Top of the Lake

Top of the Lake
Wenn Stieg Larsson »The Killing« geschrieben hätte…

Tui Mitcham möchte sich umbringen. Das zwölfjährige Mädchen läuft immer weiter in den See, bis nur noch ihr Kopf rausguckt. Aber dann wird sie gerettet und zu ihrer Schule in Laketop gefahren. Die Schulkrankenschwester stellt erstaunt fest: Tui ist schwanger. Mit zwölf.
Das zieht natürlich Ermittlungen der Polizei nach sich. Die aber sind mit ihrer provinzhaften Herangehensweise überfordert. Ein Glück ist gerade Detective Robin Griffin in der Stadt. Die arbeitet eigentlich in Sydney, besucht aber gerade in Laketop ihre Mutter und ist speziell geschult für den Umgang mit Kindern. Robin kommt nicht weit beim Interview von Tui. Tui bleibt mehr oder miner stumm. Und nicht viel später ist Tui vom Erdboden verschwunden.
Robins Suche nach Tui und dem Vater ihres Kindes bringt sie ohne Umwege mitten in die Gemeinde von Laketop zurück. Einen Platz, den sie vor langer Zeit gehofft hatte, hinter sich zu lassen. Und ihre Ermittlungen decken so einige tief vergrabene Geheimnisse des Orts auf.

»Top of the Lake« lief letztes Jahr. Sechs einstündige Episoden. Erst auf dem Sundance Channel, dann bei der BBC. Die Serie spielt in Neuseeland – und ist dort gedreht.
Und sie ist großartig!

Wir nehmen Teil an einem langen, ausführlichen Kriminalfall, der erst einmal so gar nicht Hollywood ist. Kein Mord, keine tickende Bombe, keine Entführung. Ein Mädchen, dass verschwunden ist. Aber dann entwickelt sich dieser Fall weiter und… wird immer spannender. Die Serie ist dabei nie überhastet, immer ruhig. Langsam werden die verschiedenen Schichten des Falls ausgebreitet — und erst am Ende wird die ganze Weite offenbar. Und kommt zu einem Ende – die erste Staffel der Miniserie ist nämlich ihre einzige. Die Handlung ist abgeschlossen; eine Fortsetzung nicht geplant.
»Top of the Lake« zelebriert seinen Drehort. Die Serie ist voller langer Einstellungen, die die Landschaft Neuseelands zeigen. Toll!1
Und dann ist da natürlich Elisabeth Moss, Peggy Olsen aus »Mad Men«, die die Hauptrolle der Robin Griffin spielt. Sie macht ihre Sache ganz großartig (leider) — und hat zurecht für ihre Arbeit letzte Woche einen Golden Globe bekommen.

Sogar ein paar komödiantische Elemente sind bei »Top of the Lake« enthalten. Die ganze Storyline rund um die Women-Only-Hippie-Kommune muss einfach so gemeint sein. Das ist viel zu crazy…

Der »The Killing« vergleich zwängt sich natürlich auf. Eine Ermittlerin, die einen einzelnen, großen Fall löst und nebenbei gegen ihre privaten Probleme kämpft. Der Fall stellt sich als tiefergehender heraus, als er eigentlich zu sein schien (natürlich).
Aber auch Stieg Larsson kam mir in den Kopf: »Top of the Lake« ist etwas dreckiger als »The Killing« und Larssons nordischer Stil lässt sich in den Bergen Neuseelands wiederfinden.

Wie dem aus sei: »Top of the Lake« war ein großes Highlight meiner Weihnachtsferien, als ich die Serie fast-binge-guckte. Eine tolle Show. Ruhig, hervorragend gespielt, spannende, vielschichtige Story und hübsche Landschaftsaufnahmen.
Absolute Empfehlung. Ansehen!

→ »Top of the Lake« in der Wikipedia und bei TVRage
Trailer
→ Metacritic-Score: 86, Tomatometer: 93%

(Es scheint die Zeit der ausführlichen Kriminalfälle zu kommen. Das gefällt.)


  1. Ich rätselte erst, wo denn die Serie spielt (so schnell erfährt man das innerhalb der Show nämlich nicht). Dänemark. Nein, Irland. Nein, Kanada! Dann fiel’s mir wie schuppen von den Augen: Natürlich! Neuseeland. Das ist ja irgendwie all das und noch mehr. 

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