Wayward Pines

Wayward Pines

Secret-Service-Agent Ethan Burke (Matt Dillon) ist zwei verschwundenen Kollegen auf der Spur – und ahnt nicht, dass seine Suche der Anfang eines Albtraums wird. Die erste Folge von Fox‘ Sommer-Mini-Serie „Wayward Pines“ beginnt für ihn, die Hauptfigur, auch gleich mit einem Unfall – der ihn in die mysteriöse Kleinstadt Wayward Pines führt. Hier findet er erst den einen Kollegen gefoltert und ermordet und trifft wenig später die andere Kollegin (und ehemalige Geliebte), Kate Hewson (Carla Gugino), um Jahre gealtert, verheiratet, domestiziert. Schnell wird klar: Hier ticken nicht nur die Uhren anders, die Stadt birgt außerdem dunkle Geheimnisse, die Bewohner werden beobachtet und unter Druck gesetzt. Nur: Von wem? Und warum? Und wie? Neuankömmling Burke wirkt wie der harte Hund, der dem Grauen ein Ende machen könnte.

„Wayward Pines“ wird beschrieben als eine Art „Twin Peaks“ trifft „Lost“ trifft „Truman Show“ – und wie die zumindest die beiden erstgenannten birgt auch Mini-Serie die Gefahr, ziemlich unbefriedigend zu enden. Zu verwoben und mysteriös sind schon jetzt die Geschichten – und einem der verantwortlichen Produzenten, Filmemacher M. Night Shyamalan, sagt man ein unglückliches Händchen beim Thema Ende nach.

Ich bin dennoch bereit, das Risiko auf mich zu nehmen, weil mich schon die erste Folge dermaßen gepackt hat!

→ „Wayward Pines“ in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 85%, Metacritic-Score: 66

The Last Man on Earth

The Last Man on EarthPhil Miller ist der letzte Mann auf Erden. Ein Virus hat alle Bewohner des Planeten sterben lassen. Alle, außer Phil. Der sucht quer durch Nordamerika nach weiteren Überlebenden. Aber niemand findet sich. Für den Fall, dass doch noch jemand überlebt, schmiert Phil während seiner Reise den Ort seiner zukünftigen Residenz an Werbetafeln: »Alive in Tucson«. In Tucson bezieht er eine Villa und geht seinem Leben nach. Viel Alkohol, viele Soft-Drinks, ungesunde Dosen-Essen, ein Toiletten-Pool und Flammenwerfer. Unter anderem.

»The Last Man on Earth« startet großartig. Eine Studie zu »What would you do…«. Phil Miller (Will Forte, gleichzeitig auch Serienschöpfer) ist allein auf der Erde und er kann endlich mal all das machen, was die Zwänge der Gesellschaft ihm vorher verboten. Kegeln mit Autos? Mit Flammenwerfer Einkaufswagen voller Papier anzünden? Einzigartige Gemälde in der Eingangshalle aufhängen – gleich über dem Teppich aus dem weißen Haus? Die erste Episode von »The Last Man on Earth« wahrlich ist toll und ein großer Spaß.

Aber dann passiert etwas Furchtbares. Es folgen Spoiler.

Das Furchtbare? Phil Miller ist nicht alleine auf der Erde. Carol kommt nach Tucson und bald noch mehr Leute. »The Last Man on Earth« wird instantan transformiert in »The many ways Phil Miller wants to stick it to someone«1; die Show, die gerade noch lustige Ideen auf einer leeren Erde ausprobiert hat, dreht sich von nun an darum, wie Phil Miller, Arschloch vor dem Herrn, mit der nächsten Frau schlafen kann. Und dabei die übrigen Männer seiner kleinen Gemeinde den Mittelfinger zeigen.

Die Show hat, jenseits der Pilotepisode, cringe-worthy Momente, bei denen sieht selbst The Big Bang Theory alt aus. Das ist wirklich schade.
Die Prämisse war so durchgedreht und so großartig, aber vielleicht auch einfach zu anspruchsvoll für eine gesamte Staffel.
»The Last Man on Earth« ist verlängert worden für eine zweite Staffel. Mal sehen, was dabei raus kommt. Aber… ich weiß ja nicht.

