The Tomorrow People

The Tomorrow PeopleStephen hat seine persönliche psionische Pubertät. Man kennt das ja: Der eigene Körper ändert sich und, zack, kann man sich wild durch die Welt teleportieren. Eine verwirrende Zeit. Auch für Stephen. Um so froher ist er, als er feststellt, dass er nicht alleine ist mit den fetzigen Fähigkeiten. Es gibt eine ganze Gruppe, die Tomorrow People, die probieren ihr Leben als nächste Menschen-Evolutionsstufe friedfertig zu leben. Unglücklicherweise lässt man sie nicht: Jedikiah hält die Genveränderungen der Morgenmenschen für schadhaft und möchte sie rückgängig machen. Natürlich zu ihrem eigenen Schutz und nicht aus irgendwelchen dunklen Nazimotiven. Nahein!

Alles wichtige hat Caro schon zu »The Tomorrow People« erzählt: Die Show ist nicht gut.
Aber ich sehe das etwas differenzierter als sie. Und, Spoiler, bei mir würde der Stoff vielleicht zu einem Guilty Pleasure reichen.

Superhelden-Geschichten sind ja der Shit in den letzten Jahren1. Verschiedene Batman- und Superman-Inkarnationen gab’s schon seit den 50ern und 60ern. Aber dann kam der Maguire-schen Spider-Man und kratzte an der 1-Milliarde-US-Dollar-Umsatzmarke. X-Men-Filme (teils auch schon vorher) folgten, DCs Zugpferd Batman wurde dunkler wiederbelebt und übersprang mit seinem zweiten Teil 2008 als erste Comic-Verfilmung obige milliardärische Marke, Superman erhielt ebenfalls verschiedene Wiederbelebungsversuche. Mit Green Lantern, Watchmen, Constantine; Iron Man, Hulk, Captain America wurde ein Haufen vorher TV-medial nicht vertretener Superhelden in Kinogeschichte gegossen — und diese sechs sind nur wenige der 70 Superheldenstreifen seit 2000.2 Vorläufiges Highlight: Der Marvel-Meta-Helden-Film »The Avengers«, der letztes Jahr mal locker 1,5 Mrd. US-Dollar einspielte.
The CW hatte von Beginn der Superheldenära ein Bein in der Tür. 2001 starteten mit »Smallville« die Soap-Geschichte der wilden Jugendjahre Supermans. Im Vergleich zu den Heldenshows anderer Networks ziemlich solide und erfolgreich — zumindest die ersten acht Staffeln.
Seit letztem Jahr läuft eine neue DC-Superhelden-Serie auf The CW: »Arrow«. Eine meiner momentanen Lieblingsserien.
Einer der Erfinder von Arrow, Greg Berlanti, hat dann dieses Jahr eben »The Tomorrow People« auf The CW untergebracht. Die Serie beruht, im Gegensatz zu »Smallville« oder »Arrow«, nicht auf Comic-Büchern, sondern auf einer britischen Serie aus den Siebzigern.

Soweit zum Background. Warum ihr das jetzt wissen musstest? Und warum das wichtig ist für meine Thetomorrowpeopledifferenziertheit?

Weil »The Tomorrow People« ein furchtbar gradliniges, allumfassendes Superheldenstück ist. Die Show wirkt wie ein taktisch platziertes Filmmanöver, bei dem eine Klasse eifriger Studenten die oben genannten 70 Superheldenfilme analysiert und in Matrizen eingeteilt, die vorherrschenden 20 Motive daraufhin sorgfältig ausgewählt und dann mit einer beliebigen Geschichte umhüllt hat. Jede Facette der Geschichte ist hochgradig kalkuliert eingesetzt worden. »The Tomorrow People« ist ein Superhelden-Best-Of.

Ein paar Beispiele, in Klammern ein paar — nicht alle — Stichworte und Motive.

