Blindspot

BlindspotMitten auf dem Times Square in New York liegt verlassen eine Reisetasche. Als sich das Bombenentschärfungskommando vorsichtig der Tasche nähert, beginnt sie sich zu öffnen und eine Frau steigt heraus. Die ist ziemlich nackt – bis auf Tattoos, die sich über ihren gesamten Körper erstrecken. Ein Name sticht heraus: Kurt Weller. Der ist FBI-Agent und kümmert sich dann jetzt um die tätowierte Jane Doe. Frau Doe hat diesen Namen, weil sie sich an nichts mehr erinnern kann, auch nicht an ihren eigenen Namen. Ein zufällig ausgewähltes Tattoo hinter dem linken Ohr führt Weller, Doe und andere Redshirt-FBI-Agenten auf die Fährte von Cho. Der findet es doof, dass die amerikanische Regierung sich nicht für seine Eltern in China eingesetzt hat und will deswegen eine Bombe hochjagen. Während Weller und Jane Cho durch New York verfolgen, stellt sich heraus, dass Jane fließend chinesisch spricht, gut im Nahkampf mit Fäusten und gut im Fernkampf mit Waffen ist. Letzteres triggert dann auch ihre erste Erinnerung an die Vergangenheit, in der sie noch ein Gedächtnis hatte…

Willkommen, Herbst 2015!

»Blindspot« ist eine der High-Profile-Serien dieser TV-Saison. Das lässt uns der Pilot auch mit aufwändigen, gut inszenierten Bildern spüren, die manchmal Kinoniveau erreichen. Thor’s Jaimie Alexander mimt eine gute Identitätslose, Sullivan Stapleton spielt nach seiner Rolle bei »Strike Back« den nächsten Special Agent. Das kann er. Die restlichen Cast-Mitglieder bleiben äußerst kantenlos und spielen kaum eine Rolle. In anderen Serien wären sie schon gestorben… Hoffen wir, dass es an der Ausbreitung der Prämisse der Show in der Pilotfolge und nicht an der 0815-igkeit der Charaktere liegt.
Soweit, so gutbismittelmäßig.

Aber Tattoos? Wirklich? It’s »Prison Break« all over again! Wisst ihr noch? Damals™, als Michael Scofield sämtliche Gefängnisbaupläne und ein komplettes Schlaues Buch auf seinen Körper tätowiert hatte und damit seinen Bruder aus dem Gefängnis befreite? Ja? Und wisst ihr auch noch, wie es weiter ging? Nein, nicht mehr so richtig? Eben! Die Show war dann rum. Die Luft raus. Das hat keinen mehr interessiert.
»Blindspot« übernimmt den Tattoo-Trick von »Prison Break«, aber packt immerhin ein gutes Stück Mystery oben drauf. Vielleicht kann das die Show ja auch langfristig tragen, aber ich bin skeptisch. Über die Vollkörpertätowierung hinaus suggeriert der Pilot, dass »Blindspot« zu großen Teilen eine Fall-der-Woche-Show ist. Weil wir davon ja so wenige haben.

Hoffentlich verrennt sich die Show nicht in ihrem Mystery sondern benutzt es, um die Fälle der Woche originär darzustellen und dann stückchenweise das große Geheimnis zu lüften. Die Idee hat Potenzial und den Hauptdarstellern traue ich das zu. Aber die Procedural-Seite der Macht ist stark.

→ »Blindspot« in der Wikipedia
Trailer
→ Tomatometer: 66 %, Metacritic-Score: 65
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State of Affairs

State of Affairs

In ihrer ersten eigenen Serie spielt Katharine Heigl eine der engsten Vertrauten der Präsidentin (Alfre Woodard). Die NBC-Werbung für den neuen Serien-Thriller „State of Affairs“ geht sogar soweit zu sagen, jeder Präsident habe seine Geheimwaffe, und impliziert damit: Charleston „Charlie“ Tucker ist die dieser Präsidentin.

