Touch

TouchJack Bauer ist zurück! Dieses Mal jagt er keine Terroristen, sondern geheimnisvolle Nummern.

Sein Sohn ist autistisch. Schreibt den ganzen lieben Tag nur eben jene geheimnisvolle Nummern auf Papier, beklettert Handymasten und sammelt Handys. Achja, und er spricht nicht – seit seinen ganzen 11 Jahren kein einziges Wort, wie uns sein Voice Over wissen lässt. Vielleicht hat das mit seiner beim 9/11-Anschlag gestorbenen Mutter zu tun. Vielleicht aber auch nicht.
Beim jüngsten Handymastbeklettern jedenfalls hat er den Bogen von Feuerwehr und Polizei überspannt – es scheint eine Three-Strikes-Regel für das unrechtmäßige Handymastbeklettern zu geben. Zu Jack und Sohn (»Martin« und »Jake« übrigens) kommt eine hübsche Sozialarbeiterin nach Hause, die Jake schließlich zu einem Spezialheim für Autisten bringt. In tausenden Einstellungen (gefühlt) und dutzenden Nebengeschichten (gefühlt) werden wir auf die geheimnisvollste Nummer aller geheimnisvollen Nummern aufmerksam gemacht: 3 18. Und als dann kurz darauf der 18. März ist, greifen alle Zahnräder der Welt fein geölt ineinander und erstrahlen im goldenen Schnitt. Hachja.

Jack Bauer spielt den zum Kofferträger abgestürzten, mehrfach-schicksalsgeschlagenen Zeitungsautor Martin Bohm, mit der bekannten, mannigfaltigen Jack-Bauer-Mimik – auf Messers Schneide zwischen cholerisch und apathisch. Allerdings nimmt er nicht ganz so viel Platz ein, wie bei »24«. Zumindest die Pilotepisode von »Touch« verknüpft »Heroes«-like einige (vier?) Geschichtsstränge miteinander, um sie dann im goldenen Moment miteinander zu vereinen, natürlich.

Ok, ernsthaft: Ich brauche noch was, bis ich Kiefer Sutherland nicht als Jack Bauer vor mir sehe. Er macht’s einem einfach nicht leicht. Aber: I’m getting there. Ich bin da zuversichtlich. Prinzipiell macht er seine Sache gut. Sutherlandig halt. Auch die anderen Schauspieler liefern keine Oscar-Performance ab, aber sind durchweg solide.
Vom Prinzip her ist die Story auch ok. Die verschiedenen Stränge sind spannend miteinander verwoben und wenden nur ganz leicht zuviel den alten 90er-»uuund noch ein Zufall«-Trick an. Man merkt, ohne Frage, Produzent Tim Krings Hand an der Serie. Tolle Bilder, schön gefilmte Szenen. Allerdings können wir uns jetzt fließend dem ABER nähern:

ABER das kennen wir doch alles schon?! »Touch« ist ein »Know1ng« mit etwas »Heroes«. Und »FlashForward«, da möchte ich drauf wetten. Das alles ist etwas zu käsig. Etwas zu mysteriös, zu bedeutungsvoll. Zu vorhersehbar.

ABER² es gefiel mir. Im Gegensatz zu »Know1ng« war es gut gemacht und war aus irgendeinem Grund zwischendurch sogar spannend. Das Gießen der OhGottwassollendieZahlenbedeuten?-Geschichte in ein Serienformat könnte dem Ganzen gut tun. Und es ist schön anzusehen.
Ich bleibe also erstmal dran, und hoffe, dass Kring nicht seinen Heroes-Fehler macht und sich in immer unbedeutenderen, langweiligen Geschichten verstrickt.

Als besonderen Service für die Newshows-Leser, hier ein Cheat Sheet für die nächste »Touch«-Folge: Die ersten fünfzig Fibonacci-Nummern.

→ »Touch« bei TVRage
→ Trailer

(Und wer wirklich etwas über die zu recht faszinierenden Fibonacci-Zahlen erfahren möchte, der möge der tollen Vihart beim Zeichnen zugucken.)

CyberChimps