Hostages

Pilot

Ausgerechnet der Top-Verhandler des FBI in Geiselsituationen nimmt die „Hostages“, die dem neuen CBS-Thriller seinen Namen geben. Wir lernen zu Beginn der Pilotepisode Dr. Ellen Sanders (Toni Collette) und ihre Familie kennen und müssen dann zusehen, wie sie in die Gewalt von FBI-Agent Duncan Carlisle (Dylan McDermott) gerät. Dessen Ziel: Die Ärztin soll bei einer öffentlichkeitswirksam angekündigten Operation den Präsidenten der Vereinigten Staaten sterben lassen – andernfalls töten Carlisle und seine Komplizen ihre Familie.

Der verbrecherische FBI-Agent, so scheint es, hat seine Erfahrung genutzt und an alles gedacht, was es zur Durchführung des Planes braucht. Dass er sich für dieses Vorhaben mit den Sanders keine leicht klein zu kriegende Bande ausgesucht hat, wird schnell klar, nicht erst, als Collettes Figur das am Ende des Auftakts demonstrativ1 in die Kamera sagt.

Obgleich keine Mini-Serie, ist „Hostages“ doch voraussichtlich limitiert auf 15 Folgen2, was ein wenig beruhigend ist3. Aus der Idee einer Geiselnahme mehr herauszuholen, scheint mir unwahrscheinlich. Der erste Eindruck war solide, auch wenn man die Folge schon mehr oder weniger kannte, hatte man den mehrminütigen Trailer vorher gesehen. Für eine Jerry-Bruckheimer-Produktion fehlte es fast etwas an Pathos, so wirklich Mitgefühl wollte mit den betrügenden, lügenden, flunkernden Familienmitgliedern nicht aufkommen. Aber vielleicht ist das auch gerade gewollt, wer weiß. Angesichts der Tatsache, dass es eben nur eine kurze Season sein wird (Ich wiederhole: hoffentlich!)), kann man sich das aber schon mal weiter angucken.

→ „Hostages“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 65, Tomatometer: 56


  1. und etwas sehr patriotisch-bruckheimerisch 

  2. Ein sogenanntes „limited series event“ à la „Political Animals“ 

  3. …wobei die Macher auch schon gesagt haben sollen, dass sie hoffen, dass es darüber hinaus weiter geht. Bitte nicht! 

We Are Men

We Are MenNachdem Carter in bester Hollywood-Film-Manier von seiner Braut am Altar stehen gelassen wird, zieht er in einen Apartment-Komplex ein. Dort freundet er sich bald mit der lokalen Gang von Ex-Ehemännern an. Dazu gehört der etwas ältere Frank, der schon vier Ehen hinter sich hat, aber immer noch mit einer großen Portion Charme Frauen um den Finger wickelt; außerdem Stuart, der keine Gelegenheit auslässt, sein T-Shirt auszuziehen, bei seiner momentanen zweiten Scheidung von der gleichen Frau ausgenommen wird, wie bei der ersten, und deswegen so lange seine Besitztümer versteckt; und Gil, den seine Frau bei der vermutlich unerfüllendsten Affäre aller Zeiten erwischt hat.
Zusammen versuchen sie das Single-Dasein so interessant wie möglich zu gestalten und stehen sich mit Rat und Tat zur Seite. Eine Band of Brothers.

»We Are Men« ist ziemlich egal.
Auf der positiven Seite heißt das: Die Comedy ist nicht so schrecklich wie »Dads«. Yay!
Auf der negativen Seite allerdings: Sie reißt mich weder mit Witzen, noch mit besonders cleverer Geschichte von meinem Liegestuhl.

Das Thema bringt natürlich einiges an chauvinistischem Potenzial mit sich. Männer, im Rudel, die ihr erfrischendes Single-Dasein feiern und auf der Dauerjagd nach der nächsten Frau sind. Tatsächlich ist es in der Praxis in der Serie nicht ganz so schlimm. Ertragbar.
Die Vor-dem-Altar-Stehengelassen-Szene , auch die zweite, ist ganz schön kitschig und doof. Und klischeeig. Aber das haben wir mit der Pilotepisode dann hoffentlich hinter uns gelassen.

