Lucky 7

Lucky 7Da passt man kurz nicht auf und, zack, ist’s passiert. Herrje.
Die sieben Mitarbeiter einer Tankstelle im New Yorker Queens kaufen seit Jahren jede Woche ein Ticket für die Lotterie. Diese Woche, endlich, haben sie Glück und gewinnen den Jackpot.
Mit dem Geld kommen die Veränderungen: Keine krummen Geschäfte mehr, um über die Runden zu kommen. Keine langweiligen Überstunden in der Werkstatt. Kein Wohnen bei den Eltern, weil das Geld für die Miete von eigenen vier Wänden nicht reicht.
Aber als der Anwalt von der Lotterie-Gesellschaft in die Tankstelle eintritt, beginnen auch die ersten Probleme. Geld versaut, lernen wir gemeinsam mit den glücklichen Sieben ziemlich schnell…

Herzlichen Glückwunsch, »Lucky 7«, du bist die erste Absetzung dieser Saison. Vor »Dads«!
Das hat die Serie nicht verdient.
Und deswegen, post mortem, der Vollständigkeit halber, hier meine kurze Meinung zu »Lucky 7«. In Vergangenheitsform. Für’s Logbuch. Ihr wisst schon.

»Lucky 7« fand ich ziemlich langweilig1.
Die Story pendelte zwischen schon gesehen, natüüürlich und ORLY?. Um das etwas auszuführen:

  • schon gesehen: Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich viele Aspekte der Show schon in anderen Serien oder Filmen aufgetischt bekommen habe. Vermutlich kommt das mit der Prämisse, die ich eigentlich toll finde, die aber vielleicht einfach nicht genug Tiefe für die zwölfunddreißigste Show hinterlässt?
  • natüüürlich: Damit meine ich die augenbrauenhochziehende Erwärtungsmäßigkeit der nächsten Szene. Natürlich trifft er die falsche Entscheidung. Natürlich geht der Raub schief. Natürlich… Ihr wisst schon. Drama. Aber platt.
  • ORLY?: Das sind die Parts, die eben dann doch aus dem 0815-Korsett ausbrechen. Dann aber völlig übertrieben sind. Das Ausziehen der Ehefrau. Die falschen Freunde in der geheimen Wahl. Sowas.

Ich bin nicht überrascht, dass »Lucky 7« abgesetzt wurde. Die Show hatte zu wenig Neues und auch zu wenig interessant Aufgewärmtes um mir zu gefallen.

Ein positiver Aspekt noch zum Schluss: Die Kameraarbeit. Mir gefielen die künstlerischen Zwischenszenen sehr. Die Slow-Motion-Aufnahmen, die der Serie ein bisschen Film-Schliff gaben. Um die tut’s mir tatsächlich etwas leid.

Wir lernen also, auch eine Steven-Spielberg-Assoziation (durch sein Amblin-Television-Produktionsstudio) und schöne Bilder mit ok-en Schauspielern können über ausgelutschte Prämisse und lahme Umsetzung nicht hinwegtrösten.
Vielleicht wäre das in Zukunft besser geworden — so ein Ensemble von mehr oder minder sieben Hauptdarstellern bietet schließlich großes Potenzial für Geschichten. Aber erfahren werden wir’s wohl nie.

→ »Lucky 7» in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 49, Tomatometer: 29%
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  1. Disclaimer: Ich habe nur die Pilotfolge gesehen. 

Brooklyn Nine-Nine

Brooklyn Nine-NineBisher war das Leben für Detective Jake Peralta ziemlich relaxt. Feuerlöscher-Drehstuhl-Rennen, Melonentasern, Papierkram verschludern; im Hoodie ermitteln. Der Captain hat ihn machen lassen. Schließlich sind Peraltas Aufklärungsraten unangefochten hoch.
Aber die guten Zeiten sind vorbei. Ray Holt ist neuer Leiter der Wache. Und Captain Holt ist alles andere als locker drauf.
Paralta muss von nun an Krawatte tragen, Papierkram zeitig erledigen und die Feuerlöscher in Ruhe lassen. Was er zwar macht, aber nicht, ohne den Captain bei jeder sich bietenden Gelegenheit eins auszuwischen.

