Defiance (2)

DefianceWir begleiten den Serienhelden samt seiner außerirdischen Ziehtochter, wie sie in einer Außerirdischen-Erdlinge-Hippiekommune wurzeln schlagen. Direkt zu beginn gibt’s das erste Abenteuer, wenn Sabotage und ein übermächtiger Gegner die geteilten Lager der Stadtpatriarchen unter dem Zepter der jungen Bürgermeisterin zusammenschweißen. Unser Held, Nolan, ist natürlich mittendrin.

Alles wichtige zur Show hat Caro bereits gesagt.
Hier nur ein paar Notizen.

  • »Defiance« ist tatsächlich seit langem noch mal eine klassische Science-Fiction-Geschichte im TV. Yay!
    Science Fiction mit verschiedenen Außerirdischen-Rassen, mit Erdlingen, mit vielen Mythologien im Hintergrund. Mit Metaphern über Xenophobie, das Anerkennen unterschiedlicher Kulturen, Melting-Pot-Gesellschaften — und den Grenzen all dessen. Spacige Waffen, hässliches Make-up, Kostüme. Das volle Programm.
  • Für eine Show auf dem Spartensender SyFy vereint »Defiance« erstaunlich bekannte Schauspieler. Julie Benz kennt zumindest ihr Handwerk, wenn auch mir ihre Mauerblümchendarstellung einer Bürgermeisterin noch nicht wirklich passt (böse Zungen würden sagen: Sie kann halt nichts anderes…). Mia Kirshner bleibt auch bei dem, was sie kann und spielt die fröhliche, tiefgründige Schwester. Dunkle Haare und Lederjacke, anstelle von blond und grauem Shirt bei Benz Charakter. Am freakigsten ist allerdings Jaime Murray, der der Blass-Look von allen Blass-Lookern am wenigsten steht. Ihr lasziv-taktisierender Schauspielstil passt allerdings ganz gut zur Rolle.
    Sonst so? Der Held trägt Drei-Tage-Bart, macht seine Sache aber so gut, wie man sie in Kabelkanal-Low-Budget-Sci-Fi-Serien gut machen kann; die adoptierte Außerirdischentochter Irisa sieht auch nach 90 Minuten noch creepy aus.
  • Das Problem an klassischen Science Fiction im TV ist ja das Geld.
    Aus den großleinwandigen Science-Fiction-Geschichten, die wir gerade in diesem Sommer zur Fülle serviert bekommen, sind wir kinnladenherunterklappende, perfekt polierte Spezialeffekte gewohnt. Computergenerierte Grafiken, die nicht von realen Schauspielern zu unterscheiden sind. Kinofilme können sich solche aufwändigen und kostspieligen Post-Processing-Schritte leisten. TV-Serien nicht. Da können keine riesigen Teams am animieren, colorieren und schattieren sitzen. Dass Szenen vor grünen Leinwänden gedreht werden, das gehört mittlerweile zum tagtäglichen Handwerk einer TV-Serie. Aber nicht-hintergründige Objekte, die mit den Realschauspielern interagieren — das ist eine andere Klasse.
    Und bei »Defiance« wird das, stellenweise, sehr deutlich. Man möchte uns eine eindrucksvolle Weitwinkelaufnahme der Zukunftsstadt präsentieren — aber wir erkennen nur die fehlenden Schatten, die stumpfen, leblosen Oberflächen. Aber da muss man wohl bei »Defiance« drüber hinweg sehen. (Generell hab ich das Gefühl, dass bei den letzten großen Science-Fiction-Serien auf SyFy, »Stargate« und »Battlestar Galactica«, die Computer Generated Imagery besser war. Vielleicht, weil im All? Oder ich habe das einfach falsch im Kopf.)
  • »Defiance« verschwendet in der Pilotepisode keine Sekunde. Direkt werden verschiedene Außerirdischenvölker eingeführt, Mutanten, Kriege und Invasionen in der Vergangenheit. Globale und lokale Konflikte, Verräter, Saboteure. Liebesgeschichten, Machtspiele. In 90 Minuten wird Mythologiestoff eingeführt, für den eine J.J.-Abrams-Serie drei Staffeln braucht. Das ist für eine Folge arg vollgepackt, aber immerhin bereitet es den Weg für viele mögliche Ansatzpunkte in der Zukunft, wenn »Defiance« seine Schlacht um Helms Klamm überwunden und Stammzuschauerschaft gefunden hat.
  • Die Erde terraformen? Terraformen? Die Erde? SRSLY?