→ »The Last Man on Earth« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Tomatometer: 84%, Metacritic-Score: 72

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  1. Danke @supergarv für den Titel. 

Red Band Society

Red Band Society Cast

„Red Band Society“ ist neu auf Fox und wartet nicht nur mit einem ergrauten Dave Annable („Brothers & Sisters“) auf, sondern vor allem mit einem tollen Cast an Kids und Teenies. Die spielen Patienten in einem Krankenhaus: unter anderem einen Jungen im Koma, ein junges Mädchen mit Anorexie, einen Krebskranken und einen Teenager mit Mukoviszidose. Sie alle sind schwer krank, manche kämpfen um ihr Leben, aber die Serie ist eine Dramedy und will uns neben schwer zu verdauenden Momenten vor allem vermitteln, dass diese Kids mehr als Kranke sind, was in der Pilotepisode schon sehr gut gelingt.

Schaute man sich nach Ausstrahlung des Piloten (schon vor einigen Wochen auf Hulu) im Netz um –
zum Beispiel auf Reddit oder TVLine.com -, fand man viele Kommentare tatsächlich Kranker, die beklagen: Der Serie fehle es an Realismus. Nicht nur, dass für jeden Zuschauer ersichtlich das toll eingerichtete Krankenhaus ein absolutes Fantasieprodukt ist. Auch beschreiben einige, die tatsächlich im Krankenhaus leben, ihren Alltag als von Isolation und Langeweile statt Rollstuhlrennen und Marihuana geprägt. Doch vor allem die fehlenden Symptome mancher Patienten werden beklagt und während etwas kreative Freiheit bei der Darstellung des Alltags durchaus okay ist, ist das ist etwas, wo ich mir Besserung erhoffe. Doch letztlich beschreibt die Pilotfolge nur einen einzigen Tag – der vielleicht einfach ein guter war, soll’s ja geben.

Andere, teilweise ebenfalls Betroffene, loben „Red Band Society“ im Netz auch dafür, dass sie zum Beispiel chronische Krankheit nicht primär negativ und bemitleidenswert darstellen. Tatsächlich sind die Perspektive der Patienten und der positive Ton – unterstützt durch ein bisschen Slow Motion und reichlich Tränendrüseninszenierung – eine schöne Abwechslung zu sonstigen Medizinerserien.

Von der Kritik am mangelnden Realismus mal abgesehen: Bei „Reddit“ beschreibt jemand die Serie als das neue „Breakfast Club“. Ich kann den Vergleich durchaus nachvollziehen, finden hier doch recht stereotype Fremde zueinander, öffnen sich und werden unerwartet (so ist es jedenfalls zu erwarten) gute Freunde, während der Zuschauer einen Einblick in verschiedene Charaktere bekommt, hinter denen wesentlich mehr steckt als der erste Eindruck vermuten lässt.

Ob der Vergleich angebracht oder vermessen ist, wird sich zeigen. Mir hat „Red Band Society“ gefallen, obwohl – oder gerade weil – es so sentimental und lebensbejahend ist. Ich hoffe, dass sie in der Lage sind, die ernsten Teile des Krankenhauslebens etwas mehr herauszuarbeiten ohne dabei den Charme zu verlieren. Und wie gesagt: Etwas Realismus würde nicht schaden.

→ »Red Band Society« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 57 %, Metacritic-Score: 58
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Enlisted

EnlistedHot-Shot-Soldat wird aus dem Kriegsgebiet zurück nach Hause versetzt. In die Kaserne, in der ausgerechnet seine zwei Brüder untergebracht sind. Als kriegserfahrener Ausbilder kommt er sich viel toller vor als all seine simplen Untertanen. Aber schon bald merkt er, natürlich, dass auch die nur Menschen sind und eigentlich sogar ganz in Ordnung.

