The Strain

The StrainDr. Goodweather hat eigentlich genug zu tun. Seine Frau trennt sich gerade von ihm und will alleiniges Sorgerecht des Sohns. Und sein Job bei der Seuchenkontrolle ist auch turbulent.
Gerade, als er in einer Eheberatungs-Mediation über seine Zuverlässigkeit spricht, kriegt er einen Anruf. Sein Typ wird am JFK-Flughafen in New York verlangt. Flug 753 aus Berlin ist gelandet, und alle 210 Passagiere tot. Ein Virus?
Als Goodweather in Schutzausrüstung die Leichen genauer untersucht, stehen da plötzlich vier lebende Passagiere neben ihm. Seltsam.
Noch seltsamer wird es, als die restlichen Leichen aus dem Leichenschauhaus verschwinden. Ebenso die seltsame, verzierte Holzkiste, die im Laderaum des Flugzeugs war.
Und als ein ehemals toter Berlingereister Goodweather und seine CDC-Kollegen angreift, beginnt er langsam zu vermuten, dass der alte Mann mit Bart und Schlangenstock vielleicht doch recht haben könnte, und soeben der Untergang der Welt begonnen hat.

»The Strain« ist Guillermo del Toros neue Serie. Etwas Horror, gepaart mit Action, Spannung und ein wenig Mystery. So, wie man del Toro kennt – nur eben in ausführlicher Serienform. Ich bin mir fast sicher, er hat sogar Monsterfinger von »Pans Labyrinth« wiederverwendet!
Losts Carlton Cuse führt del Toros Idee der Serie im täglichen Geschäft als Showrunner aus.

Das, was ich da oben in der anfänglichen Inhaltsangabe beschrieben habe, geht tatsächlich etwas über den Plot der Pilotepisode hinaus1. »The Strain« läuft schon ein paar Wochen und ist eigentlich näher am Ende der ersten Staffel als an deren Beginn.2 Und die Show ist momentan einer meiner Favoriten unter den laufenden Serien. Spannend, unterhaltsam, und anders!

Ziemlich schnell wissen wir, dass da irgendwas nicht stimmt. Im Flugzeug, im Flughafen, in New York. Und spannend werden unsere Vermutungen immer ein Stück weiter gebracht. Aber im Gegensatz zu Lost gibt’s Antworten im laufenden Betrieb – und nicht erst am Ende. Ja, es geht um Vampire, nein, nicht die übliche Version mit den spitzen Zähnen (sondern viel fiesere), ja, die Verschwörung geht bis zu den wichtigsten Personen der Stadt.
Wir fühlen mit Dr. Goodweather (toll gespielt von Corey Stoll und seinen Haaren) und wünschen uns, er möge doch endlich mal Professor (!) Setrakian glauben schenken. Wir zittern mit Samwise Jim, nicht noch eine falsche Entscheidung zu machen. Haben Multilevel-Mitleid mit Nora und wünschen uns, so ein Vampir würde Kevin Durand endlich mal den Kautabak aus den Wangen ziehen.

»The Strain« hat eine komplexe, schnelle Story, die noch so einiges in petto hat. Viele Charaktere mit ihren eigenen Geschichten. Spannend und erfrischend anders und unvampirtagebücher-ig. Vampirnazis!
Mir gefällt’s ganz hervorragend.

→ »The Strain« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 87 %, Metacritic-Score: 72
Trailer

Lustige Geschichte zu »The Strain«: Vor ein paar Jahren hatte del Toro probiert, die grobe Idee der Show an einen Sender zu bringen. Hat nicht geklappt. Also hat er Bücher dazu schreiben lassen. Sobald das erste Buch erschienen war, haben sich die Sender darum gerissen, um unbedingt eine Serie dazu machen zu können. Die Buch-Geschichte ist dreiteilig. Es soll vier bis fünf Staffeln geben, wobei das letzte Buch in die letzten zwei bis drei Staffeln umgesetzt wird.
Für mich klingt das toll.

