spielt den toughen Radiomoderator, der pünktlich zur Mitte einer Episode seine weiche Seite entdeckt. Er ist Hauptdarsteller und zieht mit seinem typisch trockenen, aber derweilen auch impulsiven Humordarstellung die Show an. Der hybrissige, etwas großkotzige Moderator, der langsam seine kleine, persönliche Seite entdeckt – das passt auch irgendwie zu Perry.
Aber auch abseits des Hauptdarstellers gibt der Cast einige tolle Schauspieler her. Die lesbische Anne, die gruppenleitende Lauren, Boss Harold, sorry, Steven, und die Assistentin Carrie – allesamt toll überspitzt gezeichnete Charaktere die auch gut besetzt sind.

Das Thema ist etwas seltsam für’s TV. Gut, Serien über Tod hatten wir schon, aber als Comedy? Im mainstreamigen Free-TV? Aber ich find’s ok. Es gib genug Comic-Relief-Momente, in denen die Charaktere aus ihrer normalen Struktur herausbrechen und plötzlich etwas unerwartet Bescheuertes passiert. Ich find das gut.

Ich kann nur hoffen, dass der Matthew-Perry-Fluch nicht dieser neuen, etwas gewagten Comedy anhaftet. Denn es wäre schön, sie würde überleben. Allein schon, damit sie mich davon überzeugen kann, dass der Plot auch nach >20 Episoden noch funktioniert.

→ »Go On« bei TVRage und der Wikipedia
→ Trailer

(Und Brett Gelman löst Zach Galifianakis bei mir als Preisträger von »Playing the Most Creepiest Character in a TV Show / Motion Picture« ab.)

The New Normal


Goldie (jap, tatsächlich) hat die Schnauze voll von ihrem eingeengtem Leben im mittwestlichen Ohio. Ihr Job ist kacke, ihre Großmutter ist der Prototyp einer Konservativen, ihr Mann schläft mit anderen Frauen.
Auch wenn sie sich den Tapetenwechsel eigentlich nicht leisten kann, fährt Goldie samt Tochter an die Westküste nach Los Angeles. Da, wo die Welt etwas aufgeschlossener für Veränderung ist. Und vielleicht ja auch für einen Neuanfang?
In LA trifft sie das schwule Pärchen David und Bryan, das zur Komplettierung ihres Lebens unbedingt noch ein knuffiges Baby braucht. Es kommt, wie es kommen muss und Goldie wird Leihmutter der beiden. Und schon ist sie mitten im Leben der beiden modernen Männer. Ihre Großmutter auch.

»The New Normal« ist voller Klischees. Allen zuerst gegenüber Schwulen (und Lesben). Aber auch gegenüber Schwarzen, nerdigen Kindern. Und natürlich gegenüber Konservativen – und vermutlich noch vielen mehr. Hoch überspitzt wird all das aufgerollt, was als neue Normale gilt – und wie das alte Normale damit umgeht.
Serienschöpfer Ryan Murphy (»Glee«, »American Horror Story«) macht das, was er auch in »Glee« hervorragend hinkriegt. Er bringt Eigenheiten von Personen und -gruppen zu Tage und diskutiert sie filmisch mit einer großen Portion Comic Relief aus. Natürlich ist der Fokus von »The New Normal« vorwiegend darauf gerichtet, wie sich die Welt ändert und die rückgerichtete alte Generation damit nicht klar kommt. Aber während die Bescheuertheit dieser engstirnigen Gruppe ausgebreitet wird, stoppt das Autorenteam auch nicht davor, die Eigenarten und mitunter Bescheuertheiten der moderneren Gruppen zu entlarven. Manchmal passiert das auf ironischer Ebene, manchmal auch offensiv.

Und gerade Letzteres finde ich spannend. Natürlich ist »The New Normal« zu aller erst natürlich ein Plädoyer für die Normalität alles Neuen. Aber währenddessen wird eben auch dieses Neue augenzwinkernd analysiert.

Neben all dieser Gesellschaftskritik handelt »The New Normal« natürlich auch von Emanzipation, von Modernisierung, von Schwangerschaft, von unterschiedlichen Lebensstilen.
Gut gespielt, gut inszeniert – diese Kamera-direkt-adressierende Personeninterviewszenen sind super.
Nur manchmal nervt’s dann leider doch. Die Schwulen ZU schwul, das Kind ZU Kind, die Großmutter ZU konservativ, die Schwarze ZU schwarz. Die Klischees zu viel.

Mal abwarten, wie und ob sich das einpendelt. Aber bisher gefällt’s mir erstaunlich gut.

→ »The New Normal« bei TVRage und bei der Wikipedia
Trailer

The Mob Doctor


Grace Devlin ist Chirurgin in einem Chicagoer Krankenhaus. Und so eine Art Hotshot-Ärztin. Sie macht schwierige Herzoperationen und vorausschauende Diagnosen. Aber sie gerät auch mit ihrem Mit-Operateur und Freund bei moralischen Fragen aneinander, hat eine Rivalin im Bereich und einen Vorgesetzten, den sie als inkompetent empfindet.
Als wären das noch nicht genug Baustellen für eine Ärzteserien, ist da noch der zweite Teil ihres (Doppel-)Lebens: Sie ist Ärztin der Mafia. Um ihren Bruder aus Mafia-Schuld zu befreien, hat sie einen Pakt mit dem Boss gemacht: Sie hilft bei Verletzungen, die nicht in Krankenhausbüchern auftauchen sollen. Und operiert in den dreckigen Hinterzimmern des Mobs.

»The Mob Doctor« hat ein sehr hohes Tempo. Die fast unübersichtlichen, verschiedenen Handlungsstränge werden flott erzählt und unterstreichen gemeinsam mit den schnellen Schnitten den multitaskendem Stress, den die Hauptcharakterin ausgesetzt ist. Tatsächlich funktioniert das erstaunlicherweise ganz gut.
Jordana Spiro macht eine gute Figur in ihrer ersten Hauptrolle – auch der Rest Cast gefällt mir.

Ob die Serie auch über die Pilotfolge hinweg etwas taugt, bleibt noch festzustellen. Denn hier wird bloß die Ausgangslage für den Rest der Serie geschaffen. Außerdem glaube ich, dass die Show das hohe Tempo mit all den Brandherden nicht in jeder Folge halten kann.
Aber lassen wir uns überraschen.

→ »The Mob Doctor« bei TVRage
Trailer

(Ich glaube ja, dass Chicago seine Stelzen-U-Bahn »The L« allein für Verfolgungsjagden gebaut hat.)

CyberChimps