The Knick

The KnickNew York. Beginn des zwanzigsten Jahrhundert.
Pferdekutschen rattern über matschige Kopfsteinpflaster, bunte Kopfbedeckungen lenken vom tristen Industrienebel der Stadt ab.
Wir befinden uns im Knickerbocker Hospital, kurz: The Knick, in dem Dr. Christiansen (Leiter der Chirurgie) und Dr. Thackery (sein Vertreter) gerade eine komplizierte Operation an einer Schwangeren durchführen. Umgeben von Hilfsärzten, Krankenschwestern – und einer großen Anzahl Zuschauer in den Rängen, die den Operationsbereich umgeben. Der Eingriff läuft schief und Kind und Mutter sterben beide. Wir befinden uns am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts – sowas passiert zu dieser Zeit noch häufig. Trotzdem begeht Dr. Christiansen Selbstmord nach dem Unglück.
Dr. Thackery ist nun an der Spitze der Chirurgie und darf sich um das Fortführen des exzellenten Rufs des Krankenhauses kümmern. Erste Amtshandlung: Einen neuen Vertreter finden. Die Geldgeber des Hospitals haben da jemanden im Auge. Thackery hat damit allerdings zwei Probleme. Erstens ist es nicht sein langjähriger Kollege, den er im Auge hatte, zweitens ist Gallinger schwarz. Und da kann dessen Ausbildung in Europa noch so hervorragend sein…

»The Knick« ist eine Krankenhausserie der anderen Art – wie ihr der obigen Beschreibung entnehmen könnt. Einhundert Jahre in die Vergangenheit reisen und Prioritäten sind durcheinander gewürfel. Niemand findet im MRT Aneurysmen, weil das Rattengift, was Cameron beim Einbruch im Küchenschrank gefunden hatte, unglücklich mit einem Gendefekt interferiert. Niemand braucht die Einwilligung der verlorenen Amish-Eltern, um den lebensrettenden Eingriff durchführen zu müssen. Niemand hat gehört, dass Burke jetzt mit Dr. Yang schläft. Niemand nimmt ausgestopfte Hunde mit in den Nachtdienst.
»The Knick« geht um unorganisiertes Krankensystem, bei dem die Krankentransporter mit Baseball-Schläger um ihre Kunden buhlen. Um Aufkommen der Elektrizität und Evolution medizinischer Geräte. Um krude, Rückschlag-behaftete Gesundheitsforschung von dem, was wir für selbstverständlich halten. Um Genies, um Querdenker. Um Rassismus, um Gewalt, um Drogen.

Die Show ist Steven Soderberghs Debut einer TV-Serie. Er co-produziert, sitzt im Regiestuhl aller Episoden und ist auch für die Kameraarbeit verantwortlich. Letzteres ist bemerkenswert: Die Kamera ist in keiner einzigen Szene1 statisch. Sie ist immer in der Hand gehalten und wackelt ein bisschen. Das gibt, neben dem körnigen, untersättigtem, blassen Look der Bilder, eine tolle Authentizität der abgebildeten Zeit.
Dr. Thackery, der drogensüchtige2 Chefarzt, wird von Clive Owen gespielt. Das macht er ebenfalls ganz hervorragend und zeitgemäß arschlochig.3

»The Knick« ist das Dr. House der vorletzten Jahrhundertwende. Toll inszeniert, dunkel gespielt. Und spannend.
Anschauen.

→ »The Nick« in der Wikipedia und bei TVRage
→ Tomatometer: 87 %, Metacritic-Score: 75
Trailer


  1. Habt ihr eine gefunden? Ich nicht. 

  2. Kein Vicodin, simples Kokain. 

  3. Der Bart! 

CyberChimps