Lesen Sie weiter


  1. Circa bis Episode drei. 

  2. First rule of Newshows: It’s all about the pilot episodes. Second rule of Newshows: Until it’s not. 

Premierendaten der neuen Serien des Herbsts 2013

Bald ist Serienweihnachten! Es startet die Seriensaison 2013-2014 — Mitte September geht’s los. Hier sind die Startdaten (Trailer).

  • 16.9.: Sleepy Hollow (FOX)
  • 17.9.: Dads (FOX), Brooklyn Nine-Nine (FOX)
  • 23.9.: Mom (CBS), The Blacklist (NBC), Hostages (CBS)
  • 24.9.: Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (ABC), The Goldbergs (ABC), Trophy Wife (ABC), Lucky 7 (ABC)
  • 25.9.: Back in the Game (ABC)
  • 26.9.: The Crazy Ones (CBS), The Michael J. Fox Show (NBC)
  • 29.9.: Betrayal (ABC), Masters of Sex (Showtime), Hello Ladies (HBO)
  • 30.9.: We Are Men (CBS)
  • 2.10.: Super Fun Night (ABC), Ironside (NBC)
  • 3.10.: The Millers (CBS), Welcome to the Family (NBC), The Originals (The CW), Sean Saves the World (NBC)
  • 9.10.: Tomorrow People (The CW), American Horror Story: Coven (FX), Once Upon a Time in Wonderland (ABC)
  • 17.10.: Reign (The CW)
  • 25.10.: Dracula (NBC)
  • 4.11.: Almost Human (FOX)
  • 8.11.: Enlisted (FOX)

Alles hier nicht aufgelistete gibt’s dann in der Midseason, also im Frühling nächsten Jahres.((Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die aktuelle Saison bis dahin ganz schön lahm ist. Aber wir werden sehen.))

The Bridge

The BridgeAuf einer Brücke zwischen El Paso (Texas) und Juárez (Mexiko) liegt eine Leiche. Mitten auf der Grenze; mitten auf der Linie, die die zwei Länder trennt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus: Die Leiche ist zweigeteilt. Oberkörper und Unterkörper passen nicht zusammen, sondern sind von zwei unterschiedlichen Personen.
Sonya Cross (El Paso PD) und Marco Ruiz (Chihuahua-State-Kommissar) sind für die Ermittlungen zuständig. Nach anfänglicher Revierverteidigung ermitteln sie erst weniger, dann immer mehr zusammen. Eine Hälfte des Körpers gehört einer amerikanischen Richterin, die andere Hälfte einer Leiche, die man vor Monaten mit 22 anderen toten Körpern in einem mexikanischen Haus gefunden hatte.
Während Cross und Ruiz den Spuren nachgehen, stellt sich heraus, dass der Mörder auf die ungleich verteilte Kriminalität zwischen Mexiko und den USA aufmerksam machen möchte. Wenige Mordfälle nördlich der Grenze, Tausende südlich. Er scheint dabei nicht vor extremen Methoden zurückzuschrecken.
Während all dem nehmen wir auch noch an zwei weiteren Geschichten teil: Ein zwielichtiger, fieser Steven Linder, der mexikanische Mädchen entführen und umzubringen scheint. Und Charlotte Millwright, deren Mann soeben gestorben ist und die sich nun mit dessen grenzübergreifenden Geschäften herumschlagen muss.

»The Bridge« ist das US-Remake der Dänisch-schwedischen Serie »Bron« (bei der auch das ZDF mitproduziert hat), in der es um eine Leiche auf der Øresund-Brücke zwischen Dänemark und Schweden geht. Ohne das Original gesehen zu haben, passt das Leiche-auf-Grenzlinie-Setting ganz hervorragend auf den nordamerikanischen Kontinent. Prostitution, Drogen, Kartelle, Kriminalität, Armut, Chancenlosigkeit – alles Probleme, die es in nur wenigen Kilometer Entfernung der Grenze gibt, oder eben nicht. Und ein Serienmörder, der mit brutalen Methoden darauf aufmerksam macht.
Eigentlich passt die Geschichte des Brückenmords da doch wie die Faust auf’s Auge, oder?