Eine CIA-Analystin, deren Tag irgendwann mitten in der Nacht beginnt, um mit ihrem Team zusammen „The Book“ zu erstellen. Die Liste der größten Bedrohungen für die amerikanische Sicherheit. Jeden Tag aufs Neue. Und weil das alleine nur ein weiteres Procedural wäre, gibt’s noch eine weitere Komponente: die Verschwörung um den Tod von Charlies Verlobtem, dem Sohn der – ihr ahnt es schon – Präsidentin. Wer hat Schuld an seinem grausamen Tod in Afghanistan?1

Was ich mag: „State of Affairs“ zeigt – so jedenfalls mein Eindruck -, wie die durchschnittliche CIA-Arbeit wirklich aussieht. Dass Analyst zu sein vor allem Arbeit am Computer bedeuten kann und nichts mit aufregender Spionagearbeit in exotischen Ländern zu tun haben muss.

Was ich nicht mag: vieles. So einiges stimmt nicht mit „State of Affairs“, aber ich kann auch nach zwei Folgen nicht eindeutig benennen, was es ist. Ein Versuch, dies trotzdem zu tun: Katherine Heigl wirkt verloren in der Rolle der CIA-Analystin. Vielleicht sind es die immer selben Flashbacks, mit denen die Drehbuchautoren ihre Handlung unterbrechen. Vielleicht ist es der amerikanische Pathos, der sich durch die Serie zieht. Vielleicht auch das unruhige Hin und Her zwischen hektischen Szenen im Briefing-Center, dem Oval Office und der Parkbank des Tages. Vielleicht ist es die Kontinuität, die immer wieder Lücken aufzuweisen scheint. Vielleicht ist es die Tatsache, dass Geheimwaffe Charlie sich in Schale wirft, bevor sie um sieben Uhr morgens (!) bei der Präsidentin auf der Matte steht. Oder ihre klischeehafte Art, mit bedeutungslosem Sex und durchgefeierten Nächten den Tod ihres Verlobten zu überwinden. Überhaupt: Schläft diese Frau auch mal?

Alles in allem ist weder Heigls Charakter noch ihr Job sonderlich glaubwürdig, Gleiches gilt für die Präsidentin. So sehr ich auch jede Serie mögen möchte, die starke weibliche Charaktere in den Fokus rückt – „State of Affairs“ tut genau dies eben nicht. Es sollten wohl starke Charaktere werden. Sie sind aber weder ordentlich geschrieben noch gut besetzt. Wirklich schade, aber ich bin raus.

→ „State of Affairs“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 26%, Metacritic-Score: 43
Trailer


  1. Mein Tipp: Der Kerl ist gar nicht tot, sondern taucht im Staffel-/Serienfinale plötzlich wieder auf. 

Marry Me

Marry Me
Jake (Ken Marino) und Annie (Casey Wilson) sind seit Ewigkeiten zusammen. Als der romantische Urlaub zu Ende geht und er ihr immer noch keinen Antrag gemacht hat, wütet sie aufgebracht durch die Wohnung – während er hinter ihrem Rücken mit Ring in der Hand in die Knie geht. Dumm gelaufen. Es bleibt nicht bei dem einen verpatzten Antrag und erst am Ende der Pilotepisode finden sie dann doch zueinander.

NBC und Comedy, das bleiben zwei unterschiedliche Welten. „Parks and Recreation“ endet bald, „Community“ wurde geschasst, und „Marry Me“ ist definitiv kein würdiger Nachfolger. Die RomCom ist nicht schlecht, sie ist schlicht vollkommen durchschnittlich. Moving on.

→ „Marry Me“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 79%, Metacritic-Score: 63
Trailer

Bad Judge

Bad Judge auf NBC
Manchmal sollte man einer Serie gerade dann eine Chance geben, wenn der Trailer besonders langweilig ist und die Bewertungen auf Rotten Tomatoes besonders schlecht. „Bad Judge“ ist ein gutes Beispiel: Die Pilotepisode ist eine solide halbe Stunde Dramedy. Keine überdrehte Comedy, wie uns der Trailer weismachen will; und Rebecca Wright ist unkonventionell, aber nicht so „bad“, wie Titel und Promo vermuten lassen.

