The Blacklist

TheBlacklist
Elizabeth Keen (Megan Boone) ist Profilerin, frisch mit Zertifikat aus Quantico, und ihr erster Tag beim FBI fällt zusammen mit einem einmaligen Ereignis: Raymond „Red“ Reddington (James Spader), einer der zehn meist gesuchten Verbrecher der USA, stellt sich freiwillig und gibt an, nur mit einer Person sprechen zu wollen. Drei Mal dürft ihr raten, wen er sich als Vertraute in seiner undurchsichtigen Selbstaufgabe ausgesucht hat. Weswegen, erfahren wir in der Pilotepisode von „The Blacklist“ nicht, das ist Teil eines wohl größeren Geheimnisses, dass Red und seine kriminelle Vergangenheit umgibt.

Nun jedenfalls, so scheint es, will er sich reinwaschen von den Sünden der Vergangenheit, indem er andere Schwerverbrecher ans Messer liefert. In dieser Folge: Ranko Zamani, den er erst kürzlich ins Land schmuggelte und der nun offenbar einen ziemlich perfiden Anschlag auf amerikanischem Boden plant. Und in Zukunft, wie wir am Ende erfahren, diejenigen, die so raffiniert und grausam sind, dass die Behörden sie nicht einmal auf dem Radar haben1.

„The Blacklist“ startet vielversprechend: mit einem ziemlich tollen Bösewicht, guten Darstellern, spannend, ein bisschen mysteriös und verdammt temporeich. Fast zu schnell führt uns der Weg von Elizabeths Bett am Morgen zu einem Flammen-Desaster zu einem geplanten Anschlag. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, aber erst mal ist es schon zu begrüßen, dass hier ein Serienthriller zwar einen Fall der Woche hat, aber doch aus dem gewohnten Schema ausbricht. Das birgt allerdings auch die Gefahr von Logiklücken oder Verständnisproblemen2. Mal schauen…

Jenseits des Criminal of the Week wird in der Pilotepisode noch allerlei angeteasert: eine bereits länger andauernde Obsession Reds mit Elizabeth sowie das Doppelleben ihres Ehemanns Tom (Ryan Eggold) beispielsweise. Hier ist definitiv was Größeres im Gange. Ich bleibe dran.

→ „The Blacklist“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 73, Tomatometer: 86


  1. die „Blacklist“ der Schwerverbrecher halt 

  2. Nein, euer Stream ist nicht kaputt oder buffert falsch, die Serie ist so. 

Camp

CampAls das Little Otter Family Camp diesen Sommer seinen urlaubenden Familien die Pforten öffnet ist etwas anders als die Jahre zuvor. Camp-Leiterin Mack ist geschieden von ihrem Ehemann und muss den Laden nun alleine stemmen.
Während sie folgenweise in neue Probleme stolpert (die sie, natürlich, zuverlässig in den letzten sieben Minuten eben jener Folge wieder löst) verfolgen wir die unterschiedlichen, jugendlichen Betreuer des Camps, wie sie ihren Sommer miteinander verbringen.

»Camp« erinnert stark an »Beaver Falls«, der britischen E4-Serie, die letztes Jahr nach der zweiten Staffel abgesetzt wurde1. Ein Sommer-Camp und die verschiedenen Betreuer und Bewohner, die allesamt zu unterschiedlichen Graden bescheuert sind.

Die Show ist mit Sicherheit kein intellektuell hochwertiges, vielschichtiges Drama. Sie erzählt die Geschichte eines Sommer-Camps und so fühlt sie sich auch an. Leichte Unterhaltung für sommerliche Sonnentage.
Im besten Fall ist das kurzweilig, durchschnittlich ist das eher stumpf — mitunter auch doof.

Kann man allerdings gucken, wenn man nichts anderes übrigt oder man keine Lust auf schwermütigen Drama-Kram hat.
Muss man allerdings auch nicht.

→ »Camp« in der Wikipedia und auf TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 50


  1. WAS? Letztes Jahr? Wie die Zeit vergeht! 

Premierendaten der neuen Serien des Herbsts 2013

Bald ist Serienweihnachten! Es startet die Seriensaison 2013-2014 — Mitte September geht’s los. Hier sind die Startdaten (Trailer).