Potenzial haben allerdings die Hauptdarsteller. Kal Penn und Tony Shalhoub mag ich, Jerry O’Connell passt ziemlich gut in die Rolle.

Mein Kompromiss: Noch ein-zwei Folgen gebe ich »We Are Men« die Chance, sich zu entwickeln, bevor ich es wegen zu hoher Egalheit mit Hang zum Doofismus absetze.

→ »We Are Men« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: , Tomatometer:
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Premierendaten der neuen Serien des Herbsts 2013

Bald ist Serienweihnachten! Es startet die Seriensaison 2013-2014 — Mitte September geht’s los. Hier sind die Startdaten (Trailer).

  • 16.9.: Sleepy Hollow (FOX)
  • 17.9.: Dads (FOX), Brooklyn Nine-Nine (FOX)
  • 23.9.: Mom (CBS), The Blacklist (NBC), Hostages (CBS)
  • 24.9.: Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (ABC), The Goldbergs (ABC), Trophy Wife (ABC), Lucky 7 (ABC)
  • 25.9.: Back in the Game (ABC)
  • 26.9.: The Crazy Ones (CBS), The Michael J. Fox Show (NBC)
  • 29.9.: Betrayal (ABC), Masters of Sex (Showtime), Hello Ladies (HBO)
  • 30.9.: We Are Men (CBS)
  • 2.10.: Super Fun Night (ABC), Ironside (NBC)
  • 3.10.: The Millers (CBS), Welcome to the Family (NBC), The Originals (The CW), Sean Saves the World (NBC)
  • 9.10.: Tomorrow People (The CW), American Horror Story: Coven (FX), Once Upon a Time in Wonderland (ABC)
  • 17.10.: Reign (The CW)
  • 25.10.: Dracula (NBC)
  • 4.11.: Almost Human (FOX)
  • 8.11.: Enlisted (FOX)

Alles hier nicht aufgelistete gibt’s dann in der Midseason, also im Frühling nächsten Jahres.((Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die aktuelle Saison bis dahin ganz schön lahm ist. Aber wir werden sehen.))

Under the Dome

Under the DomeChester’s Mill ist ein kleiner, verschlafener Ort an der Ostküste der vereinigten Staaten. Gerade als alle Bürger ihren tagtäglichen Beschäftigungen nachgehen (Leichen verbuddeln, Propangas bunkern und sowas) passiert etwas seltsames. Über der Stadt breitet sich eine Glocke aus. Ein Dom. Ein Kraftfeld isoliert sie vom Rest der Welt. Weder Schall noch Materie scheint die Barriere durchdringen zu können — einzig Licht1 durchstrahlt das elektrostatisch aufgeladene Feld.
Die Bewohner der Stadt sind erst ein wenig geschockt. Woher kommt der Dom? Bis wo geht er? Werden sie für etwas bestraft? Sind sie Teil eines geheimen Regierungsexperiments? Nord Korea?
Bald aber, als sich die Situation etabliert hat, tauchen wir ein in die einzelnen Charakteren, die scheinbar alle ihre mystischen Leichen im Keller begraben haben. Barbie zum Beispiel. Der (ja, der) war beim Militär, ist jetzt aber für zwielichtige Bosse unterwegs und eher per Zufall in der Stadt gelandet. Oder Julia — Reporterin der lokalen Zeitung, die versucht, Licht ins gläserne Domdunkel zu bringen, gerade ihren Mann vermisst und eigentlich auch die tonnenweise Lieferung von Propangas untersucht. Damit wiederum haben Sheriff, Stadtvorsteher und Pfarrer irgendwas Zwielichtiges zu tun.
Das war aber nur die Spitze des Dombergs; es gibt noch einen Haufen weiterer Charaktere, die ihre eigenen mystischen Dinge unter der Glocke treiben.

»Under the Dome« ist eine Serie nach dem gleichnamigen Buch von Stephen King. Produziert, u.a., von Steven King.
Große Namen.