Tatsächlich spielt Kate Walsh in ihrer ersten großen Post-„Private Practice“-Rolle eine im Kern ziemlich sympathische Frau. Ja, ihre Richterin ist eine Draufgängerin, die Sex, Drugs and Rock’n’Roll lebt. Gleichzeitig ist sie eine leidenschaftliche und fürsörgliche Verteidigerin des Rechts.

Ich gehe davon aus, dass die Serie sich noch entwickelt, die Quoten scheinen ja ganz OK gewesen zu sein. Sonderlich gelacht habe ich nicht, zugegeben, aber mir gefällt Walsh in dieser ganz anderen Rolle und ich schaue mir mal an, wo’s hingeht.

→ „Bad Judge“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 18%, Metacritic-Score: 38
Trailer

A to Z

"A to Z" auf NBC

Andrew and Zelda will date for eight months, three weeks, five days, and one hour. This television program is the comprehensive account of their relationship.

„A to Z“ ist genau das, was dieser Text aus den Opening Credits besagt. In der Pilotepisode lernen wir die beiden kennen, die sich gerade kennenlernen. Und damit ist der Inhalt der Serie auch schon zusammengefasst. Abrakadabra.

Die ABC-Serie von Rashida Jones („Parks & Recreation“) feierte schon im Sommer Vorab-Premiere, aber ich merke, dass ich nicht sonderlich auf die Weiterführung gewartet habe. Dabei gab es durchaus ein paar Dinge, die mir gefallen: Hauptdarstellerin Cristin Milioti („How I Met Your Mother“) oder Voice-over-Erzählerin Katey Sagal („Sons of Anarchy“) zum Beispiel. Aber insgesamt war die Romanze der beiden Hauptfiguren etwas zu kitschig und hat mich nicht gepackt. Mal in ein paar Wochen gucken, wie „A to Z“ so ankommt und was die sagen, die dran geblieben sind. Bis dahin: Next!

→ „A to Z“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 66%, Metacritic-Score: 66
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Chicago PD

Chicago PD auf NBS

Vor zwei Monaten war Sergeant Hank Voight (Jason Beghe) ein stadtbekannter Cop, der Schmiergelder annimmt. War im Knast und kam frei. Wie und ob er wirklich geläutert ist, weiß man nicht so recht1 – auf jeden Fall ist er plötzlich nicht nur auf freiem Fuß, sondern leitet die Intelligence Unit der Chicagoer Polizei, eine Einheit von ihm handverlesener Ermittler. Gerade jagen Voight und seine Truppe einen Drogendealer, dessen schlechte Ware drei junge Menschen das Leben kostete – und stoßen dabei unerwartet auf eine viel größere und vor allem brutalere Kartellgeschichte. Köpfe rollen. Ein guter Start.

„Chicago PD“ ist ein Spin-off der ebenfalls noch recht jungen Serie „Chicago Fire“, die Podcast-Hörerinnen als einen von Andis und meinen Favoriten kennen dürften. Mehrere Charaktere wurden im Verlauf der ersten Staffel zunächst dort eingeführt, zuletzt gab es dann sogar vor dem Start der neuen Serie immer wieder Auftritte von Mitgliedern des neuen Intelligence-Teams im Umfeld von Firehouse 51. So, wie im Piloten „Stepping Stone“ auch mehrere Darsteller aus der „Mutterserie“ auftauchen. Nicht nur wegen dieser authentischen Verzahnung der beiden Schauplätze hat mich „Chicago PD“ durchaus beeindruckt.

