The Newsroom

The NewsroomWill McAvoy ist eigentlich ein erfolgreicher Nachrichtensprecher. Seine Show: »News Night«. Er ist so erfolgreich, weil er seit Jahren keine eindeutige Position bezieht. Er versteht sich mit allen Lagern.
Nachdem er einen kleinen Zusammenbruch auf einer Podiumsdiskussion hat, ändert sich das aber. Von nun an möchte er Nachrichten mit Standpunkt machen. Und zu alten Qualitätsstärken vor seiner Popularität zurückfinden.
Erstmal muss er sich aber mit einem neuen Produktionsteam zurecht finden – das alte ist fast geschlossen zu einer anderen Show des Senders gegangen. Sein neues Produktionsteam: Peabody-Preis-gewinnende Ex-Bekannte und zu junge Senior Producers.
Trotz aller anfänglichen Un- und Halbprofessionalität schaffen sie es, ihre erste Show zu produzieren – und haben den richtigen Riecher, den kleinen Unfall auf einer Ölbohrplattform zum Top-Thema zu machen. Immerhin handelt es sich um die Deep Water Horizon, und wir alle wissen, wie das ausgegangen ist.

Nachdem er mit »The Social Network« (und auch mit »Moneyball«) ordentlich auf dem Kinoparkett abgeräumt hat, kommt Aaron Sorkin mit »The Newsroom« zurück zum Fernsehen. Seine zweite Show über eine Show (die erste war »Studio 60 On The Sunset Strip« – davor übrigens »The West Wing«). Yay, Meta! Dieses Mal geht’s nicht um eine Late-Night-Sketch-Show, sondern um eine Nachrichtensendung, die das verskandalisierende News-TV-Geschäft aufmischen will.

Das ganze ist gefilmt, irgendwo zwischen Wackelkamera-Dokustil (zu nah aufgenommene Gesichter, unspezifische Shots in den großen Raum hinein) und regulärer Filmtechnik. Zusammen mit den wahren Nachrichtenbegebenheiten, über die berichtet wird, soll Authentizität generiert werden. Und das klappt auch! Das ist ganz schön spannend, dabei geht’s nur um Nachrichtenfernsehen!

Passend zu dieser Spannung um den Alltag ist der unverkennbare Aaron-Sorkin-Stil: Schnelle, schnell geschnittene, pointierte und (zumindest oberflächlich) tiefgründige Dialoge, die durchaus mal so lange gehen, dass man gar nicht weiß, wie sie einmal angefangen haben. Aber das ist ok. Kritiker werfen Sorkin vor, dass seine Dialoge nur vorgeben, zwei (oder mehr) Positionen gegeneinander auszudiskutieren und eigentlich nur eindimensional sind und uns seine Meinung aufzwingen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Könnte aber auch daran liegen, dass ich meist die präsentierten Lösungen der Dialoge für die richtige halte (also vermutlich mit Sorkin einer Meinung bin).

Halten wir also fest: Geschrieben ist »The Newsroom« großartig. Nicht umsonst gehört Aaron Sorkin zu einem der wenigen, die man aus seiner Zunft kennt.
Die Schauspieler der Show machen ihre Sache auch ganz wunderbar. Besonders Jeff Daniels (Will McAvoy – gibt seiner Figur ganz toll diese Zwiespältigkeit), Emily Mortimer (MacKenzie) und John Gallagher, Jr. (Jim).

Etwas nervt mich, wenn »The Newsroom« zu sehr ins Soapige abrutscht. Wenn A endlich den Schritt auf B zugeht, nur im letzten Moment wiedermal von C aufgehalten zu werden. Mal ist das eine ganz nette Auflockerung von der politisiert-ernsten Grundstimmung der Sendung. Aber allzu häufig ist das dann doch ein seltsamer Bruch.

tl;dr: Um’s kurz zu machen: Tolle, etwas anspruchsvolle Show mit fetzigen Dialogen, die sich ein intelligenteres US-Nachrichtenfernsehen wünscht.
Ansehen.

→ »The Newsroom« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer

(Dev Patel könnte ich übrigens ewig zugucken (unglaublich, dass der mal bei »Skins« angefangen hat…), und Wills Vorgesetzter Charlie ist eine ganz lustig-seltsame Figur.)

CyberChimps