Nachdem wir zu Beginn die verschiedenen zwielichtigen Nebenmysterien verschiedener Charaktere präsentiert bekommen, geht’s auch bald, ohne Umwege, los mit dem Dom. Der fällt wie ein toter Vogel vom Himmel. Und zerteilt dabei lässig Kühe, Häuser und was eben sonst noch so im Weg steht. Trucks zerschellen am Kraftfeld, Flugzeuge stoßen mit ihm zusammen.
Weiter dann, ganz so, wie man es sich vorstellt. Die Dorfgemeinschaft versucht, Das-Experiment-esk, mit der neuen Situation umzugehen. Herauszufinden, wer jetzt im Dorf in charge ist. Wie man mit dem eingeschlossenen Leben zu Rande kommt.
Um dem Ganzen noch etwas Tiefe zu geben, ist Chester’s Mill eben nicht nur irgendein unbedeutendes Örtchen, sondern vermutlich auf so etwas wie dem Mystery-Höllenschlund gebaut.

Hatte ich »Mystery« schon erwähnt?
»Under the Dome« untersucht in seinem Procedural-Element, also als Fall der Woche, irgendein spezielles Feature des Doms (Feuer, Krankheit, …), während episodenübergreifend die einzelnen kleinen und großen Geheimnisse der Bewohner entwickelt werden.

Das klappt ganz gut. Zusammenfassend gefällt mir »Under the Dome« ganz gut.
Die Charaktere sind, meistens, hinreichend vielseitig und durchaus auch mal interessant gezeichnet. Es gibt manche, die sind mehr Klischee-ig, manche, die sind etwas neuartiger. Und dann gibt’s manche, die sind jenseits von gut und böse (Junior, I’m looking at you). Nungut.
Die Schauspieler machen ihre Sache solide. Ich find’s gut, dass die Show sich nicht scheut, Charaktere umzubringen. Pluspunkt.
Die Fälle der Woche sind allesamt genau die, die man für so eine Show erwarten würde — und enden auch genauso, wie man es erwarten würde. Das ist manchmal etwas zu plump und tendiert zum negativen, aber, nungut, Augezusammenkneifen.
Tatsächlich sind die verschiedenen Mysterien mehr oder weniger fesselnd. Was hat’s mit dem Propangas auf sich? Was ist mit dem Kindern los? Warum kommen nur manche Frequenzbänder durch den Dom durch? Und, überhaupt: Der Dom!?

Natürlich gibt’s auch Dinge, die mich an »Under the Dome« stören (Junior, I’m looking at you!) und ich hoffe, dass die Auflösung am Ende nicht allzu bescheuert ist.
Die Auflösung, der Grund des Doms, ist anders als die Auflösung des Buchs, das hat Stephen King persönlich einem Blogpost versichert. Ich finde das gut, er scheint jetzt selbst nicht so überzeugt von seiner Idee damals zu sein.

»Under the Dome« wird weitergeschaut.
Eine schöne, sommerliche Mystery-Unterhaltung mit dem üblichen Confined-Space-Drama.2

→ »Under the Dome« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 72
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  1. Und Feuchtigkeit? 

  2. Mit den großen, assoziierten Namen im Hinterkopf aber dann doch etwas enttäuschend. Nungut. 

Golden Boy

Golden BoyAls Walter Clark seinen Polizistenkollegen nach einer Schießerei selbstlos rettet, wird er sogleich zu einem kleinen Helden der Stadt. Das gibt ihm eine Gelegenheit, um voller Selbstvertrauen einen Platz als Detective einzufordern. Und das klappt sogar.
Sein Partner und Mentor wird Don Owen, mit dem er sogleich beginnt, trickreich Fälle zu lösen. Immer über seine Schulter schaut Detective Arroyo, der ganz und gar nicht begeistert ist, so einen jugendlichen Tunichtgut in seinem Revier zu haben. Er setzt alles daran, Clark Steine in den Weg zu legen und ihn zu diskreditieren.
Dass das zumindest langfristig nicht klappt erfahren wir durch Zwischensequenzen, in denen wir Clark sieben Jahre später als New York Citys jüngsten Police Commissioner aller Zeiten sehen und in denen er über sein Leben reflektiert.
Außerdem gibt’s noch eine Schwester, um die Clark sich kümmern muss.