Mir gefällt’s! Auch wer die Charaktere noch nicht kennt, bekommt einen guten ersten Eindruck von ihnen, obwohl die Pilotepisode den Zuschauer gleich mitten ins Geschehen wirft. „Chicago PD“ scheut sich nicht, gleich zu Beginn einen vielschichtigen, blutigen Fall der Woche herauszuholen, der tödlich und dramatisch endet.2 Sogar einen Cliffhanger am Ende der ersten Stunde gönnt sich der Newcomer, was ich ganz schön mutig finde.

Hier mehr als bei „Chicago Fire“ wird mir als Zuschauerin eine Mischung aus düsterem Fall und fast heiteren Einblicken in die Geschichte und Haltung der Figuren geboten. Ich bin gespannt, wie der Charakter Voight weiter erkundet wird und wie lange es dauert, bis er die Intelligence Unit zu professionellen Grenzenüberschreitern macht. Wenn „Chicago PD“ Tempo und Ton halten kann, bin ich durchaus für länger mit von der Partie. Aber das muss die Serie erst mal beweisen und auch jenseits von „Chicago Fire“ auf eigenen Füßen stehen. Schauen wir mal!

→ „Chicago PD“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 50, Tomatometer: 50%


  1. Außer man guckt „Chicago Fire“ 

  2. Wer Serien-News verfolgt, weiß bereits, dass nach der Pilotepisode der Cast noch mal deutlich verändert wurde… 

Sean Saves the World

Sean Saves the WorldSeans Leben hat sich in der letzten Woche geändert: Seine Teenage-alte Tochter ist bei ihm eingezogen. Eigentlich lebte Ellie bei ihrer Mutter. Von der hatte sich Sean vor einiger Zeit getrennt, als er heraus fand, dass er eigentlich schwul ist. Aber jetzt ist Ellies Mutter weg — und Ellie bei Sean.
Auch wenn er keine Ahnung hat, wie das genau funktioniert, möchte Sean ein guter Vater sein. Er bemüht sich sichtlich, hat sogar Bücher zu lesen versucht!
Ein großes Problem hat er allerdings: Einen neuen Boss. Der macht ihm sein Leben auf der Arbeit nicht gerade leicht. Hohe Anforderungen, Überstunden und sowas. Man kennt das als aufstrebender Abteilungsleiter.
Das kollidiert mit seinem Plan, viel für seine Tochter da zu sein. Und so muss Sean immer häufiger seine Mutter um Hilfe bitten, die (so wie eigentlich alle) ganz schön seltsam ist…

»Sean Saves the World« hat Sean Hayes in der Hauptrolle. Und, ja, Obacht: was bringe euch immer fleißig bei? Traut keiner Serie, bei der der Hauptcharakter so heißt wie der Schauspieler. Autobiografiealarm!
Auch hier bewahrheitet sich die Regel wieder. »Sean Saves the World« ist eine Midlife-Coming-Of-Age-Serie, bei der der Hauptdarsteller dauerhaft nervös auf Ecstasy1 von einem unsicheren Scherz zum nächsten springt.

Dabei wird die Folge im Laufe der Zeit tatsächlich etwas besser. Die Eingangsszene war die schlimmste: Lough Track, doofer Dialog, dumme Slap-Stick-Witze. Danach wird’s besser: Sean’s Boss ist so überzeichnet, dass er schon wieder an der Grenze zu ok kratzt. Und Sean Hayes Mit-»Smash«-Darstellerin Megan Hilty ist auch ein Lichtblick.
Die Mutter allerdings nervt dann wieder so, wie in jeder anderen Serie dieser und letzter Saison, bei der Eltern als dritte Generation einer Comedy involviert sind. Bitte, liebe Programmverantwortlichen, lasst doch peinliche (Groß-)Eltern aus euren neuen Shows. Kthxbai.

»Sean Saves the World« hat ein blödes Thema, einen mir zu nervösen Hauptdarsteller mit meist unterdurchschnittlich lustigen Witzen. Allein die Nebendarsteller wären Grund, weiter zu schauen. Wenn ich nicht schon einige Serien dieser Art in der aktuellen Saison auf dem Ablagestapel liegen hätte…
Aber vielleicht habt ihr ja weniger?