Eine Hauptrolle, die des mexikanischen Ermittlers, spielt in »The Brdige« der mexikanische Schauspieler Demián Bichir. Und das tut er ganz hervorragend. Man kauft ihm die Persönlichkeit, die Wärme, mit der er, im Gegensatz zu seiner amerikanischen Kollegin, ermittelt vollständig ab. Good Cop.
Die El-Paso-Kommissarin wird gespielt von Diane Kruger, deren Sonya Cross am Asperger-Syndrom leidet. Das merkt man nicht nur während der Ermittlungen (sie hält sich starr an Vorschriften, ist kaum Team-geeignet, ermittelt locker Nächte durch) sondern auch im Privaten (generelle Seltsamkeit, offensive Direktheit (»Sex?«)). Der Charakter ist zuerst relativ seltsam, aber man steigt mit den Folgen langsam dahinter und wird warm mit ihr. Comic-Relief-Momente sind natürlich vorprogrammiert.

Die Geschichte um »The Bridge« ist spannend und hat vermutlich mehr Realitätsbezug als ich mir vorstellen mag. Der Serienmörder weiß zu überraschen. Auch die Seitengeschichten sind gut erzählt.1

»The Bridge« gefällt mir gut. Die Story ist dunkel und ernst (das merkt man auch an der Filmtechnik und an den Tönungen der Bilder), trotzdem spannend und unterhaltsam. Die Darsteller sind hervorragend.
Gucken!

→ »The Bridge« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 77
Lesen Sie weiter


  1. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Steven Linder tatsächlich die Frau umgebracht hat. 

The Americans

The AmericansDie 80er. Graue Gebäude mit braunen Inneneinrichtungen; Hosen, die über den Bauchnabel gehen; Frisuren, groß für zwei; Michael Jackson ist die Welt, Whitney Housten will mit jemandem tanzen. Reagan ist US-Präsident, das amerikanische Weltraumprogramm in (letzten) vollen Zügen. Nebenbei befindet man sich im kalten Krieg mit der Sowjetunion.
In dieser Welt sind Elizabeth und Phillip Jennings zu Hause. Mit ihren beiden Kindern leben sie in einem Washingtoner Vorort. Eigenheim, zwei Autos. Ganz so, wie es dem amerikanischen Traum gebührt.
Einen kleine Unterschied zu ihren Nachbarn gibt‘s aber. Elizabeth und Phillip sind russische KGB-Agenten. Schon seit fünfzehn Jahren leben sie in »deep cover«, also so richtig undercover, als Ehepaar in Amerika und spionieren für den vaterländlichen Geheimdienst die Politiker der Hauptstadt aus. Ihre Kinder wissen von nichts und wachsen als normale Amerikaner auf. Mit westlichen Werten und Ansichten — sehr zum Missfallen der Eltern.
In der ersten Folge kümmern sich die Jennings gerade um einen übergelaufenen KGB-Agenten, der die Amerikaner gegen Geld (drei Millionen Dollar, ca. neun Millionen 2012-Dollar) mit Informationen versorgen soll. Das kann der russische Geheimdienst natürlich nicht passieren lassen. Und so findet sich der Verräter schon bald im Kofferraum der Familienkutsche. Und in der Garage des Hauses — die Entführung hat nämlich so sehr die US-Regierung aufgewirbelt, dass es für das Agentenpaar zu gefährlich ist, den Überläufer an eine russische Autorität abzugeben.
Spannend wird der Umstand, wenn die Jennings ihren neuen Nachbarn kennenlernen. FBI-Agent Stan Beeman, kommt gerade aus drei Jahren Deep-Cover-Arbeit, wird teil der FBI-Anti-Spionage-Einheit und ist privat auch ziemlich misstrauisch.

