The Firm

The FirmWer John Grishams Bestseller „Die Firma“ oder den darauf basierenden Film aus den Neunzigern kennt, dürfte sich wie ich gefragt haben, warum NBC den Stoff als Serie adaptieren muss – aber vor allem wie man das ordentlich hinbekommen will. Eine schnöde Neuauflage derselben Geschichte hätte sich mit einem Oscar-nominierten Kinoerfolg messen lassen müssen. Stattdessen jedoch, und das ist erst einmal sehr vielversprechend, hat das US-Network auf Grundlage von Grishams packendem Rechts-Thriller eine Serie geschaffen, die zehn Jahre nach den Ereignissen aus dem Original ansetzt und halb Law-Procedural, halb Thriller ist.

So jedenfalls verspricht es die Doppelfolge zum Auftakt von „The Firm“, die uns einen Mann auf der Flucht zeigt. Im Anzug, einen Koffer umklammernd. Erst wird er gejagt, verabredet dann mit einer Frau die Ausführung eines Notfallplanes, um anschließend einen anderen Mann mit seiner hastig geäußerten Verschwörungstheorie in den Selbstmord zu treiben. „It’s happening again“, konstatiert die verzweifelte Hauptfigur zwischendrin kurz und rennt weiter.

Nach diesem rasanten und vielversprechenden Auftakt beeilt sich die Serie, die Vorgeschichte dieser Szene sechs Wochen in der Zukunft zu erzählen: Mitch McDeere (gespielt von Josh Lucas), und seine Frau Abby (Molly Parker) haben nach dem Tod des Mafiosi-Bosses, den sie einst ins Gefängnis brachten, das Zeugenschutzprogramm verlassen und gerade mit ihrer zehnjährigen Tochter ein neues Leben angefangen.  Mitch, nach schlechten Erfahrungen als Angestellter einer Firma, hat sich selbständig gemacht, seinen Bruder Ray (Callum Keith Rennie) und Flamme Tammy (Juliette Lewis) an seiner Seite. Sie alle waren jahrelang auf der Flucht und hoffen auf einen Neuanfang, den jedoch der Sohn des rachsüchtigen Gangsterbosses vermiesen könnte, vermutet zumindest Mitchs FBI-Kontakt. Soweit zur Ausgangssituation.

Auch wer „Die Firma“ nie gesehen/gelesen hat oder sich (wie ich) nicht mehr so wirklich erinnert, findet irgendwann schon einen Zugang zur neuen Serie, da die Backstory so komplex dann doch nicht ist. Guter Anwalt, böse Firma, Verschwörung – fertig. Die Hauptfigur wird trotz einiger dunkler Flecken als Moralapostel mit der weißen Weste präsentiert, als Familienmensch, als gewiefter Kerl. Dass Mitch auch in der Serie wieder in einen Komplott stolpert, wirkt ein wenig redundant, aber lassen wir die Macher mal erzählen, worauf sie hinauswollen.

Leider kommt der übergreifende Plot, den man erwarten würde, von der Anfangssequenz und einigen Zwischenteilen abgesehen sehr kurz. In den ersten Episoden präsentiert sich „The Firm“ erst einmal als recht durchschnittliches Law-Procedural und wenig mehr. Anwalt Mitch jongliert mehrere Fälle – von einem 14-Jährigen, der des Mordes angeklagt werden soll, bis zu einer potentiellen Millionenklage gegen einen Arzneikonzern. Es ist absehbar, dass es weiter so laufen wird: Im Vordergrund der Fall der Woche, dahinter die Verschwörung, die Mitch in die Zwickmühle treiben wird, die wir zu Beginn der Serie sehen. Nur eine Szene am Ende der Doppelfolge deutet an, dass in Zukunft alles mehr verwoben werden könnte als gedacht.

Mir ist das zu wenig.

Der Cast ist okay, aber abgesehen von der wunderbar verschrobenen Juliette Lewis haben die Schauspieler mich nicht unbedingt mitreißen können. Es braucht nicht noch ein Procedural, vor allem nicht wenn die Verteidigung der Woche so intensiv ist und in den Vorderund gedrängt wird, während das eigentlich Spannende doch hinter den Kulissen stattfindet. Es bleibt zu hoffen, dass sich „The Firm“ weiterentwickelt, je mehr der Vorhang gelüftet wird und je mehr Mitch merkt, in was er da geraten ist. Denn rein von der Machart – sehr film-artige Aufnahmen vor allem bei den schnelleren Szenen, zum Teil ungewöhnliche Kameraeinstellungen – hat die Serie durchaus ihren Reiz.

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