State of Affairs

State of Affairs

In ihrer ersten eigenen Serie spielt Katharine Heigl eine der engsten Vertrauten der Präsidentin (Alfre Woodard). Die NBC-Werbung für den neuen Serien-Thriller „State of Affairs“ geht sogar soweit zu sagen, jeder Präsident habe seine Geheimwaffe, und impliziert damit: Charleston „Charlie“ Tucker ist die dieser Präsidentin.

Eine CIA-Analystin, deren Tag irgendwann mitten in der Nacht beginnt, um mit ihrem Team zusammen „The Book“ zu erstellen. Die Liste der größten Bedrohungen für die amerikanische Sicherheit. Jeden Tag aufs Neue. Und weil das alleine nur ein weiteres Procedural wäre, gibt’s noch eine weitere Komponente: die Verschwörung um den Tod von Charlies Verlobtem, dem Sohn der – ihr ahnt es schon – Präsidentin. Wer hat Schuld an seinem grausamen Tod in Afghanistan?1

Was ich mag: „State of Affairs“ zeigt – so jedenfalls mein Eindruck -, wie die durchschnittliche CIA-Arbeit wirklich aussieht. Dass Analyst zu sein vor allem Arbeit am Computer bedeuten kann und nichts mit aufregender Spionagearbeit in exotischen Ländern zu tun haben muss.

Was ich nicht mag: vieles. So einiges stimmt nicht mit „State of Affairs“, aber ich kann auch nach zwei Folgen nicht eindeutig benennen, was es ist. Ein Versuch, dies trotzdem zu tun: Katherine Heigl wirkt verloren in der Rolle der CIA-Analystin. Vielleicht sind es die immer selben Flashbacks, mit denen die Drehbuchautoren ihre Handlung unterbrechen. Vielleicht ist es der amerikanische Pathos, der sich durch die Serie zieht. Vielleicht auch das unruhige Hin und Her zwischen hektischen Szenen im Briefing-Center, dem Oval Office und der Parkbank des Tages. Vielleicht ist es die Kontinuität, die immer wieder Lücken aufzuweisen scheint. Vielleicht ist es die Tatsache, dass Geheimwaffe Charlie sich in Schale wirft, bevor sie um sieben Uhr morgens (!) bei der Präsidentin auf der Matte steht. Oder ihre klischeehafte Art, mit bedeutungslosem Sex und durchgefeierten Nächten den Tod ihres Verlobten zu überwinden. Überhaupt: Schläft diese Frau auch mal?

Alles in allem ist weder Heigls Charakter noch ihr Job sonderlich glaubwürdig, Gleiches gilt für die Präsidentin. So sehr ich auch jede Serie mögen möchte, die starke weibliche Charaktere in den Fokus rückt – „State of Affairs“ tut genau dies eben nicht. Es sollten wohl starke Charaktere werden. Sie sind aber weder ordentlich geschrieben noch gut besetzt. Wirklich schade, aber ich bin raus.

→ „State of Affairs“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 26%, Metacritic-Score: 43
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  1. Mein Tipp: Der Kerl ist gar nicht tot, sondern taucht im Staffel-/Serienfinale plötzlich wieder auf. 

The Affair

Showtime's "The Affair" 2014
Noah Solloway (Dominic West, „The Wire“) lebt nicht nur scheinbar ein sehr glückliches Leben mit Ehefrau Helen (Maura Tierney) und vier Kindern. Doch als er im Sommerurlaub in den Hamptons Alison (Ruth Wilson) begegnet, bahnt sich eine Affäre an, die nicht nur der neuen Showtime-Serie ihren Namen gibt, sondern offenbar auch tödliche Konsequenzen hat. So erfährt der Zuschauer jedenfalls im Laufe der Pilotepisode, dass Noah und Alison gerade von der Polizei verhört werden und es einen Todesfall gegeben zu haben scheint.

Ganz Beziehungsdrama ist „The Affair“ also doch nicht, was vielleicht nicht schlecht ist – die Verhöre verleihen der Geschichte etwas Folgenschweres und Spannendes. Unabhängig davon gelingt den Produzenten Sarah Treem und Hagai Levi ein feines Stück zwischenmenschlicher Beobachtung mit einem Twist: Die Geschichte wird in jeder Folge aus zwei Perspektiven erzählt, erst aus Noahs, dann aus Alisons.

