Mob City

Mob CityDas Los Angeles des Jahres 1947 ist ein dunkles: Die Mafia versucht sich mit viel Gewalt in der Stadt niederzulassen, die Polizei das zu verhindern. Letzteres ist nicht so leicht. Die Mafia ist skrupellos und hat überall bei der Polizei ihre langen Finger ausgestreckt. Korruption in allen Ecken. Polizei-Chief Parker will das ändern und stellt eine Spezialeinheit zusammen, die das Fortschreiten der Gangster Mickey Cohen, Bugsy Siegel und Konsorten eindämmen soll. Nicht so leicht, wenn selbst der heimliche Star der Einheit, Detective Joe Teague, zwischen Geld und Recht hin und her gerissen ist.

»Mob City« ist die neue Serie von »The Walking Dead«-Erfinder Frank Darabont. Im Film-Noir-Stil erzählt sie die wahre Geschichte des Kampfes gegen das organisierte Verbrechen in L.A. Vor Weihnachten lief die Show auf TNT, drei Doppelfolgen hat sie in der ersten Staffel.

»Mob City« ist toll anzusehen, der Neo-Noir-Look, vermutlich am bekanntesten durch Sin City, gibt dem Stoff die Glaubhaftigkeit, die er verdient hat. Die Schauspieler sind erstaunlich gut für so eine kleine Serie, Jon Bernthal ist ein toller abgefuckter Teague. Sogar Simon Pegg hat eine Gastrolle.
Die Story ist ebenfalls spannend.

Wer »Broadwalk Empire« mag, für den ist »Mob City« sicherlich gefundenes Fressen. Für den Rest von uns zumindest eine nette Show, die man auch ruhig nur wegen ihres Aussehens anschauen kann1. Manchmal vielleicht etwas zu still erzählt — und teils hatte ich Probleme, der Geschichte zu folgen.

→ »Mob City« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 63, Tomatometer: 65%
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  1. Is‘ ja nich‘ so lang, ne? 

Ground Floor

Ground FloorBrodys Leben ist fest auf Erfolg getrimmt: Erfolgreich in Havard studiert, jetzt erfolgreicher Geld-Manager, jongliert locker Millionenbeträge seiner Kunden. Er macht das so gut, dass sein Chef ihn als seinen persönlichen Protégée sieht.
Brody ist zufrieden. Stress, Druck, frühes Aufstehen scheinen genau sein Ding zu sein.
Bis er Jenny kennenlernt. Im Gegensatz zu ihm (oberstes Stockwerk) hat sie ihr Büro im Erdgeschoss des Hochhauses. In der Gebäudeverwaltung. Und da ist das Leben direkt einige Etagen relaxter. Natürlich verliebt sich Brody in Jenny und muss jetzt neben seiner Karriere auch noch ein Privatleben jonglieren. Neben Jenny involviert das noch einen ernsthaften Kampf der Kulturen: Die durchgestressten Anzugträger von oben gegen die lebensfrohen Freizeitarbeiter von unten.

»Ground Floor« ist die neue Comedy von »Scrubs«-Erfinder Bill Lawrence. Und das merkt man hinten und vorne. Am Beeindruckendsten: Lawrence hat es geschafft, Dr. Cox aus »Scrubs« eine neue Rolle als Top-Manager zu organisieren. Dr. Cox merkt man kaum an, dass er mal Arzt gelernt hat. Vokabular, Gestik — der gesamte Stil! — passen wunderbar zu Brodys Boss Mansfield.
Die restlichen Charaktere und Darsteller gefallen mir auch: Der hin und her gerissene Brody (Skylar Astin), die völlig andere, trotzdem charmante Ground-Floor-Jenny (Briga Heelan, bei der oben im Foto zufälliger weise gerade der Ventilator anging). Auch die restlichen Charaktere sind wunderbar over the top — einzig Threepeat ist ganz schön creepy.

»Ground Floor« hat ein paar großartige Lacher, ist zwischendurch aber auch hart am »Cheeeesy«-Ausrufereflex. Tatsächlich hat mich die Pilotepisode erst im Laufe der Zeit überzeugt, weiterzuschauen. Der Anfang war zu austauschbar.
Aber mir gefällt’s gut!
Zumindest so lange die nette Liebesgeschichte mit bescheuerten Witzen und bierernstem Mansfield noch über den Laugh Track hinwegträgt. Der ist nämlich hart.

