The Musketeers

The MusketeersDer junge d’Artagnan ist gerade mit seinem Vater auf dem Weg zum König nach Paris, als sie in einem Gasthaus von einer Truppe Kämpfer überfallen werden. Sein Vater wird ermordet und d’Artagnan schwört, ihn zu rächen. Easy, denn der verschleierte Attentäter hatte sich frohmütig identifiziert: Athos von den Musketieren.
Als d’Artagnan schließlich in Paris ankommt und den Musketier herausfordert, weiß Athos allerdings gar nichts von seinem Anschlag. Kurz später wird er dann sogar von offizieller Stelle verhaftet. Wegen mehrfachen Mordes. Irgendjemand treibt ein falsches Spiel und möchte Athos loswerden. Es ist an seinen Musketier-Kumpanen Aramis und Porthos seine Unschuld zu beweisen — zusammen mit d’Artagnan.

Die Geschichten der drei Musketiere. Erzählt von der BBC. Gedreht in Prag. Und es ist ein weiterer historischer Stoff, der von der BCC hervorragend umgesetzt ist.

Ein König, dem man am liebsten an beiden Schulter fassen und wachrütteln möchte; ein Kardinal Richelieu, der, doktortitellos, die personifizierte Manipulation ist; D’Artagnan, der den naiven Neuankömmling toll darstellt (und so wenig Drogen in der ersten Episode nimmt!); Musketiere, die voller Ehre und Leichtigkeit für ihr Vaterland kämpfen. So, wie ich mir die Geschichte schon immer vorgestellt habe.
»The Musketeers« ist toll gedreht. Voller toller Kameraeinstellungen und -fahrten. Stellenweise dunkel und bedrückend, dann wieder fröhlich und leichtfüßig.

Mir gefällt die Show. Eine tolle Nacherzählung. Ob sich an den Geschichten der Musketiere irgendwas geändert hat, weiß ich nicht — so genau kenne ich die Erzählungen nicht.
Und vielleicht gewöhne ich mich auch irgendwann dran, dass es normal zu sein scheint, in Paris Englisch zu sprechen…

→ »The Musketeers« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacrictic-Score: -, Tomatometer: –
Lesen Sie weiter

Top of the Lake

Top of the Lake
Wenn Stieg Larsson »The Killing« geschrieben hätte…

Tui Mitcham möchte sich umbringen. Das zwölfjährige Mädchen läuft immer weiter in den See, bis nur noch ihr Kopf rausguckt. Aber dann wird sie gerettet und zu ihrer Schule in Laketop gefahren. Die Schulkrankenschwester stellt erstaunt fest: Tui ist schwanger. Mit zwölf.
Das zieht natürlich Ermittlungen der Polizei nach sich. Die aber sind mit ihrer provinzhaften Herangehensweise überfordert. Ein Glück ist gerade Detective Robin Griffin in der Stadt. Die arbeitet eigentlich in Sydney, besucht aber gerade in Laketop ihre Mutter und ist speziell geschult für den Umgang mit Kindern. Robin kommt nicht weit beim Interview von Tui. Tui bleibt mehr oder miner stumm. Und nicht viel später ist Tui vom Erdboden verschwunden.
Robins Suche nach Tui und dem Vater ihres Kindes bringt sie ohne Umwege mitten in die Gemeinde von Laketop zurück. Einen Platz, den sie vor langer Zeit gehofft hatte, hinter sich zu lassen. Und ihre Ermittlungen decken so einige tief vergrabene Geheimnisse des Orts auf.

»Top of the Lake« lief letztes Jahr. Sechs einstündige Episoden. Erst auf dem Sundance Channel, dann bei der BBC. Die Serie spielt in Neuseeland – und ist dort gedreht.
Und sie ist großartig!

Wir nehmen Teil an einem langen, ausführlichen Kriminalfall, der erst einmal so gar nicht Hollywood ist. Kein Mord, keine tickende Bombe, keine Entführung. Ein Mädchen, dass verschwunden ist. Aber dann entwickelt sich dieser Fall weiter und… wird immer spannender. Die Serie ist dabei nie überhastet, immer ruhig. Langsam werden die verschiedenen Schichten des Falls ausgebreitet — und erst am Ende wird die ganze Weite offenbar. Und kommt zu einem Ende – die erste Staffel der Miniserie ist nämlich ihre einzige. Die Handlung ist abgeschlossen; eine Fortsetzung nicht geplant.
»Top of the Lake« zelebriert seinen Drehort. Die Serie ist voller langer Einstellungen, die die Landschaft Neuseelands zeigen. Toll!1
Und dann ist da natürlich Elisabeth Moss, Peggy Olsen aus »Mad Men«, die die Hauptrolle der Robin Griffin spielt. Sie macht ihre Sache ganz großartig (leider) — und hat zurecht für ihre Arbeit letzte Woche einen Golden Globe bekommen.