»Golden Boy« ist eine solide Crime-Drama-Serie — eine weitere in der langen Liste. Allerdings hat »Golden Boy« natürlich ein paar Alleinstellungsmerkmale.

Da ist zum Beispiel der Hauptcharakter des jungen, aufstrebenden Golden Boys Clark. Gut besetzt und gut geschrieben. Ein intelligenter Karriere-Typ, der verschiedene Probleme gleichzeitig jongliert. Die weise Vaterfigur Owen passt zum Jugendlichen hervorragend — die komödiantischen Elemente, wenn Clark Owen aus seiner eingestaubten Welt zu holen versucht, sind durchaus spaßig. Chi McBride spielt als Owen die gleiche Rolle, die er schon in einigen anderen Serien aufgeführt hat. Was nicht unbedingt schlecht ist — tatsächlich passt er hier besser rein als in »Human Target«.

Dann ist da der Antagonist, Arroyo, der ziemlich klar und offensichtlich alle schmierigen, bösen Eigenschaften in Personalunion vereint. Das ist ziemlich klassisch, aber hinreichend ok.

Die Vorausblenden in die Zukunft sind ein nettes Feature und geben stückchenweise Hinweise auf zukünftige Entwicklungen der Geschichte. Macht neugierig (nicht »Lost«-Vorausblenden-Neugierig, aber immerhin). Das ist eine nette Idee, aber nicht nötig um »Golden Boy« zu einer guten Serie zu machen. Die Show zieht ihre Stärken, so finde ich zumindest, aus den Charakteren und den Interaktionen zwischen ihnen. Die Fälle sind ebenfalls gut geschrieben — aber das gilt ja häufig für Crime-Procedurals.

Also: »Golden Boy« ist eine Crime-Serie der interessanteren Sorte, die ihre Stärken in den Charakteren hat.

→ »Golden Boy« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 63

(Erinnert sich noch jemand an »Golden Boy«, das Anime? Rückblickend war das ganz schön crazy stuff.)

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Vegas

Ralph Lamb kämpft eigentlich gerade mit Flugzeugen, die beim Überflug seine Viehherde auseinander treiben, als er einen neuen Job bekommt: Sheriff. Von einer kleinen Stadt namens Las Vegas.
Wir befinden uns in den 60er Jahren und das Stückchen Wüste, das immer mehr Kasinos aufstellt, erfreut sich wachsender Beliebtheit aus dem ganzen Land. Neben Touristen lockt das Neonlicht aber auch die zwielichtigen Gestalten der Mafia an. Einer, der sich in Vegas breit machen möchte, ist Vincent Savino. Frisch in der Stadt, gerät er auch direkt mit dem Sheriff aneinander.
Gemeinsam mit seinem Bruder als Deputy und seinem Sohn als Assistent stolpert der knallharte Sheriff in das Vegas’sche Geflecht von Kriminalität und Intrigen.

Dennis Quaid spielt in »Vegas« die Hauptrolle des Sheriff Lamb. Ein einsamer Cowboy, mit toughen Methoden, für ein besseren Las Vegas. Das macht er, genau so, wie man ihn aus Hollywood kennt: Überkritisch verzerrtes Gesicht, übercooles Auftreten und dauergenervt von der Gesamtsituation. Das passt irgendwie zur Rolle und zur Serie, ist aber zumindest im Piloten noch keine schauspielerische Glanzleistung.
Die zweite Hauptrolle der Serie hat Michael Chiklis als Gangsterboss Vincent Savino inne. Und bei dem tue ich mich schon um einiges schwerer. Seine Schauspielkunst überzeugt mich noch nicht ganz, dass er dort die richtige Rolle bekommen hat — ich sehe immer den netten, tollpatschigen Familienvater aus »No Ordinary Family«.