→ »Ground Floor« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 63, Tomatometer: 73%

(Im Ernst: John C. McGinley hat eigentlich immer einen sehr eigenen Schauspielstil. Aber hier bei »Ground Floor« ist er wirklich sehr Dr.-Cox-ig. Sehr.)
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Newshows Check-up #7

Newshows Check-up
Unsere Podcast-Frequenz hat die Beitrags-Frequenz eingeholt. Oh, oh!
Willkommen zu einer etwas chaotischen, aber nicht weniger charmanten und dieses Mal vor allem redjohnblutroten Ausgabe unseres Check-ups. Hier gibt’s die Audioversion und unter dem Video findet ihr wie gewohnt eine Liste mit Zeitmarken und weiterführenden Links.

Mehr zum Podcast:

Außerdem: Sorry, für die doofe Google+-Aufnahme. Das nervt uns so wie euch.

Almost Human

Almost HumanDas Jahr 2048. John ist vor ein paar Wochen aus dem Koma erwacht. Hinein kam er, als er mit seinem Polizei-Team in einen Hinterhalt der Gangstertruppe geraten ist, die er gerade hochnehmen wollte. Gegen alle Vernunft versuchte er, seinen Partner aus Schusslinie zu retten. Aber die Aktion ging nach hinten los: Sein Partner starb, er selbst verlor ein Bein. Und fiel ins Koma. Für 17 Monate.
Als John wieder fit genug ist, um seinen Job als Detective anzutreten, hat sich einiges verändert: Waren die humanoiden Androiden vor zwei Jahren noch ein unterstützendes Gimmick der Polizeiarbeit, sind sie mittlerweile Pflicht. Jeder Menschencop braucht einen Androidenpartner an seiner Seite. John, der nicht viel für Regeln, Statistik und Herzlosigkeit im Allgemeinen übrig hat, findet das ziemlich doof — und muss bald die Standard-Android-Ausführung an seiner Seite wechseln. Gegen Dorian. Eigentlich schon eingemottet im Lager, ist er ein älteres Alternativmodell. Sein Problem: Manche hielten ihn für eigenwillig und fehlerhaft. Er hat eine künstliche Seele.
Umso besser passt Dorian zu Johns, dem er sogar bei seinen gesetzesdehnenden Ermittlungen hilft. Die involvieren Verschwörungen, Verräter und gleich in der Pilotepisode mal eben die Rettung des gesamten Polizeireviers. Was für eine Rückkehr.

»Almost Human« ist die neue Serie von J. H. Wyman, Bryan Burk und J.J. Abrams1. Kommen euch die Namen bekannt vor? Das Team hat bis Anfang dieses Jahres die beste Science-Fiction-Show der jüngeren Zeit gemacht: »Fringe«.2
Es freut mich euch mitteilen zu dürfen: »Almost Human« ist das neue »Fringe«. Nein, Scherz. So gut ist die Pilotepisode nun doch nicht — und dafür wäre es auch viel zu früh. Aber es gibt gewisse Parallelen die mich zu folgender, dieses Mal ernst gemeinter Aussage hinreißen lassen: »Almost Human« ist die junge, mehr Classic-Sci-Fi-eske Cop-Show-Version von »Fringe«. In der Zukunft.

Wir haben ein starkes Hauptdarsteller- und Hauptcharaktere-Gespann, von denen einer irgendwie anders, aber beide irgendwie besonders sind. Wir haben interessante Nebencharaktere, ebenfalls gespielt von fähigen Menschen.3 Wir haben, so scheint es zumindest in der Pilotepisode, wichtige Fälle der Woche, die clevere Detektivarbeit erfordern. Außerdem ein folgenübergreifender Plot, der andeutet, voller Verschwörungen tief in die Struktur der Gesellschaft zu gehen. Einen gezeichneten Hauptcharakter, der beim Lösen seiner persönlichen Dämonen in eben jene Verschwörung hinein stolpert und irgendwie darin verwickelt ist. Außerdem schon in der Pilotepisode einen Haufen Andeutungen zur Etablierung von Erde2048– und USA2048-Hintergrundgeschichte.
Klingt ähnlich, oder?

