Lucky 7

Lucky 7Da passt man kurz nicht auf und, zack, ist’s passiert. Herrje.
Die sieben Mitarbeiter einer Tankstelle im New Yorker Queens kaufen seit Jahren jede Woche ein Ticket für die Lotterie. Diese Woche, endlich, haben sie Glück und gewinnen den Jackpot.
Mit dem Geld kommen die Veränderungen: Keine krummen Geschäfte mehr, um über die Runden zu kommen. Keine langweiligen Überstunden in der Werkstatt. Kein Wohnen bei den Eltern, weil das Geld für die Miete von eigenen vier Wänden nicht reicht.
Aber als der Anwalt von der Lotterie-Gesellschaft in die Tankstelle eintritt, beginnen auch die ersten Probleme. Geld versaut, lernen wir gemeinsam mit den glücklichen Sieben ziemlich schnell…

Herzlichen Glückwunsch, »Lucky 7«, du bist die erste Absetzung dieser Saison. Vor »Dads«!
Das hat die Serie nicht verdient.
Und deswegen, post mortem, der Vollständigkeit halber, hier meine kurze Meinung zu »Lucky 7«. In Vergangenheitsform. Für’s Logbuch. Ihr wisst schon.

»Lucky 7« fand ich ziemlich langweilig1.
Die Story pendelte zwischen schon gesehen, natüüürlich und ORLY?. Um das etwas auszuführen:

  • schon gesehen: Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich viele Aspekte der Show schon in anderen Serien oder Filmen aufgetischt bekommen habe. Vermutlich kommt das mit der Prämisse, die ich eigentlich toll finde, die aber vielleicht einfach nicht genug Tiefe für die zwölfunddreißigste Show hinterlässt?
  • natüüürlich: Damit meine ich die augenbrauenhochziehende Erwärtungsmäßigkeit der nächsten Szene. Natürlich trifft er die falsche Entscheidung. Natürlich geht der Raub schief. Natürlich… Ihr wisst schon. Drama. Aber platt.
  • ORLY?: Das sind die Parts, die eben dann doch aus dem 0815-Korsett ausbrechen. Dann aber völlig übertrieben sind. Das Ausziehen der Ehefrau. Die falschen Freunde in der geheimen Wahl. Sowas.

Ich bin nicht überrascht, dass »Lucky 7« abgesetzt wurde. Die Show hatte zu wenig Neues und auch zu wenig interessant Aufgewärmtes um mir zu gefallen.

Ein positiver Aspekt noch zum Schluss: Die Kameraarbeit. Mir gefielen die künstlerischen Zwischenszenen sehr. Die Slow-Motion-Aufnahmen, die der Serie ein bisschen Film-Schliff gaben. Um die tut’s mir tatsächlich etwas leid.

Wir lernen also, auch eine Steven-Spielberg-Assoziation (durch sein Amblin-Television-Produktionsstudio) und schöne Bilder mit ok-en Schauspielern können über ausgelutschte Prämisse und lahme Umsetzung nicht hinwegtrösten.
Vielleicht wäre das in Zukunft besser geworden — so ein Ensemble von mehr oder minder sieben Hauptdarstellern bietet schließlich großes Potenzial für Geschichten. Aber erfahren werden wir’s wohl nie.

→ »Lucky 7» in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 49, Tomatometer: 29%
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  1. Disclaimer: Ich habe nur die Pilotfolge gesehen. 