Und sonst so?
»Vegas« ist gut gemacht! Die Stimmung der Zeit ist hervorragend eingefangen, die Kulissen sind schön. Auch die angedeuteten Verstrickungen der Mafia in die Lokalpolitik geben einige Möglichkeiten der zukünftigen Geschichtsentwicklung. Die Familienbande als Sheriffs-Department ist noch etwas ungewohnt, aber auch da kann sich noch einiges entwickeln (zumal der Bruder-Deputy mit Jason O’Mara seltsam gut besetzt ist).
Erfrischend finde ich den Western-Twist, den »Vegas« wegen der Wüsteneinordnung dem Retro-Genre gibt (Retro-Genre — darf man das sagen? Ist das schon ein eigenes Genre?). Allerdings war das auch der Grund, warum ich »Longmire« nach ein paar Folgen nicht weiterverfolgt habe, obwohl es eigentlich eine gute Serie ist.

»Vegas« ist eine Portrait des Gut-gegen-Böse-Kampfes im Las Vegas der 60er Jahre. Ein durchweg guter Neustart — gute Schauspieler, gut geschrieben, gut produziert. Das einzige, was man der Show vorwerfen kann, dass sie zu kantenlos ist. Aber auch kantenlose Shows können gute Shows sein. Warten wir’s ab.

→ »Vegas« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 67
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NYC 22 & Best Friends Forever

Abgesetzt, bevor ich Zeit zum Schreiben fand. Tja. Daher in einem Beitrag.
NYC 22»NYC 22« begleitet sechs New Yorker Polizeianfänger – Rookies – bei ihrem ersten Arbeitstag. Sie müssen sich ins Sozialgefüge der Polizeistation einleben und sich dort beweisen, aber, viel wichtiger, draußen auf der Straße klar kommen. In zweier Teams versuchen sie einen Gang-Kampf zu verhindern, stolpern sie in eine häusliche Gefahrensituation zwischen Ehemann und -frau und finden den Kleinkriminellen, der Schutzgeldpflanzen in der Nachbarschaft verkauft.

»NYC 22« ist die amerikanische, New-York-Version von »Rookie Blue«. Vielleicht etwas weniger Soap, dafür aber auch weniger charaktertief, weniger glaubhaft, weniger gut.

Insbesondere die Charaktere sind etwas zu toomuch (zu klischee, zu abgehoben,zu weithergeholt): Die ruhige Blonde, die vorher bei der Militärpolizei im Irak war (!) und jetzt den Start in der Polizei anstrebt, der ehemalige NBA-Basketballspieler, der wegen einer Verletzung die ganze Nachbarschaft enttäuscht hat und jetzt bei der Polizei anheuern muss, der amerikanische Afghane, der von seinen Nicht-Rookie-Kollegen für alles schlechte in der Welt, insbesondere Afghanistan, verantwortlich gemacht wird (oh, USA…).
Den, vermutlich genau so schlimmen, Rest-Cast habe ich vergessen. Was ein zweites Problem des Piloten war: Die Geschwindigkeit. Die war viel zu hoch und ließ mir keine Zeit, alles einzuordnen.

Abseits von den Klischees bleibt ein weiteres, schwieriges Problem: Das Gefühl, alles bereits von »Rookie Blue« zu kennen. Das Konzept zu kopieren und nur seinen Spielort nach New York zu verlegen scheint nicht genug neuen Stoff bereit zu halten, den »Rookie Blue« noch nicht behandelt hat. Irgendwo hatten wir einfach schon alles.

»NYC 22« wurde nach nur vier Folgen abgesetzt. Ein bisschen ist’s schade, vielleicht hätte die Show im Laufe seiner Zeit noch an Interessantheit gewonnen. Ich sehe zumindest irgendwo Potenzial dafür (und sei’s bei den Schauspielern…).

Ich konnte mich aber nach der Pilotepisode nicht für mehr begeistern – und so ging es wohl vielen Leuten.

→ »NYC 22« bei TVRage
→  Trailer

Best Friends ForeverJessicas Mann schickt ihr die Scheidungspapiere. Doofe Sache, das. Bringt sie auch ganz schön aus dem Konzept. So sehr, dass sie zu ihrer alten, besten Freundin nach New York fliegt und sich erstmal dort nieder lässt. Lennon, eben diese beste Freundin, hat aber selbst gerade eine Alltagsveränderung hinter sich: Ihr Freund Joe ist eingezogen. Und so ist Jessicas »Zurück zu den guten, alten Zeiten« etwas anders, als sie gedacht hatte.

