Vegas

Ralph Lamb kämpft eigentlich gerade mit Flugzeugen, die beim Überflug seine Viehherde auseinander treiben, als er einen neuen Job bekommt: Sheriff. Von einer kleinen Stadt namens Las Vegas.
Wir befinden uns in den 60er Jahren und das Stückchen Wüste, das immer mehr Kasinos aufstellt, erfreut sich wachsender Beliebtheit aus dem ganzen Land. Neben Touristen lockt das Neonlicht aber auch die zwielichtigen Gestalten der Mafia an. Einer, der sich in Vegas breit machen möchte, ist Vincent Savino. Frisch in der Stadt, gerät er auch direkt mit dem Sheriff aneinander.
Gemeinsam mit seinem Bruder als Deputy und seinem Sohn als Assistent stolpert der knallharte Sheriff in das Vegas’sche Geflecht von Kriminalität und Intrigen.

Dennis Quaid spielt in »Vegas« die Hauptrolle des Sheriff Lamb. Ein einsamer Cowboy, mit toughen Methoden, für ein besseren Las Vegas. Das macht er, genau so, wie man ihn aus Hollywood kennt: Überkritisch verzerrtes Gesicht, übercooles Auftreten und dauergenervt von der Gesamtsituation. Das passt irgendwie zur Rolle und zur Serie, ist aber zumindest im Piloten noch keine schauspielerische Glanzleistung.
Die zweite Hauptrolle der Serie hat Michael Chiklis als Gangsterboss Vincent Savino inne. Und bei dem tue ich mich schon um einiges schwerer. Seine Schauspielkunst überzeugt mich noch nicht ganz, dass er dort die richtige Rolle bekommen hat — ich sehe immer den netten, tollpatschigen Familienvater aus »No Ordinary Family«.

Und sonst so?
»Vegas« ist gut gemacht! Die Stimmung der Zeit ist hervorragend eingefangen, die Kulissen sind schön. Auch die angedeuteten Verstrickungen der Mafia in die Lokalpolitik geben einige Möglichkeiten der zukünftigen Geschichtsentwicklung. Die Familienbande als Sheriffs-Department ist noch etwas ungewohnt, aber auch da kann sich noch einiges entwickeln (zumal der Bruder-Deputy mit Jason O’Mara seltsam gut besetzt ist).
Erfrischend finde ich den Western-Twist, den »Vegas« wegen der Wüsteneinordnung dem Retro-Genre gibt (Retro-Genre — darf man das sagen? Ist das schon ein eigenes Genre?). Allerdings war das auch der Grund, warum ich »Longmire« nach ein paar Folgen nicht weiterverfolgt habe, obwohl es eigentlich eine gute Serie ist.

»Vegas« ist eine Portrait des Gut-gegen-Böse-Kampfes im Las Vegas der 60er Jahre. Ein durchweg guter Neustart — gute Schauspieler, gut geschrieben, gut produziert. Das einzige, was man der Show vorwerfen kann, dass sie zu kantenlos ist. Aber auch kantenlose Shows können gute Shows sein. Warten wir’s ab.

→ »Vegas« bei TVRage und in der Wikipedia
Trailer
→ Metacritic-Score: 67

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