Caro fand »Enlisted« eher nicht so gut. Mir geht’s da anders. Mir gefällt die Show.
Allerdings muss ich dafür die First Rule of Newshows brechen: Mehr als nur die erste Folge zur Besprechung heranziehen. Hätte ich nur Episode eins gesehen, ich hätte vermutlich eine ähnliche Meinung wie Caro (wenn auch leicht besser).

Aber ab der zweiten Folge, wenn die Charaktere eingeführt und die Geschichte etabliert ist, ist »Enlisted« tatsächlich richtig witzig! Natürlich gibt es immer noch Witze, die albern und doof sind. Aber der Großteil ist clever, hat einen subtil-kritischen Fingerzeig oder nimmt sich selbst nicht so ernst. Ich lachte, häufig.

Zwei Dinge, die besser sein könnten: Parker Young könnte gut und gerne mal eine andere Rolle als den Ryan Shay aus »Suburgatory« spielen; Die Struktur einer Episode (Sgt. Hotshot guckt auf alle herab und kommt sich vor wie King → Irgendwas passiert, was ihn zurück in die Realität bringt → Alle sind gut Freund) könnte ruhig mal etwas Variation vertragen.

Aber mir gefällt »Enlisted«.
Schön, dass Amerikaner beim hochheiligen Militär trotzdem zu Selbstkritik fähig sind.

→ »Enlisted« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 65, Tomatometer: 85%
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Rake

RakeKeegan Deane hat irgendwann seinen rechten Pfad verlassen. Er ist Strafverteidiger, kein schlechter, vermutlich — aber privat stolpert er von einem falschen Schritt in den nächsten.
In der Pilotepisode schauen wir ihm dabei zu, wie er vor dem Geldeintreiber seiner Pokerschulden davon läuft, wie er versucht, den in Zahlung gegebenen Thunfisch an den Mann zu bringen — und wie sein eigentlich schuldiger Mehrfachmörder plötzlich auf Freispruch plädiert und zum Problem des Bürgermeisters wird.

»Rake« hat alles, was eine Serie braucht, um interessant zu sein — aber irgendwie zündet die Show (noch) nicht so richtig.

Die Serie ist ein Remake der gleichnamigen australischen Serien, von der auch direkt der Showrunner eingekauft wurde. Mit-Produziert von Sam Raimi, der auch direkt der Regisseur einiger Episoden ist.
Hauptrolle: Greg Kinnear, der den zwiegespaltenen Deane ganz gut porträtiert. Aber auch bei dem habe ich das Gefühl: Der könnte das noch ein Stück besser, wenn man ihn lassen würde.
Das verwirrte Jonglieren zwischen Spielschulden, Spielsucht und Anwaltskanzlei gibt der Serie eine gewissen Grund-Edge. Ich schaue Deane gerne dabei zu, wie er sich aus den Schuldenzwängen herauswindet und einen Feind nach dem anderen Macht. Aber der letzte Schritt fehlt.
Meine These: »Rake« gehört ins Kabelfernsehen. Da könnte Deane fluchen, die Dialoge könnten dreckiger, die Szenen etwas realistischer sein. So fühlt sich die Show wie eine Lightversion seiner selbst an. Und das passt nicht zum Thema — eine Show über einen krassen Charakter, die nicht krass ist.

Mal sehen, was die Zukunft bringt. Noch bleibe ich dran, denn den Stoff finde ich reizvoll.

→ »Rake« in der Wikipedia und auf TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 62, Tomatometer: 64%
(Und meistens ist es kein gutes Zeichen, wenn man nachträglich die Episodenausstrahlungsreihenfolge ändert. Der eigentliche Pilot von »Rake« war zu traurig, man schob ihn auf Ausstrahlungsnummer 4 und schaffte einen neuen Piloten. Hmmm.)
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Enlisted

Enlisted neue FOX-Serie

Dumm gelaufen für Supersoldat Sgt. Pete Hill (Geoff Stults): An der Front hat er seinem Vorgesetzten ein blaues Auge verpasst und wird zur Strafe als Ausbilder an eine Kaserne in Florida versetzt. Ausgerechnet die, wo die Loser-Truppe seiner Brüder Randy (Parker Young aus „Suburgatory“) und Derric (Chris Lowell, „Private Practice“, „Veronica Mars“) stationiert ist. Solche Loser, stellt er nach den ersten Tagen fest, sind sie aber alle nicht. Ende gut, alles gut.