Andy Samberg, ehemaliger Star von Saturday Night Live, spielt die jugendliche Hauptrolle in »Brooklyn Nine-Nine«. Seinen strengen Gegenpart spielt Andre Braugher, der das Kostüm aus »Last Resort« vom letzten Jahr direkt anbehalten kann.

Mir gefällt die Serie erstaunlich gut — sogar besser als Caro. Für mich ist »Brooklyn Nine-Nine« einer der besten Neustarts dieser Saison.1
Wann hatten wir die letzte ernstzunehmende Polizei-Comedy? Ich erinnere mich nicht. Hier bei »Brooklyn Nine-Nine« treffen mit Samberg und Braugher zwei hervorragende Schauspieler aufeinander, die ganz wunderbar die Gegensätze ihrer Charaktere spielen. Für mich stimmt die Chemie2 vom Beginn.
Die meisten der völlig überalberten Witze finde ich toll. Ich sagte das im letzten Beitrag zu »The Crazy Ones« schon: Ich bin großer Freund von Rumalberei — solange das eben passt, kreativ und nicht blöd ist. Und bei 99 passt’s.

Die ermittelten Kriminalfälle sind solide und passen ins alberne Bild (gnihihi, Penen3 auf Autos!). Die Geschichten um die völlig überzogenen Nebencharaktere sind, natürlich, ebenfalls völlig überzogen. Passt also ebenfalls.
»Brooklyn Nine-Nine« ist eine erfrischende Comedy mit starken Hauptdarstellern und albernem Drehbuch. Gefällt mir, muss man aber mögen, glaube ich.

→ »Brooklyn Nine-Nine« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 69, Tomatometer: 89%
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  1. Sternchen: Nach zwei Folgen. 

  2. Zumindest zwischen den beiden. 

  3. FYI: Penen, plural von Penis. 

The Crazy Ones

The Crazy OnesSydney und Simon Roberts betreiben zusammen eine Werbeagentur. Simon ist der Star der Firma, etliche Awards und wichtige Kunden bescheinigen seinen Erfolg. Sydney ist seine Tochter, Protegé und heranwachsendes Werbesternchen. Was ihr an genialer Kreativität des Vaters fehlt, scheint sie mit Fleiß wett zu machen.
In der Pilotepisode will der größte und wichtigste Kunde der Agentur, McDonald’s, den Laden verlassen. In letztem Moment schafft es Simon aber noch, die McDonalds-Verantwortlichen mit einem spontanen Plan davon zu überzeugen, der Firma noch eine Chance zu geben. Simon war aber etwas großspurig unterwegs und so muss Sydney jetzt eine bekannte Sängerin davon überzeugen, einen Jingle für McDonald’s aufzunehmen. Und Kelly Clarkson sträubt sich doch etwas…

»The Crazy Ones« ist die neue Serie mit Robin Williams, der nach über dreißig Jahren wieder für eine Sitcom vor der Fernsehkamera steht. Außerdem mit von der Partie: Sarah Michelle Gellar1 und ein paar bekannte Gast-Stars.

Der Titel, »The Crazy Ones«, bezieht sich auf die legendäre Apple-Werbekampagne, die in den 90ern Philosophie und Kult um die Computerfirma und die ganze Computergeneration beschwor. Wie es scheint, ebenfalls ein Kultstück in der Werbendenbranche.

Die Serie schafft es gekonnt, realistische Dinge aus der Welt außerhalb der Serie, mit Fiktivem aus der »The Crazy Ones«-Realität zu vermischen. Mir gefällt das, prinzipiell, ganz gut.2

Nicht so sehr gut gefiel mir allerdings der Rest. Robin Williams ist ein Star und ein mit allen Wassern gewaschener Schauspieler. Das merkt man. Die jugendlich, alberne Rolle von Simon Roberts passt zu dem, was er auch sonst spielt. Allerdings mit einem Albernheits-Level-Up. Vermutlich soll uns das die Seite der Crazyheit der Agentur zeigen. Joa. Mir ist das doch etwas viel. Dieses übergroße, Keith-Hering-artige Selbstportrait mit Lampenfeature über dem Aufzug hilft da auch nichts.3 Genauso wie Caro gefallen mir auch die Szenen besser, in denen William etwas ruhiger spielt.
Sarah Michelle Gellar ist auch so eine Sache. Als Werbetochter passt sie besser in die Serie als letztes Jahr in »Ringer« als doppelte Bösewichtin. Gewöhnungsbedürftig ist es aber trotzdem alle mal noch etwas.