„The Affair“ lehrt uns, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können und wie nachvollziehbar für jeden einzelnen seine Handlungen auf Basis dessen, was er für die Wahrheit hält. In Noahs Geschichte ist Alison diejenige, die mit ihm flirtet und die Liaison anbahnt; Alisons Wahrnehmung ist eine andere und beschreibt einen forschen Draufgängertypen, der ihr Affancen macht. Die Wahrheit – ihr könnt’s euch schon denken – liegt wie so oft irgendwo in der Mitte.

Ich bin gespannt, ob wir noch eine neutralere Perspektive zu sehen bekommen. Wenn nicht, ist „The Affair“ nicht weniger reizvoll – und ein bisschen lehrreich für jeden. Die Botschaft, die ich aus der Serie ziehe: Denk öfter mal darüber nach, wie sich etwas für jemand anderen anfühlt, wie andere dein Handeln empfinden und wie unterschiedlich Selbstverständlichkeiten für jeden einzelnen sein können. Ihr seht: Eine Serie, die zumindest mich zum Nachdenken anregt. Ich bleibe erst mal dabei1.

→ „The Affair“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 96%, Metacritic-Score: 85
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  1. …und dass Joshua Jackson („Fringe“) mitspielt, schadet definitiv auch nicht… 

Marry Me

Marry Me
Jake (Ken Marino) und Annie (Casey Wilson) sind seit Ewigkeiten zusammen. Als der romantische Urlaub zu Ende geht und er ihr immer noch keinen Antrag gemacht hat, wütet sie aufgebracht durch die Wohnung – während er hinter ihrem Rücken mit Ring in der Hand in die Knie geht. Dumm gelaufen. Es bleibt nicht bei dem einen verpatzten Antrag und erst am Ende der Pilotepisode finden sie dann doch zueinander.

NBC und Comedy, das bleiben zwei unterschiedliche Welten. „Parks and Recreation“ endet bald, „Community“ wurde geschasst, und „Marry Me“ ist definitiv kein würdiger Nachfolger. Die RomCom ist nicht schlecht, sie ist schlicht vollkommen durchschnittlich. Moving on.

→ „Marry Me“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 79%, Metacritic-Score: 63
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Jane the Virgin

Jane the Virgin
Die Prämisse von „Jane the Virgin“ klingt so bescheuert wie der Titel, aber vertraut mir und lest trotzdem weiter, bitte!

Die 23-jährige Jane (Gina Rodriguez) ist Jungfrau aus religiös-familiären Gründen und lässt es mit ihrem Freund ruhig angehen. Raphael (Justin Baldoni) derweil lebt in einer unglücklichen Ehe und hat gerade eine Krebserkrankung überstanden. Vor Jahren teilten die beiden einen romantischen Moment samt Kuss, aber sahen sich nicht wieder – bis jetzt. Denn ausgerechnet Raphaels vor Liebeskummer zerstreute Schwester, Janes Frauenärztin, befruchtet die Titelfigur beim Praxisbesuch versehentlich mit seinem Sperma. In Janes Lebensplan ist ein Kind noch nicht vorgesehen, doch Raphael hatte seine letzten Schwimmer vor der Behandlung auf Eis legen lassen und hat nur diese eine Chance auf Nachwuchs. Ein Dilemma!

„Jane the Virgin“ hat überwiegend überschwängliche Kritiken erhalten – durchaus verdient: Die CW-Serie besticht durch eine quirlige, sehr natürliche Hauptdarstellerin und alles in allem eine äußerst charmante Mischung aus bodenständiger Dramedy und kitschiger Telenovela mit einem „Fabelhafte Welt der Amélie“-artigen Erzähler.

Wie die Charaktere einander treffen und mit der ungewollten und ungewöhnlichen Schwangerschaft umgehen, und wie die Geschichte dem Publikum näher gebracht wird, hat etwas von im Schnelldurchlauf erzählten französischen Komödien. Für amerikanisches Fernsehen ist dies, soweit ich weiß, mal eine ganz neue Sprache. „Jane the Virgin“ bedient sich in mehreren Genres und ist dabei erfrischend anders. Solltet ihr euch anschauen!