  • Unsere Welt ist nicht so wie sie scheint. Im Unter- und Hintergrund versteckt sich hinter den kulissenhaften Fassaden von dem, was man gemeinhin als Alltag bezeichnet, eine eigene Welt, die furchtbar wichtig und dramatisch ist. (Abenteuer; Kreis der Wissenden; Verschwörung)
  • Die Tomorrow People sind eine ausgewählte, vielleicht etwas elitäre Gruppe von besonderen Menschen. Eigentlich möchten sie nur demütig ihr Ding machen, pazifistisch keiner Fliege etwas zu Leide tun und nur für Weltfrieden und Selbstschutz durch die Gegend teleportieren. (Subkultur & -gesellschaft; Jeder ist besonders; Tomorrow People = die Guten)
  • Wäre da nicht der Bösewicht. Aus Motiven, die selbst ein Vorschulkind als böse identifizieren würde, möchte er die armen, pazifistischen Tomorrow People ausrotten. Der Nazi-Vergleich oben war kein Witz: Aus Jedikiahs Sicht ist die superheldige Genveränderung der Tomorrow People nicht positiv oder neutral, nein, es ist der Untergang der Menschenrasse3. Und gehört gestoppt. (Jedikiah & Co = die Bösen; Sowas von die Bösen; Historisches Analogon)
    Was es noch schlimmer macht: Unsere4 Tomorrow People konnten sich nicht aussuchen, dass sie besonders sind. Sie sind es einfach (Schicksal). Und trotzdem jagt Jedikiah sie erbarmungslos. (Identifizierung; Hilflosigkeit)
    Natürlich scheint Jedikiah dafür Unmengen Ressourcen und Geld zu haben, bedient sich moderner / Zukunfts-Medizin (Jemand hat »Gen« gesagt!), ist immer fesch frisiert, bis oben hin zugeknöpft und trägt schwarz. (Technologiefeindlichkeit; Vorurteile; Bösewicht-Metaphern (Farbe, Abgeklärtheit))
  • Auch wenn wir prinzipiell auf der Seite der Tomorrow People stehen, genauer identifizieren wir uns mit dem Helden der Geschichte: Stephen. Aus dessen Sicht wird die Geschichte erzählt. Wir erleben nicht nur, wie Stephen sich vom Normalo zum Supermenschen mausert, wir bekommen auch Stück für Stück raus, dass Stephen besonders — der Auserwählte — ist. Auch hier: Stephen kann nichts für seine Neo-igkeit5. Das passiert einfach so. Aber gleichzeitig verweigert er sich auch nicht vor seinem Schicksal, er nimmt es an und macht das beste daraus. Gemeinsam mit Stephen sind wir etwas besonders. (Personifizierung/Identifizierung; Der Auserwählte)
  • Es seien noch erwähnt: Stephen, der sich unter den Tomorrow People beweisen muss; das sich anbahnende Liebesdreieck; der Hardlinder unter den Tomorrow People; der Twist, bei dem Stephen seine familiäre Verbindung zu Jedikiah untersucht und undercover ins Nest der Bösen einsteigt.

Die Liste ist hochgradig unvollständig. Ihr könnt Szenen-weise durch »The Tomorrow People« gehen und in jeder Einstellung ein Motiv aus einem Filmlehrbuch finden.

Man könnte denken: Wenn das alles so durchgeplant ist, dann ist die Show vermutlich auch gut?

Nein! Denn was die Macher bei ihrer ganzen Kalküligkeit vergessen haben: Die ganzen Elemente und Motive kennen wir schon. Allein 70 Superheldenfilme! Und der Gut-vs.-Böse-Kampf ist ja nicht ausschließlich darauf beschränkt.
Leider ist »The Tomorrow People« zu offensichtlich. Zu zaunpfahlwinkig.
Dazu kommt noch: Auch zu gradlinig. Es fehlen die Kanten, die Alleinstellungsmerkmale, die Besonderheiten. The-CW-hübsche Darsteller und Darstellerinnen, knackige Bilder und Lehrbuch-inszenierte, aber mittelmäßige Stories reichen nicht mehr.

Mir zumindest nicht.

(Das Gros der Zuschauerschaft scheint das anders zu sehen: Von »The Tomorrow People« wurde eine komplette 22-Episoden-Staffel geordert.)

TL;DR: »The Tomorrow People« hat alles, was eine moderne Superheldengeschichte haben sollte. Ist dabei aber leider viel zu glatt, zu durchinszeniert und zusätzlich noch langweilig.