Schlussurteil: »Defiance« wirkt ein bisschen billig. Trotzdem ist es seit langem noch mal eine waschechte Space Opera ohne Space, eine klassische Science-Fiction-Serie mit Charakteren. Und deswegen werde ich die Show erstmal weiter schauen, auch wenn ich vor dem Show-Off der Makeup-Gewerkschaft auf den Gesichtern der Schauspieler immer noch ein bisschen Angst habe.

→ »Defiance« bei TVRage und in einem langem, hintergrundbeleuchtendem Wikipedia-Artikel
Trailer
→ Metacritic-Score: 55
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Defiance

Defiance

Wenige Jahre nach den verheerenden Pale Wars zwischen Außerirdischen und Menschheit schlagen sich Joshua Nolan (Grant Bowler) und seine Ziehtochter Irisa (Stephanie Leonidas) durch die Lande. Bis sie eines Tages in Defiance stranden, einem Ort, der früher die Großstadt St. Louis und Nolans Heimat war. Hier leben Menschen und Vertreter der verschiedenen außerirdischen Völker, die als Votans bekannt sind, Seite an Seite und versuchen, ein friedliches Leben in dieser binnen weniger Jahre völlig veränderten Welt zu führen. Doch die Ressentiments sitzen tief, und der Feind lauert in den eigenen Reihen sowie außerhalb des sicheren Schutzschildes der Stadt. Als sich schon in der Pilotepisode eine Art Endzeitkampf zwischen den Bewohnern von Defiance und dem Feind andeutet, müssen sich Nolan und Irisa entscheiden: für ihr Vagabunden-Dasein oder dafür, in Defiance „wirklich was zu bewegen“.

In der Doppelfolge zum Auftakt von „Defiance“ (zu sehen auf SyFy, zeitnah zur US-Veröffentlichung auch beim deutschen Pendant) werden wir nach einer kurzen Exposition über die terraformierte Erde und die unterschiedlichen Rassen, die sie nun bevölkern, gleich mitten ins Geschehen geworfen und lernen 90 Minuten lang einen Konflikt und einen Charakter nach dem nächsten kennen.

Im Zentrum dabei: Bowler, der den Außenseiter und widerwilligen Helden Nolan in bester Han-Solo-Mal-Reynolds-Science-Fiction-Held-mit-Macken-halt-Manier gibt und mit Leonidas als toughe Alien-Ziehtochter eine formidable Partnerin gefunden hat sowie mit Julie Benz („Dexter“, „Desperate Housewives“) und Mia Kirshner („The L Word“, „Vampire Diaries“) zwei Schwestern als sehr unterschiedlichen Resonanzboden – Benz spielt die gerade erst berufene Bürgermeisterin der Stadt, Kirshner die Inhaberin des lokalen Bordells, deren Rolle den Promos nach zu urteilen aber darüber weit hinaus geht. Zum zentralen Konflikt zwischen den Spezies kommen ein potentielles Liebesdreieck, persönliche Rivalitäten zwischen den mächtigen Familien des Ortes, ein unerwarteter Feind aus den eigenen Reihen, eine Romeo-und-Julia-Romanze usw.

„Defiance“ ist ein bisschen viel auf einmal, aber ich bin gespannt, ob und wie sich ein paar der soapigen Subplots zugunsten spannenderer und passenderer Motive sowie der Mythologie von Votans und Pale Wars nicht noch auflösen lassen. Ästhetisch ist die Serie nicht gerade auf dem Stand dessen, was Science Fiction im Jahr 2013 bieten kann. Wie menschlich die verschiedenen Alien-Rassen anmuten, darüber kann ich sicherlich hinwegsehen; aber die Optik dieser „terraformierten“ Erde und der Look von St. Louis a.k.a. Defiance überzeugen mich noch nicht.

Doch ich drücke auch da vorerst ein Auge zu, denn insgesamt ist „Defiance“ passabel, spannend und voller starker, ass-kickender weiblicher Charaktere (yay!) – und im Gegensatz zu so manch anderer Serie der letzten Jahre, die sich als Science Fiction kategorisierte, auch mal wieder richtig echte, volle Kanne Science Fiction (wie die „Huffington Post“ korrekterweise feststellt). Obwohl ich nie tief genug in das Genre eingetaucht bin, um nicht von verschiedenen Alien-Rassen in distopischen, postapokalyptischen Szenarien anfangs ein bisschen irritiert zu sein, finde ich, „Defiance“ lädt zum Weiterschauen ein.

Wäre ich jetzt übrigens neben einem echten SciFi-Fan auch noch Gamerin, hätte ich angeblich am meisten von „Defiance“, denn die Serie ist crossmedial angelegt und mit einem Onlineshooter verknüpft. Aber den zu erkunden und darüber zu schreiben, das überlasse ich lieber mal den Gamern…

→ „Defiance“ bei TVRage.com
→ „Defiance“ in der Wikipedia

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