In »The Americans« verfolgen wir die beiden Hauptdarsteller bei ihrer alltäglichen Spionagearbeit, bei ihren Intrigen und Manipulationen — ganz so, wie wir es aus etlichen Spionagethrillern lieben. Aber die Show verliert keinen Augenblick, um uns eine tieferliegende Schicht zu zeigen: Die Persönlichkeiten, die unter der kühlen Patriotenschicht liegen. Denn so voller Überzeugung, wie Elizabeth und Phillip für ihr Vaterland auskundschaften, betrügen und steuern, so unsicher darüber werden sie im Laufe der Zeit. Amerika schleicht sich in ihren vaterländlichen Geist — Amerika, mit all den Möglichkeiten, der Selbstverwirklichung, dem Stolz, den Triumphen; den Malls. Der kalte Krieg, West gegen Ost, personifiziert im Ehepaar. Auf der einen Seite der Ehemann, der sich schon fast als US-Amerikaner fühlt und dessen Westinfektion fortgeschritten ist; Auf der anderen Seite seine Ehefrau, die noch völlig zwischen Rolle und ihrer reellen Person trennt und von ganzem Herzen UdSSR‘lerin ist.

Mir gefällt es, die Kalte-Krieg-Historie in einer unterhaltsamen Geschichte erzählt zu bekommen. Einen Einblick, wie es damals lief. Das spannende, romantisierte Agentendasein. Natürlich bedient sich Showmacher Joe Weisberg der üblichen dramaturgischen Kniffe, wenn es an Nacherzählungen wahrer Begebenheiten geht (Komprimierung, Zufälle, Personifizierung) — aber mich stört das nicht. Im Gegenteil: Die Projektion eines Staaten-involvierenden Konflikts auf zwei Personen gefällt mir hervorragend. Die Charaktere sind vielschichtig, in spannenden Kämpfen auf multiplen Ebenen (US-Staat, UdSSR-Staat, FBI, gegenseitig, sich selbst) und super gespielt. Gefällt.

»The Americans« basiert auf dem Ring russischer Agenten, den das FBI 2010 hat auffliegen lassen. Elf Menschen lebten, teils als Ehepaar, für Jahrzehnte deep cover in Amerika. Und berichteten fleißig an Russland. Sie nutzten falsche Papiere, trafen sich anonym in Cafés und gaben sich mit Sätzen zu erkennen, die einen Film instantan in die Unglaubwürdigkeit verfrachten würden. Das Times-Magazin in einer Hand: Achtung, Gefahr! — das Magazin in zwei Händen: Alles klar, good to go! Fast zehn Jahre beschattete das FBI die Agenten, überwachte sie und gab sich selbst als Mitspion aus. Und das, Jahre nach dem kalten Krieg.
Weil das alles zu bescheuert klingt, als dass das in unserer modernen Zeit überhaupt passieren könnte, hat Weisberg kurzerhand das Setting in die 80er verlegt. Da fühlte sich der Stoff besser platziert an. Er unterhielt sich mit Kalter-Krieg-Spezialisten, wühlte Aufzeichnungen von damals, verquirlte alles mit dramatischer Überspitzung — und, zack, »The Americans«.

Mir gefällt‘s gut! Das Tempo ist schnell und ruhig zugleich, die Schauspieler liefern gute Arbeit. Am meisten gefällt mir die Geschichte, »Kalter Krieg« hatten wir noch nicht. Und auch über das Grundmotiv hinaus gibt es genug Geschichts-Foreshadowing, das »The Americans« noch über viele Folgen interessant bleiben sollte.
Angucken!

→ »The Americans« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 77
→ Hintergrund zu den 2010er russischen Agenten: Wikipedia, Times-Magazin (Achtung! Hängenbleibgefahr!)
Lesen Sie weiter

The Americans

the-americans-keri-russell-matthew-rhys

Amerika in den Achtzigern: Elizabeth und Phillip Jennings sind seit rund 20 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder, ein solides Leben vor den Toren von Washington D.C. – und eine Geisel im Kofferraum. FX‘ »The Americans« verliert keine Zeit, uns zu Beginn der Pilotepisode die beiden KGB-Spione in Aktion zu zeigen, wie sie sich Informationen über einen sowjetischen Überläufer beschaffen und ihn im Auftrag ihres Vaterlandes kidnappen.

Zwischen der Exposition und dem Moment, in dem der Kofferraum dann wieder leer ist, erfahren wir in Rückblenden, wie die »Jennings« in die Vereinigten Staaten entsandt wurden, während in der Gegenwart der Serie ein frisch gewählter Ronald Reagan sowjetischen Spionen auf amerikanischem Boden den Krieg erklärt. »The Americans« erzählt vor diesem historischem Hintergrund vor allem die Geschichte eines unkonventionellen Paares und seiner Familie.