→ »The Tomorrow People« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 50, Tomatometer: 45%
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  1. In den letzten dreizehn Jahren, um das mal beliebig einzugrenzen. 

  2. Wer mag kann aus dieser Wikipedia-Liste gerne mal das erfolgreichste Jahr ausrechnen. 

  3. Entschuldigt das Vokabular. 

  4. Nur, damit klar wird, auf welcher Seite wir in der Geschichte stehen. 

  5. Dies ist eine »The Matrix«-Anspielung. Just to be perfectly clear. 

Newshows Check-up #5

Newshows Check-up
Eine neue Folge Podcasterei deluxe ist da. Wir sprachen dieses Mal unter anderem über die Schizophrenie von „Homeland“1, unser Vertrauen in „The Good Wife“2 und lachten uns gemeinsam über die neue Comedy-Serie „Brooklyn Nine-Nine“ schlapp.

Unterm Video findet ihr wie gewohnt Zeitmarken der einzelnen Serien samt Links zu den Reviews. Die Audio-Version gibt’s in Mp3 (auch, wie immer, am Ende des Beitrags) und natürlich im Podcast-Feed.

Viel Vergnügen!

This week on Newshows Check-up:

Und sonst so? Wie war’s? Mal von der grausamen, artefaktverseuchten Übertragungsqualität auf Caros Seite abgesehen4? Wovon wollt ihr mehr, worauf könnt ihr verzichten? Und warum sah das eigentlich so komisch aus dieses Mal5?


  1. Ein Stilmittel? 

  2. Inklusive einer spannenden Theorie von Andi. 

  3. /deutsche! Das ZDF hat mitproduziert. 

  4. Sorry dafür. 

  5. Ernsthaft: Hat jemand eine Ahnung, was Google+ da gemacht hat? 

The Tomorrow People

tomorrowpeople
„That sounds awful“, sagt Stephen zu den Tomorrow People, nachdem sie dem Newcomer von ihren Superkräften (die drei Ts! Telepathie, Telekinese, Teleportation) und denen, die sie jagen, erzählt haben. Ach, hätte das mal jemand den Machern dieser CW-Serie gesagt…

Die hübschen „Teenies“1, die in einem „runtergekommenen“ Lager irgendwo in ’nem alten Bahntunnel leben2, suchen quasi ihren Messias. Der angeblich tot ist, aber – siehe da – Stephens Vater ist/war, weswegen Stephen, der gerade erst seine Kräfte entdeckt, sich unbedingt ihrem kleinen Club anschließen soll. Und im Hintergrund geht es noch – da tritt dann der vermeintlich böse Genetiker-Onkel auf den Plan – um den Kampf zwischen Mensch und dieser neuen Superspezies.

Nachdem die Tomorrow People („Den Namen haben wir uns nicht ausgedacht!“ Nee, ist klar) gefühlt die erste halbe Stunde damit verbracht haben, in einem Monolog nach dem anderen ihre Superkräfte und Superprobleme zu erklären3 und Stephen das Alles „awful“ nennen darf, habe ich schon gar nicht mehr wirklich hingeguckt.

Die Story an sich ist nicht schlecht, aber sie ist grauenhaft umgesetzt, die Charaktere werden stümperhaft eingeführt, die Teleportationseffekte wirken wie aus dem Film „Jumper“ geklaut – und der war schlecht. Warum macht Mark Pellegrino („Lost“) bei so was mit? Oder Sarah Clarke („24“)? Selbst von Peyton List („Mad Men“) ist man inzwischen Besseres gewohnt. Nicht mal Guilty-Pleasure-Potential sehe ich hier. Next!

→ „The Tomorrow People“ in der Wikipedia und bei TVRage
→ Trailer
→ Metacritic-Score: 49, Tomatometer: 43%


  1. gespielt von typischen CW-Gesichtern Ende 20 

  2. wo alles total fancy aussieht, aber sie trotzdem behaupten, wie Ratten zu leben. Is‘ klar! 

  3. Wenn ihr so lange erklären müsst, dann stimmt was mit euren Skripten nicht, kapiert das doch endlich! 

CyberChimps