The Bridge

The BridgeAuf einer Brücke zwischen El Paso (Texas) und Juárez (Mexiko) liegt eine Leiche. Mitten auf der Grenze; mitten auf der Linie, die die zwei Länder trennt. Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus: Die Leiche ist zweigeteilt. Oberkörper und Unterkörper passen nicht zusammen, sondern sind von zwei unterschiedlichen Personen.
Sonya Cross (El Paso PD) und Marco Ruiz (Chihuahua-State-Kommissar) sind für die Ermittlungen zuständig. Nach anfänglicher Revierverteidigung ermitteln sie erst weniger, dann immer mehr zusammen. Eine Hälfte des Körpers gehört einer amerikanischen Richterin, die andere Hälfte einer Leiche, die man vor Monaten mit 22 anderen toten Körpern in einem mexikanischen Haus gefunden hatte.
Während Cross und Ruiz den Spuren nachgehen, stellt sich heraus, dass der Mörder auf die ungleich verteilte Kriminalität zwischen Mexiko und den USA aufmerksam machen möchte. Wenige Mordfälle nördlich der Grenze, Tausende südlich. Er scheint dabei nicht vor extremen Methoden zurückzuschrecken.
Während all dem nehmen wir auch noch an zwei weiteren Geschichten teil: Ein zwielichtiger, fieser Steven Linder, der mexikanische Mädchen entführen und umzubringen scheint. Und Charlotte Millwright, deren Mann soeben gestorben ist und die sich nun mit dessen grenzübergreifenden Geschäften herumschlagen muss.

»The Bridge« ist das US-Remake der Dänisch-schwedischen Serie »Bron« (bei der auch das ZDF mitproduziert hat), in der es um eine Leiche auf der Øresund-Brücke zwischen Dänemark und Schweden geht. Ohne das Original gesehen zu haben, passt das Leiche-auf-Grenzlinie-Setting ganz hervorragend auf den nordamerikanischen Kontinent. Prostitution, Drogen, Kartelle, Kriminalität, Armut, Chancenlosigkeit – alles Probleme, die es in nur wenigen Kilometer Entfernung der Grenze gibt, oder eben nicht. Und ein Serienmörder, der mit brutalen Methoden darauf aufmerksam macht.
Eigentlich passt die Geschichte des Brückenmords da doch wie die Faust auf’s Auge, oder?

Eine Hauptrolle, die des mexikanischen Ermittlers, spielt in »The Brdige« der mexikanische Schauspieler Demián Bichir. Und das tut er ganz hervorragend. Man kauft ihm die Persönlichkeit, die Wärme, mit der er, im Gegensatz zu seiner amerikanischen Kollegin, ermittelt vollständig ab. Good Cop.
Die El-Paso-Kommissarin wird gespielt von Diane Kruger, deren Sonya Cross am Asperger-Syndrom leidet. Das merkt man nicht nur während der Ermittlungen (sie hält sich starr an Vorschriften, ist kaum Team-geeignet, ermittelt locker Nächte durch) sondern auch im Privaten (generelle Seltsamkeit, offensive Direktheit (»Sex?«)). Der Charakter ist zuerst relativ seltsam, aber man steigt mit den Folgen langsam dahinter und wird warm mit ihr. Comic-Relief-Momente sind natürlich vorprogrammiert.

Die Geschichte um »The Bridge« ist spannend und hat vermutlich mehr Realitätsbezug als ich mir vorstellen mag. Der Serienmörder weiß zu überraschen. Auch die Seitengeschichten sind gut erzählt.1

»The Bridge« gefällt mir gut. Die Story ist dunkel und ernst (das merkt man auch an der Filmtechnik und an den Tönungen der Bilder), trotzdem spannend und unterhaltsam. Die Darsteller sind hervorragend.
Gucken!

→ »The Bridge« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 77


  1. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Steven Linder tatsächlich die Frau umgebracht hat. 

CyberChimps