Aber das ist noch nicht alles: Nebenan ist – zufällig, wie es scheint – einer der obersten Jäger von KGB-Agenten eingezogen, zum Mann im Kofferraum gibt es eine persönliche Verbindung, die Kinder werden erwachsen, Phillip denkt laut darüber nach, sich den USA zu ergeben, und das offenbar nicht zum ersten Mal. »The Americans« hat eine Vielschichtigkeit und komplexe Charaktere, die auf jeden Fall neugierig machen. Im einen Moment, wenn Phillip von den Vorzügen der Vereinigten Staaten spricht, fürchte ich, die Serie könnte auch nur ein weiteres Beispiel für unerträglichen amerikanischen Patriotismus werden. Anderswo jedoch las ich, dass für Serien-Schöpfer Joseph Weisberg – übrigens ein früherer CIA-Agent – die Sowjetunion der Held der Geschichte ist, was wiederum in einigen Dialogen zu finden ist. Dieses Hin und Her, die unklaren Allianzen, sind auf jeden Fall eine Stärke der Pilotepisode.

Die anderen heißen Keri Russell (»Felicity«) und Matthew Rhys, die schon sehr schön die Zerrissenheit des KGB-Ehepaars darstellen, wobei hier definitiv noch mehr geht. Vor allem Rhys macht eine gute Figur in seiner ersten Hauptrolle nach fünf Jahren bravem Walker-Bruder in »Brothers and Sisters«, ich hätte es ihm nicht zugetraut.

Zwei Dinge, die mir hingegen gar nicht gefallen haben: Gefühlt zu viele Rückblenden haben den Piloten ein bisschen zerstückelt, auch wenn klar ist, dass sie wichtig waren und wohl bleiben werden. Aber Rückblenden in die Sechziger bedeuten eben auch, beide Augen zukneifen zu müssen, wenn Russell und Rhys nur minimal gestrafft 20-jährige Versionen ihrer Selbst spielen.

Das ändert aber beides nichts daran, dass mir der Auftakt von »The Americans« sehr gut gefallen hat: Ordentliche Balance zwischen Tempo und quasi angespannter Ruhe, ein recht glaubwürdiges politisches Setting und gerade genug, nicht zu viel Achtziger-Flair. Mit den Richtungsandeutungen am Ende der Episode kann ich gut leben. Fazit: weiterschauen!

→ »The Americans« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 77

Legit

LegitStand-Up-Komiker Jim möchte dem Rat seiner Mutter folgen und legit, in etwa: echt, werden. Was Vernünftiges tun im Leben. Im ersten Schritt beantragt der Ursprungsaustralier Papiere für die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Bald hat er den nächsten Plan. Er möchte Billy, dem Bruder seines besten Kumpels, eine gute Zeit bereiten. Der ist 32 und noch Jungfrau. Was man als guter Freund dann macht, ist klar: Man fährt mit ihm in Bordell. Der Umstand, der die Sache etwas abenteuerlich macht, ist Billys Lähmung. Von der Hüfte abwärts.
Aber abenteuerlich heißt nicht unmöglich — und Jim wundert sich, wie gut das ganze Unterfangen funktioniert. Er beschließt, Billy in Zukunft häufiger als Frauenmagnet zu benutzen.

»Legit« ist eine Serie von und mit dem australischen Komiker Jim Jefferies, der auch sowas wie sich selbst spielt. So gut wie immer ein schlechtes Zeichen. Hier allerdings nicht. »Legit« ist eine nette Show, die sich eines schwierigen Themas annimmt: Mit Behinderten außergewöhnliche Situationen verbringen, die für Andere, Nicht-Rollstuhl-Gebundene alltäglich sind. Und der Einstand ist schön ziemlich außergewöhnlich…

Wie die Comedy in den nächsten Folgen klappt, muss sich erst noch zeigen. Aber die Prämisse ist interessant und geht mit der Thematik, wie ich finde, hinreichend sensibel und unsensibel zugleich um.

