The River

The RiverDas Smoke-Monster von Lost ist zurück – und es lebt im Amazonas.

Emmet Cole ist bekannter TV-Show-Host und Erforscher von abgelegenen Naturschauplätzen, ganz so wie damals im 18. Jahrhundert. Außerdem ist er verschollen und vermutlich tot. Als sein persönliches Notfallsignal am Tag seiner Beerdigung irgendwo im Amazonas-Gebiet auftaucht, machen sich seine Freunde und Familie samt Filmteam auf die Suche nach ihm. Es erwartet sie eine Fahrt auf dem Fluss, die sie in immer mystischere Situationen und immer lebensbedrohlichere Lagen bringt. Aber auch immer näher zu Emmet Cole, der in seinen letzten Tagen äußerst seltsame Dinge erlebt hat und irgendwie immer weniger tot scheint.

Es gibt Shows, die sind einfach Standard. Vielleicht gut gemacht, vielleicht gut besetzt, aber ohne Innovation, ohne Profil. Aus dieser Sicht macht es »The River« mir leicht.

»The River« hat ein Problem. Es startete in der Saison, in der »American Horror Story« lief. Unglücklich, denn es steht sehr im Schatten davon. »American Horror Story« war nicht nur eine großartige Horror Story, die komplex, intelligent und schnell (ja, manchmal auch zu *) erzählt war, es nahm auch von Episode zu Episode mehr und mehr typische Horror-Geschichten und -Rollenmodelle auf und integrierte sie in die »Haunted House«-Grundlage der Serie. Das war neben der inhaltlichen Hervorragendigkeit auch aus technischer Sicht so.
»The River« scheint das ähnlich zu machen. Das »Haunted House« ist ein verschollenes Schiff im mystischen Amazonas. Und pro Folge gibt’s ein neues Horror-Highlight, was die Bewohner, sorry, die Expedanten lebensbedrohlich an den Rand der Verzweiflung treibt. Die schnellen Schnitte »American Horror Storys« gibt’s bei »The River« auch, wechseln sich aber mit der Found-Footage-Wackelkamera-Überwachunskamera-Stilistik ab.

»The River« macht seine Sache, in einem relativen Horror-Bezugssystem, gar nicht schlecht. Meist etwas trashig und immer hanebüchen, aber hey, so ist dieses Genre eben. Aber »American Horror Story« macht es eben alles um Längen besser. Das sind die simpel gezeichneten Charaktere, die vorhersehbaren Situationen, die Kleinigkeiten (die hübsche Blondine ist auch nach 8 Tagen Amazonas noch perfekt gestyled…). »The River« bleibt einfach immer hinter »American Horror Story« zurück.

Wäre »The River« in einer anderen Saison gestartet, wäre es vermutlich eine bessere Sendung gewesen. Wir hätten uns darauf konzentrieren können, dass der Found-Footage-Look doch ganz ok in Serie zu passen scheint. Dass unsere Abenteuerersehnsüchte bedient werden und das Mysterium um den verschollenen Naturfilmer ganz nett ist. Dass die Monsters of the Week ok sind, und tatsächlich zu schocken vermögen (übrigens ist »Shocker« wohl das bessere Genre als »Horror«).
Aber so? Da wirkt die ganze Serie nur wie gewollt und nicht gekonnt. Und die prophetische, spanischsprechende (spanisch?) Mechanikertochter macht’s da nun wirklich nicht besser.

Ich, für meinen Teil, werde noch etwas weiter sehen. Mich interessiert, wie das mystische Mysterium mysteriös aufgeklärt wird. Und ich bin ja auch manchmal durchaus zu haben, für Trash.

→ »The River« bei TVRage
→ Trailer

(Aber bitte, wenn ihr schon eine glitzernde Libelle zum Zentralpunkt der Serie macht, dann animiert sie doch wenigstens ein bisschen besser. Außerdem: Dinge, die ich hier nicht erwähnt habe, weil sonst noch weniger zu Ende gelesen hätten: Produzent Steven Spielberg und der Paranormal-Activity-Macher; eine coole Pointe auf »There is magic out there«; die schreckliche 8-mm-Film-Simulation; die Zu-Paranormal-Activity-igkeit der ersten Episode.)

CyberChimps