Sogar ein paar komödiantische Elemente sind bei »Top of the Lake« enthalten. Die ganze Storyline rund um die Women-Only-Hippie-Kommune muss einfach so gemeint sein. Das ist viel zu crazy…

Der »The Killing« vergleich zwängt sich natürlich auf. Eine Ermittlerin, die einen einzelnen, großen Fall löst und nebenbei gegen ihre privaten Probleme kämpft. Der Fall stellt sich als tiefergehender heraus, als er eigentlich zu sein schien (natürlich).
Aber auch Stieg Larsson kam mir in den Kopf: »Top of the Lake« ist etwas dreckiger als »The Killing« und Larssons nordischer Stil lässt sich in den Bergen Neuseelands wiederfinden.

Wie dem aus sei: »Top of the Lake« war ein großes Highlight meiner Weihnachtsferien, als ich die Serie fast-binge-guckte. Eine tolle Show. Ruhig, hervorragend gespielt, spannende, vielschichtige Story und hübsche Landschaftsaufnahmen.
Absolute Empfehlung. Ansehen!

→ »Top of the Lake« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 86, Tomatometer: 93%

(Es scheint die Zeit der ausführlichen Kriminalfälle zu kommen. Das gefällt.)
Lesen Sie weiter


  1. Ich rätselte erst, wo denn die Serie spielt (so schnell erfährt man das innerhalb der Show nämlich nicht). Dänemark. Nein, Irland. Nein, Kanada! Dann fiel’s mir wie schuppen von den Augen: Natürlich! Neuseeland. Das ist ja irgendwie all das und noch mehr. 

Atlantis

AtlantisJason ist auf der Suche nach seinem Vater. Letzterer ist vor einiger Zeit irgendwo mitten im Meer verschwunden. Und wie das Schicksal so spielt: Auch Jason verschwindet mitten im Meer. Sein U-Boot wird, kurz nachdem er die lateinischen Buchstaben »Atlantis« auf dem Meeresgrund gesehen hat, von einem weißleuchtenden Strudel angezogen.
Kurze Zeit später findet er sich, nackt, an einem Strand wieder. Ein Strand, der zum griechischem Ort Atlantis gehört. Dort ist das Leben noch so, wie damals, als die Griechen ihre Hochzeit hatten. Kerzen, Kutten und Krieger. Jason scheint zeitgesprungen zu sein. Mitten ins sagenumwobene Atlantis, samt allerlei Sagengestalten, die ihm die Suche nach seinem Vater schwer machen.
Außerdem ist er Neo der Auserwählte.

»Atlantis« füllt die Lücke, die »Merlin« mit dessen Einstellung letztes Jahr im herzen britischer Fantasyfreunde hinterlassen hat. Anstelle der Smallville-eske Origin-Geschichte von König Arthur, Magier Merlin, Drachen und Hexen geht’s dieses Mal um die griechische Mythologie. Oder besser: Einmal quer durch die griechische Mythologie. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Mein Fall ist »Atlantis« nicht.
Die Produktion fühlt sich billig an — was vielleicht unvermeidbar ist, wenn man ein Statisten-intensives Kostümdrama mit einem BBC-Budget machen muss? Die Charaktere sind entweder oberflächlich, geistlos, uninteressant oder all das zusammen. Alles wirkt, als hätte man Hercules und Xena aus den 90ern erweckt, die Hauptdarsteller verjüngt und die Animatronics-Monster1 durch CGI-Monster ersetzt, dabei aber aus Geldgründen auf vernünftiges Shading und Reflexionsrendering verzichtet.
Und jetzt: die Geschichte. OMG. Mindestens ist dieses Durcheinanderwürfeln von (nicht nur) griechischen Sagen befremdlich. Möchte man weiter gehen, könnte man es sogar als Beleidigung an die klugen Denker von damals bezeichnen. Puh. Ich verstehe die Idee von »Atlantis«, aber das wirkt so hirnlos rumgesprungen… Hey, ein Höhlenminotauros! Lasst ihm uns opfern! Mit schwarzen Steinen! Und, Mystery, Luke, ich kenne deinen Vater!