→ »Legit« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 69
Lesen Sie weiter

American Horror Story (2)

Horror und ich, das ist so eine Sache. Wahrscheinlich seit damals während „The Ring“ plötzlich das Telefon klingelte, habe ich dem Horrorgenre abgeschworen. Zu sensibel, könnte man sagen. Ich war auch nie der Typ für Nachtwanderungen. Der Höhepunkt meiner Grusel-Erfahrung sind dann auch schon die „Scream“-Filme und so manche „Buffy“-Folge, wobei letzteres bitte nicht zu unterschätzen sei.

Warum ich mir „American Horror Story“ trotz meiner Phobie angeschaut habe? Deswegen:
Connie Britton
Connie Britton hat mich über Jahre hinweg in „Friday Night Lights“ überaus beeindruckt, und ich war gespannt, zu sehen, ob sie auch ohne Kyle Chandler, den Rest des großartigen Casts der Football-Serie und vor allem ohne den Akzentfunktioniert. Und wie sie das tut! Britton bewies äußerst gutes Gespür bei der Wahl ihrer ersten Rolle nach „FNL“: von der liebenden und liebenswerten Working Mum und Super-Ehefrau zu einer verletztlichen, verängstigten Figur, die schon in der ersten Episode so sexuell sein durfte wie Tami Taylor in fünf Staffeln nicht. Obwohl Britton ihre alte Rolle liebte und sie in einem abschließenden „FNL“-Film noch einmal spielen würde, verliert sie keine Zeit, sich von dem Charakter zu distanzieren und ihre schauspielerische Wandlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Wie „American Horror Story“ ansonsten zwischen WTF und OMG changiert, hat Andi schon aufgeschrieben – und dem habe ich auch nur noch eines hinzuzufügen: So vielversprechend es erst einmal für eine Serie ist, von Falchuk und Murphy verantwortet zu werden, das von Andi heranzitierte „Nip/Tuck“ ist zugleich der Beweis, dass dem Duo nach einer Weile der Sinn für das richtige Maß zu entgleiten scheint. Die Serie über Schönheitschirurgen, Sex, Verbrechen und noch mehr Sex wurde gegen Ende so absurd, dass sie zu den wenigen Serien überhaupt gehört, die ich nicht bis zum bitteren Ende verfolgt habe. Für „American Horror Story“ könnte die Steigerung ins immer Groteskere natürlich genau das sein, was nötig ist, um die bizarre Ausgangssituation erfolgreich weiterzuführen.

Connie Britton zuliebe werd ich’s mir trotz enormer Gänsehaut anschauen. Bei Tageslicht und mit offenen Vorhängen. Eingekuschelt unter einer Decke. Mit verriegelten Türen und Fenstern – und ausgestöpseltem Telefon natürlich.

American Horror Story

AMERICAN HORROR STORYDrei Worte zur Beschreibung zu Beginn: Wow. WTF. Puh.
Wow, weil: Endlich eine Horror-Serie, die was kann. WTF, weil: Die Show ist seit langem das WTFigste, was ich gesehen habe. Puh, weil es schwierig wird, alles hier abzuhandeln. Fangen wir inhaltlich an, das ist (zumindest auf einem oberflächlichen Niveau) wohl am einfachsten.

Ben und Vivien Harmon ziehen samt Tochter Violet in eine Villa nach LA. Nachdem Vivien eine Fehlgeburt und Ben eine Affäre mit einer Studentin hatte, wollen sie mit einem Neuanfang ihre Familie retten. Was nur wir dank ausführlicher Einleitung wissen: Das Haus wird von einer fiesen Albinogestalt bewohnt, die zwei Jungs auf dem Gewissen hat. Als Familie Harmon vom Haus als Doppelsuizidschauplatz erfährt, beschließt Tochter Violet den Einzug kurzerhand trotzdem. Abenteuer und so.
Es folgt eine Horrorgeschichte wie aus dem Bilderbuch, in der die Eltern wieder zu sich, die Tochter neue Freunde findet und an jeder Ecke feurige Situationen warten.

Erinnert ihr euch noch an »Harper’s Island«? Die Mini-Serie startete 2009 unter der Prämisse, dass es ein Horror-Mystery sei, der uns den Atem rauben würde. Nach ein paar wenigen Episoden, billigen Schockeffekten und Discount-Mysterydrämchen war das Zuschauerinteresse ausgebrannt. Es war lahm.