Auch wenn ich euch das hier als offensichtliche »Fringe«-Kopie verkaufe: So ist das nicht. Ganz und gar nicht. »Almost Human« benutzt die obigen Eigenschaften, die sich vermutlich auch in einigen anderen Shows finden lassen, sehr subtil und gekonnt.
Und hat dabei einen Haufen Zukunfts-Cop-Serie-Elemente, die es so nicht bei »Fringe« und, soweit ich weiß, auch bei keiner anderen TV-Serie in letzter Zeit gab. Allen voran natürlich die Tatsache, dass einer der Hauptcharaktere ein Androide ist. Der Spin, der mich am meisten am Konzept »Almost Human« begeistert. Ist auch in der Pilotepisode gut umgesetzt. Einzige Gefahr, die ich sehe: Dorian wird zur Alllösungswaffe, der beliebig neue Features bekommt, wann immer es die Storyline erfordert. Abwarten.
Auch die dystopische Zukunft4 ist interessant und (abseits der Androide) gar nicht so realitätsfern gezeichnet. Gefällt.

»Almost Human« legt einen tollen Start hin und etabliert eine interessante Geschichte und Zukunft. Die Show ist das einzige an klassischem Science Fiction, was das alleingelassene Fanherz im Moment auf den großen Kanälen mit großem Budget sehen kann — und tritt nicht nur an der Stelle in die Fußstapfen von »Fringe«. Auf jeden Fall einer der besseren Neustarts der Saison, muss sich aber noch Beweisen, ob die Tiefe der Welt das hält, was das Produzententeam vermuten lässt. Wenn das stimmt, dann können wir auch über die schlecht gerenderten Polizeiautos hinweg sehen.

Jedenfalls: Ansehen!
Science Fiction, Hurra!

→ »Almost Human« in der Wikipedia und auf TVRage
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→ Metacritic-Score: 61, Tomatometer: 66%
(Und wenn ihr die visuelle Ähnlichkeit zu »Fringe« ebenfalls im Set-Design wieder findet, könnt ihr mir hier erzählen, an welchen Stellen…)
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  1. Yay, Abrams, und so. 

  2. Zusammen mit Roberto Orci, der jetzt »Sleepy Hollow« macht. 

  3. Minka Kelly steht die etwas weniger offensive Sexyness im Vergleich zu »Charlie’s Angels« übrigens viel besser. 

  4. Für mich ist eine Zukunft, wie sie dort mit all der Überwachung und Polizeiallanwesenheit gezeichnet ist, eine Dystopie. 

The Tomorrow People

The Tomorrow PeopleStephen hat seine persönliche psionische Pubertät. Man kennt das ja: Der eigene Körper ändert sich und, zack, kann man sich wild durch die Welt teleportieren. Eine verwirrende Zeit. Auch für Stephen. Um so froher ist er, als er feststellt, dass er nicht alleine ist mit den fetzigen Fähigkeiten. Es gibt eine ganze Gruppe, die Tomorrow People, die probieren ihr Leben als nächste Menschen-Evolutionsstufe friedfertig zu leben. Unglücklicherweise lässt man sie nicht: Jedikiah hält die Genveränderungen der Morgenmenschen für schadhaft und möchte sie rückgängig machen. Natürlich zu ihrem eigenen Schutz und nicht aus irgendwelchen dunklen Nazimotiven. Nahein!

Alles wichtige hat Caro schon zu »The Tomorrow People« erzählt: Die Show ist nicht gut.
Aber ich sehe das etwas differenzierter als sie. Und, Spoiler, bei mir würde der Stoff vielleicht zu einem Guilty Pleasure reichen.

Superhelden-Geschichten sind ja der Shit in den letzten Jahren1. Verschiedene Batman- und Superman-Inkarnationen gab’s schon seit den 50ern und 60ern. Aber dann kam der Maguire-schen Spider-Man und kratzte an der 1-Milliarde-US-Dollar-Umsatzmarke. X-Men-Filme (teils auch schon vorher) folgten, DCs Zugpferd Batman wurde dunkler wiederbelebt und übersprang mit seinem zweiten Teil 2008 als erste Comic-Verfilmung obige milliardärische Marke, Superman erhielt ebenfalls verschiedene Wiederbelebungsversuche. Mit Green Lantern, Watchmen, Constantine; Iron Man, Hulk, Captain America wurde ein Haufen vorher TV-medial nicht vertretener Superhelden in Kinogeschichte gegossen — und diese sechs sind nur wenige der 70 Superheldenstreifen seit 2000.2 Vorläufiges Highlight: Der Marvel-Meta-Helden-Film »The Avengers«, der letztes Jahr mal locker 1,5 Mrd. US-Dollar einspielte.
The CW hatte von Beginn der Superheldenära ein Bein in der Tür. 2001 starteten mit »Smallville« die Soap-Geschichte der wilden Jugendjahre Supermans. Im Vergleich zu den Heldenshows anderer Networks ziemlich solide und erfolgreich — zumindest die ersten acht Staffeln.
Seit letztem Jahr läuft eine neue DC-Superhelden-Serie auf The CW: »Arrow«. Eine meiner momentanen Lieblingsserien.
Einer der Erfinder von Arrow, Greg Berlanti, hat dann dieses Jahr eben »The Tomorrow People« auf The CW untergebracht. Die Serie beruht, im Gegensatz zu »Smallville« oder »Arrow«, nicht auf Comic-Büchern, sondern auf einer britischen Serie aus den Siebzigern.

