Colony

ColonyWill Bowman ist auf dem Weg von Los Angeles nach Santa Monica, als er an einer Grenzkontrolle in eine Bombenexplosion verwickelt wird. Die Grenze existiert, weil beide Städte bei der Invasion durch Außerirdische vor knapp einem Jahr mit Mauern abgeschottet wurden. Und im Zuge jener Invasion ist Wills Sohn Bram von seiner Familie getrennt worden. Seitdem hat sich der ehemalige FBI-Agent Will mit Arbeit in einer Autowerkstatt über Wasser gehalten. Bis jetzt, denn jetzt will er in Santa Monica seinen Sohn suchen – natürlich ein illegales Unterfangen. Die Explosion geht auf das Konto der Resistance, einer Gruppe Untergrundkämpfer, die sich gegen die Besatzung wehrt. Will überlebt, aber wird von den besatzungstreuen Sicherheitsbeamten festgenommen. Bald lernt er den Verwalter von Los Angeles, Alan Snyder, kennen. Snyder macht Will ein Angebot: Wenn er Snyder bei der Suche nach der Resistance unterstützt, dann hilft er ihm bei der Suche nach seinem Sohn. Außerdem öffnet Snyder wieder die Bar von Wills Frau und versorgt sie mit Barinventur, dass es seit dem Beginn der Besatzung nicht mehr gab.
Natürlich nimmt Will den Job an, auch wenn er eigentlich gar nicht so sehr von der Besatzung überzeugt ist. Was Will allerdings nicht weiß: Seine Frau Katie ist noch weniger überzeugt und aktives Mitglied des Widerstands. In Will hat sie jetzt einen direkt Draht zum inneren Geschehen der Besatzungs-Kollaborateure.

Bei »Colony« machen direkt zwei »Lost«-Alumni mit: Die Hauptrolle wird mit stetigem Zweiflerblick gespielt von SawJosh Holloway; die Serie ist ausgedacht und produziert von »Lost«-Showrunner Carlton Cuse.

Neben dem offensichtlichen Gesicht von Ersterem, merkt man die Handschrift von Letzterem deutlich: Die Informationen darüber, was es mit der Besatzung auf sich hat, wer überhaupt hinter allem steckt, was deren Motive sind, wie es außerhalb Los Angeles aussieht, wie man mit den Außerirdischen kommuniziert, was die nächtlichen Leuchtsäulen sind, wie die Invasion aussah, und sowieso!; jedenfalls: Die Informationen werden nur stückchenweise in kleinen Dosen dem Zuschauer gegeben. In bester »Lost«-Manier führt die Enthüllung einer offnen Frage automatisch zu mindestens zwei spannungsgefüllten neuen Fragen. Es gilt die Maxime der drei M: Mystery, Mystery, Mystery. Die Geschichte balanciert haarscharf auf der Spannung-durch-Unwissenheit-Schneide, eben in bester Mittelserien-»Lost«-Manier. Noch gefällt mir das, denn die episodischen Kondensationen des Guerilla-Kriegs, erzählt mit deren Stellvertreterakteure Will und Katie (übrigens »The Walking Dead«s Sarah Wayne Callies), sind spannend genug.

Hoffen wir, dass es so bleibt. Denn die Prämisse ist toll und eine interessante Mischung aus Soft-Sci-Fi-haftem »Was wäre wenn?« mit Fokussierung auf unsere Protagonisten. Deren Schauspieler, also Holloway und Callies, machen ihre Sache solide, scheinen aber einen internen »Wer schaut bedrückter drein«-Contest auf der Mattscheibe auszutragen. Aber vielleicht ist das ja so, wenn wir von den außerirdischen Stirnrunzlern besucht werden. Governor Synder, gespielt von »House«s Peter Jacobson, hat erst in den späteren Folgen etwas mehr Bildschirmzeit. Vermutlich wollten die Autoren den Zuschauern nicht direkt zu Beginn der Show einen allzu offensichtlichen Vergleich geben, was gutes (Jacobson) und was joa-ganz-gut-es (Holloway, Callies) schauspielern ist…

Wie dem auch sei: »Colony« gefällt mir gut. Ein Character-centric Invasions-Science-Fiction mit Augenmerk auf Spionage-Untergrund-Krieg und darauf, welche Mittel man Zweck einsetzen möchte. Dabei eine Parabel mit Anleihen aller Hand voll Unterdrückungen in unserer (jüngeren) Menschheitsgeschichte.
Mir gefällt’s!

→ »Colony« in der US-Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 69, Tomatometer: 78 %
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