Terra Nova

Terra NovaSo, here it is: Jurassic Park im Fernsehen. Das jedenfalls war das mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Nummer-1-Vorurteil im Vorfeld der Premiere von „Terra Nova“. Weil die industralisierte Gesellschaft die Erde ruiniert hat, wird eine neue Zivilisation aufgebaut. Denn wie es der Zufall so will, haben Wissenschaftler ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum oder so ähnlich entdeckt, das den Weg zurück in die Zeit der Dinos ebnet. Und so präsentiert uns die neue Serie, bei der – oh, Wunder – Steven Spielberg als ausführender Produzent seine Finger im Spiel hat, erst eine düstere Vision der Zukunft im Jahre 2149, in der Shannon-Familienoberhaupt Jim (Jason O’Mara) aus dem Gefängnis ausbricht, um seiner Familie in die neue Welt Terra Nova zu folgen. Warum er überhaupt im Gefängnis war? Weil in 140 Jahren eine Familie aus vier Mitgliedern besteht, die Shannons aber ein drittes Kind bekommen haben, erwischt wurden und er dann auch noch Widerstand leistete.

Nachdem die Flucht aus der beängstigenden Welt der Zukunft dann gelungen ist, müssen sich die Figuren an eine neue Welt samt Sonne, sauberer Luft und frischem Obst gewöhnen. Und auch für den Zuschauer ist nach dem ziemlich krassen Bruch die Dino-Welt erst einmal eine Umgewöhnung. In Terra Nova, einer Enklave, wo die Zivilisation von Neuem aufgebaut werden soll, beginnt Ehefrau Elizabeth (Shelley Conn) ihren Dienst als Ärztin, während die Kids harmlose Pflanzenfresser und Einheimische kennenlernen. Und so geht es nach der Reise in die Vergangenheit gleich noch zwei Mal rund: einmal, als Jim trotz seiner Gesetzesuntreue zum Security-Mitarbeiter von Commander Taylor ernannt wird und gleich die ersten bösen Jungs von außerhalb Terra Nova, sogenannte Sixers, jagt. Und dann wieder, als Sohnemann Josh (Landon Liboiron), ganz der aufmüpfige Teenager, mit neuen Freunden das Reservat verlässt und gleich von der weniger harmlosen Sorte Dinosaurier angegriffen wird.

Am Ende ist natürlich in bester Spielberg-Manier wieder alles eitel Sonnenschein, obwohl draußen weiter die Gefahren lauern, und „Terra Nova“ hat neben solider Action vor allem ein paar Mysterien aufgebaut: Wer hat die abtrünnigen Sixers in die Vergangenheit geschickt? Was hat es mit den geometrischen Formeln und Zeichnungen auf sich, die Josh und die anderen bei den Wasserfällen finden? Was hat Taylors Sohn damit zu tun? Was meint Mira, als sie davon spricht, dass Terra Nova vor allem dazu da sein, die Zukunft zu kontrollieren? Und vor allem: Sind die Sixers wirklich die Bösen in diesem Szenario oder hat nicht auch der Commander offensichtlich Dreck am Stecken?

Eine Menge Stoff also, um eine gute erste Staffel zu produzieren. Der Zweiteiler zum Auftakt jedenfalls hat mich durchgehend gefesselt. Ich bin sehr gespannt, ob die Serie mehr sein kann als bloß eine aufwendig und teuer gedrehte Parabel dafür, wie wir unseren Planeten zerstören – und es wohl bei einer zweiten Chance wieder tun würden.

Nur ein paar Sachen stören dann doch erheblich: Die CGI-Effekte sind zum Teil unterirdisch, etwa in der Szene, als Commander Taylor und Jim Shannon zusammen vor den Bergen stehen. Außerdem sind mal wieder nur die USA an der Rettung der Welt beteiligt; dass mit Shelley Conn („Mistresses“) zumindest mal eine Britin beteiligt ist, hilft der Sache auch nicht. Die Shannons funktionieren als Familie noch nicht 100-prozentig, aber das kann noch werden. Dann noch ein bisschen weniger Pathos bei der Musik und dafür etwas mehr Leidenschaft und Blut, um die rohe archaische Zeit auch richtig zum Leben zu erwecken – et voilà.

Trailer

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