Soweit zum Background. Warum ihr das jetzt wissen musstest? Und warum das wichtig ist für meine Thetomorrowpeopledifferenziertheit?

Weil »The Tomorrow People« ein furchtbar gradliniges, allumfassendes Superheldenstück ist. Die Show wirkt wie ein taktisch platziertes Filmmanöver, bei dem eine Klasse eifriger Studenten die oben genannten 70 Superheldenfilme analysiert und in Matrizen eingeteilt, die vorherrschenden 20 Motive daraufhin sorgfältig ausgewählt und dann mit einer beliebigen Geschichte umhüllt hat. Jede Facette der Geschichte ist hochgradig kalkuliert eingesetzt worden. »The Tomorrow People« ist ein Superhelden-Best-Of.

Ein paar Beispiele, in Klammern ein paar — nicht alle — Stichworte und Motive.

  • Unsere Welt ist nicht so wie sie scheint. Im Unter- und Hintergrund versteckt sich hinter den kulissenhaften Fassaden von dem, was man gemeinhin als Alltag bezeichnet, eine eigene Welt, die furchtbar wichtig und dramatisch ist. (Abenteuer; Kreis der Wissenden; Verschwörung)
  • Die Tomorrow People sind eine ausgewählte, vielleicht etwas elitäre Gruppe von besonderen Menschen. Eigentlich möchten sie nur demütig ihr Ding machen, pazifistisch keiner Fliege etwas zu Leide tun und nur für Weltfrieden und Selbstschutz durch die Gegend teleportieren. (Subkultur & -gesellschaft; Jeder ist besonders; Tomorrow People = die Guten)
  • Wäre da nicht der Bösewicht. Aus Motiven, die selbst ein Vorschulkind als böse identifizieren würde, möchte er die armen, pazifistischen Tomorrow People ausrotten. Der Nazi-Vergleich oben war kein Witz: Aus Jedikiahs Sicht ist die superheldige Genveränderung der Tomorrow People nicht positiv oder neutral, nein, es ist der Untergang der Menschenrasse3. Und gehört gestoppt. (Jedikiah & Co = die Bösen; Sowas von die Bösen; Historisches Analogon)
    Was es noch schlimmer macht: Unsere4 Tomorrow People konnten sich nicht aussuchen, dass sie besonders sind. Sie sind es einfach (Schicksal). Und trotzdem jagt Jedikiah sie erbarmungslos. (Identifizierung; Hilflosigkeit)
    Natürlich scheint Jedikiah dafür Unmengen Ressourcen und Geld zu haben, bedient sich moderner / Zukunfts-Medizin (Jemand hat »Gen« gesagt!), ist immer fesch frisiert, bis oben hin zugeknöpft und trägt schwarz. (Technologiefeindlichkeit; Vorurteile; Bösewicht-Metaphern (Farbe, Abgeklärtheit))
  • Auch wenn wir prinzipiell auf der Seite der Tomorrow People stehen, genauer identifizieren wir uns mit dem Helden der Geschichte: Stephen. Aus dessen Sicht wird die Geschichte erzählt. Wir erleben nicht nur, wie Stephen sich vom Normalo zum Supermenschen mausert, wir bekommen auch Stück für Stück raus, dass Stephen besonders — der Auserwählte — ist. Auch hier: Stephen kann nichts für seine Neo-igkeit5. Das passiert einfach so. Aber gleichzeitig verweigert er sich auch nicht vor seinem Schicksal, er nimmt es an und macht das beste daraus. Gemeinsam mit Stephen sind wir etwas besonders. (Personifizierung/Identifizierung; Der Auserwählte)
  • Es seien noch erwähnt: Stephen, der sich unter den Tomorrow People beweisen muss; das sich anbahnende Liebesdreieck; der Hardlinder unter den Tomorrow People; der Twist, bei dem Stephen seine familiäre Verbindung zu Jedikiah untersucht und undercover ins Nest der Bösen einsteigt.