→ »Seans Saves the World« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 43, Tomatometer: 22%
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  1. Oder sowas. Ich hab ja eigentlich gar keine Ahnung. 

The Michael J. Fox Show

The Michael J. Fox ShowVor fünf Jahren wurde Mike mit Parkinson diagnostiziert. Er beendete seinen Job als Nachrichtensprecher, mit der Krankheit war Nachrichtensprechen nicht wirklich möglich. Positiver Nebeneffekt: Er hatte wieder mehr Zeit für seine Familie.
Jetzt, fünf Jahre später, geht Mike zurück zum Fernsehen. Und seine Familie ist froh, ihn endlich aus den vier Wänden zu haben. Aber die Rückkehr zur alten Arbeitsstelle ist alles andere einfach als Parkinson-Kranker.

Die Hauptrolle in »The Michael J. Fox Show« spielt Arnold Schwarzenegger Michael J. Fox. Surprise! Die Show ist auch in gewisser weise autobiografisch: Fox wurde 1991 die Parkinson-Krankheit diagnostiziert und beendete die Schauspielerei 1999 deswegen. In den Folgejahren kehrte er für Gastrollen in TV-Serien zurück (unter Anderem in »The Good Wife« und »Boston Legal«), bevor er jetzt, 2013, seine eigene Nachrichten-Show bekam.

Aus »The Good Wife« kennen wir bereits, wie es aussieht, wenn Michael J. Fox Parkinson-krank einen Parkinson- neurologisch Kranken spielt — die Serie ist seit 1998 schließlich Pflichtprogramm für alle Newshows-Leser nach §8.1 GuSho. Fox versteckt sich nicht hinter seiner Krankheit (was auch physisch gar nicht geht), sondern benutzt sie offensiv für die Geschichte. Das ist gut! Auch in »The Michael J. Fox Show« witzelt Fox mit den Parkinson-Syndromen rum; sei es aktiv von ihm als Mike erwähnt oder als Mitwirkender bei der Geschichte.
Für uns Zuschauer ist das etwas awkward und befremdlich anzuschauen und bringt uns aus unserer Heileweltkomfortzone. Das ist gut! Wir werden ein bisschen gefordert, sogar moralisch etwas erzogen, und bekommen einen Einblick in das sonst eher vor uns verschlossenes Leben mit Parkinson.

Von einem gesellschaftlichen Standpunkt her ist »The Michael J. Fox Show« wichtig und ganz hervorragend.

Über diese Parkinson-begründeten Eigenschaften hinaus ist die Show etwas… eigenartig.
Der Doku-Stil ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die Charaktere sind zu überspitzt. Die Witze sind manchmal etwas platt. Die rumhängende Schwester ist arg Klischee. Und manchmal weiß ich nicht, ob ich über lustige Parkinson-Szenen tatsächlich lachen darf1.
Außerdem ist der Titel der Serie der Name eines Darstellers mit einem »Show«-Appendix. Eigentlich wäre das ein prinzipieller Tabu-Grund2.

»The Michael J. Fox Show« ist, untergründig, eigentlich eine ok-e Serie, die wegen der Parkinson-Thematik zu einer guten wird. Die Parkinson-Momente sind befremdlich, aber fordernd und deswegen gut.
Schauen.

→ »The Michael J. Fox Show« in der Wikipedia und bei TVRage
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→ Metacritic-Score: 64, Tomatometer: 71%
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  1. Ja, ich darf! Verdammtes Über-Ich! 

  2. Empirisch ermittelt. 

Ironside

IronsideRobert Ironside ist knallharter Ermittler in New York. Seit zwei Jahren sitzt er im Rollstuhl. Aber das mindert in keiner weise seine Möglichkeit, clever die vorgesetzten Fälle zu lösen. Sein dreiköpfiges Team von Protégées unterstütz ihn dabei tatkräftig.
Den Auftaktfall bildet der vermeintlichen Selbstmord einer Investment-Bänkerin. Aber nicht alles ist so klar, wie es anfangs zu sein scheint.