  • 16.9.: Sleepy Hollow (FOX)
  • 17.9.: Dads (FOX), Brooklyn Nine-Nine (FOX)
  • 23.9.: Mom (CBS), The Blacklist (NBC), Hostages (CBS)
  • 24.9.: Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D. (ABC), The Goldbergs (ABC), Trophy Wife (ABC), Lucky 7 (ABC)
  • 25.9.: Back in the Game (ABC)
  • 26.9.: The Crazy Ones (CBS), The Michael J. Fox Show (NBC)
  • 29.9.: Betrayal (ABC), Masters of Sex (Showtime), Hello Ladies (HBO)
  • 30.9.: We Are Men (CBS)
  • 2.10.: Super Fun Night (ABC), Ironside (NBC)
  • 3.10.: The Millers (CBS), Welcome to the Family (NBC), The Originals (The CW), Sean Saves the World (NBC)
  • 9.10.: Tomorrow People (The CW), American Horror Story: Coven (FX), Once Upon a Time in Wonderland (ABC)
  • 17.10.: Reign (The CW)
  • 25.10.: Dracula (NBC)
  • 4.11.: Almost Human (FOX)
  • 8.11.: Enlisted (FOX)

Alles hier nicht aufgelistete gibt’s dann in der Midseason, also im Frühling nächsten Jahres.((Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die aktuelle Saison bis dahin ganz schön lahm ist. Aber wir werden sehen.))

Crossing Lines

Crossing LinesMajor Daniel stellt im Auftrag des internationalen Gerichtshof eine Spezialeinheit zusammen, die europäische Grenzen übergreifend Kriminalfälle untersuchen soll.
Gleich zu Beginn beschäftig ein Serienmörder die Gruppe, der erst in Paris zuschlägt und schließlich nach Berlin kommt. Die Mitglieder der Spezialeinheit müssen nicht nur mit den stoischen lokalen Polizisten agieren, sondern kämpfen auch alle mit ihren persönlichen Probleme.

»Crossing Lines« ist eine englischsprachige Serie aus Frankreich. Produziert mit einem großen US-Sender in Hinterhand. Gut. Und schlecht.

Gut, weil:

  • Eine (für europäische Verhältnisse) groß-budgetige Show aus europäischer Sicht.
  • Franzosen, die Franzosen spielen. Deutsche, die Deutsche spielen, Italiener, die Italiener spielen. Keine fies falschen Akzente, keine zu falschen Vorurteile.
  • Es ist erfrischend, bekannte Schauplätze zu sehen. Das fühlt sich nicht so Über-dem-Teich an.

Aber das ist auch schlecht, weil:

  • Man merkt leider dann doch zwischen durch, dass das Budget nicht groß genug ist. Hier und dort fehlt der Feinschliff, den man aus dem US-TV kennt.
  • Auch bei den Drehbüchern. Die sind etwas mau. Dünn. Und teils auch hanebüchen.1
  • Die Erwartung an eine europäische Show ist dann vielleicht doch etwas hoch. So ganz im Detail sind die verschiedenen Länder doch nicht richtig getroffen…

Ausgeführt und produziert ist »Crossing Lines« ok bis gut. Ein solider Krimi. Der Pilot-Fall-der-Woche ist äußerst doof und strotzt nur so vor falschen und billigen Drehbuchentscheidungen2, der Fall der zweiten Folge ist da schon realistischer und besser.

Was aber ganz schwierig ist: Die Schauspieler. Fürmehr: Der Schauspieler. Hauptdarsteller William Fichtner, der einen drogenabhängigen Ex-NYPD-Polizisten spielt. Puh. Manchmal, je nach Rolle, kann ich den ja ertragen. Aber hier? Der Charakter ist viel zu übertrieben und doof — und gespielt ist er auch noch schlecht. Meh.
Die restlichen, international besetzen Charaktere sind da tatsächlich besser und interessanter anzuschauen.

Ich mag »Crossing Lines« für die Idee, eine sich US-amerikanisch anfühlende Serie auf europäisch zu drehen. Leider hapert’s dann doch etwas mit der Umsetzung. Die zweite Folge, nachdem wir alle Team-Findungs-Grundstory der Pilotfolge hinter uns gebracht haben, ist schon besser und zeigt, was die Show sein könnte.
Vermutlich werde ich aber nicht weiter schauen.

→ »Crossing Lines« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 59
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  1. Drehhanebücher. 

  2. Über den ganzen 3D-Scanner-Kram kann ich wegsehen. 