Puh. Nee Danke. Vielleicht mag für den etwas Fantasybegeisterteren »Atlantis« ein spaßiges Adventure durch die griechische Welt sein.
Für mich war es schrecklich.

→ »Atlantis« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: -, Tomatometer: –
Lesen Sie weiter


  1. Oder verwechsele ich da jetzt was? 

Dead Boss

Dead BossHelen ist im Gefängnis. Sie soll ihren Chef umgebracht haben. Alles ein großes Missverständnis, oder gar ein Set-up. Ihr Anwalt ist äußerst unfähig; ihre Schwester besucht sie nur, um festzustellen, wie es um ihren Nachlass gestellt ist; ihr Bürokollege ist der einzige, der ihr irgendwie hilft, ist aber gleichzeitig ihr Stalker; sie ist zusammen mit einer Brandstifterin in der Zelle – und sie macht direkt am ersten Tag Stress mit der obersten Gefängnisgangsterin. Sieht also alles nicht so rosig aus für sie…

»Dead Boss« ist eine kleine, britische Gefängnis-Sitcom von und mit Sharon Horgan. Keine Angst, trotz Frauengefängnis hat das keinen Deut mit »Frauenknast« zu tun.

Wem britischer Humor gefällt, der sollte mal in »Dead Boss« reinschalten. Mir gefällt’s zumindest soweit, dass ich es für Abende mit sonstiger Serienebbe im Hinterkopf halte*.

→ »Dead Boss« bei TVRage und in der Wikipedia
→ Trailer

(*:  Was gar nicht so schlecht ist, wie es sich anhört, vermutlich aber dazu führt, dass ich es in einem Jahr das nächste Mal anrühre…)

True Love

True LoveDie BBC zeigt in dieser Woche eine fünfteilige Serie namens „True Love“, gleich nacheinander – die geballte emotionale Packung sozusagen. „True Love“ ist so etwas wie das britische, mit schwermütiger Musik unterlegte „Love Bites“, jener abgesetzten US-amerikanischen Serie aus dem vergangenen Jahr, in der Beckie Newton („How I Met Your Mother“) das Kind ihrer Schwester bekam und ihre Freunde in allerlei romantische Geschichten vertieft waren.

Auch in der UK-Version hängen die einzelnen Episoden, die aus der Sicht eines anderen Charakters erzählt werden, irgendwie zusammen, beschreibt Wikipedia. In der ersten Folge trifft David Tennant, den ich bislang nur einmal zufällig beim Zappen im Ausland als Dr. Who erleben musste (pardon, Who-Fans), als glücklich verheirater Familienvater seine Jugendliebe wieder und droht, mit ihr durchzubrennen. Dann wäre da Rapper Ashley Walters, dessen Figur Liebe auf den ersten Blick mit einer Fremden erlebt. Sie haben eines gemeinsam: das plötzliche Bedürfnis, auszubrechen und sich in etwas zu fliehen, was schöner wirkt, aber doch zerbrechlich ist und dessen anfänglicher Reiz zu verfliegen droht. Und noch was ist ihren Geschichten gemein: Während Hollywood ihre Nebenbei-Romanzen mit aufregender Musik hinterlegen und dem Ganzen einen abenteuerlichen und dabei positiven Spin geben würde, wirkt es in „True Love“ stets verboten und anrüchig.

Wie schon bei „Love Bites“ macht die Vielfalt der Geschichten und Charaktere den Reiz der Serie aus, vor allem, wenn man wie ich auf Episoden- und Ensemble-Geschichte steht – was aber auch bedeutet, dass sich wenig sagen lässt, ohne das gesamte Bild, also alle Folgen zu sehen. Ich hoffe jedoch , es wird noch etwas fröhlicher, denn für eine Serie, in der es um Liebe geht – selbst wenn sie wie der verbotene Apfel ist -, sind die mir alle zu melancholisch. Ist halt ein britisches Drama, das à la „Mistresses“ mit stellenweise an einen Thriller erinnerndem Soundtrack die Abgründe der menschlichen Emotionalität zeigt. Trotzdem: Mir gefällt’s, und sei es nur, weil ich mich auf Kaya Scodelario freue, bekannt als umtriebige Effie aus „Skins“, die laut IMDB in gleich drei Folgen mitspielt und in einer davon mit Billie Piper („Secret Diary of a Call Girl“) anbandeln wird. Uiuiui.