Oder so ähnlich.

Der unvermeidbare Geoff Stults versucht es mal wieder mit einer Hauptrolle. Ganz im Ernst: Er ist ja kein schlechter Schauspieler, aber irgendwie eben auch so nichts sagend, dass fast alle seine Rollen Abschaltgaranten für mich und nach kurzer Zeit auch Absetzgarantien bei den Sendern waren (Beweisstücke A bis C: „October Road“, „Happy Town“, „The Finder“). Auch in „Enlisted“ ist er eher farblos, was leider auch für die beiden Serienbrüder gilt. Schade, dass Parker Young die sehr witzige Rolle bei „Suburgatory“ für eine irgendwie ähnliche, aber doch farblose Figur in Tarnfarben getauscht hat.

Und auch ansonsten überzeugt mich die FOX-Comedy auf den ersten Blick nicht. Das mag daran liegen, dass mir der ganze US-Army-Schmu grundsätzlich fern ist. Und wenn dann über den US-Krieg auch noch Witze gemacht werden… ich weiß nicht. Vielleicht liegt darin aber auch eine Kritik an Militär und US-amerikanischer Strategie verborgen und ich hab’s bloß nicht gemerkt? Dann belehrt mich eines Besseren. Ansonsten wird das mit „Enlisted“ und mir nichts.

→ „Enlisted“ bei der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 64, Tomatometer: 80% (80? Was’n hier los?)

Super Fun Night

superfunnight

Manchmal möchte man einfach wissen, ob eine Serie so schlecht ist, wie der Trailer es vermuten lässt, oder? Was so ziemlich der einzige Grund ist, warum ich verspätet „Super Fun Night“ eine Chance gegeben habe.

Die Fox-Comedy ist so eine Art Spielwiese für die australischen Schauspielerin/Sängerin/Komikerin Rebel Wilson. War sie im Film „Pitch Perfect“ noch ein kleiner, aber stimmgewaltiger Teil eines insgesamt sehr gelungenen Casts und Films, versucht sie sich mit „Super Fun Night“ als Schöpferin, Autorin, Executive Produzentin und Hauptdarstellerin gleichzeitig. Was bei der Senderschwester Mindy Kaling („The Mindy Project“) bestens funktioniert, wirkt bei Wilson ziemlich halbgar und alles andere als fun. Es soll wohl eine Serie sein, die sich in jeder Folge dem Wochenendprogramm der Clique rund um Kimmie Boubier, ihren britischen Schwarm, ihre Freundinnen und die Rivalin aus der Firma widmet.

Die gute Nachricht: Die Serie ist nicht so platt, körperbezogen und auf schnelle Lacher aus, wie der Trailer es vermuten lässt. Und wie Rebel Wilson als Autorin mit dem Thema Übergewicht umgeht, finde ich grundsätzlich charmant. Doch so schön es auch ist, dass hier nicht ein Dickenwitz den nächsten jagt – das lässt die eh schon öde Serie irgendwie feige wirken. Weil zu merken ist, wie sie immer wieder irgendwelche Uraltlacher aus dieser Ecke andeuten, dann aber doch dem Niveau zuliebe kneifen – aber eben auch so gar nichts anderes zu bieten haben.

