Humans

Humans auf Channel 4

In „Humans“ sind robotische Haushalts- und Lebenshelfer Realität geworden. Überhaupt übernehmen Maschinen inzwischen routinemäßig einen großen Teil niederer Arbeit und sollen den Menschen das Leben leichter machen. So auch das der Familie Hawkins. Nur dass deren „Synth“ (steht für Synthetic) Anita nicht so eine leere Blechbüchse ist, wie ihre neuen Besitzer glauben. Anita gehört zu einer Handvoll Maschinen mit menschlichen Emotionen, die als Anomalie gejagt werden. Auch die Hawkins merken schnell, dass ihre neue Haushaltshilfe sich etwas menschlicher verhält, als sie eigentlich sollte.

Roboter und ihre Gefühle in Serie, das hat auf meiner To Watch Liste zuletzt das Cop-Procedural „Almost Human“ versucht, hat aber die Dualität von Robotik und Menschlichkeit in einem Wesen nie so gut vermitteln können. Da war die Verwirrtheit des „defekten“ Roboters mehr Slapstick als tiefgehende Erkundung der humanoiden Seele. Bei „Humans“ vermittelt hingegen schon die Pilotepisode sehr gut all die moralischen und gesellschaftlichen Konflikte, die mit der fortschreitenden Digitalisierung und Technologisierung in der Serien-Realität einher gehen, zum Beispiel: Wozu noch sein Bestes in der Schule geben, wenn der potentielle zukünftige Job vermutlich in wenigen Jahren eh von einem Roboter gemacht wird? Solche und andere Fragen nimmt die Serie sich gleich in der ersten Folge vor, ohne überladen zu wirken.

Mama Neumann wird mich vermutlich schelten, wenn sie liest, wie angetan ich von „Humans“ bin. Schließlich liegt sie mir seit Jahren in den Ohren, das schwedische Original „Real Humans“ endlich mal zu schauen. Nun ist es halt „Humans“ geworden und das gefällt mir nach der Pilotepisode wirklich gut.

→ „Humans“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: , Metacritic-Score:

Dates

DatesDavid ist etwas nervös. Er ist auf seinem ersten Online-Date. Theoretisch zumindest — denn im Moment wartet er noch auf sein Gegenüber; Celeste ist noch nicht erschienen zum gemeinsamen Abendessen.
Irgendwann entdeckt David die Date-Dame ihn von der Bar beobachten. Und ein durch und durch seltsames Date nimmt seinen Lauf. Celeste heißt eigentlich Mia, war früher Eskorte und ist ganz schön eigenartig — und sowieso ganz anders als der familienvatrige, LKW-fahrende Dave.

»Dates« ist die neue, ebenfalls britische Serie von »Skins«-Miterfinder Bryan Elsley.
Eine Episode verfolgt ein Date zwischen zwei Charakteren. 20 Minuten, mal nur im Restaurant, mal fast nur im Club. Eine Minimalkulisse, die die Bühne völlig den Darstellern überlässt, mit ihren Gesprächen und ihrer Mimik.

Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das funktioniert. Wer hätte Lust, einem 20-minütigen Blind Date mit den oberflächlichen Gesprächen, langsamem Vortasten und filmtypischen Awkward-Situationen beizuwohnen? Einmal — ok; mehrmals? Naaaja.
Aber bei »Dates« klappt das. Natürlich nur, weil Bryan Elsley samt Autoren eben wahlweise keine oberflächlichen Gespräche, kein langsames Vortasten (und auch nicht die typischen Awkward-Situationen) benutzen. Das fängt in der ersten Episode direkt mit dem Aufeinandertreffen einer ehemaligen Prostituierten und einem LKW-Fahrer an, die beide so unterschiedliche Leben und Werte haben, dass es interessant werden muss. In den nächsten Folgen wird’s eigentlich nur noch abgedrehter.
Einen großen Teil daran, dass das klappt, übernehmen auch die Schauspieler. Der Cast ist pro Episode sehr reduziert, aber durchweg toll. Jeder einzelne Charakter ist klasse gezeichnet und hervorragend umgesetzt.

»Dates« ist keine große, bombastische Serie1, sondern hat ihren Reiz in den eigenartigen und verrückten Date-Situationen, die wir miterleben dürfen.
Mir gefällt’s.

(Die Hälfte der neun Folgen der aktuellen Staffel sind schon rum. Husch, husch. Aufholen!)

→ »Dates« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: —
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  1. Natürlich nicht, sie ist britisch! 

Fresh Meat

Fresh MeatIch bin so frei und schmuggel noch ein wenig britische Ware zwischen all die halbgaren US-Neuheiten. „Fresh Meat“ heißt der neueste Streich von Channel 4, dem Sender aus demselben Netzwerk wie die viel gelobten „Skins“ und „Misfits“. Ganz so heftig-deftig ist die Serie über eine Gruppe von Uni-Anfängern auf den ersten Blick nicht, stellt aber einen dringend notwendigen Ausgleich für zu viel amerikanisches Fernsehen dar, wenn ihr mich fragt.

„Fresh Meat“ dreht sich um sechs einander zunächst fremde Studis, die gemeinsam in einem Haus leben. Es gibt den Einsiedler, die bisexuelle Punkerin, die Streberin, den Player, das verunsicherte It-Girl und den Nice Guy. Ziemliche Stereotypen, die hier zusammengewürfelt werden. Der Sender beschreibt die Dramedy als eine Serie über das „lustige und oftmals schmerzhafte“ wahre Leben von Studenten. In der ersten Folge ist es noch eher ein Wer-mit-wem und langsames Kennenlernen, das aber durch zum Teil reichlich absurd dargestellte Charaktere durchaus einige Lacher parat hält.

Darüber hinaus kann ich noch gar nicht viel sagen. Die Sache mit britischen Serien (zumindest bei mir) ist, dass ich sie am Anfang oft merkwürdig finde – weil mein Serienjunkie-Hirn so auf amerikanische Fließbandware geeicht ist. Aber ich habe bisher noch fast keine Serie von der Insel angefangen und wieder aufgehört. Ich habe also große Hoffnungen auch für „Fresh Meat“.

CyberChimps