Do No Harm

Do No HarmDr. Jason Cole ist Gehirnchirurg. Erfolgreich, charmant, hat sein Leben durchgeplant. Zwischen Kaffeepause und Abendessen macht er risikoreiche Operationen und schließt sie makellos in Rekordzeit ab. Die Krankenhausleitung hält ihm den Rücken frei, schließlich ist er ein öffentlichkeitswirksames Prestigestück.
Ab 20:25 jeden Tages sieht das aber anders aus. Würde sich Cole nicht mit speziell entwickelten Anästhetika wegballern, würde zu dieser Zeit seine zweite Persönlichkeit seinen Körper übernehmen. Ian Price nennt sie sich. Sie ist das Gegenteil von Cole: Kalt, verantwortungslos, drogenabhängig, brutal — schlichtweg: böse.
Ihr ahnt, was in der Pilotfolge passiert? Die Medikamente wirken nicht mehr, Price übernimmt das Ruder. Und der ist ganz schön böse darüber, dass er die letzten Jahre im Schlaf eingesperrt war…

»Do No Harm« ist eine moderne Version von »Jekyll & Hyde«, dem Zweipersönlichkeitsklassiker des 19. Jahrhunderts. Anders als bei der BBC-Version von vor fünf Jahren bildet der »Jekyll & Hyde«-Stoff aber nur die Ideenbasis. Und einen guten Promospruch.

Mir gefällt »Do No Harm« sehr gut. Es hat ein hohes Tempo, einen tollen Hauptdarsteller und deutet an, einen komplexen Plot zu haben.
Die Pilotepisode ist etwas vollgeladen, aber zum Ende wird der Weg für eine potenziell interessante Staffel ausgebreitet. Bei der Cole/Price sich gegenseitig hinter’s Licht führen.

Neben bösen/guten Hauptcharakteren gibt’s noch eine Liebesgeschichte, die wegen der Doppelpersönlichkeitssache ganz schön fucked up ist. Es gibt den erfolgsneidischen Kollegen und den Supermolekularchemiker-Lab-Geek. Und natürlich eine Krankenhaus-Backstory, die vermutlich den Fall der Woche beisteuert, der metaphorisch irgendwo zur Cole/Price-Problematik passt.

Ich find’s gut, ich bleib dran.

→ »Do No Harm« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: Zu früh, die Show startet erst kommende Woche im TV
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Deception (2)

deception

Im Grunde braucht man über die Durchschnittlichkeit von «Deception» keine Worte verlieren über das hinaus, was Andi bereits geschrieben hat. Doch mir schwirren da ein paar lose Gedanken im Kopf herum, die loszuwerden mir dann doch noch unter den Nägeln brennt.

  • Alles, was man über die neue Serie wissen muss, zeigt sich schon innerhalb der ersten fünf Minuten. Wenn Victor Garber («Alias») als Patriarch Robert Bowers und seine fiktive Familie nach dem Tod von Vivian zu weinen versuchen, wirkt es fast, als hätte NBC hier eine Riege besonders solalaer Darsteller zusammengekarrt. Dabei weiß man zumindest von Garber oder Tate Donovan («Damages»), was sie auf dem Kasten haben. Wenn also eigentlich doch gute Schauspieler auf einmal regelrecht unbegabt wirken, sagt das oft mehr über den Stoff aus als über sie selbst.
  • Wo wir bei Garber und Donovan sind: Zwischen den beiden, die in «Deception» Vater und Sohn porträtieren, liegen im wirklichen Leben gerade einmal 14 Jahre – und das merkt man leider auch in der Serie. Selbst nach der zweiten Folge – ja, ich habe noch weiter geschaut – wirkt es nicht so, als würde diese Unstimmigkeit aufgelöst durch die Enthüllung, dass Edward adoptiert ist oder Papa Bowers tatsächlich bereits als junger Teenie ein Kind zeugte. Solche Lücken gehören mit zu den nervigsten Dingen, die man Zuschauern auftischen kann.
  • Selbst wenn die Geschichte ergreifend genug wäre, um mich zum weiteren Einschalten zu bewegen, würde diese Serie von ihrer Storyline ausgehend irgendwann das Schicksal ereilen, was etwa (das tausend Mal bessere) «The Killing» erlebte, als sie die Aufklärung des Rosie-Larson-Mordes hinauszögerten. Insgesamt würde der Stoff um Partygirl Vivian und ihren Tod wohl eher einen Fernsehfilm rechtfertigen, vielleicht noch eine Mini-Series. Und auf letzteres wird es so oder so hinauslaufen, denn die US-Quoten sind bereits in Woche zwei deutlich gefallen – und nicht umsonst hat NBC die Order für die erste Staffel gekürzt, bevor überhaupt die erste Folge ausgestrahlt wurde.

Haken dran. Next!

Deception

DeceptionPartygirl Vivian Bowers wird tot aufgefunden. Überdosis. Keiner wundert sich großartig darüber — das musste früher oder später so kommen. Außer FBI-Agent Moreno, für den passt das alles nicht so ganz. Er holt sich Hilfe von einer alten Freundin, Kommissarin Joanna Locasto. Zufälligerweise war die früher gut mit Vivian befreundet und nimmt deren Beerdigung als Anlass, sich undercover in die Familie einzuschleusen. Um all den Geheimnissen hinter Victor Garbers Frisur der Familie auf die Schliche zu kommen. Und das sind gar nicht wenige.