Persönlich finde ich selbst mein ruhiges Programm der letzten zwei Freitagabende – Einrichtung neuer Sicherheitssoftware und Steuern bei Rotwein und „Dawson’s Creek“ – mehr fun als das, was diese Gruppe an ihrem Freitagabend erlebt…

→ „Super Fun Night“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 41, Tomatometer: 33%

Almost Human

Almost HumanDas Jahr 2048. John ist vor ein paar Wochen aus dem Koma erwacht. Hinein kam er, als er mit seinem Polizei-Team in einen Hinterhalt der Gangstertruppe geraten ist, die er gerade hochnehmen wollte. Gegen alle Vernunft versuchte er, seinen Partner aus Schusslinie zu retten. Aber die Aktion ging nach hinten los: Sein Partner starb, er selbst verlor ein Bein. Und fiel ins Koma. Für 17 Monate.
Als John wieder fit genug ist, um seinen Job als Detective anzutreten, hat sich einiges verändert: Waren die humanoiden Androiden vor zwei Jahren noch ein unterstützendes Gimmick der Polizeiarbeit, sind sie mittlerweile Pflicht. Jeder Menschencop braucht einen Androidenpartner an seiner Seite. John, der nicht viel für Regeln, Statistik und Herzlosigkeit im Allgemeinen übrig hat, findet das ziemlich doof — und muss bald die Standard-Android-Ausführung an seiner Seite wechseln. Gegen Dorian. Eigentlich schon eingemottet im Lager, ist er ein älteres Alternativmodell. Sein Problem: Manche hielten ihn für eigenwillig und fehlerhaft. Er hat eine künstliche Seele.
Umso besser passt Dorian zu Johns, dem er sogar bei seinen gesetzesdehnenden Ermittlungen hilft. Die involvieren Verschwörungen, Verräter und gleich in der Pilotepisode mal eben die Rettung des gesamten Polizeireviers. Was für eine Rückkehr.

»Almost Human« ist die neue Serie von J. H. Wyman, Bryan Burk und J.J. Abrams1. Kommen euch die Namen bekannt vor? Das Team hat bis Anfang dieses Jahres die beste Science-Fiction-Show der jüngeren Zeit gemacht: »Fringe«.2
Es freut mich euch mitteilen zu dürfen: »Almost Human« ist das neue »Fringe«. Nein, Scherz. So gut ist die Pilotepisode nun doch nicht — und dafür wäre es auch viel zu früh. Aber es gibt gewisse Parallelen die mich zu folgender, dieses Mal ernst gemeinter Aussage hinreißen lassen: »Almost Human« ist die junge, mehr Classic-Sci-Fi-eske Cop-Show-Version von »Fringe«. In der Zukunft.

Wir haben ein starkes Hauptdarsteller- und Hauptcharaktere-Gespann, von denen einer irgendwie anders, aber beide irgendwie besonders sind. Wir haben interessante Nebencharaktere, ebenfalls gespielt von fähigen Menschen.3 Wir haben, so scheint es zumindest in der Pilotepisode, wichtige Fälle der Woche, die clevere Detektivarbeit erfordern. Außerdem ein folgenübergreifender Plot, der andeutet, voller Verschwörungen tief in die Struktur der Gesellschaft zu gehen. Einen gezeichneten Hauptcharakter, der beim Lösen seiner persönlichen Dämonen in eben jene Verschwörung hinein stolpert und irgendwie darin verwickelt ist. Außerdem schon in der Pilotepisode einen Haufen Andeutungen zur Etablierung von Erde2048– und USA2048-Hintergrundgeschichte.
Klingt ähnlich, oder?

Auch wenn ich euch das hier als offensichtliche »Fringe«-Kopie verkaufe: So ist das nicht. Ganz und gar nicht. »Almost Human« benutzt die obigen Eigenschaften, die sich vermutlich auch in einigen anderen Shows finden lassen, sehr subtil und gekonnt.
Und hat dabei einen Haufen Zukunfts-Cop-Serie-Elemente, die es so nicht bei »Fringe« und, soweit ich weiß, auch bei keiner anderen TV-Serie in letzter Zeit gab. Allen voran natürlich die Tatsache, dass einer der Hauptcharaktere ein Androide ist. Der Spin, der mich am meisten am Konzept »Almost Human« begeistert. Ist auch in der Pilotepisode gut umgesetzt. Einzige Gefahr, die ich sehe: Dorian wird zur Alllösungswaffe, der beliebig neue Features bekommt, wann immer es die Storyline erfordert. Abwarten.
Auch die dystopische Zukunft4 ist interessant und (abseits der Androide) gar nicht so realitätsfern gezeichnet. Gefällt.