»Ironside« ist eine Wiederauflage der 60er-70er-Jahre-Serie gleichen Namens. Auch da ging es um einen Polizisten im Rollstuhl. Mehr kenne ich über die Originalserie allerdings nicht, so dass die folgenden Zeilen ohne Vergleich auskommen müssen. (Das müsstet ihr dann nachholen. In den Kommentaren zum Beispiel!)

Wie ist »Ironside«? Leider nicht allzu gut.
Robert Ironside wird uns als schicksalsgeschlagener, aber tougher Charakter präsentiert. Den Verlust seiner Möglichkeit zu Gehen scheint er überwunden zu haben. Er scheint sogar Stärke daraus gewonnen zu haben. Seinem ehemaligen Kollegen, der damals beim folgenschweren Schuss dabei war, steht er zur Seite und fordert ihn, selbstlos und hart, auf, endlich mit seinem Leben weiterzumachen. Er ist ein Draufgänger und wickelt hübsche Frauen um den Finger. Und dann flippt er beim Gewichtheben aus? Und geht im Befragungsraum völlig unmenschlich mit mutmaßlichen Tätern um?
Die Figur ist konfus geschrieben. In einem Moment kalkulierend, intelligent und allen anderen zwei Schritten voraus. Dann flippt er aus, lässt nichts an sich ran, ist übermäßig aggressiv und brutal. Dann ist er wieder der coole Typ, den sein Rollstuhl eigentlich überhaupt nicht interessiert.
Vielleicht soll uns das, was ich hier als konfus identifizieren, auch die Ambivalenz des Hauptcharakters zeigen. Vielleicht. Wenn dem so ist, dann ist das, für mich zumindest, nicht gelungen. Um solche Entwicklungen in einem Charakter aufzuzeigen braucht es Zeit und Tiefe — und beides kann uns die Pilotepisode bezogen auf Ironside nicht geben.

Ein kleiner Lichtblick, aber letztendlich auch arg klischeeig ist das Team, was Ironside umgibt. Alle scheinen fähig, in Windeseile NSA-Computer zu hacken und dabei mit den Füßen ein dreidimensionales Sudoku zu lösen. Und das alles als linke Hände von Ironside. Hm.

Der Fall der Woche zum Auftakt war OK. Die Autoren wollen uns die Cleverness Ironsides zeigen. Der Mann, der selbst bei Offensichtlichem weiter ermittelt bis er die Hintermänner der Tat gefunden hat. Und Mentalist-artig schon bei der Mitte der Ermittlungen weiß, wer der Bösewicht ist.
Die Hintergrundgeschichte zu Ironsides Unfall war ordentlich und lässt erkennen, dass die Autoren prinzipiell verstehen, eine Spannungskurve zu benutzen. Das ist doch was.

In den USA gibt es eine Kontroverse darüber, dass der Schauspieler, der den Rollstuhlfahrer Robert Ironside spielt (Blaire Underwood), gar nicht selbst im Rollstuhl sitzt. Ja, kann man tatsächlich doof finden. Da fehlt sicherlich an Authentizität in der Rolle — vielleicht auch Respekt. Die Begründung der Produzenten dafür, ist, dass man wegen der Vor-Unfall-Flashbacks jemanden brauchte, der des Laufens fähig ist. Auch das kann man verstehen. Vielleicht hätte man in Zeiten von CGI mit Body-Doubles auch einen Rollstuhlfahrer wieder laufen lassen können, aber das hätte sicherlich wieder ordentlich was gekostet.
Ich bin da nicht allzu böse drüber, keinen Rollstuhlfahrer für die Hauptrolle in »Ironside« genommen zu haben.
Was das allerdings bewirkt hätte, wäre die Rollstuhl-bezogene Glaubwürdigkeit der Serie etwas anzuheben. Zählt doch einfach mal die Rollstuhlrampen oder -lifte in der Show… Ja, selbst Ironsides Wohnung scheint keine zu haben.

