The New Normal


Goldie (jap, tatsächlich) hat die Schnauze voll von ihrem eingeengtem Leben im mittwestlichen Ohio. Ihr Job ist kacke, ihre Großmutter ist der Prototyp einer Konservativen, ihr Mann schläft mit anderen Frauen.
Auch wenn sie sich den Tapetenwechsel eigentlich nicht leisten kann, fährt Goldie samt Tochter an die Westküste nach Los Angeles. Da, wo die Welt etwas aufgeschlossener für Veränderung ist. Und vielleicht ja auch für einen Neuanfang?
In LA trifft sie das schwule Pärchen David und Bryan, das zur Komplettierung ihres Lebens unbedingt noch ein knuffiges Baby braucht. Es kommt, wie es kommen muss und Goldie wird Leihmutter der beiden. Und schon ist sie mitten im Leben der beiden modernen Männer. Ihre Großmutter auch.

»The New Normal« ist voller Klischees. Allen zuerst gegenüber Schwulen (und Lesben). Aber auch gegenüber Schwarzen, nerdigen Kindern. Und natürlich gegenüber Konservativen – und vermutlich noch vielen mehr. Hoch überspitzt wird all das aufgerollt, was als neue Normale gilt – und wie das alte Normale damit umgeht.
Serienschöpfer Ryan Murphy (»Glee«, »American Horror Story«) macht das, was er auch in »Glee« hervorragend hinkriegt. Er bringt Eigenheiten von Personen und -gruppen zu Tage und diskutiert sie filmisch mit einer großen Portion Comic Relief aus. Natürlich ist der Fokus von »The New Normal« vorwiegend darauf gerichtet, wie sich die Welt ändert und die rückgerichtete alte Generation damit nicht klar kommt. Aber während die Bescheuertheit dieser engstirnigen Gruppe ausgebreitet wird, stoppt das Autorenteam auch nicht davor, die Eigenarten und mitunter Bescheuertheiten der moderneren Gruppen zu entlarven. Manchmal passiert das auf ironischer Ebene, manchmal auch offensiv.

Und gerade Letzteres finde ich spannend. Natürlich ist »The New Normal« zu aller erst natürlich ein Plädoyer für die Normalität alles Neuen. Aber währenddessen wird eben auch dieses Neue augenzwinkernd analysiert.

Neben all dieser Gesellschaftskritik handelt »The New Normal« natürlich auch von Emanzipation, von Modernisierung, von Schwangerschaft, von unterschiedlichen Lebensstilen.
Gut gespielt, gut inszeniert – diese Kamera-direkt-adressierende Personeninterviewszenen sind super.
Nur manchmal nervt’s dann leider doch. Die Schwulen ZU schwul, das Kind ZU Kind, die Großmutter ZU konservativ, die Schwarze ZU schwarz. Die Klischees zu viel.

Mal abwarten, wie und ob sich das einpendelt. Aber bisher gefällt’s mir erstaunlich gut.

→ »The New Normal« bei TVRage und bei der Wikipedia
Trailer

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