Die Liste ist hochgradig unvollständig. Ihr könnt Szenen-weise durch »The Tomorrow People« gehen und in jeder Einstellung ein Motiv aus einem Filmlehrbuch finden.

Man könnte denken: Wenn das alles so durchgeplant ist, dann ist die Show vermutlich auch gut?

Nein! Denn was die Macher bei ihrer ganzen Kalküligkeit vergessen haben: Die ganzen Elemente und Motive kennen wir schon. Allein 70 Superheldenfilme! Und der Gut-vs.-Böse-Kampf ist ja nicht ausschließlich darauf beschränkt.
Leider ist »The Tomorrow People« zu offensichtlich. Zu zaunpfahlwinkig.
Dazu kommt noch: Auch zu gradlinig. Es fehlen die Kanten, die Alleinstellungsmerkmale, die Besonderheiten. The-CW-hübsche Darsteller und Darstellerinnen, knackige Bilder und Lehrbuch-inszenierte, aber mittelmäßige Stories reichen nicht mehr.

Mir zumindest nicht.

(Das Gros der Zuschauerschaft scheint das anders zu sehen: Von »The Tomorrow People« wurde eine komplette 22-Episoden-Staffel geordert.)

TL;DR: »The Tomorrow People« hat alles, was eine moderne Superheldengeschichte haben sollte. Ist dabei aber leider viel zu glatt, zu durchinszeniert und zusätzlich noch langweilig.

→ »The Tomorrow People« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 50, Tomatometer: 45%
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  1. In den letzten dreizehn Jahren, um das mal beliebig einzugrenzen. 

  2. Wer mag kann aus dieser Wikipedia-Liste gerne mal das erfolgreichste Jahr ausrechnen. 

  3. Entschuldigt das Vokabular. 

  4. Nur, damit klar wird, auf welcher Seite wir in der Geschichte stehen. 

  5. Dies ist eine »The Matrix«-Anspielung. Just to be perfectly clear. 

Sean Saves the World

Sean Saves the WorldSeans Leben hat sich in der letzten Woche geändert: Seine Teenage-alte Tochter ist bei ihm eingezogen. Eigentlich lebte Ellie bei ihrer Mutter. Von der hatte sich Sean vor einiger Zeit getrennt, als er heraus fand, dass er eigentlich schwul ist. Aber jetzt ist Ellies Mutter weg — und Ellie bei Sean.
Auch wenn er keine Ahnung hat, wie das genau funktioniert, möchte Sean ein guter Vater sein. Er bemüht sich sichtlich, hat sogar Bücher zu lesen versucht!
Ein großes Problem hat er allerdings: Einen neuen Boss. Der macht ihm sein Leben auf der Arbeit nicht gerade leicht. Hohe Anforderungen, Überstunden und sowas. Man kennt das als aufstrebender Abteilungsleiter.
Das kollidiert mit seinem Plan, viel für seine Tochter da zu sein. Und so muss Sean immer häufiger seine Mutter um Hilfe bitten, die (so wie eigentlich alle) ganz schön seltsam ist…

»Sean Saves the World« hat Sean Hayes in der Hauptrolle. Und, ja, Obacht: was bringe euch immer fleißig bei? Traut keiner Serie, bei der der Hauptcharakter so heißt wie der Schauspieler. Autobiografiealarm!
Auch hier bewahrheitet sich die Regel wieder. »Sean Saves the World« ist eine Midlife-Coming-Of-Age-Serie, bei der der Hauptdarsteller dauerhaft nervös auf Ecstasy1 von einem unsicheren Scherz zum nächsten springt.

Dabei wird die Folge im Laufe der Zeit tatsächlich etwas besser. Die Eingangsszene war die schlimmste: Lough Track, doofer Dialog, dumme Slap-Stick-Witze. Danach wird’s besser: Sean’s Boss ist so überzeichnet, dass er schon wieder an der Grenze zu ok kratzt. Und Sean Hayes Mit-»Smash«-Darstellerin Megan Hilty ist auch ein Lichtblick.
Die Mutter allerdings nervt dann wieder so, wie in jeder anderen Serie dieser und letzter Saison, bei der Eltern als dritte Generation einer Comedy involviert sind. Bitte, liebe Programmverantwortlichen, lasst doch peinliche (Groß-)Eltern aus euren neuen Shows. Kthxbai.