Die Story war, trotz des generell positiven Realitätsbezugs, eher meh. Kelly Clarkson käsig davon zu überzeugen, wie anders dieser Jingle ist. Das pendelte zwischen peinlich, over the top und halbinteressant.

Ich sehe die Idee, die hinter »The Crazy Ones« steht. Die finde ich nicht schlecht. Auch gegen die übertriebene Albernheit im Zentrum der Geschichte habe ich überhaupt nichts einzuwenden — ich bin großer Freund von Albernheiten. Aber die Pilotepisode war dann doch irgendwie nicht so umgesetzt, wie ich’s mir gewünscht hätte.
Mal sehen.

→ »The Crazy Ones« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 57, Tomatometer: 52%
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  1. Die ziemlich schnell über die Absetzung von »Ringer« hinweg gekommen zu sein scheint… 

  2. McDonald’s und Kelly Clarkson jetzt nicht unbedingt direkt. 

  3. Erkennt ihr darin auch Robin Williams als den 200-Jahre-Mann? Sowieso: Wieso sehe ich in Simon Roberts die ganze Zeit Mrs. Doubtfire? Hilfe! 

The Blacklist

The BlacklistElizabeth hat ihren ersten Tag als FBI-Profilerin vor sich. Natürlich verschläft sie. Gehört sich ja so bei großen Tagen. Trotzdem schafft sie es noch fast pünktlich, das Haus zu verlassen. Dort allerdings steht eine Armada schwarzer SUVs und sogar ein Hubschrauber für sie bereit. Sie wird im FBI-Hauptquartier gebraucht. Dringend.
Denn dort hat sich ein paar Stunden zuvor einer der meistgesuchten Verbrecher Amerikas in der Lobby freiwillige den Behörden gestellt. Reddington war jahrelang Besorger und Möglichmacher Nummer Eins des kriminellen Untergrunds. Aber jetzt möchte er die Seite wechseln und dem FBI beim Ermitteln gegen Bösewichte helfen. Seine einzige Forderung: Alle Kommunikation findet zwischen ihm und Elizabeth statt. Sie sei besonders.
Als der Fall der Pilotepisode abgeschlossen ist (blutig, involviert einen Politiker und einen Rucksack) offenbart Reddington seinen Langzeitplan: Er habe eine Liste voller Großkriminelle (die Blacklist) und ist bereit, mit dem FBI zusammen gegen diese Listenplätze zu ermitteln. Genauer: Zusammen mit Elizabeth.

»The Blacklist« startete diese Woche stark auf NBC. 12,58 Millionen Zuschauer. Sogar etwas mehr als die Agenten von S.H.I.E.L.D.1
Und tatsächlich: Die Show gefällt.

Der Spin ist interessant: Ein ehemaliger wichtiger Krimineller, der mit dem FBI zusammen arbeitet. Das kennen wir von »White Collar«, allerdings geht’s bei »The Blacklist« nicht um Kunstraube und andere mordlose Betrügereien. Es geht direkt mit Entführung, Schießereien, Explosionen und Bomben in die Vollen. Außerdem ist im Vergleich zu Neal Caffrey der Hauptcharakter hier wesentlich dunkler angelegt. Sowieso: Die ganze Serie hat einen dunklen, teilweise zu dramatischen Unterton. Es geht eben nicht um das teure, verschwundene Gemälde, sondern direkt um das Überleben tausender Unschuldiger.
Darüber hinaus ist »The Blacklist« das typische wöchentliche Crime-Procedural. Die letzten Szenen der ersten Staffel offenbaren mögliche Episoden-übergreifende Elemente — mal sehen, wie die sich so eingliedern.

Der Hauptcharakter in »The Blacklist«, Raymond Reddington, ist mit Emmy-Gewinner James Spader top besetzt. Ein intelligenter, kalkulierender Krimineller auf dem Weg zur Läuterung. Oder so.
Etwas blass ist da im Vergleich die junge, aufstrebende FBI-Agentin. Megan Boone macht ihre Sache zwar prinzipiell gut, sieht mir aber etwas zu modelhaft kantenlos aus.

