The Americans

the-americans-keri-russell-matthew-rhys

Amerika in den Achtzigern: Elizabeth und Phillip Jennings sind seit rund 20 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder, ein solides Leben vor den Toren von Washington D.C. – und eine Geisel im Kofferraum. FX‘ »The Americans« verliert keine Zeit, uns zu Beginn der Pilotepisode die beiden KGB-Spione in Aktion zu zeigen, wie sie sich Informationen über einen sowjetischen Überläufer beschaffen und ihn im Auftrag ihres Vaterlandes kidnappen.

Zwischen der Exposition und dem Moment, in dem der Kofferraum dann wieder leer ist, erfahren wir in Rückblenden, wie die »Jennings« in die Vereinigten Staaten entsandt wurden, während in der Gegenwart der Serie ein frisch gewählter Ronald Reagan sowjetischen Spionen auf amerikanischem Boden den Krieg erklärt. »The Americans« erzählt vor diesem historischem Hintergrund vor allem die Geschichte eines unkonventionellen Paares und seiner Familie.

Aber das ist noch nicht alles: Nebenan ist – zufällig, wie es scheint – einer der obersten Jäger von KGB-Agenten eingezogen, zum Mann im Kofferraum gibt es eine persönliche Verbindung, die Kinder werden erwachsen, Phillip denkt laut darüber nach, sich den USA zu ergeben, und das offenbar nicht zum ersten Mal. »The Americans« hat eine Vielschichtigkeit und komplexe Charaktere, die auf jeden Fall neugierig machen. Im einen Moment, wenn Phillip von den Vorzügen der Vereinigten Staaten spricht, fürchte ich, die Serie könnte auch nur ein weiteres Beispiel für unerträglichen amerikanischen Patriotismus werden. Anderswo jedoch las ich, dass für Serien-Schöpfer Joseph Weisberg – übrigens ein früherer CIA-Agent – die Sowjetunion der Held der Geschichte ist, was wiederum in einigen Dialogen zu finden ist. Dieses Hin und Her, die unklaren Allianzen, sind auf jeden Fall eine Stärke der Pilotepisode.

Die anderen heißen Keri Russell (»Felicity«) und Matthew Rhys, die schon sehr schön die Zerrissenheit des KGB-Ehepaars darstellen, wobei hier definitiv noch mehr geht. Vor allem Rhys macht eine gute Figur in seiner ersten Hauptrolle nach fünf Jahren bravem Walker-Bruder in »Brothers and Sisters«, ich hätte es ihm nicht zugetraut.

Zwei Dinge, die mir hingegen gar nicht gefallen haben: Gefühlt zu viele Rückblenden haben den Piloten ein bisschen zerstückelt, auch wenn klar ist, dass sie wichtig waren und wohl bleiben werden. Aber Rückblenden in die Sechziger bedeuten eben auch, beide Augen zukneifen zu müssen, wenn Russell und Rhys nur minimal gestrafft 20-jährige Versionen ihrer Selbst spielen.

Das ändert aber beides nichts daran, dass mir der Auftakt von »The Americans« sehr gut gefallen hat: Ordentliche Balance zwischen Tempo und quasi angespannter Ruhe, ein recht glaubwürdiges politisches Setting und gerade genug, nicht zu viel Achtziger-Flair. Mit den Richtungsandeutungen am Ende der Episode kann ich gut leben. Fazit: weiterschauen!

→ »The Americans« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 77

CyberChimps