»Sean Saves the World« hat ein blödes Thema, einen mir zu nervösen Hauptdarsteller mit meist unterdurchschnittlich lustigen Witzen. Allein die Nebendarsteller wären Grund, weiter zu schauen. Wenn ich nicht schon einige Serien dieser Art in der aktuellen Saison auf dem Ablagestapel liegen hätte…
Aber vielleicht habt ihr ja weniger?

→ »Seans Saves the World« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 43, Tomatometer: 22%
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  1. Oder sowas. Ich hab ja eigentlich gar keine Ahnung. 

The Michael J. Fox Show

The Michael J. Fox ShowVor fünf Jahren wurde Mike mit Parkinson diagnostiziert. Er beendete seinen Job als Nachrichtensprecher, mit der Krankheit war Nachrichtensprechen nicht wirklich möglich. Positiver Nebeneffekt: Er hatte wieder mehr Zeit für seine Familie.
Jetzt, fünf Jahre später, geht Mike zurück zum Fernsehen. Und seine Familie ist froh, ihn endlich aus den vier Wänden zu haben. Aber die Rückkehr zur alten Arbeitsstelle ist alles andere einfach als Parkinson-Kranker.

Die Hauptrolle in »The Michael J. Fox Show« spielt Arnold Schwarzenegger Michael J. Fox. Surprise! Die Show ist auch in gewisser weise autobiografisch: Fox wurde 1991 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert und beendete die Schauspielerei 1999 deswegen. In den Folgejahren kehrte er für Gastrollen in TV-Serien zurück (unter Anderem in »The Good Wife« und »Boston Legal«), bevor er jetzt, 2013, seine eigene Nachrichten-Show bekam.

Aus »The Good Wife« kennen wir bereits, wie es aussieht, wenn Michael J. Fox Parkinson-krank einen Parkinson- neurologisch Kranken spielt — die Serie ist seit 1998 schließlich Pflichtprogramm für alle Newshows-Leser nach §8.1 GuSho. Fox versteckt sich nicht hinter seiner Krankheit (was auch physisch gar nicht geht), sondern benutzt sie offensiv für die Geschichte. Das ist gut! Auch in »The Michael J. Fox Show« witzelt Fox mit den Parkinson-Syndromen rum; sei es aktiv von ihm als Mike erwähnt oder als Mitwirkender bei der Geschichte.
Für uns Zuschauer ist das etwas awkward und befremdlich anzuschauen und bringt uns aus unserer Heileweltkomfortzone. Das ist gut! Wir werden ein bisschen gefordert, sogar moralisch etwas erzogen, und bekommen einen Einblick in das sonst eher vor uns verschlossenes Leben mit Parkinson.

Von einem gesellschaftlichen Standpunkt her ist »The Michael J. Fox Show« wichtig und ganz hervorragend.

Über diese Parkinson-begründeten Eigenschaften hinaus ist die Show etwas… eigenartig.
Der Doku-Stil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die Charaktere sind zu überspitzt. Die Witze sind manchmal etwas platt. Die rumhängende Schwester ist arg Klischee. Und manchmal weiß ich nicht, ob ich über lustige Parkinson-Szenen tatsächlich lachen darf1.
Außerdem ist der Titel der Serie der Name eines Darstellers mit einem »Show«-Appendix. Eigentlich wäre das ein prinzipieller Tabu-Grund2.

»The Michael J. Fox Show« ist, untergründig, eigentlich eine ok-e Serie, die wegen der Parkinson-Thematik zu einer guten wird. Die Parkinson-Momente sind befremdlich, aber fordernd und deswegen gut.
Schauen.

→ »The Michael J. Fox Show« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 64, Tomatometer: 71%
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  1. Ja, ich darf! Verdammtes Über-Ich! 

  2. Empirisch ermittelt. 

Hello Ladies

Hello LadiesStuart ist Engländer. Engländer, der in Los Angeles lebt. Und dort nach der großen Liebe sucht. Dabei stellt er sich äußerst tollpatschig an, ist mitunter peinlich und, generell, trying too hard. Bei all der Verzweiflung und Zurückweisung, die er so auf seinem Weg einsteckt, ist er aber immer frohen Mutes und wartet auf die nächste Gelegenheit, sich zu beweisen.