Under the Dome

Under the DomeChester’s Mill ist ein kleiner, verschlafener Ort an der Ostküste der vereinigten Staaten. Gerade als alle Bürger ihren tagtäglichen Beschäftigungen nachgehen (Leichen verbuddeln, Propangas bunkern und sowas) passiert etwas seltsames. Über der Stadt breitet sich eine Glocke aus. Ein Dom. Ein Kraftfeld isoliert sie vom Rest der Welt. Weder Schall noch Materie scheint die Barriere durchdringen zu können — einzig Licht1 durchstrahlt das elektrostatisch aufgeladene Feld.
Die Bewohner der Stadt sind erst ein wenig geschockt. Woher kommt der Dom? Bis wo geht er? Werden sie für etwas bestraft? Sind sie Teil eines geheimen Regierungsexperiments? Nord Korea?
Bald aber, als sich die Situation etabliert hat, tauchen wir ein in die einzelnen Charakteren, die scheinbar alle ihre mystischen Leichen im Keller begraben haben. Barbie zum Beispiel. Der (ja, der) war beim Militär, ist jetzt aber für zwielichtige Bosse unterwegs und eher per Zufall in der Stadt gelandet. Oder Julia — Reporterin der lokalen Zeitung, die versucht, Licht ins gläserne Domdunkel zu bringen, gerade ihren Mann vermisst und eigentlich auch die tonnenweise Lieferung von Propangas untersucht. Damit wiederum haben Sheriff, Stadtvorsteher und Pfarrer irgendwas Zwielichtiges zu tun.
Das war aber nur die Spitze des Dombergs; es gibt noch einen Haufen weiterer Charaktere, die ihre eigenen mystischen Dinge unter der Glocke treiben.

»Under the Dome« ist eine Serie nach dem gleichnamigen Buch von Stephen King. Produziert, u.a., von Steven King.
Große Namen.

Nachdem wir zu Beginn die verschiedenen zwielichtigen Nebenmysterien verschiedener Charaktere präsentiert bekommen, geht’s auch bald, ohne Umwege, los mit dem Dom. Der fällt wie ein toter Vogel vom Himmel. Und zerteilt dabei lässig Kühe, Häuser und was eben sonst noch so im Weg steht. Trucks zerschellen am Kraftfeld, Flugzeuge stoßen mit ihm zusammen.
Weiter dann, ganz so, wie man es sich vorstellt. Die Dorfgemeinschaft versucht, Das-Experiment-esk, mit der neuen Situation umzugehen. Herauszufinden, wer jetzt im Dorf in charge ist. Wie man mit dem eingeschlossenen Leben zu Rande kommt.
Um dem Ganzen noch etwas Tiefe zu geben, ist Chester’s Mill eben nicht nur irgendein unbedeutendes Örtchen, sondern vermutlich auf so etwas wie dem Mystery-Höllenschlund gebaut.

Hatte ich »Mystery« schon erwähnt?
»Under the Dome« untersucht in seinem Procedural-Element, also als Fall der Woche, irgendein spezielles Feature des Doms (Feuer, Krankheit, …), während episodenübergreifend die einzelnen kleinen und großen Geheimnisse der Bewohner entwickelt werden.

Das klappt ganz gut. Zusammenfassend gefällt mir »Under the Dome« ganz gut.
Die Charaktere sind, meistens, hinreichend vielseitig und durchaus auch mal interessant gezeichnet. Es gibt manche, die sind mehr Klischee-ig, manche, die sind etwas neuartiger. Und dann gibt’s manche, die sind jenseits von gut und böse (Junior, I’m looking at you). Nungut.
Die Schauspieler machen ihre Sache solide. Ich find’s gut, dass die Show sich nicht scheut, Charaktere umzubringen. Pluspunkt.
Die Fälle der Woche sind allesamt genau die, die man für so eine Show erwarten würde — und enden auch genauso, wie man es erwarten würde. Das ist manchmal etwas zu plump und tendiert zum negativen, aber, nungut, Augezusammenkneifen.
Tatsächlich sind die verschiedenen Mysterien mehr oder weniger fesselnd. Was hat’s mit dem Propangas auf sich? Was ist mit dem Kindern los? Warum kommen nur manche Frequenzbänder durch den Dom durch? Und, überhaupt: Der Dom!?

Natürlich gibt’s auch Dinge, die mich an »Under the Dome« stören (Junior, I’m looking at you!) und ich hoffe, dass die Auflösung am Ende nicht allzu bescheuert ist.
Die Auflösung, der Grund des Doms, ist anders als die Auflösung des Buchs, das hat Stephen King persönlich einem Blogpost versichert. Ich finde das gut, er scheint jetzt selbst nicht so überzeugt von seiner Idee damals zu sein.

»Under the Dome« wird weitergeschaut.
Eine schöne, sommerliche Mystery-Unterhaltung mit dem üblichen Confined-Space-Drama.2

→ »Under the Dome« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 72
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  1. Und Feuchtigkeit? 

  2. Mit den großen, assoziierten Namen im Hinterkopf aber dann doch etwas enttäuschend. Nungut. 

CyberChimps