→ „Jane the Virgin“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 100%, Metacritic-Score: 80
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Manhattan Love Story

Manhattan Love Story
Dana (Analeigh Tipton) und Peter (Jake McDorman) haben ein Blind Date. Er ein Player, dessen Gedanken nur um das Eine kreisen; Sie neu in New York und von der Stadt verunsichert. Das Ganze würde ich mir schon als Film nicht angucken. Wie das als wöchentliche Serie funktionieren soll – keine Ahnung. Und das Ganze mit zwei permanenten Voice-overs der beiden, die wohl der große Pluspunkt von „Manhattan Love Story“ sein sollen. Der innere Monolog beider strotzt nur so vor Klischees. Mir war’s zu schmerzhaft, um die Pilotepisode zu Ende zu schauen.
→ „Manhattan Love Story“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 29%, Metacritic-Score: 42
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The Flash

The Flash auf The CW
Barry Allen (Grant Austin) ist gerade noch ein schusseliger, ziemlich durchschnittlicher CSI-Typ, als ein sonderbarer Blitzschlag ihn trifft. Neun Monate später wacht er in den Räumlichkeiten von Star Labs, der inzwischen in Ungnade gefallenen Firma seines wissenschaftlichen Idols Harrison Wells, wieder auf und stellt beim Anblick seines Waschbrettbauches ungläubig fest: „Lightning gave me abs??“ Sein plötzliches Fitnessstudio-artiges Äußeres ist aber noch nicht das Seltsamste: Barry kann sich durch sein bizarres Erlebnis vor allem mit mehr als 200 Meilen pro Stunde bewegen. Knapp 40 Minuten später: Ein Rächer mit Maske und engem Kostüm, im Einsatz für die Bewohner seiner Stadt, ist geboren. Dazu noch das Rätsel um die Ermordung seiner Mutter, als Barry 11 war et voilà: The CW hat yet another Superheldenserie nach Rezept gemixt.

Bis vor einer Stunde kannte ich den DC-Comics-Helden „The Flash“ nur als Sheldon Coopers Kostüm, jetzt habe ich zumindest mal einen Einblick in die Geschichte bekommen. Ohne zu wissen, ob Fans der Comics beim Anblick der CW-Serie eher mit den Augen rollen oder erfreut auf und ab springen, würde ich vermuten, dass die Umsetzung wohl ganz in Ordnung ist.

Mich hat die Pilotepisode jedoch nicht umgehauen. Der Cast ist in Ordnung, die Effekte recht überzeugend für vermutlich kleines Budget und trotzdem fehlt das gewisse Etwas. „The Flash“ kommt wohl eher nicht auf meine regelmäßige Watchlist. Vielleicht bin ich auch einfach eher ein Marvel-Girl.

→ „The Flash“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 96%, Metacritic-Score: 73
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Bad Judge

Bad Judge auf NBC
Manchmal sollte man einer Serie gerade dann eine Chance geben, wenn der Trailer besonders langweilig ist und die Bewertungen auf Rotten Tomatoes besonders schlecht. „Bad Judge“ ist ein gutes Beispiel: Die Pilotepisode ist eine solide halbe Stunde Dramedy. Keine überdrehte Comedy, wie uns der Trailer weismachen will; und Rebecca Wright ist unkonventionell, aber nicht so „bad“, wie Titel und Promo vermuten lassen.

Tatsächlich spielt Kate Walsh in ihrer ersten großen Post-„Private Practice“-Rolle eine im Kern ziemlich sympathische Frau. Ja, ihre Richterin ist eine Draufgängerin, die Sex, Drugs and Rock’n’Roll lebt. Gleichzeitig ist sie eine leidenschaftliche und fürsörgliche Verteidigerin des Rechts.

Ich gehe davon aus, dass die Serie sich noch entwickelt, die Quoten scheinen ja ganz OK gewesen zu sein. Sonderlich gelacht habe ich nicht, zugegeben, aber mir gefällt Walsh in dieser ganz anderen Rolle und ich schaue mir mal an, wo’s hingeht.

→ „Bad Judge“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 18%, Metacritic-Score: 38
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Selfie

Selfie-Cast ABC

Eliza (Karen Gillan) ist die Queen of Twitter and Instagram, aber im wahren Leben kriegt sie nichts gebacken. Als sie realisiert, dass ihre Likes nur virtuell sind, wird ihr klar: Ich muss mich ändern. Oder zumindest mein Image. Wie gut, dass dies die Spezialität von Kollege Henry (John Cho) ist, der die Challenge annimmt, Eliza etwas Menschlichkeit beizubringen.