Ich weiß nicht, ob mir das entsprechende Spaßgen von »Hello Ladies« fehlt. Aber die Show ist furchtbar unlustig. Die Momente, in denen ich lachte, sind an einer Hand abzählbar.
Anstelle in Spaß ist »Hello Ladies« ein Dauertraining in Fremdschämen. Nicht etwa in einer Art, wie bei den »Hangover«- oder (frühen) »Scary Movie«-Filmen, bei denen man irgendwo noch verstehen kann, wie andere Leute darüber lachen können. Bei »Hello Ladies« fehlt mir jede Ahnung dafür, wie irgendwer das lustig finden könnte.

Die Produktionsqualität ist hervorragend (HBO halt), Stephen Merchant macht seine Sache des verlorenen, großen Engländers hervorragend, Christine Woods als weiblicher Serienpart ist auch toll anzusehen.

Aber ich möchte nicht anderen Leuten beim Blamieren zu sehen.

→ »Hello Ladies« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 58, Tomatometer: 45%
(Das lustigste und originellste an der Serie ist der Titel und wo er her kommt.)
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Ironside

IronsideRobert Ironside ist knallharter Ermittler in New York. Seit zwei Jahren sitzt er im Rollstuhl. Aber das mindert in keiner weise seine Möglichkeit, clever die vorgesetzten Fälle zu lösen. Sein dreiköpfiges Team von Protégées unterstütz ihn dabei tatkräftig.
Den Auftaktfall bildet der vermeintlichen Selbstmord einer Investment-Bänkerin. Aber nicht alles ist so klar, wie es anfangs zu sein scheint.

»Ironside« ist eine Wiederauflage der 60er-70er-Jahre-Serie gleichen Namens. Auch da ging es um einen Polizisten im Rollstuhl. Mehr kenne ich über die Originalserie allerdings nicht, so dass die folgenden Zeilen ohne Vergleich auskommen müssen. (Das müsstet ihr dann nachholen. In den Kommentaren zum Beispiel!)

Wie ist »Ironside«? Leider nicht allzu gut.
Robert Ironside wird uns als schicksalsgeschlagener, aber tougher Charakter präsentiert. Den Verlust seiner Möglichkeit zu Gehen scheint er überwunden zu haben. Er scheint sogar Stärke daraus gewonnen zu haben. Seinem ehemaligen Kollegen, der damals beim folgenschweren Schuss dabei war, steht er zur Seite und fordert ihn, selbstlos und hart, auf, endlich mit seinem Leben weiterzumachen. Er ist ein Draufgänger und wickelt hübsche Frauen um den Finger. Und dann flippt er beim Gewichtheben aus? Und geht im Befragungsraum völlig unmenschlich mit mutmaßlichen Tätern um?
Die Figur ist konfus geschrieben. In einem Moment kalkulierend, intelligent und allen anderen zwei Schritten voraus. Dann flippt er aus, lässt nichts an sich ran, ist übermäßig aggressiv und brutal. Dann ist er wieder der coole Typ, den sein Rollstuhl eigentlich überhaupt nicht interessiert.
Vielleicht soll uns das, was ich hier als konfus identifizieren, auch die Ambivalenz des Hauptcharakters zeigen. Vielleicht. Wenn dem so ist, dann ist das, für mich zumindest, nicht gelungen. Um solche Entwicklungen in einem Charakter aufzuzeigen braucht es Zeit und Tiefe — und beides kann uns die Pilotepisode bezogen auf Ironside nicht geben.

Ein kleiner Lichtblick, aber letztendlich auch arg klischeeig ist das Team, was Ironside umgibt. Alle scheinen fähig, in Windeseile NSA-Computer zu hacken und dabei mit den Füßen ein dreidimensionales Sudoku zu lösen. Und das alles als linke Hände von Ironside. Hm.

Der Fall der Woche zum Auftakt war OK. Die Autoren wollen uns die Cleverness Ironsides zeigen. Der Mann, der selbst bei Offensichtlichem weiter ermittelt bis er die Hintermänner der Tat gefunden hat. Und Mentalist-artig schon bei der Mitte der Ermittlungen weiß, wer der Bösewicht ist.
Die Hintergrundgeschichte zu Ironsides Unfall war ordentlich und lässt erkennen, dass die Autoren prinzipiell verstehen, eine Spannungskurve zu benutzen. Das ist doch was.