»Deception« ist NBCs Antwort auf ABCs »Revenge«. Anderthalb Jahre zu spät. Und schlecht.

Die Serie ist mehr eine Nachmittagssoap mit Krimi-Elementen, als Primetime-Stoff. Die ganze Geschichte wirkt von vorne bis hinten aufgesetzt und künstlich überdramatisiert, das macht keinen Spaß. Da kann Hauptdarstellerin Meagan Good noch so nett in die Kamera gucken, das ist einfach meh.

Next, please.

→ »Deception« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 50

(Man kann »Deception« allerdings nicht vorwerfen, eine geringe Geheimnisrate zu haben. In der Pilotepisode bekommen wir direkt 76. Oder so.)

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1600 Penn

1600 PennSkip will eigentlich nur einen kleinen Aufstand gegen die feindliche Studentenverbindung anzetteln. Einige Sekunden später brennt deren Haus und der Aufstand wird niedergeschlagen — wortwörtlich. Doch bevor Skip richtig in die Schlägerei mit einbezogen wird, fahren schwarze SUVs vor uns holen ihn ab. Skip ist nämlich der Sohn des Präsidenten und der hat genug von dessen Späßen. Skip wird ins weiße Haus abgeordnet, gewissermaßen.
Und dort ist auch alles ganz unpräsidentig: Während das Staatsoberhaupt ein südamerikanisches Handelsabkommen verhandelt (mit Tennis), versucht seine Frau mit den Adoptivkindern klar zu kommen. Und die Präsidententochter stellt fest, dass sie irgendwie schwanger ist — dabei ist sie doch eigentlich das Vorzeigekind der Familie?!

»1600 Penn« ist die übliche Dysfunktionale-Familie-Comedy — nur, dass die übliche Familie im weißen Haus wohnt und das Familienoberhaupt auch Staatsoberhaupt der vereinigten Staaten ist.

Das ganze hat einen hohen Production Value, also fühlt sich fast kinohaft an in der Produktion. Alles weitere kann ich aber nicht so klar einordnen.

Die Witze wechseln zwischen super-albern, albern und ok-albern. Die Schauspieler sind ok (Bull Pullman als POTUS) bis gut (Josh Gad als Skip), aber immer mit Hang zum Nerven. Die Story ist durchweg hanebüchen — eigentlich so, wie es sich für eine Comedy gehört. Aber wegen des Weißen-Haus-Realitätsbezugs fühlt sich das doch seltsam an.

Ich habe häufiger gelacht, als dass ich die innere Handfläche an meine Schädelinnenseite gehalten hab (inner facepalming) — ja, manchmal habe ich sogar laut gelacht. Ob »1600 Penn« mir auch dauerhaft gefällt oder schon bald auf die Nerven geht, das werden wir in den nächsten Episoden relativ schnell sehen. Wenn die Show überhaupt so lange hält: Die US-Presse ist gar nicht so angetan von ihr

→ »1600 Penn« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 55
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Go On


Ryan King ist eigentlich ein völlig zufriedener Sport-Radiomoderator. Gut, seine Frau ist gerade um’s Leben gekommen, aber damit kommt er eigentlich ganz gut klar. Seine Kollegen und besonders sein Chef kaufen ihm das aber nicht so ganz ab und wollen ihn nur unter einer Bedingung an sein heißersehntes Mikrofon lassen: Er muss einer Selbsthilfegruppe beitreten.
Da muss der »No Talk – Action!«-Moderator wohl oder übel über seinen Schatten springen und seine Zeit in der bescheuerten Gruppe absitzen. In einer Runde, wo verstorbenen Ehemännern, verstorbenen Katzen, komaliegenden Brüdern, dem eigenen Augenlicht und der fremdgegangenen Ehefrau nachgetrauert wird. Angeleitet, von einer nicht-so-ganz-ausgebildeten Betreuerin.
Erst Stück für Stück merkt Ryan, wie sehr er doch noch nicht über den Tod seiner Frau hinweg ist – und wie selbst die noch so komischen Charaktere seiner Selbsthilfegruppe ihm helfen, mit der Situation klar zu kommen.

»Go On« ist für mich eine positive Überraschung der jungen Herbstsaison. Ich hätte nicht gedacht, dass die Show so gut funktioniert. Aber starten wir von vorne.