„Selfie“ ist Emily Kapneks nächster Wurf nach dem leider unterschätzten und abgesetzten „Suburgatory“ und packt auf dessen satirische Überzeichnung noch mal eine Schippe drauf. „Polarisierend“ nannte es Kollege Andi, als er mir vor ein paar Tagen riet, den Piloten anzuschauen – und hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen: Social Media und das Digitale werden konsequent mit einer negativen Note dargestellt, was bei einem digitalen Menschen wie mir ebenso hätte nach hinten los gehen können.

Doch ich fand „Selfie“ ganz unterhaltsam. Von mir bekommen Eliza und Henry1 erst mal einen Like-Daumen. Auch wenn ich mich frage, wie lange die Prämisse funktionieren kann: Eliza muss sich ändern, darf sich aber nicht zu viel ändern. Mal schauen…

→ „Selfie“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 55 %, Metacritic-Score: 57
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  1. Hihi, die Namen sind offenbar inspiriert von Eliza Doolittle und Henry Higgins aus „My Fair Lady“… 

Madam Secretary

Madam Secretary

You don’t just think outside the box, you don’t even know there is a box.

Téa Leoni ist die neue Außenministerin der Vereinigten Staaten, Elizabeth McCord. Nachdem der Vorgänger bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, rekrutiert Präsident Dalton (Keith Carradine) seine frühere CIA-Angestellte für den Posten, wohlwissend, dass er mit der ehemaligen Spionin nicht die größte Diplomatin, sondern einen sehr eigenwilligen Kopf in sein Kabinett holt. „Madam Secretary“ begleitet diesen eigenwilligen Kopf Woche zu Woche bei dem Versuch, zwischen Diplomatie und ihren speziellen Fertigkeiten zu navigieren.

CBS1 setzt mit seiner neuen Serie einmal mehr auf eine starke Frontfrau. Vergleiche zu großen Vorbildern wie „The West Wing“ liegen nah, wann immer ein fiktiver Stoff sich so nah ans Oval Office heranwagt. Ob „Madam Secretary“ denen gerecht werden kann, sei mal dahin gestellt.

Mir gefällt’s jedenfalls: Téa Leoni spielt eine facettenreiche Figur und ergänzt sich nicht nur mit den Darstellern ihres Staff gut, sondern hat vor allem in Tim Daly („Private Practice“) einen tollen Partner gefunden. Gemeinsam porträtieren sie das Ehepaar McCord, das zwischendurch fast zu gut harmoniert, um authentisch zu wirken. Aber es funktioniert: Das Familiendrama rundet das politische Procedural fein ab, auch wenn ich mir da noch etwas mehr Einblick in den emotionalen Konflikt der Hauptfigur erhoffe. Und dann hat Madam Secretary ab dem Ende der Pilotepisode auch noch eine potentielle Verschwörung auf ihrem Schreibtisch liegen, für eine übergreifende Storyline ist vorerst gesorgt. Ich bin angefixt.

→ „Madam Secretary“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 67 %, Metacritic-Score: 66
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  1. CBS ist bekanntlich der Sender, auf dem unsere Lieblingsserie „The Good Wife“ läuft – die übrigens in der frisch gestarteten Staffel schon wieder großartig ist. Just sayin‘. 

A to Z

"A to Z" auf NBC

Andrew and Zelda will date for eight months, three weeks, five days, and one hour. This television program is the comprehensive account of their relationship.

„A to Z“ ist genau das, was dieser Text aus den Opening Credits besagt. In der Pilotepisode lernen wir die beiden kennen, die sich gerade kennenlernen. Und damit ist der Inhalt der Serie auch schon zusammengefasst. Abrakadabra.

Die ABC-Serie von Rashida Jones („Parks & Recreation“) feierte schon im Sommer Vorab-Premiere, aber ich merke, dass ich nicht sonderlich auf die Weiterführung gewartet habe. Dabei gab es durchaus ein paar Dinge, die mir gefallen: Hauptdarstellerin Cristin Milioti („How I Met Your Mother“) oder Voice-over-Erzählerin Katey Sagal („Sons of Anarchy“) zum Beispiel. Aber insgesamt war die Romanze der beiden Hauptfiguren etwas zu kitschig und hat mich nicht gepackt. Mal in ein paar Wochen gucken, wie „A to Z“ so ankommt und was die sagen, die dran geblieben sind. Bis dahin: Next!

→ „A to Z“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 66%, Metacritic-Score: 66
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CyberChimps