The Fades

The FadesNoch eine britische Serie. Yay!

»The Fades« ist der Versuch der BBC, einen Fuß in die Jugendlich-und-Übersinnlich-Serienschiene zu kriegen.

Dabei begleiten wir Paul, eigentlich ein ganz normaler Außenseiter, der nachts seltsam träumt. Aber, um es in bester Sixth-Sense-Intonation zu sagen, er sieht tote Menschen. Also nicht ganz: Halbtote. Solche, die zwischen dieser und jener Welt gefangen sind (»Fades«). Während Paul ebendies in der Pilotfolge herausfindet, begleitet die Geschichte zwei Veteranen auf dem Gebiet der Fades-Sichtung. Denn gerade hat’s ein Fade geschafft, in die Welt der Lebenden zurückzukommen. Zwar ist er noch etwas blass um die Ohren und eher knochig, aber er ist da. Und das ist ein Problem, denn bald könnten andere Folgen.
1-2-3, Fight!

Ihr erkennt, »The Fades« macht keinen Heel daraus, den Kampf »Gut vs. Böse, Leben vs. Tod« ein weiteres Mal aufzurollen. Muss man ja auch nicht.

Die Show scheitert bei mir an Anderem. Nämlich an ihrer Struktur. Struktur? Eben. Die Pilotfolge von »The Fades« fühlt sich an, wie ein wirrer Traum, nach dem man eine wirre TV-Serie gesehen hat. Gut, das passt dann inhaltlich zum Erlebnis des Protagonisten. Aber wenn dabei die ganze Handlung so wirsch wird, dass man ihr kaum folgen kann, dann ist das zu viel des Guten.

Darüber hinaus ist die Show ordentlich düster und schreckt auch vor ausführlicher Blutdarstellung nicht zurück. Man könnte fast von so etwas wie Horror sprechen.
Aber das reicht nicht, um die x-te Aufwärmung dieser Protogeschichte auf meine wöchentliche Sehagenda zu setzen.

→ »The Fades« bei TVRage
→ Trailer

Wenn ihr Fans des Genres seid, dann freue ich mich über einen Kommentar, wie es euch erging.

The Body Farm

The Body FarmDie Serie ist britisch und passt eigentlich nicht so recht in dieses Blog, aber wo wir doch ein mal dabei sind, was?

Dr. Lockhart lebt und arbeitet irgendwo in England auf einer Farm. Aber anstelle sich mit Kühen und Kartoffeln zu beschäftigen, kümmert sich Lockhart lieber um Tote. Die »Body Farm« ist eine forensische Pathologieforschungseinrichtung, in der Lockhart samt Team mit modernen Mitteln und Sachverstand tote Menschen analysiert. Und dabei, natürlich, Verbrechen aufklärt.

Die erste Folge nimmt uns mit in ein Manchester Vorstadthochhaus, in dem bei Abrissarbeiten Blut entdeckt wurde. »Blut« ist hier Euphemismus für »Ein kompletter Raum dicht bedeckt mit menschlichem Fleisch«.

Bereits am letzten Satz kann man feststellen: Die Serie ist nichts für zart Besaitete. Die Darstellung des Arbeitsplatzes der Forensiker ist relative deutlich. Aber davon abgesehen, ist »The Body Farm« ein ganz hervorragender Crime-Thriller. Britisch düster, vom Setting bis zu den Figuren hin, und erfrischend realistisch.

In erster Näherung kann man das wohl grob mit dem amerikanischen »Bones« vergleichen: Ein Pathologenteam um eine zentrale Frau herum, das ihre hervorragende Expertise beim Lösen von Verbrechensfällen für die Polizei nutzt. Allerdings in zweiter Näherung, zum Glück, mit einem dicken britischen Spin: Kantige Charaktere, Realismus, keine in der Luft schwebenden 3D-Modelle des 200 Jahre zurückliegenden Volksfestes, das schließlich zum Mord an der Küchengehilfin im 130 km entfernten Steinbruch führte.

→ »The Body Farm« by TVRage
→ Trailer (leider hinter IP-Schranke)

(Britische Serien: Yay!, oder nay!? Sollen wir das hier bei Newshows abbilden, oder doch lieber nur die prominenteren US-Serien?)