»Almost Human« legt einen tollen Start hin und etabliert eine interessante Geschichte und Zukunft. Die Show ist das einzige an klassischem Science Fiction, was das alleingelassene Fanherz im Moment auf den großen Kanälen mit großem Budget sehen kann — und tritt nicht nur an der Stelle in die Fußstapfen von »Fringe«. Auf jeden Fall einer der besseren Neustarts der Saison, muss sich aber noch Beweisen, ob die Tiefe der Welt das hält, was das Produzententeam vermuten lässt. Wenn das stimmt, dann können wir auch über die schlecht gerenderten Polizeiautos hinweg sehen.

Jedenfalls: Ansehen!
Science Fiction, Hurra!

→ »Almost Human« in der Wikipedia und auf TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 61, Tomatometer: 66%
(Und wenn ihr die visuelle Ähnlichkeit zu »Fringe« ebenfalls im Set-Design wieder findet, könnt ihr mir hier erzählen, an welchen Stellen…)
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  1. Yay, Abrams, und so. 

  2. Zusammen mit Roberto Orci, der jetzt »Sleepy Hollow« macht. 

  3. Minka Kelly steht die etwas weniger offensive Sexyness im Vergleich zu »Charlie’s Angels« übrigens viel besser. 

  4. Für mich ist eine Zukunft, wie sie dort mit all der Überwachung und Polizeiallanwesenheit gezeichnet ist, eine Dystopie. 

Brooklyn Nine-Nine

Brooklyn Nine-NineBisher war das Leben für Detective Jake Peralta ziemlich relaxt. Feuerlöscher-Drehstuhl-Rennen, Melonentasern, Papierkram verschludern; im Hoodie ermitteln. Der Captain hat ihn machen lassen. Schließlich sind Peraltas Aufklärungsraten unangefochten hoch.
Aber die guten Zeiten sind vorbei. Ray Holt ist neuer Leiter der Wache. Und Captain Holt ist alles andere als locker drauf.
Paralta muss von nun an Krawatte tragen, Papierkram zeitig erledigen und die Feuerlöscher in Ruhe lassen. Was er zwar macht, aber nicht, ohne den Captain bei jeder sich bietenden Gelegenheit eins auszuwischen.

Andy Samberg, ehemaliger Star von Saturday Night Live, spielt die jugendliche Hauptrolle in »Brooklyn Nine-Nine«. Seinen strengen Gegenpart spielt Andre Braugher, der das Kostüm aus »Last Resort« vom letzten Jahr direkt anbehalten kann.

Mir gefällt die Serie erstaunlich gut — sogar besser als Caro. Für mich ist »Brooklyn Nine-Nine« einer der besten Neustarts dieser Saison.1
Wann hatten wir die letzte ernstzunehmende Polizei-Comedy? Ich erinnere mich nicht. Hier bei »Brooklyn Nine-Nine« treffen mit Samberg und Braugher zwei hervorragende Schauspieler aufeinander, die ganz wunderbar die Gegensätze ihrer Charaktere spielen. Für mich stimmt die Chemie2 vom Beginn.
Die meisten der völlig überalberten Witze finde ich toll. Ich sagte das im letzten Beitrag zu »The Crazy Ones« schon: Ich bin großer Freund von Rumalberei — solange das eben passt, kreativ und nicht blöd ist. Und bei 99 passt’s.

Die ermittelten Kriminalfälle sind solide und passen ins alberne Bild (gnihihi, Penen3 auf Autos!). Die Geschichten um die völlig überzogenen Nebencharaktere sind, natürlich, ebenfalls völlig überzogen. Passt also ebenfalls.
»Brooklyn Nine-Nine« ist eine erfrischende Comedy mit starken Hauptdarstellern und albernem Drehbuch. Gefällt mir, muss man aber mögen, glaube ich.