»Ironside« hat zum Auftakt zu wenig Tiefe und zu viel Klischee. Der Hauptcharakter ist zu unstringent geschrieben. Der Fall der Woche ist ok.
Für mich hat das Thema rollstuhlfahrender Ermittler Potenzial. Immer noch. Ich werde die Show noch weiterverfolgen.
Vielleicht machen die Autoren ja noch was draus. Aber ich befürchte…

→ »Ironside« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 44, Tomatometer: 17%
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The Blacklist

The BlacklistElizabeth hat ihren ersten Tag als FBI-Profilerin vor sich. Natürlich verschläft sie. Gehört sich ja so bei großen Tagen. Trotzdem schafft sie es noch fast pünktlich, das Haus zu verlassen. Dort allerdings steht eine Armada schwarzer SUVs und sogar ein Hubschrauber für sie bereit. Sie wird im FBI-Hauptquartier gebraucht. Dringend.
Denn dort hat sich ein paar Stunden zuvor einer der meistgesuchten Verbrecher Amerikas in der Lobby freiwillige den Behörden gestellt. Reddington war jahrelang Besorger und Möglichmacher Nummer Eins des kriminellen Untergrunds. Aber jetzt möchte er die Seite wechseln und dem FBI beim Ermitteln gegen Bösewichte helfen. Seine einzige Forderung: Alle Kommunikation findet zwischen ihm und Elizabeth statt. Sie sei besonders.
Als der Fall der Pilotepisode abgeschlossen ist (blutig, involviert einen Politiker und einen Rucksack) offenbart Reddington seinen Langzeitplan: Er habe eine Liste voller Großkriminelle (die Blacklist) und ist bereit, mit dem FBI zusammen gegen diese Listenplätze zu ermitteln. Genauer: Zusammen mit Elizabeth.

»The Blacklist« startete diese Woche stark auf NBC. 12,58 Millionen Zuschauer. Sogar etwas mehr als die Agenten von S.H.I.E.L.D.1
Und tatsächlich: Die Show gefällt.

Der Spin ist interessant: Ein ehemaliger wichtiger Krimineller, der mit dem FBI zusammen arbeitet. Das kennen wir von »White Collar«, allerdings geht’s bei »The Blacklist« nicht um Kunstraube und andere mordlose Betrügereien. Es geht direkt mit Entführung, Schießereien, Explosionen und Bomben in die Vollen. Außerdem ist im Vergleich zu Neal Caffrey der Hauptcharakter hier wesentlich dunkler angelegt. Sowieso: Die ganze Serie hat einen dunklen, teilweise zu dramatischen Unterton. Es geht eben nicht um das teure, verschwundene Gemälde, sondern direkt um das Überleben tausender Unschuldiger.
Darüber hinaus ist »The Blacklist« das typische wöchentliche Crime-Procedural. Die letzten Szenen der ersten Staffel offenbaren mögliche Episoden-übergreifende Elemente — mal sehen, wie die sich so eingliedern.

Der Hauptcharakter in »The Blacklist«, Raymond Reddington, ist mit Emmy-Gewinner James Spader top besetzt. Ein intelligenter, kalkulierender Krimineller auf dem Weg zur Läuterung. Oder so.
Etwas blass ist da im Vergleich die junge, aufstrebende FBI-Agentin. Megan Boone macht ihre Sache zwar prinzipiell gut, sieht mir aber etwas zu modelhaft kantenlos aus.

Sonst so? Alles solide.
Guter Auftakts-Fall-der-Woche, interessanter Crime-Drama-Spin mit der schwarzen Liste, gute bis ok-e Schauspieler.
Wird weiter geschaut.

→ »The Blacklist« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 73, Tomatometer: 82%
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  1. »The Blacklist« Trivia #431: Der Hauptdarsteller der Show spielt im nächsten »The Avengers«-Film den Bösewichten Ultron. 

CyberChimps