»American Horror Story« ist völlig anders. Viel besser.
Die Show ist spannend, hat vernünftige Schockeffekte und breitet in der Pilotepisode dermaßen viele Horror-Brandherde aus, dass man noch gar keine Schimmer hat, wie die denn mit einander verknüpft sein könnten. Und jeder von ihnen ist auf seine Art äußerst creepy.

Ich bin bei weitem kein Experte auf dem Gebiet des Horror-Genres. Aber trotzdem habe ich schon einige Filme daraus gesehen. »American Horror Story« kann nicht nur mit vielen von den Großleinwandproduktionen mithalten, ich wage zu behaupten, die Serie ist sogar besser als die meisten. Sie ist dermaßen durchdachtes und perfekt produziertes Schockerschauen, dass es fast gruselig ist. Etwas übertrieben, könnte man sagen, dass »American Horror Story« ein riesiges Horror-Mash-Up ist. Beispiele gefällig? Wir haben ein haunted Haus, schrecklich verunstaltete Horrorgestalten im Keller, spannungshafte und aufbauende (suspense) Musikuntermalung, schnelle Schnitte mit Kamerabildern aus erwartungsvollen und Nah-Dran-Perspektiven, vielschichtig böse und andeutungsvolle Charaktere, Schlafwandel, ein blindes Auge, das Motiv Feuer und Verbrennung, Amoklauf, Selbstzerstörung.
Und alles ist hervorragend umgesetzt, im Sinne des Genres. Manchmal ist es too much, aber ich denke, das ist den Autoren vollständig bewusst und stellt eine Überspitzung, ein Austesten dar.

Überhaupt: Die Autoren. Die Show ist von Ryan Murphy und Brad Falchuck. Sagt euch nichts? Die haben erst »Nip/Tuck« gemacht. Dann »Glee«. Und jetzt parallel »American Horror Story«. Ein ganz schön vielschichtiges Portfolio. Aber man merkt die einzelnen Vorgängershows. In (dem meiner Meinung nach zu wenig beachteten) »Nip/Tuck« haben sie krasse Storys ausprobiert. Das fing an mit der Musik während der Operationen und steigerte sich im Lauf der Show zu Scientology und Aufträgen für Drogenschmuggler. Bei »American Horror Story« fiel es mir in der Szene auf, als Mann und Frau über das verlorene Kind und die Affäre intensiv streiten und kurz danach Sex haben. Überhaupt Sex und Erotik: das Motiv ist auch aus Nip/Tuck übernommen. Wie das In-Szene-Setzen zum Geschichtsfluss beitragen kann, und wie man es perfektioniert, haben Murphy und Falchuck in Glee gezeigt – bei »American Horror Story« gab’s ein großes Déjà-vu als Tate als Amoklaufskelett durch die Schulflure läuft.

Kommen wir noch mal kurz zum Eingangs erwähnten »WTF«: WTF! Wie viele creepy Gestalten kann man in 50 Minuten Serie unterbringen?! Und das doppelgedarstellerte Hausmädchen?! Die Nachbarin?! Uff.

»American Horror Story« ist spannend, böse, erschreckend, tiefgründig, bescheuert – kurz: durch. In a positive manner.

Ich bin froh, dass es endlich mal eine Serie geschafft hat, das Horror-Genre in einen Wochenrhythmus zu gießen. Und dann direkt so.
Ich bleibe dran.
Eines allerdings deckelt die Horrorbegeisterung: »American Horror Story« wird es nach diesem Start verdammt schwierig haben, das weiter zu führen. Wenn ich so drüber nachdenke, kann die weitere Serie eigentlich nur enttäuschen. ODER?

→ »American Horror Story« bei TVRage
→ Trailer

(Ich entschuldige mich für dieses lange Review. Ein tl;dr sähe ungefähr so aus: AHS ist inhaltlich wtf-ig/ordentliche, handwerklich hervorragende Umsetzung einer Horrorgeschichte für’s TV.)

CyberChimps