→ »Brooklyn Nine-Nine« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 69, Tomatometer: 89%
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  1. Sternchen: Nach zwei Folgen. 

  2. Zumindest zwischen den beiden. 

  3. FYI: Penen, plural von Penis. 

Sleepy Hollow

Sleepy Hollow1781. Unser Protagonist, Ichabod Crane, ist Kämpfer in der Armee von George Washington. Das allerdings nicht allzu lange, denn bald stirbt Ichabod. Zuvor hat er aber noch eine seltsame Begegnung: Der gegnerische Reiter, dem er just den Kopf abschlägt, steht danach wieder auf. Ein Untoter.
Zeitsprung. 2013. Ichabod erwacht aus seinem Grab. Unbekannte Kräfte haben ihn wiederauferstehen lassen.1 In der modernen Welt fühlt er sich etwas verloren. Autos. Straßen. Soviel hat sich geändert. Zusammen mit Ichabod ist allerdings auch der kopflose Reiter auferstanden, der so gleich da weiter macht, wo er aufgehört hat: Mord und Totschlag. Bald darf der lokale Sheriff dran glauben und seine junge Assistentin Abbie übernimmt die übernatürlichen Ermittlungen. Ichabod ist plötzlich mitten drin in der Untersuchung — und, obwohl er fast vom gesamten Polizeiapparat für Verrückt gehalten wird, fahndet mit Abbie zusammen nach dem Kopflosen.

»Sleepy Hollow« ist die moderne Wiederbelebung der klassischen Irving-Sage von Sleepy Hollow. Ichabod Crane darf im Jetzt zusammen mit der Polizei den gespenstigen kopflosen Reiter jagen und die Welt vor Schlimmerem, vermutlich dem Untergang, der Apokalypse, oder beidem, retten.

Mir hat »Sleepy Hollow« ganz gut gefallen.
Die Schauspieler sind ordentlich. Interessanter weise ist die weibliche Hauptrolle relativ unbekannt besetzt, während man für die Nebencharaktere mitunter bekanntere Gesichter gewählt hat. Trotzdem: Alle machen ihren Job gut.
Ebenso die Geschichte: Die Pilotepisode führt weder überhastet noch zu langwierig in die untergründige Ausgangssituation ein. Mit der Ausbreitung des Apokalypsen-Mysteriums lässt sie auch erkennen, was das übergeordnete Thema der Serie ist und wo die Fahrt hingehen wird. Denn selbst, wenn bald der Kopflose geflockt durch das Stargate jenseits der Eiswand getötet werden sollte, »Sleepy Hollow« legt die Grundlage für ein langfristiges, Horror-eskes Szenario. Beim Brechen des Spiegels habe ich mich sogar kurz ein klein bisschen erschreckt.
Die Produktionsqualität ist auch herauszustellen. Die ist erstaunlich hoch. Die Bilder fühlen sich mit teurem Equipment aufgenommen an, die Beleuchtung kreiert Kino-atmosphärige Szenen.

Das einzige, was mich ein bisschen stört, gleichzeitig aber auch irgendwie… interssant ist: Die Verwebung von Polizei-Drama und Fantasy-Erzählung. Da wird in einem Moment völlig normal ermittelt, aber dann schaut man auf den langhaarigen Wiederbelebten und stellt fest, dass es um einen kopflosen Reiter geht der selbst die magischen Ketten des Urzeitpriesters sprengt.2 Das ist ein hin und her zwischen Realität und Fiktion, an das ich mich erst gewöhnen muss.

Aber mir gefällt »Sleepy Hollow«. Besser, als ich vorher gedacht hatte.

→ »Sleepy Hollow« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 67, Tomatometer: 75%
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  1. JESUS! 

  2. Und wer erst die magischen Ketten des Urzeitpriesters sprengt! 

CyberChimps