Sonst so? Alles solide.
Guter Auftakts-Fall-der-Woche, interessanter Crime-Drama-Spin mit der schwarzen Liste, gute bis ok-e Schauspieler.
Wird weiter geschaut.

→ »The Blacklist« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 73, Tomatometer: 82%
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  1. »The Blacklist« Trivia #431: Der Hauptdarsteller der Show spielt im nächsten »The Avengers«-Film den Bösewichten Ultron. 

Agents of S.H.I.E.L.D.

Agents of S.H.I.E.L.D.Der Kampf von New York ist vorbei. Die Aliens zurückgeschlagen. Dank Iron Man, Captain America, Thor und dem Rest der Gang darf die Menschheit auch noch den morgigen Tag erleben. Während es für die Avengers zurück zum täglichen Superheldendasein geht, startet der wiederauferstandene Agent Paulson damit, eine Spezialagenten-Truppe aufzubauen. Im Namen von S.H.I.E.L.D. stellt er begabte Spezialisten unterschiedlichster Bereiche zusammen um gemeinsam die merkwürdigen Fälle zu ermitteln, die nach dem Besuch der Außerirdischen eben so aufkommen.
Dabei offenbart direkt der erste Fall, ein hitzköpfiger Vater, der dank Alientechnik zum Superheldchen wird, dass die Agenten von S.H.I.E.L.D. gegen größere Bösewichte ermittelt, als den Gelegenheitsalienkriminellen.

He’s back! Joss Whedon, Macher von »Buffy«, »Firefly« und »Dollhouse« ist nach seinem Riesenerfolg im Kino (»The Avengers«) zurück im Fernsehen. Vielleicht (hoffentlich!) wird euch Caro als alte Whedon-Fangirl bald erzählen, warum das prinzipiell so toll ist.
Und dann macht Joss Whedon, von Disney auserkoren, das Marvel-Franchise zu koordinieren, ausgerechnet noch eine Comic-basierte Superhelden-Serie – wo er doch bei »The Avengers« gezeigt hat, dass er großes Budget samt teurer Effekte und vorentwickelten Charakteren trotzdem whedonesque arrangieren kann.
Nicht umsonst war »Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.« auf Platz eins der von mir am meisten erwarteten Shows in diesem Herbst.

Genug der inhaltlossen Vorschusslorbeerei. Kommen wir endlich mal zum Punkt. Taugt denn jetzt »Agents of S.H.I.E.L.D.« was?
Ja!

Wie das mit Erwartungen so ist: Die Serie ist nicht die großartige Offenbarung, die ich mir vorher unter ihr vorgestellt hatte. Das klappt ja eh nie.
Trotzdem ist AoS1 ganz hervorragend. Ein fetter Neustart, mit, zu Recht, 12 Millionen Pilotzuschauern.2

Altbekannt vereinen Joss Whedon und Autorenteam gespitzte Dialoge mit viel Comic Relief. Es gibt interessante Charaktere, von denen man weiß, dass man bisher nur an deren Oberfläche gekratzt hat. Ebenso gibt es einen Haufen Andeutungen über die hintergründigen, episodenübergreifenden Geschichten, die uns in dieser Staffel jede Woche auf’s Neue den Mittwoch herbei sehnen werden. Die Schauspieler sind auch alle hervorragend gefunden und bilden ein erstaunlich heterogenes3 Team.

Hier und da gibt’s dann eben doch noch ein paar Schwächen: Manchmal wirkt alles ein bisschen zu sehr zufällig zusammengewürfelt. Manchmal könnten die Dialoge doch etwas cleverer sein. Manchmal sehen die Spezialeffekte nicht so gut aus, wie wir aus dem Kino verwöhnt sind.
Aber ich verzeihe das der Serie sofort: Schließlich weiß ich, dass Joss Whedon aus einer guten Show sehr schnell eine großartige entwickeln kann. Das hat er schon bewiesen.

»Agents of S.H.I.E.L.D« hat neben einem schwer zu tippenden Namen4 viel, viel Potenzial. Die Comic-Basis der Geschichten ist solide, die Schauspieler super, das Macher-Team legendär.
Ich freue mich auf das Serienhalbjahr. Und bin froh, dass meine meisterwartete Show 2013 ausnahmsweise mal kein Reinfall war5.