In den USA gibt es eine Kontroverse darüber, dass der Schauspieler, der den Rollstuhlfahrer Robert Ironside spielt (Blaire Underwood), gar nicht selbst im Rollstuhl sitzt. Ja, kann man tatsächlich doof finden. Da fehlt sicherlich an Authentizität in der Rolle — vielleicht auch Respekt. Die Begründung der Produzenten dafür, ist, dass man wegen der Vor-Unfall-Flashbacks jemanden brauchte, der des Laufens fähig ist. Auch das kann man verstehen. Vielleicht hätte man in Zeiten von CGI mit Body-Doubles auch einen Rollstuhlfahrer wieder laufen lassen können, aber das hätte sicherlich wieder ordentlich was gekostet.
Ich bin da nicht allzu böse drüber, keinen Rollstuhlfahrer für die Hauptrolle in »Ironside« genommen zu haben.
Was das allerdings bewirkt hätte, wäre die Rollstuhl-bezogene Glaubwürdigkeit der Serie etwas anzuheben. Zählt doch einfach mal die Rollstuhlrampen oder -lifte in der Show… Ja, selbst Ironsides Wohnung scheint keine zu haben.

»Ironside« hat zum Auftakt zu wenig Tiefe und zu viel Klischee. Der Hauptcharakter ist zu unstringent geschrieben. Der Fall der Woche ist ok.
Für mich hat das Thema rollstuhlfahrender Ermittler Potenzial. Immer noch. Ich werde die Show noch weiterverfolgen.
Vielleicht machen die Autoren ja noch was draus. Aber ich befürchte…

→ »Ironside« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 44, Tomatometer: 17%
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Atlantis

AtlantisJason ist auf der Suche nach seinem Vater. Letzterer ist vor einiger Zeit irgendwo mitten im Meer verschwunden. Und wie das Schicksal so spielt: Auch Jason verschwindet mitten im Meer. Sein U-Boot wird, kurz nachdem er die lateinischen Buchstaben »Atlantis« auf dem Meeresgrund gesehen hat, von einem weißleuchtenden Strudel angezogen.
Kurze Zeit später findet er sich, nackt, an einem Strand wieder. Ein Strand, der zum griechischem Ort Atlantis gehört. Dort ist das Leben noch so, wie damals, als die Griechen ihre Hochzeit hatten. Kerzen, Kutten und Krieger. Jason scheint zeitgesprungen zu sein. Mitten ins sagenumwobene Atlantis, samt allerlei Sagengestalten, die ihm die Suche nach seinem Vater schwer machen.
Außerdem ist er Neo der Auserwählte.

»Atlantis« füllt die Lücke, die »Merlin« mit dessen Einstellung letztes Jahr im herzen britischer Fantasyfreunde hinterlassen hat. Anstelle der Smallville-eske Origin-Geschichte von König Arthur, Magier Merlin, Drachen und Hexen geht’s dieses Mal um die griechische Mythologie. Oder besser: Einmal quer durch die griechische Mythologie. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Mein Fall ist »Atlantis« nicht.
Die Produktion fühlt sich billig an — was vielleicht unvermeidbar ist, wenn man ein Statisten-intensives Kostümdrama mit einem BBC-Budget machen muss? Die Charaktere sind entweder oberflächlich, geistlos, uninteressant oder all das zusammen. Alles wirkt, als hätte man Hercules und Xena aus den 90ern erweckt, die Hauptdarsteller verjüngt und die Animatronics-Monster1 durch CGI-Monster ersetzt, dabei aber aus Geldgründen auf vernünftiges Shading und Reflexionsrendering verzichtet.
Und jetzt: die Geschichte. OMG. Mindestens ist dieses Durcheinanderwürfeln von (nicht nur) griechischen Sagen befremdlich. Möchte man weiter gehen, könnte man es sogar als Beleidigung an die klugen Denker von damals bezeichnen. Puh. Ich verstehe die Idee von »Atlantis«, aber das wirkt so hirnlos rumgesprungen… Hey, ein Höhlenminotauros! Lasst ihm uns opfern! Mit schwarzen Steinen! Und, Mystery, Luke, ich kenne deinen Vater!

Puh. Nee Danke. Vielleicht mag für den etwas Fantasybegeisterteren »Atlantis« ein spaßiges Adventure durch die griechische Welt sein.
Für mich war es schrecklich.

→ »Atlantis« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: -, Tomatometer: –
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  1. Oder verwechsele ich da jetzt was? 

CyberChimps