»Best Friends Forever« ist super schrecklich, völlig unlustig, meistens nervend und ist völlig zu recht abgesetzt. Das fängt vom grundlegenden Konzept an, das schon viel zu quatschig ist, das geht aber auch bei den Witzen, den Charakteren und, ja, leider auch den Schauspielern weiter. Sein lassen.

→ »Best Friends Forever« bei TVRage
→  Trailer

How to Be a Gentleman

How to Be a GentlemanAndrew (David Hornsby) ist Gentleman durch und durch. Er trägt Anzug und Krawatte, immer ein Taschentuch in der Brusttasche und hält Damen die Tür auf. Außerdem spricht er wie es eines Gentlemans gebührt. Auch beruflich ist er Gentleman: Er schreibt die Gentleman-Kolumne einer Zeitung.
Die Pilotfolge startet, als die Zeitung verkauft ist und die neuen Inhaber ihr ein jüngeres Image geben wollen. Andrews Gentleman-Kolumne möge hipper werden.
Bald (wir haben es hiermit schließlich mit einer 30-Minuten-Comedy zu tun) findet Andrew in seinem alten Highschool-Alum Bert (Kevin Dillon) Inspiration: Der ist ungefähr das Gegenteil von ihm und möchte seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz in »How NOT to Be a Gentleman« nur zu gerne an Andrew weitergeben.

»How to Be a Gentleman« ist genau so, wie man es sich nach dem Trailer vorstellt. War das in vergangenen Einträgen in diesem Blog eher ein positives Zeichen, ist es nun schlecht.
Kurz: »How to Be a Gentleman« ist doof.

Der Laugh-Track nervt, die Darsteller nerven (bis hin zur seltsamen Stimme des Hauptdarstellers) und haben keine Chemie, die Witze sind flach und das Setting zündet irgendwie nicht (obwohl es mir ja vom Prinzip gefällt).
Nee, danke. Skipped.

→ »How to Be a Gentleman« bei TVRage
→ Trailer

(Und ich vermute, wir haben einen ersten eindeutigen Kandidaten zur Absetzung.)

A Gifted Man

A Gifted ManIn „A Gifted Man“ geht es um einen Neurochirurgen, der beginnt, den Geist seiner Ex-Frau zu sehen. So ghostwhisperer, so gut. Was tut ein rationaler Wissenschaftler als erstes, wenn er mit einem übernatürlichen Phänomen konfrontiert wird? Er googlet. (Klar, ’ne?) Schizophrenie, ein Hirntumor lauten die möglichen Ursachen seiner vermeintlichen Halluzinationen, die Michael Holt (Patrick Wilson) jedoch allesamt rasch verwirft. Dennoch möchte er den Geist von Anna (Jennifer Ehle), so sehr er sich auch anfangs über ihre plötzliche Gesellschaft freut, eigentlich nur loswerden. Schließlich erinnert sie ihn an ein Leben, das er hinter sich gelassen hat, und passt nicht zu seinem äußerst erfolgreichen neuen Über-Doktor-Ich. Am Ende ist es genau diese Erinnerung an die Vergangenheit und den Mann, der Michael mal gewesen sein muss, die ihn davon abhält, Anna durch (nehme ich mal an) eine leuchtende weiße Tür ins endgültige Jenseits zu befördern.

Das neue CBS-Drama ist ein schwieriger Fall. In der Pilotepisode lernen wir einen von Erfolg und Geld getriebenen Mann, der kaum persönliche Beziehungen hat und durch den Geist seiner gutmütigen und aufopfernden Ex-Frau auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. So bittet sie ihn, ihr dabei zu helfen, einige Dinge zu Ende zu bringen, vor allem in der von ihr geleiteten Klinik. Schon in der ersten Folge führt eine solche Gefälligkeit dazu, dass der scheinbar abgehärtete Michael sich öffnet und einer bedürftigen Familie mit gleich zwei schwerkranken Kindern in seiner Luxusklinik hilft.