→ »Agents of S.H.I.E.L.D.« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 74, Tomatometer: 85%
Nach der Pilotepisode solltet ihr diesen Wired-Artikel lesen. Da gibt’s ein paar Vermutungen, was uns diese Staffel erwartet.
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  1. Ist das ’ne vernünftige Abkürzung? 

  2. Ja. Das ist viel. 

  3. Ich wollte schon immer einmal heterogen in einem Review benutzen. Das klingt so kluk. 

  4. Ihr solltet das mal sieben mal in einem Text probieren! 

  5. 2012: Revolution; 2011: Alcatraz; 2010: The Event; 2009: FlashForward. Scheiß Statistik, was? 

Mom

mom_cbs

Christy (Anna Faris) wär so gerne anders als ihre Frau Mama (Allison Janney), hat aber doch wie sie so ziemlich alles mitgenommen, was möglich war im Leben: Alkohol, Drogen, schlechte Jobs, Promiskuität und zwei Kinder von verschiedenen Vätern. Jetzt ist sie seit ’ner Weile trocken und versucht ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, als nach Jahren der Funkstille Mutter Bonnie wieder in ihr Leben tritt und das mit der Vorbildfunktion nicht gerade leichter macht.

Vor allem die ersten paar Minuten der neuen CBS-Comedy „Mom“ gehen, unter anderem wegen des penetranten Lachtracks, leider gar nicht. Völlig überzogen, nur auf Schenkelklopfer ausgelegt, die aber überhaupt nicht funktionieren, und auch der Rest ist eher so mhhhhjoanee. Weil ich die beiden Darstellerinnen mag, werde ich wohl noch mal reinschauen. Und ganz falsch kann’s aus der Feder von Chucke Lorre nicht sein, schließlich wurde noch so ziemlich alles, was der Typ als Serienproduzent und -autor anpackte – von „Roseanne“ über „Dharma & Greg“ und „Cybill“ bis „The Big Bang Theory“ und „Two and a Half Men“ – irgendwie zum Hit.

→ „Mom“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: -, Tomatometer: 68

Hostages

Pilot

Ausgerechnet der Top-Verhandler des FBI in Geiselsituationen nimmt die „Hostages“, die dem neuen CBS-Thriller seinen Namen geben. Wir lernen zu Beginn der Pilotepisode Dr. Ellen Sanders (Toni Collette) und ihre Familie kennen und müssen dann zusehen, wie sie in die Gewalt von FBI-Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) gerät. Dessen Ziel: Die Ärztin soll bei einer öffentlichkeitswirksam angekündigten Operation den Präsidenten der Vereinigten Staaten sterben lassen – andernfalls töten Carlisle und seine Komplizen ihre Familie.

Der verbrecherische FBI-Agent, so scheint es, hat seine Erfahrung genutzt und an alles gedacht, was es zur Durchführung des Planes braucht. Dass er sich für dieses Vorhaben mit den Sanders keine leicht klein zu kriegende Bande ausgesucht hat, wird schnell klar, nicht erst, als Collettes Figur das am Ende des Auftakts demonstrativ1 in die Kamera sagt.

Obgleich keine Mini-Serie, ist „Hostages“ doch voraussichtlich limitiert auf 15 Folgen2, was ein wenig beruhigend ist3. Aus der Idee einer Geiselnahme mehr herauszuholen, scheint mir unwahrscheinlich. Der erste Eindruck war solide, auch wenn man die Folge schon mehr oder weniger kannte, hatte man den mehrminütigen Trailer vorher gesehen. Für eine Jerry-Bruckheimer-Produktion fehlte es fast etwas an Pathos, so wirklich Mitgefühl wollte mit den betrügenden, lügenden, flunkernden Familienmitgliedern nicht aufkommen. Aber vielleicht ist das auch gerade gewollt, wer weiß. Angesichts der Tatsache, dass es eben nur eine kurze Season sein wird (Ich wiederhole: hoffentlich!)), kann man sich das aber schon mal weiter angucken.

→ „Hostages“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 65, Tomatometer: 56


  1. und etwas sehr patriotisch-bruckheimerisch 

  2. Ein sogenanntes „limited series event“ à la „Political Animals“ 

  3. …wobei die Macher auch schon gesagt haben sollen, dass sie hoffen, dass es darüber hinaus weiter geht. Bitte nicht! 