Matthew Perry spielt den toughen Radiomoderator, der pünktlich zur Mitte einer Episode seine weiche Seite entdeckt. Er ist Hauptdarsteller und zieht mit seinem typisch trockenen, aber derweilen auch impulsiven Humordarstellung die Show an. Der hybrissige, etwas großkotzige Moderator, der langsam seine kleine, persönliche Seite entdeckt – das passt auch irgendwie zu Perry.
Aber auch abseits des Hauptdarstellers gibt der Cast einige tolle Schauspieler her. Die lesbische Anne, die gruppenleitende Lauren, Boss Harold, sorry, Steven, und die Assistentin Carrie – allesamt toll überspitzt gezeichnete Charaktere die auch gut besetzt sind.

Das Thema ist etwas seltsam für’s TV. Gut, Serien über Tod hatten wir schon, aber als Comedy? Im mainstreamigen Free-TV? Aber ich find’s ok. Es gib genug Comic-Relief-Momente, in denen die Charaktere aus ihrer normalen Struktur herausbrechen und plötzlich etwas unerwartet Bescheuertes passiert. Ich find das gut.

Ich kann nur hoffen, dass der Matthew-Perry-Fluch nicht dieser neuen, etwas gewagten Comedy anhaftet. Denn es wäre schön, sie würde überleben. Allein schon, damit sie mich davon überzeugen kann, dass der Plot auch nach >20 Episoden noch funktioniert.

→ »Go On« bei TVRage und der Wikipedia
→ Trailer

(Und Brett Gelman löst Zach Galifianakis bei mir als Preisträger von »Playing the Most Creepiest Character in a TV Show / Motion Picture« ab.)

The New Normal


Goldie (jap, tatsächlich) hat die Schnauze voll von ihrem eingeengtem Leben im mittwestlichen Ohio. Ihr Job ist kacke, ihre Großmutter ist der Prototyp einer Konservativen, ihr Mann schläft mit anderen Frauen.
Auch wenn sie sich den Tapetenwechsel eigentlich nicht leisten kann, fährt Goldie samt Tochter an die Westküste nach Los Angeles. Da, wo die Welt etwas aufgeschlossener für Veränderung ist. Und vielleicht ja auch für einen Neuanfang?
In LA trifft sie das schwule Pärchen David und Bryan, das zur Komplettierung ihres Lebens unbedingt noch ein knuffiges Baby braucht. Es kommt, wie es kommen muss und Goldie wird Leihmutter der beiden. Und schon ist sie mitten im Leben der beiden modernen Männer. Ihre Großmutter auch.

»The New Normal« ist voller Klischees. Allen zuerst gegenüber Schwulen (und Lesben). Aber auch gegenüber Schwarzen, nerdigen Kindern. Und natürlich gegenüber Konservativen – und vermutlich noch vielen mehr. Hoch überspitzt wird all das aufgerollt, was als neue Normale gilt – und wie das alte Normale damit umgeht.
Serienschöpfer Ryan Murphy (»Glee«, »American Horror Story«) macht das, was er auch in »Glee« hervorragend hinkriegt. Er bringt Eigenheiten von Personen und -gruppen zu Tage und diskutiert sie filmisch mit einer großen Portion Comic Relief aus. Natürlich ist der Fokus von »The New Normal« vorwiegend darauf gerichtet, wie sich die Welt ändert und die rückgerichtete alte Generation damit nicht klar kommt. Aber während die Bescheuertheit dieser engstirnigen Gruppe ausgebreitet wird, stoppt das Autorenteam auch nicht davor, die Eigenarten und mitunter Bescheuertheiten der moderneren Gruppen zu entlarven. Manchmal passiert das auf ironischer Ebene, manchmal auch offensiv.

Und gerade Letzteres finde ich spannend. Natürlich ist »The New Normal« zu aller erst natürlich ein Plädoyer für die Normalität alles Neuen. Aber währenddessen wird eben auch dieses Neue augenzwinkernd analysiert.

Neben all dieser Gesellschaftskritik handelt »The New Normal« natürlich auch von Emanzipation, von Modernisierung, von Schwangerschaft, von unterschiedlichen Lebensstilen.
Gut gespielt, gut inszeniert – diese Kamera-direkt-adressierende Personeninterviewszenen sind super.
Nur manchmal nervt’s dann leider doch. Die Schwulen ZU schwul, das Kind ZU Kind, die Großmutter ZU konservativ, die Schwarze ZU schwarz. Die Klischees zu viel.

Mal abwarten, wie und ob sich das einpendelt. Aber bisher gefällt’s mir erstaunlich gut.

→ »The New Normal« bei TVRage und bei der Wikipedia
Trailer

CyberChimps