Annas Einfluss dürfte die Hauptfigur verändern. Und es ist ziemlich offensichtlich, dass sich hier zudem eine tragische Liebesgeschichte zwischen einem Lebenden und einem Geist anbahnt. Ob das jedoch reicht? Mich persönlich schreckt die Aussichtslosigkeit dieser Prämisse eher ab, um ehrlich zu sein. Die Frage ist, ob das Ich-kann-Geister-sehen-Szenario über die transzendentale Beziehung zur Ex hinausgehen wird. Ich gehe davon aus, dass Michael zum Beispiel schon in Kürze sein im Piloten verstorbener Freund erscheinen wird. Und dass es dann mehr von der unorthodoxen Interaktion mit dem Schamanen Anton Little Creek (Pablo Schreiber) geben wird. Andernfalls gewinnt „A Gifted Man“ höchstens die Jennifer-Love-Hewitt-Gedächtnismedaille, nicht aber besonders viele Zuschauer…

→ Trailer
→ „A Gifted Man“ bei TVRage.com

Person of Interest

Person of InterestJohn Reese (James Caviezel) ist arbeitslos und ziemlich durch. Eigentlich sieht er aus wie der Standardobdachlose von der nächsten Seitenstraße. Als er in der U-Bahn von ein paar Halbstarken angemacht wird, kommt allerdings heraus, was wirklich in ihm steckt: Er war paramilitärischer CIA-Spezialist und hat einiges auf dem Kasten.

Kurz darauf wird er von Mr. Finch (Michael Emerson) rekrutiert, um ihm bei der Verbrechensbekämpfung zu helfen. Finch hat für die Regierung ein Computerprogramm geschrieben, das Verbrechen im großen Ausmaß verhindert soll. Den kleinen Verbrechen möchte Finch sich auf eigene Faust annehmen, um gemeinsam mit Reese New York City etwas sicherer zu machen.
Das klappt auch ganz gut, nehmen sie doch direkt in der ersten Folge eine Gruppe korrupter Cops hoch.

»Person of Interest« ist eine der neuen Serien von J.J. Abrams dieser Saison. Inhaltlich verantwortlich ist Jonathan Nolan, der bisher eher im Kino mit so kleinen Filmen wie »The Dark Knight« aktiv war.

Große Namen also. Die kein Stück enttäuschen.

Die Show ist ein intelligentes Crime-Drama, mit kantigen und mysteriösen Hauptdarstellern, die knallhart die Welt verbessern wollen. Schnell und cool, aber auch düster erzählt.

Die Prämisse ist leicht naja. Etwas Minority Report, aber anstelle von zukunftsschauenden Albinowesen ein analysierender Computer. Aber das ist ok. Ich kann mich darauf einlassen, dass mit hochkomplexer Musteranalyse so etwas in einer Serie möglich ist. Es ist nicht allzu weit hergeholt.
Die allgegenwärtigen Überwachungskameras, die für das Programm (vermutlich) Hauptinput sind, auch als Stilmittel in die Serie zu holen, gefällt mir gut.

Ich muss zugeben: All das hatte ich erwartet, wenn auch nicht in so gut. Die Menschen hinter den Kulissen stehen für Gutes, der Trailer sah ordentlich aus. Einzig James Caviezel als Hauptdarsteller war mir etwas suspekt. Der sieht so emotionslos und geleckt aus. Aber auch er passt zum mechanischen Ton der Serie und liefert eine coole Leistung ab. Ich mag ihn jetzt.

»Person of Interest« ist für mich der Serienneustart der Saison. Es wird schwierig, da drüber zu kommen. Hier sind einfach tolle Komponenten zu einem großartigen Stück zusammengefügt.
Bleibt zu hoffen, dass es über die Saison so bleibt. Aber Herr Abrams hat ja seine Lost-Lektion gelernt, oder?

→ »Person of Interest« bei TVRage
→ Trailer

(Keine Postscriptumklammerbemerkung. Ha, doch.)

CyberChimps