Sleepy Hollow

Sleepy Hollow1781. Unser Protagonist, Ichabod Crane, ist Kämpfer in der Armee von George Washington. Das allerdings nicht allzu lange, denn bald stirbt Ichabod. Zuvor hat er aber noch eine seltsame Begegnung: Der gegnerische Reiter, dem er just den Kopf abschlägt, steht danach wieder auf. Ein Untoter.
Zeitsprung. 2013. Ichabod erwacht aus seinem Grab. Unbekannte Kräfte haben ihn wiederauferstehen lassen.1 In der modernen Welt fühlt er sich etwas verloren. Autos. Straßen. Soviel hat sich geändert. Zusammen mit Ichabod ist allerdings auch der kopflose Reiter auferstanden, der so gleich da weiter macht, wo er aufgehört hat: Mord und Totschlag. Bald darf der lokale Sheriff dran glauben und seine junge Assistentin Abbie übernimmt die übernatürlichen Ermittlungen. Ichabod ist plötzlich mitten drin in der Untersuchung — und, obwohl er fast vom gesamten Polizeiapparat für Verrückt gehalten wird, fahndet mit Abbie zusammen nach dem Kopflosen.

»Sleepy Hollow« ist die moderne Wiederbelebung der klassischen Irving-Sage von Sleepy Hollow. Ichabod Crane darf im Jetzt zusammen mit der Polizei den gespenstigen kopflosen Reiter jagen und die Welt vor Schlimmerem, vermutlich dem Untergang, der Apokalypse, oder beidem, retten.

Mir hat »Sleepy Hollow« ganz gut gefallen.
Die Schauspieler sind ordentlich. Interessanter weise ist die weibliche Hauptrolle relativ unbekannt besetzt, während man für die Nebencharaktere mitunter bekanntere Gesichter gewählt hat. Trotzdem: Alle machen ihren Job gut.
Ebenso die Geschichte: Die Pilotepisode führt weder überhastet noch zu langwierig in die untergründige Ausgangssituation ein. Mit der Ausbreitung des Apokalypsen-Mysteriums lässt sie auch erkennen, was das übergeordnete Thema der Serie ist und wo die Fahrt hingehen wird. Denn selbst, wenn bald der Kopflose geflockt durch das Stargate jenseits der Eiswand getötet werden sollte, »Sleepy Hollow« legt die Grundlage für ein langfristiges, Horror-eskes Szenario. Beim Brechen des Spiegels habe ich mich sogar kurz ein klein bisschen erschreckt.
Die Produktionsqualität ist auch herauszustellen. Die ist erstaunlich hoch. Die Bilder fühlen sich mit teurem Equipment aufgenommen an, die Beleuchtung kreiert Kino-atmosphärige Szenen.

Das einzige, was mich ein bisschen stört, gleichzeitig aber auch irgendwie… interssant ist: Die Verwebung von Polizei-Drama und Fantasy-Erzählung. Da wird in einem Moment völlig normal ermittelt, aber dann schaut man auf den langhaarigen Wiederbelebten und stellt fest, dass es um einen kopflosen Reiter geht der selbst die magischen Ketten des Urzeitpriesters sprengt.2 Das ist ein hin und her zwischen Realität und Fiktion, an das ich mich erst gewöhnen muss.

Aber mir gefällt »Sleepy Hollow«. Besser, als ich vorher gedacht hatte.

→ »Sleepy Hollow« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 67, Tomatometer: 75%
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  1. JESUS! 

  2. Und wer erst die magischen Ketten des Urzeitpriesters sprengt! 

The Blacklist

TheBlacklist
Elizabeth Keen (Megan Boone) ist Profilerin, frisch mit Zertifikat aus Quantico, und ihr erster Tag beim FBI fällt zusammen mit einem einmaligen Ereignis: Raymond „Red“ Reddington (James Spader), einer der zehn meist gesuchten Verbrecher der USA, stellt sich freiwillig und gibt an, nur mit einer Person sprechen zu wollen. Drei Mal dürft ihr raten, wen er sich als Vertraute in seiner undurchsichtigen Selbstaufgabe ausgesucht hat. Weswegen, erfahren wir in der Pilotepisode von „The Blacklist“ nicht, das ist Teil eines wohl größeren Geheimnisses, dass Red und seine kriminelle Vergangenheit umgibt.

Nun jedenfalls, so scheint es, will er sich reinwaschen von den Sünden der Vergangenheit, indem er andere Schwerverbrecher ans Messer liefert. In dieser Folge: Ranko Zamani, den er erst kürzlich ins Land schmuggelte und der nun offenbar einen ziemlich perfiden Anschlag auf amerikanischem Boden plant. Und in Zukunft, wie wir am Ende erfahren, diejenigen, die so raffiniert und grausam sind, dass die Behörden sie nicht einmal auf dem Radar haben1.

„The Blacklist“ startet vielversprechend: mit einem ziemlich tollen Bösewicht, guten Darstellern, spannend, ein bisschen mysteriös und verdammt temporeich. Fast zu schnell führt uns der Weg von Elizabeths Bett am Morgen zu einem Flammen-Desaster zu einem geplanten Anschlag. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, aber erst mal ist es schon zu begrüßen, dass hier ein Serienthriller zwar einen Fall der Woche hat, aber doch aus dem gewohnten Schema ausbricht. Das birgt allerdings auch die Gefahr von Logiklücken oder Verständnisproblemen2. Mal schauen…

Jenseits des Criminal of the Week wird in der Pilotepisode noch allerlei angeteasert: eine bereits länger andauernde Obsession Reds mit Elizabeth sowie das Doppelleben ihres Ehemanns Tom (Ryan Eggold) beispielsweise. Hier ist definitiv was Größeres im Gange. Ich bleibe dran.

→ „The Blacklist“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 73, Tomatometer: 86


  1. die „Blacklist“ der Schwerverbrecher halt 

  2. Nein, euer Stream ist nicht kaputt oder buffert falsch, die Serie ist so. 

We Are Men

We Are MenNachdem Carter in bester Hollywood-Film-Manier von seiner Braut am Altar stehen gelassen wird, zieht er in einen Apartment-Komplex ein. Dort freundet er sich bald mit der lokalen Gang von Ex-Ehemännern an. Dazu gehört der etwas ältere Frank, der schon vier Ehen hinter sich hat, aber immer noch mit einer großen Portion Charme Frauen um den Finger wickelt; außerdem Stuart, der keine Gelegenheit auslässt, sein T-Shirt auszuziehen, bei seiner momentanen zweiten Scheidung von der gleichen Frau ausgenommen wird, wie bei der ersten, und deswegen so lange seine Besitztümer versteckt; und Gil, den seine Frau bei der vermutlich unerfüllendsten Affäre aller Zeiten erwischt hat.
Zusammen versuchen sie das Single-Dasein so interessant wie möglich zu gestalten und stehen sich mit Rat und Tat zur Seite. Eine Band of Brothers.

»We Are Men« ist ziemlich egal.
Auf der positiven Seite heißt das: Die Comedy ist nicht so schrecklich wie »Dads«. Yay!
Auf der negativen Seite allerdings: Sie reißt mich weder mit Witzen, noch mit besonders cleverer Geschichte von meinem Liegestuhl.

Das Thema bringt natürlich einiges an chauvinistischem Potenzial mit sich. Männer, im Rudel, die ihr erfrischendes Single-Dasein feiern und auf der Dauerjagd nach der nächsten Frau sind. Tatsächlich ist es in der Praxis in der Serie nicht ganz so schlimm. Ertragbar.
Die Vor-dem-Altar-Stehengelassen-Szene , auch die zweite, ist ganz schön kitschig und doof. Und klischeeig. Aber das haben wir mit der Pilotepisode dann hoffentlich hinter uns gelassen.

Potenzial haben allerdings die Hauptdarsteller. Kal Penn und Tony Shalhoub mag ich, Jerry O’Connell passt ziemlich gut in die Rolle.

Mein Kompromiss: Noch ein-zwei Folgen gebe ich »We Are Men« die Chance, sich zu entwickeln, bevor ich es wegen zu hoher Egalheit mit Hang zum Doofismus absetze.

→ »We Are Men« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: , Tomatometer:
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CyberChimps